Die Zone Boll

Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Bolk.

50.

Erscheint wöchentlich.

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Preis vierteljährlich 1 Mark 50 Pfennig. In Heften à 35 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.

Verschlungene Sebenswege.

Roman von Franz Carion.

Mit einer Raschheit, der sich ansehen ließ, wie geübt der Büchtling in dieser Krankenwärterbeschäftigung sei, fielen die Ban­ Eine starke dagen ab, die Wunden zeigten sich farminrot. Entzündung," sprach der Mann Halblaut.

Um des himmelswillen; sie sehen schrecklich aus," ließ sich die Stimme einer stattlichen Frau vernehmen, die unbemerkt durch die auf den Korridor führende Tür eingetreten war. Es ist ja kein Wunder, daß du, Bruder, bei dieser Entzündung rasende Schmerzen ausstehen mußt!"

" 1

Und welche?!" entgegnete der Major grimmig.

"

Aber haben Sie denn diese hochgradige Entzündung nicht gesehen, als Sie ihm die Bandagen umlegten?" fragte Madame Burleigh den Züchtling vorwurfsvoll.

" Nein, Madame, ich habe erst vor einer Stunde meinen Wärterposten hier angetreten, weil mein Vorgänger am heutigen Tage frei geworden und schon das Haus verlassen hat."

Das war aber' n anderer Kerl wie er," hob der Major

"

an. Geholfen hat er mir freilich nicht, na, das konnte er auch nicht, er war ja kein Doktor, aber so' n maulfauler Geselle wie er einer ist, war er nicht, er erzählte mir immer und das war mir angenehm."

Der Gescholtene verteidigte sich nicht, sondern erklärte in aller Ruhe der Frau, daß er dem Herrn Direktor, weil er ihn so sehr von Schmerzen gepeinigt gesehen habe, den Vorschlag gemacht, die Umschläge abnehmen und die Wunden untersuchen zu dürfen, aber...

Der Major rief zornig:" Ich habe ihn mit einigen millionen Teufeln zurückgewiesen, wie sich's gebührte."

"

Madame Burleigh meinte, ihr Bruder wäre darüber nicht so sehr zu tadeln, denn ein Krankenwärter sei doch kein Arzt. " Da bin ich freilich eine Ausnahme," antwortete der Bücht­ling. Daß ich Arzt bin, ist das einzige, worauf ich noch und gewiß mit recht stolz sein darf, denn ich trage das Bewußtsein in mir, vielen leidenden Mitmenschen ein Wohltäter geworden zu sein." Der weißharige Mann in dem groben Zuchthaus fostüm streckte seine hagere, gekrümmte Gestalt hoch auf, über sein mageres Gesicht schien ein Lichtstrahl zu huschen, seine Züge erhellten sich wie von einem freudigen Anhauch.

1882.

( 23. Fortsezung.)

Sie sind Arzt?" fragte des Majors Schwester überrascht. " Ihr Name?"

"

Doktor Philipp, früher Apoteker in Hildesheim ."

Sie sind der berühmte Arzt, dessen Name weit und breit im hannöverschen Lande bekannt ist?" fragte Madame Burleigh. " Ich bitte, sprechen Sie nicht davon, in diesem Hause gibt es nur Tote, die Lebenden haben kein Recht. Wie käme ich also dazu, daß von mir die Rede sein sollte. Wollen Sie Sich mir jedoch freundlich beweisen, so gestatten Sie mir die Heilung Ihrer Wunden, Herr Major, vertrauen Sie dieselbe keinem Sudler an. Spätestens in vier, fünf Wochen werden Sie voll­kommen hergestellt sein. Vorerst muß natürlich diese böse Ent­zündung beseitigt werden. Ich bitte um Ihren Beistand, Ma­dame. Ich brauche Binden und andere kleine Hilfsmittel."

"

So kommen Sie mit mir."

Ehe er der Frau folgen konnte, rief ihn der Major zu sich. Höre er, Doktor, wenn er mich herstellt, denke ich, werden wir die besten Freunde werden... nicht?" fragte er leise. ,, Keinen Zweifel daran, Herr Major."

Eins

" Und noch etwas, höre er. Wenu ihm meine Titulatur Major" zu schwer zu merken ist, er ist nun einmal ein Civilist, bei dem so etwas nicht gebräuchlich, da sage er in Gottes Namen nur Direktor" zu mir, das nehm ich ihm nicht krumm. aber läßt sich in unserm Hause durchaus nicht ändern, das ist das er", versteht er? Und nun mach er, daß er fortkommt, meine Schwester wartet auf ihn."

Es war gewiß eine seltsame Wandlung, welche unter diesen drei Personen in so furzer Zeit vorgegangen, indes sie gehörte in die Reihe jener Vorkommnisse, die zu den erfreulichen im Leben zählen und sich tief in Gedächtnis und Herz einprägen. Für Doktor Philipp war es ein Freudentag, den er nach langer düsterer Passionszeit plözlich vor sich auftauchen sah. Was Ma­dame Burleigh ihm mitteilte, daß sein liebenswürdiges Gretchen in seiner Nähe sei, trieb ihm Tränen tiefster Rührung aus den Augen.

Welcher Wechsel! Als er des Majors Wohnung betrat und dieser Herr ihn feindselig anfuhr, als hätte er den rohesten Re­kruten vor sich, fühlte er sich so unglücklich, so verlassen von