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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
Der Fürst wollte jedoch den verlegten Slazen sehen und Beide begaben sich nach dem Maschinen raum zurück, wo Dor einem Aufseher befahl, den Führer zu machen. Dieser führte sie nun in die Nähe einer großen Maschine, die mit ungeheurer Schnelle raste und arbeitete, hielt dieselbe durch den Druck eines Hebels fast plöblich an, und da sah der Fürst denn schaudernd, daß die Maschinentheile noch vom Blute geröthet waren, während Dor sich gleichgültig mit seinem Lieblingshunde, der ihm in die Fabrik gefolgt war, beschäftigte und ihn streichelte. Auf die Frage des Fürsten an den Aufseher, wo der Verlezte sei, deutete dieser auf ein durch ein grobes Tuch verdecktes Etwas am Boden neben der Maschine und entfernte das Tuch davon. Erschauernd erblickte der Fürst nun eine blutige zer= stückelte Masse.
Ergriffen von dem Anblick zurücktretend, ersuchte der Fürst seinen Freund Dor, ihn vom Orte des Schreckens hinweg zu geleiten. Dor gab dem Aufseher einen Wink und im nächsten Augenblick raste und rüttelte die Maschine, dieser eiserne Menschenfresser, schon wieder in voller Thätigkeit, während Dor und der Fürst sich aus der Fabrik entfernten, um sich ob der gehabten Anstrengung durch das Mittagsmahl zu stärken.
Als sich Beide dem in der Nähe der Fabrik, in einem herrlichen Parke liegenden Schlosse näherten, traten die zu beiden Seiten des Weges aufgestellten Diener, ehrerbietig sich verneigend, zurück und wollte es dem Fürsten scheinen, als ob sie dies mehr vor ihrem Gebieter Dor, denn vor ihm thaten. Man gelangte nun in die prachtvolle, von reichvergoldeten Säulen getragene Vorhalle, und in weißer und gelber Seide gekleidete Knaben geleiteten den Fürsten und Dor in den Speisesaal, der durch die Aufstellung der seltensten Blumen und Pflanzen in ein wahres Paradies umgewandelt war. Goldene Stühle und Sessel mit so weichen elastischen, goldenen Federn, daß man vermeinte, man säße auf einem gepolsterten Großvaterstuhl, luden zum Sißen ein, während auf großen, spiegelblank polirten silbernen Tischen die Obstplatten sich unter der Last der saftigsten und köstlichsten Früchte aller Länder fast versteckten; auch leckere Speisen und die thenersten Weine standen dort und Teller und Geräthe, Gabeln, Messer und Löffel, Alles war vom reinsten Golde, dabei aber so zierlich und leicht von den besten Künstlern und Goldschmieden des Landes gearbeitet, daß der Fürst, der doch auch eine Unzahl der köstlichsten goldenen und silbernen Tafelgeräthe besaß, verwundert nach dem Meister, der diese Sachen geschaffen, sich bei Dor erkundigte.
vollen Reigen zu drehen und zu schwingen. Das Auge des Fürsten haftete mit Entzücken auf ihren Bewegungen, während in den Zügen Dors sich eine unaussprechliche Gier offenbarte, die sogar den Fürsten anwiderte und ihn veranlaßte, sich zu erheben.
Das war nun auch ein Zeichen für Dor und auf einen Wink von ihm verschwanden die beiden Tänzerinnen, und der Fürst, Dor fragend, wie er das Alles zuwege gebracht habe, betonte nochmals, daß das Alles nur das Werk des Hungers sei, was er, der Fürst, wahrgenommen habe. Müßte ich nicht Dor sein, wenn ich mir nicht die ganze Menschheit unterthan und dieselbe dienstbar gemacht hätte!" betonte er.
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Kopfschüttelnd über diese Macht des Hungers verabschiedete sich der Fürst von Dor, um in den Wäldern Dors der Jagd nachzugehen, und Dor, von Weine ermüdet und schläfrig, sucht sein Schlafgemach auf, um in aller Ruhe auf den köstlichen Polstern dort der Verdauung zu pflegen. Er schläft auch infolge des übermäßig genossenen Weines bald ein, doch ist sein Schlaf kein ruhiger und böse Geister und Träume quälen ihn.
Er träumte, alle Welt sei ihm unterthan und alle seine Sklaven vermehrten durch ihre Thätigkeit an den gefährlichen Maschinen seine Schäße und Neichthümer. Jeder Tropfen Schweiß, den die Sklaven vor der glühenden Hiße der Defen, bei der emfigen Arbeit an den Maschinen, auf seinen großen Ländereien in Sonnenbrand und in der von bösen und giftigen Dünsten erfüllten Luft der Bergwerke verlieren, bedeute für ihn den Gewinn eines gleich verlieren, bedeute für ihn den Gewinn eines gleich großen Körnchens Gold. Ja! Schweiß vergießen müssen seine Sklaven, schmutzigen, stinkenden Arbeiterschweiß, recht viel! Und je mehr Schweiß sie vergicßen, je größer werden seine Neichthümer!- Aber sie hungern noch nicht genug. Die Augst vor dem Hunger soll sie zwingen, noch mehr Schweißtropfen zu vergießen! Und er befiehlt seinen bösen Aufseherii, den Sklaven weniger Nahrung und Brot zu reichen, weil sie dann aus Hunger mehr arbeiten würden: doch ach! Die Maschinen arbeiten immer rasender und ein Sklave nach dem anderen fällt den eisernen Ungethümen zum Opfer und wird die Zahl derselben immer geringer, denn die Ueberlebenden müssen die Arbeit ihrer getödteten Kollegen mit verrichten und dadurch werden immer mehr Sklaven von den gefährlichen Maschinen zerstückelt, weil ihre Körper durch den ewigen Hunger unfähig wurden und ihre Aufmerksamkeit bei der gefährlichen Arbeit abstumpfte. Aber auch ein böser Geist des Unglaubens und der Unbotmäßigkeit ist über die übrigen, ihm noch nicht dienstbaren Sklaven gekommen, und diese
Der Hunger, sagte ihm dieser lächelnd; auch weigern sich, sich an seinen Maschinen für ewigen hier ist er der große Künstler.
An den Wänden, die von rothgoldenen Tapeten bedeckt waren, hingen die kostbarsten Gemälde und Bilder, und an der Saaldecke bemerkte der Fürst einen einzigen großen Spiegel, in welchem sich die schönsten Gegenden der Welt abwechselnd zeigten und widerspiegelten.
Nachdem der Fürst Alles besehen und die kunst volle Einrichtung genügend bestaunt und bewundert hatte, lud Dor ihn zum Speisen ein, und als der Fürst am obersten Ende der Tafel Play nahu, ertönte eine so wundervolle Musik, daß der Fürst sogar ganz leise seine Messer und Gabel gebrauchte, um keinen Ton der Musik zu verlieren. Zierliche,
in rothgoldene Gewänder gekleidete Knaben bedienten beim Mahle, und obgleich die Speisen köstlich dufteten und noch köstlicher schmeckten, aß der Fürst dennoch nur sehr wenig. Desto mehr aß jedoch Dor, sein Freund. Die Pagen hatten unausgesetzt zu rennen und zu laufen, um seinen Appetit zu stillen; auch trank er viel von den köstlichen Weinen, die in Hülle und Fülle auf der Mitte der silbernen Tafel standen. Endlich war jedoch auch Dor gesättigt, und auf einen Wink von ihm öffnete sich im Hintergrunde des Speisesaales eine große Thür und herein traten oder schwebten vielmehr zwei junge liebliche Mädchen mit schönen, aber traurigen Zügen, in Gewändern von Gold- und Silbergaze, die nur schwach die schönen, lieblichen Formen verhüllte, und begannen zum Tafte der stärker werdenden Musik sich in kunst
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Hunger zu Tode zu arbeiten, denn, so sagen diese Bösen: Wenn wir arbeiten sollen und dennoch hungern, so können wir auch hungern, ohne zu arbeiten!" Und die Zahl seiner Sklaven wird immer geringer. Alle werden nach und nach von den rasenden Maschinen zermalmit und getödtet, aber auch der goldbringende schmußige Sklavenschweiß fließt spärlicher und seine Reichthümer vermindern sich deshalb. Schon müssen die Aufseher und Diener die Maschinen bedienen. Aber auch unter diesen wüthet der Tod. Die durch die Maschinen ver= stümmelten Leichen der Sklaven vermehren sich und liegen in blutigen, eflen Haufen neben den Maschinen und fein Mensch giebt ihnen ein Plätzchen für die ewige Ruhe, denn die Aufseher, die noch allein nur die Maschinen bedienen, haben keine Zeit dazu. Die die Maschinen bedienen, haben keine Zeit dazu. Die Verwesungsgerüche benehmen ihnen zwar den Athem, aber nun müssen auch sie arbeiten und schwißen und Schäße und Reichthümer für ihren Herrn erzeugen. Doch auch die Aufseher verlassen die Arbeit, weil auch ihrer viele den Maschinen zum Opfer fielen und auch ihre Speisen immer farger wurden. Es blieben ihm noch seine treuen Diener; doch auch diese weigern sich, die gefährliche, aber goldbringende Arbeit zu verrichten, und nun? Sein Reichthum ist bis auf wenige Kupfermünzen verschwunden. Alle ist bis auf wenige Kupfermünzen verschwunden. Alle seine kostbaren Geräthe und Schmuckstücke sind vor seinen Augen verschwunden. Wohl besitzt er noch Land, viel Land, und Fabriken und Maschinen, aber feine Sklaven, Diener und Aufseher; Reiner will
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für ihn mehr arbeiten. Alle Maschinen und Räder. stehen still; das Sausen, Rollen und Stampfen derselben hat einer unheimlichen Nuhe Platz gemacht und dazwischen steigt der Verwesungsgeruch der von den Maschinen verstümmelten Leiber seiner Sklaven in garstiger Weise auf. Er ist verloren, wenn er nicht selbst die Feuer schürt! aber vorher- er muß erst die verwesenden Opfer seiner Maschinen fortschaffen, und kein Sklave, kein Freund hilft ihm bei dieser eklen Arbeit. Selbst der Machtspruch seines Fürsten, den er in seiner Noth anruft, vermag nichts! Er selbst! Er muß arbeiten! Hu! Wie häßlich! Schrecklich, er soll arbeiten! Nein! Er kann nicht! Lieber den Tod, wie diese Schande! Aber auch Hunger hat er, nagenden, bitteren Hunger; doch nichts ist da, um seinen Hunger, seinen glühenden Durst zu stillen; verschwunden sind die föstlichen Speisen; fein Bissen Brot, auch nicht einmal Wasser, um den brennenden Durst zu löschen, und dabei soll er noch die Feuer in den Defen anfachen? Nein, nein! Doch auch die wenigen, verächtlich geringen Kupfermünzen sind ihm aus den Händen entflohen, so fest er sie auch in seinen Fäusten hielt. Er ist arm, ganz arm; ärmer wie die Aermisten seiner Sklaven, die, wenn auch nicht satt, so doch etwas zu essen hatten. Ja, Hunger, nagender Hunger wühlt in seinen Eingeweiden und wenn auch er von seinen Maschinen zermalmit wird, wie seine Stlaven, gleichviel, er muß arbeiten, um Essen zu haben! Ja, Aber, nein, er kann nicht! essen will er, essen! Seine Freunde, seine Sippen stoßen ihn sonst aus; doch der wüthende Hunger! Er wird arbeiten. Das Schüreisen am Glühofen, er nimmt es; o, wie nach schwarz und rußig! Es riecht auch nach- Arbeit und Schweiß. Er arbeitet und schürt das Feuer. Gräßlich! Es gruselt ihn! Die Schande! Ha!
Und mit einem furchtbar ängstlichen Ausschrei erwacht in Schweiß gebadet Argantus Dor, verstört sich aufrichtend von seinem Nuhebette. Nach und nach erst kehrt er aus der Traumwelt in die Wirklich feit zurück und ein erleichternder tiefer Seufzer entfährt ihm! Ah, also nur ein schrecklicher, wüster Traum! Es schüttelt ihn noch, wenn er daran denkt, daß er arbeiten sollte, um essen zu können.
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Argantus Dor war jedoch infolge seines bösen Traumes noch eifriger darauf bedacht, seine Sklaven zur Vermehrung seines Reichthums, seiner Macht anzuhalten, damit, wie er sich im Stillen sagte, der böse Geist der Unzufriedenheit. unter seinen Sklaven feine Zeit fände, sich einzunisten und sein böser Traum nicht zur Wahrheit werde! Und Alles frohnt und dient dem gewaltigen Argantus Dor heute noch, Fürsten und Völker, Herren und Knechte, Reich und Arm aber auf wie lange noch? Arm
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Aus dem Junkerparadies.
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Bilder aus Ostelbien. Von Heinz Starkenburg.
III.
ie sozialen Folgen der im letzten Artifel angedeuteten Entwickelung liegen auf der Hand.
Die erste und nächstliegende ist der nothwendige Eintritt zweier Phänomene, die troß aller Klagen und Gegenmaßregeln von Jahr zu Jahr mächtigere Dimensionen annehmen: die„ Sachsengängerei" und der„ Zug vom Lande". Beide sind nur zwei verschiedene Seiten derselben Medaille, und wenn die Junker sie der frivolen Genußsucht" der Landbevölkerung, den zu vielen und zu billigen Eisenbahnen" und Anderem zur Last legen, so ist das eitel Flunkerei, denn sie selber sind es, die unter dem Druck der Nothwendigkeit freilich diesen Prozeß befördern und beschleunigen. Freilich- je nachdem! In der Saat- und Erntezeit, da ist die Sachsengängerei der reine Segen. Schon im Januar und Februar gehen die Agenten auf die Arbeit, und dieselben Herren, welche die Wanderarbeit bekämpfen, wenn ihre Komornitssöhne im Frühjahre nach dem Westen wandern, schicken ihre
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