Die Grene Soll
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
№ 15.
1882.
Erscheint wöchentlich.
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Preis vierteljärlich 1 Mark 50 Pfennig.
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In Heften à 35 Pfennig.
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Im Kampf wider alle.
Roman von Ferdinand Stiller.
Von Liebe wurde so wenig später als früher zwischen ihnen gesprochen. Haßler begnügte sich mit der stillen Ueberzeugung, daß eine grundgelehrte Dame ihm von Herzen geneigt und eigentlich von der Vorsehung für ihn allein bestimt gewesen sei; und Theodosia Krause war stolz in dem Bewußtsein, daß es wenigstens einen Menschen gebe, der sie wirklich geliebt hatte und bis an sein Ende lieben und verehren würde. Diese zarten Gefüle in's Praktische zu übersezen, erlaubte dem„ Spezeristen" der Gedanke an die verzweifelte Energie seiner Susanne nicht, und der guten Theodosia verwehrte es ihr sich an der Seite des alten und körperlich gebrechlichen Gatten bis zur Uebertreibung steigerndes Anstands- und Pflichtgefül.
Als der Gatte gestorben war, gründete sie das UnterrichtsInstitut und war in ihrer neuen Würde fast noch mehr als vorher der Gegenstand höchster Verehrung für den alles Gelehrte mit unbändigem Respekt anstaunenden Traugott Wilhelm Haßler.
Man wird begreiflich finden, daß ihr der Besuch dieses Mannes stets willkommen war, und es hätte sie wirklich schmerzlich berührt, wenn sie ihn diesmal nicht hätte empfangen können. Daher war sie dem ihrerseits so hoch verehrten Konsistorialrat für seine Aufforderung, sie möge den Besuch annehmen und für die Freundlichkeit, mit der er von Haßler sprach, von Herzen dankbar es war ein herrlicher Mann dieser geistvolle Diener des Herrn.
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Herr Haßler war etwas verdugt, als er sich grade mit diesem Manne bei der Freundin seines alten Herzens zusammenfand.
Er kannte ihn nicht persönlich, aber dem Namen nach- den Konsistorialrat Kölle, den größten und besonders bei allen Frauen ganz außerordentlich beliebten Kanzelredner in B.
Seit er nicht mit Unrecht ein reicher Mann genant wurde und in Gabriel einen der vorzüglichsten Menschen erzeugt und erzogen zu haben meinte, hatte sich Haßler Vater das Sichgeniren eigentlich abgewöhnt, aber der ihm eigentümliche blinde Respekt vor allem, was sich ihm als gelehrt präsentirte, machte sich angesichts des Konsistorialrats, dem selbst seine Feinde ein bedeu tendes Wissen nicht absprechen konnten, doch in störender Weise geltend.
Der Konsistorialrat schien nun aber einmal heute seinen liebenswürdig- leutseligen Tag zu haben, er erwiderte die ungeschickte devote Verbeugung Haßlers mit gewinnender Liebenswürdigkeit und sprach seine Freude aus, Herrn Haßler kennen
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( 14. Fortsezung.)
zu lernen, von dessen ehrenfester Religiosität und kernigem Patriotismus er öfters gehört habe.
Frau Theodosia bestärkte den geistlichen Herrn in seiner guten Meinung nach Möglichkeit und erzälte, daß ihr alter Freund Herr Traugott Wilhelm Haßler einen Sohn habe, der ihm an Biederkeit und Frömmigkeit nachgeartet sei, und als Herr Haßler unter vielen Hä- häs, deren Ton man anhörte, wie sehr sich der gute Mann geschmeichelt fülte, alle die Lobeserhebungen bescheiden ablehnen wollte es wäre das alles nicht so schlimm, sagte er, wenigstens was ihn anbeträfe, sein Gabriel allerdings wäre ein Kerl, wie er im Buche stände,- da entgegnete ihm Frau Theodosia Krause sehr eifrig und mit warmer, obgleich würdevoller Bestimtheit, seine Bescheidenheit sowol als sein wolberechtigter Vaterstolz sprächen besser für ihn, als ihr Mund es könnte, aber von Herrn Gabriel Haßler fühle sie sich doch gedrungen, dem verehrten Herrn Konsistorialrat mitzuteilen, daß dieser ausgezeichnete junge Mann schon deshalb ein Muster für die anderen jungen Herren sei, weil er ein eifriger Besucher der Kirche wäre- was ja heutzutage von der jungen Männerwelt tem Himmel sei es geklagt sonst fast garnicht mehr gerühmt werden könne.
Der Konsistorialrat stimmte bei, auch den exemplarischen Gabriel kannte er. Er hatte ihn selbst schon mehrmals beim Abendmal gesehen, welches Haßler junior auch tunlichst oft zu nehmen pflegte. Die Religion scheine dem jungen Manne eine Herzenssache im besten Sinne des Wortes zu sein, vermeinte der Herr Konsistorialrat, und damit traf er den Nagel auf den Kopf, denn Gabriel Haßler frequentirte die Kirche ausschließlich der vielen jungen Damen wegen, welche allsontäglich in den Gotteshäusern ihren Staat zur Schau stellten und ihre mehr oder minder hübschen Gesichter, und welche nirgends zalreicher, andächtiger und angeregter, so recht aufgeschlossenen Herzens anzutreffen waren, als wenn der Konsistoralrat Kölle von der Kanzel oder dem Altar seine steinerweichenden Ermahnungs- und Aufrüttlungsreden herabdonnerte.
Jezt schien es dem alten Haßler ersprießlich, auf die Ursache seines Besuches zu kommen. Nachdem er sich die Sache einigermaßen überlegt hatte, schien es ihm, als ob die Anwesenheit des geistlichen Herrn- dessen Eigenschaft als Schulinspektor er kannte nur von Vorteil sein könne.
Darum sagte er seufzend, er würde wirklich einer der glücklichsten Menschen sein, wenn ihm alle Mitglieder seiner Familie soviel Freude machten, als sein Gabriel, aber leider, leider-