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,, Nein, ich will nichts mehr damit zu thun haben," entschied Fritz mit einiger Heftigkeit. Ich hasse die Malerei, ich hasse die Maler, ich will Sänger werden. Da kann ich mich selber dem Publikum vorführen, und wenn ich das hohe C rein und mit voller Brust herausschreie, dann wird jeder, der Ohren hat, von meiner Kunst überzeugt sein und wird keiner weiteren Ver­mittlung bedürfen. Und wenn ich dann in einigen Jahren meine zwölftausend Gulden Gage habe," fügte er lachend hinzu, dann werde ich meine Minna heimführen, und du Bruderherz, wirst's dann auch zufrieden sein."

Alfred mußte über die Zuversichtlichkeit dieses Tenoristen lachen, die er nicht ganz zu theilen vermochte.

Er war hierauf zu Luisen gegangen und hatte sie gebeten, ihm zu sagen, ob Frizz in der That eine Stimme habe, die für die Bühne sich eigne, und die sonstigen Fähigkeiten dafür besize. Diese hatte zustimmend geantwortet.

Alfred hielt sich hierauf nicht mehr befugt, hindernd in diese Carrière einzugreifen, und so mußte er denn den Dingen freien Lauf lassen.

Am Morgen nach dem Ereignisse, das sich vor der Schenke abgespielt, hatten die Freunde in ihrem Stübchen den Morgen­kaffee eingenommen. Frizz hatte hierauf seine Gesangsstudien be­gonnen und Alfred zu einem Buche gegriffen. Aber er war bald der Meinung, daß man bei einem solchen Geschrei unmöglich Lesen könne, und er verließ das Zimmer, um bei den Schwestern anzuklopfen. Diese hatten bereis alles in Ordnung gebracht und saßen bei ihrer Arbeit. Sie empfingen ihn mit einem freudigen Willkommen"! Er selbst schien munterer, zum Schwaben auf­gelegter, als die Tage vorher. Er setzte sich zu ihnen an den Tisch, der in der Fenstervertiefung stand und suchte sich in scherz­hafter Geschäftigkeit nüßlich zu machen. Malchen lachte herzlich über diese Versuche. Sie fand den Bruder so allerliebst heute, viel vertraulicher als sonst und ungleich neugieriger. Er forschte nach ihren kleinen Leiden und Freuden, er wollte wissen, wie sie lebten, mit wem sie verkehrten, oder ob es immer so einsam um sie sei.

,, nein," meinte Malchen ,,, wir sind sehr oft bei unserer lieben Luise, und wir haben auch jüngere Freundinnen, die uns besuchen, aber sie kommen jetzt deinetwegen nicht hierher."

,, Das thut mir leid," bemerkte Alfred, so war es nicht ge­meint, aller Gesellschaft wollte ich euch nicht berauben, und eure Freundinnen

,, Nein, nein," unterbrach Minna rasch, ich begreife es ganz gut, daß es dir peinlich wäre, und dann sie lächelte und sah ein wenig von ihrem Stickrahmen auf, sie selbst würden ja nicht kommen, eben weil sie von deinem Hiersein wissen."

jene

So? Sind sie denn alle so schüchtern und so diskret wie

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,, Welche?"

,, Nun, die an jenem Abend hier war." ,, Ah, du erinnerst dich?"

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,, Wie hieß sie doch nur?" ,, Marie."

,, Marie, wirklich Marie!"

" Freilich, aber was thust du, Alfred, du verwickelst mir ja die Seide? Alfred bat lachend um Enschuldigung wegen dieser Ungeschicklichkeit und versprach alles in Ordnung zu bringen. Dann fragte er nur so obenhin:

" Ist sie vielleicht hübsch, diese Marie?" ,, gewiß," meinte Minna.

,, Sie ist schön," rief Malchen mit ungewöhnlicher Lebhaftig­keit, weil sie so gut ist, und weil man dies in ihren Augen sieht, die all' ihre Güte offenbaren."

Alfred nahm sie beim Kopf und küßte sie.

Weißt du, Malchen, du bist eine kleine Poetin, trotz deines praktischen Sinns, und Ihr liebt sie also beide, diese gute, schöne Marie wie ist doch ihr Familienname?"

Weiß."

" Ist sie verwandt mit der Musiklehrerin, Luise Weiß?" ,, Sie ist ihre Nichte."

"

,, Wirklich!"

Minna sandte ihm einen freudig überraschten, aber inquisi­torischen Blick zu.

Interessirst du dich für Marie?" Er suchte sich eine möglichst unbefangene Miene zu geben.

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Insofern, als sie eure Freundin ist, ja wohl."

Du solltest sie kennen lernen, Alfred."

" Ich reise morgen ab."

,, Freilich, für diesmal ist's zu spät, aber du wirst wieder kommen, und du wirst dich dann besser, freier, fröhlicher fühlen, und wirst dich nicht so ängstlich vor all' den Leuten, mit denen wir verkehren, abschließen, nicht wahr, Alfred, du wirst dann ganz so sein, wie ehemals?"

Minna sah ihm liebevoll in die Augen. Er rückte noch näher an sie heran.

,, Und bin ich's denn nicht schon?" fragte er heiter ,,, bemerkst du noch Wolken des Trübsinns auf meiner Stirn? Die Luft der Berge, aber vornehmlich der Umgang mit euch, eure Theilnahme, eure Liebe haben sich wie Balsam auf meine Wunde gelegt, ich fühle mich wieder kräftig,-es dünkt mir fast, als sei ich geheilt."

Malchen verließ ihre Arbeit und begann ihn zu liebkosen. Aber da ich euch so viel verdanke," fuhr Alfred fort, so möchte ich euch gerne, und besonders dieser Kleinen da, mit irgend etwas eine Freude machen, sagt, wie das geschehen kann?" ( Fortsetzung folgt.)

Ueber die geistigen Geseke , denen der Fortschritt der Civilisation unterworfen ist*).

In Europa ging im ganzen die Richtung der Weltgeschichte dahin, die Natur dem Menschen, außer Europa , den Menschen der Natur unterzuordnen. Um z. B. die Geschichte Indiens zu ver­stehen, müssen wir die äußere Natur zu unserm ersten Studium machen, weil sie die Menschen mehr, als die Menschen sie be­einflußt; wollen wir hingegen die Geschichte eines Landes, wie Frankreich oder England, verstehen lernen, so müssen wir den Menschen zu unserm Hauptstudium machen, denn die Natur ist hier verhältnißmäßig schwach, und so hat jeder Schritt in der großen Entwicklung die Herrschaft des menschlichen Geistes über Die Mächte der Außenwelt verstärkt; unsre wachsende Erkenntniß setzt uns in den Stand, nicht sowol die Natur zu beherrschen, als ihre Bewegungen vorherzusehen, und so manches Unheil zu vermeiden, welches sie sonst anrichten würde. Nur in Europa ist es dem Menschen wirklich gelungen, die Macht der Natur zu zähmen, sie unter seinen Willen zu beugen und zu zwingen, seinem Glück zu dienen und den allgemeinen Bedürfnissen des menschlichen Lebens unterthan zu werden. Sonst waren die reichsten Länder die, wo die Natur am gütigsten war; jetzt sind

es die, wo der Mensch am tätigsten ist. Wir wissen die Karg­heit der Natur zu ersetzen; ist ein Fluß nicht recht schiffbar oder ein Land schwer zu durchreisen, so können unsre Ingenieure den Fehler verbessern, dem Uebel abhelfen. Haben wir keine Flüsse, so graben wir Stanäle; haben wir keine natürlichen Häfen, so bauen wir fünstliche. Diese Neigung, die natürlichen Verhält­nisse nach unsern Bedürfnissen umzugestalten, zeigt sich sogar in der Verteilung der Bevölkerung, indem in den civilisirtesten Ländern Europas diejenige der Städte die des Landes überholt, und es leuchtet ein, jemehr die Menschen sich in großen Städten versammeln, destomehr werden sie sich gewöhnen, den Stoff ihres Denkens von der Beschäftigung im Leben herzunehmen, und sie werden sich zunächst weniger um die Naturerscheinungen kümmern, welche die ergiebige Quelle des Aberglaubens sind und durch die in den alten Kulturländern die Entwicklung des Menschen ge­hemmt wurde.

Aus diesen Thatsachen können wir schließen, daß der Fort­schritt Europas durch einen verminderten Einfluß der natürlichen und durch einen vermehrten Einfluß der geistigen Gesetze bezeichnet

*) Diese Arbeit ist eine allerdings für sich bestehende Ergänzung des die ,, natürlichen Geseze, welchen der Fortschritt der Civilisation unter­worfen ist", behandelnden Auffages in den Nrn. 24 ff. des vor. Jahrg der Neuen Welt", auf welchen wir hiermit unsere wissenseifrigen Leser nochmals aufmerksam gemacht haben wollen. Beide Arbeiten sind Auszüge aus Buckle's Geschichte der Civilisation in England".

Red.