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Die Lone Woll

Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Bolk.

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No 44.

Erscheint wöchentlich.

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Preis vierteljährlich 1 Mark 50 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.

In Heften à 35 Pfennig.

Verschlungene Sebenswege.

4. Schlimme Erinnerung.

Roman von Franz Carion.

Jene Tage, in deren Verlauf sich die Ereignisse dieser Ge= schichte abwickelten, waren für England, namentlich für London ganz außerordentliche. In den Gemütern des Volkes hatte die Erbitterung gegen den König einen fast granitenen Grund ge­legt, während der Königin, als sie an einem milden Vormit tage der lezten Julitage auf Zureden und in Begleitung der Herzogin Hamilton nebst deren beiden kleinen Nichten nach alt= gewohnter Weise die Tour im Hydepark fuhr, ein Hurrah nach dem andern erschallte und eine ganze Prozession der elegantesten Equipagen sich als Ehrengeleit ihrem Wagen anschloß. Die hohe Frau versuchte zwar dieser zahlreichen Begleitung heiter zuzulächeln, indes ihr vergrämtes Gesicht strafte die erkünftelte Fröhlichkeit Lügen. Diese heiter scheinen wollende Königin konnte den sie beherrschenden Ausdruck der Trauer nicht ver­... alle sahen ihn und alle beklagten sie, man fannte das Schwere, was über sie hingegangen.

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An demselben Tage gab es auch einen Aufzug hochtoriſti­schen Glanzes, dem aber recht lückenhafte Hurrah's dargebracht wurden. Des Königs Majestät trat einen Umzug durch die Länder seiner Krone: Irland, Schottland und Hannover an, der zwar viel Geld koſtete und ihm keine Zuneigung brachte. Und doch erblühte ihm eine Freude. Im irischen Hafen Holhfrad angekommen, erhielt er die Nachricht, daß seine so schwer ge= fränkte Gemahlin plözlich heftig erkrankt sei. Diese Kunde stif tete in London viel böses Blut, sie regte das Volt auf, welches sogleich ein an ihr begangenes Verbrechen vermutete. Am Abend des 30. Juli, eiff Tage nach der großen Demütigung, die sie am Eingang der Westminſterhalle vor den Augen des Volkes erlitten hatte, war sie den Bitten ihrer Freundin Anna Hamilton gefolgt und hatte das Drury Lane Teater besucht, wo eines ihrer Lieblingsstücke zur Aufführung kam.

Innern dieses Kunsttempels hatte man keine Belästigung von tralischer Aufführungen gehört, auf eine von gediegenen Künst lern vorgeführte Darstellung mit Sicherheit rechnen. War doch

VII. Stuttgart , 28. Juli 1882.

1882.

( 17. Fortsezung.)

das spielende Personal stolz auf den ihm zuerkannten Titel: ,, Her Majestys servant's( Diener des Königs)", weil mehrere seiner Mitglieder wirkliche königliche Diener waren.

Die Königin flagte im Verlaufe der Vorstellung, sie fühle sich von Aufsteigen des Blutes nach dem Kopfe belästigt und forderte ein Glas Limonade, welche sie im Nebenzimmer der Loge genoß... am andern Morgen war sie todtkrank. Wie

Flugfeuer flog die Kunde von ihrer Erkrankung von Mund zu

Munde. Man drängte sich in die Halle ihres Palais, man wollte den Inhalt der ärztlichen Bulletins wissen und viele waren so sest überzeugt, sie sei vergiftet worden, daß die ärzt­

lichen Aussprüche, welche ihre Krankheit als eine Folge heftiger Gemütserschütterungen und einer dazugekommenen starken Er­kältung bezeichneten, nicht geglaubt wurden. Denselben Unglauben fanden die Aerzte der Königin gegenüber, als sie ihr den Trost

gaben, daß die Rückkehr ihrer Gesundheit bald zu erwarten sei. Ein zweifelndes Lächeln überflog das bleiche Gesicht der hohen Frau und sie antwortete mit Ueberzeugung: Alle Täuschungen verlieren ihr Recht an mir... in wenigen Tagen ist mein ich weiß es."

lezter Schmerz überstanden.

Eine selbst durch die heftigsten, frampfähnlichen Leiden, von denen sie gefoltert wurde, nicht unterdrückt werden könnende geistige Fassung behielt das Uebergewicht bei ihr. Mit Erge­

bung vollzog sie ihren lezten Willen und verzich in die Hand

ihres Kaplans Rev. Wood allen ihren Feinden. Schwer ange­

griffen von dieser geistigen und körperlichen Anstrengung erlosch ihre Straft in einer tiefen Ohnmacht, aus der sie wieder er wachend, Lady Hamilton , die Hände zum Gebet gefaltet, am Rande ihres Bettes knien jah.

Meine Anna... deine Augen sind naß... weine nicht um eine bald Erlöste!" flüsterte sie leise.

Am 7. August 1821 schied sie aus dem Leben.

Der Morgenhimmel des 14. August, an welchem die sterb­liche Hülle der Hingeschiedenen England verlassen sollte, um ihrem lezten Willen gemäß nach Braunschweig in die Gruft ihrer Väter gebracht zu werden, zeigte sich von schweren dunklen

Regenwolken überzogen, welche immer tiefer sinkend, mit einer