Die reue Welt

Nr. 1

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Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Heit- Lied.

Von Gustav Macafy.

Im m Sturme, im Sturme verrauschen die Stunden, Bald Nacht vorüber bald wieder hell: Es will sich das neue Jahrhundert bekunden, Drum drängen die Tage: so schnell! so schnell!

Ein Jahr begraben, ein Jahr der Thränen, Ein Jahr des Kampfes um Leid und Sieg. Es braust über nie gestilltes Sehnen Die neue Noth, der neue Krieg.

O, wie die Menschen sich hassen und lieben Und wie sie ringen in tiefster Gluth Nach Zielen, die ewig gleich geblieben, Troß Hassen und Lieben, trotz Sieg und Blut.

Spielkinder.

Roman von Georg Hermann .

Es jauchzen die Stunden, es jagen die Stunden, Es flattert so ewig jung die Zeit,

Es bluten die Wunden, es narben die Wunden, Und Herzen brennen nach Seligkeit.

Da, in dem ewigen Sehnen und Siegen, Wird zur Prophetin die spähende Noth

1897

Und schreibt an den Himmel mit flamranden Zügen Das hohe Lied vom Kampfe ums Brot.

Wann werden die Zeiten stille stehen? Wann wird der Erde der Friede gebracht? Wann werden die Frühlingswinde wehen Lau über die letzte Winternacht?

Wenn Ziele gefunden die letzten Sorgen, Wenn gleich die Pflichten und gleich die Macht Nach einem purpurnen Völkermorgen, Nach einer letzten Mitternacht.

or mehr als zwanzig Jahren saßen im Ber­ liner Börsen- Café zwei Männer. Der Eine von ihnen, klein und untersetzt, hatte den Kopf mit dem fleischigen, faltigen Nacken zwischen die Schultern gezogen. Er mochte fünfzig Jahre alt sein. Sein starres, volles Haar war graumelirt, sein Bart furz und am Kinn ausrafirt. Auf den ersten Blick konnte der Ausdruck seines Gesichts sogar für gutmüthig gelten, aber wer ihn genauer beobachtete, bekam bald heraus, daß dem nicht so war. Die Nase war bis an den Rand der Lippen heruntergezogen, die grauen Augen flein und beinahe freundlich, aber wenn er sich un­beachtet glaubte und Zahlen auf Zahlen in sein Notizbuch frizelte, nahmen die Augen einen so nieber­trächtigen, gaunerischen Ausdruck an, als wollten sie sagen: Wen unser Herr in die Hände bekommt, den läßt er nicht locker, den saugt er aus bis auf den letzten Blutstropfen."

Der Andere war ein fünfzigjähriger Jüngling, geschniegelt und gebügelt, fein Stäubchen an ihm. Er trug ganz enge Beinkleider, ein kurzes, bis an die Lenden reichendes gelbes Paletötchen; auf seinem

feisten Gesicht gähnte die adligste Langeweile, auf der hohen, wulstigen Stirn thronte eine erhabene Gedankenlosigkeit und Selbstzufriedenheit, wie sie nur die wahre Aristokratie zur Schau trägt. D, er war auch gebildet! war in Rom , Neapel , Paris gewesen, hatte überall in den ersten Hotels gewohnt, und er erweiterte sogar noch seine umfangreichen Kenntnisse! So hatte er zu Haus beim Zeitungslesen stets das Fremdwörterbuch neben sich liegen, in dem er alle ihm unbekannten Ausdrücke nachschlug. Er protegirte auch als Mäcen einen Maler, indem er seine Bilder billig kaufte, und hielt, natürlich nur der Protektion halber, eine junge, ebenso hübsche wie leichtsinnige und talentlose Schauspielerin aus.

Meinen Se, der Kerl kommt?"

Ich glaub's, Geiger ist ein Mann von Wort," sagte gelangweilt der Aristokrat und legte auch sein linfes Bein auf das rothe Plüschsopha." Piccolo, eine Limonade!"

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Und wenn uns der Geiger doch durch de Finger geht?" sagte Newald, indem er den Aristokraten von der Seite anblinzelte.

Ich sage Ihnen, er kommt- sehen Sie, da ist er schon!"

Er wies auf einen zirka fünfundvierzigjährigen Herrn mit schwarzem Vollbart. Es war ein hübscher

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Mensch, der dort kam: groß, fräftig gebaut, ruhige, flare, ebenmäßige Züge, braune, ehrliche Augen, die Nase grade, wenn auch für eine Mannsperson etwas zu klein, die Stirn hoch und stark gewölbt. In seinem Gesicht lag der Ausdruck einer rückhaltslosen, fast groben Offenheit und Ehrlichkeit. Die ganze Gestalt schien überhaupt zu sagen: Seht, das bin ich! Wit Nichts habe ich angefangen und heute habe ich hier eines der besten Geschäfte, bin fast Millionär; durch meine eigene ehrliche Arbeit bin ich es geworden, durch eigene ehrliche Arbeit!

Rewald erhob sich und drückte den Kopf noch mehr als sonst nach vorn, selbst der Aristokrat winkte gnädig mit seiner behandschuhten Rechten, dann erhob auch er sich und klopfte dem Ankömmling vertraulich auf die Schulter.

,, Nun, lieber Geiger, es ist nett, daß Du kommst!" Er hatte das Recht, ihn zu duzen, denn er war sein Schwager.

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Rewald nickte dem Aristokraten zu, als wollte er sagen: Kizle Du nur erst das Schäfchen unter dem Hals, damit es hübsch still hält, ich werde schon im geeigneten Augenblicke zustoßen. Nicht einen Muck mehr soll's thun, das Schäfchen!

" Piccolo, einen Sherry Cobler für den Herrn!" Aber Herr Rewald, ich trinke Vormittags nie

"