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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
Ich darf es thun", schloß Frau Martha ihre Mittheilungen, mein Gewissen macht mir feinen Vorwurf. Und Du sollst uns behüflich sein. Mein Gatte wird um acht Uhr gehen, dann öffnest Du die Gartenpforte und läßt ihn herein." ,, Von Herzen gern, gnädige Frau."
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" Fort, fort, um Gotteswillen, der Herr!" Aber der Augstschrei kam zu spät. Der Assessor folgte der Verstörten auf dem Fuße. Schon eine Viertelstunde vom Hause fort, hatte er, noch einmal umkehrend, verdächtige Stimmen hinter dem Gartenzaun gehört. Im nächsten Augenblick stand er in der Laube vor den lleberraschten.
" Wie ich sehe, finden Sie den Weg zu meinem Hause auch ungerufen, Herr Doktor!"
" Ich leugne nicht, daß-
" Daß Sie hinter meinem Rücken eine Bekannt schaft fortsetzen wollten, zu der Ihnen meine Krantheit erwünschte Veranlassung bot."
,, Richard, Doktor Volkmann hat Dich treu gepflegt, vielleicht Dein Leben gerettet-
"
Um mich ungestört betrügen zu können!" ,, Das ist eine gemeine Verleumdung!" entfuhr es dem Arzte.„ Nie ist etwas Unrechtes vorgetommen. Ich kannte und liebte Martha lange vor Ihnen. Und ich schwöre es Ihnen, die Ehre Ihrer Gattin ist unverletzt."
" Um ihre Ehre handelt es sich nicht, sondern um die meine! Und wenn Sie mir zehnmal das Leben die Ehre steht höher als das gerettet hätten Leben. Meine Ehre soll vor der Welt rein und fleckenlos dastehen."
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" So glauben Sie meiner Versicherung nicht?" " Ich finde es unverschämt, noch Fragen an mich zu stellen, wo Ihre Schuldsogar vor den Augen eines Dienstboten tlar zu Tage liegt!"
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"
Aus dem Gesichte des Arztes wich alles Blut bei dieser Beleidigung. Ich weiß, was Sie wollen. Aber ich vergesse mich nicht so weit, meine Hand an Ihnen zu beschmutzen!"
" Diesen, Schmuß werden Sie mit Ihrem Blute
abwaschen!"
,, Michael, Du wirst Dich nicht schlagen!" schrie Martha auf und klammerte sich an den Geliebten. „ Ich verabscheue den kaltblütigen Mord, den man Duell nennt. Aber der Zwang ist mächtiger als unser Wille. Das Ehrengericht mag zwischen uns entscheiden."
"
Es wird Sie lehren, daß Sie einem Ehrenmanne Genugthuung schuldig sind!" rief der Assessor höhnisch und riß mit rohem Griff seine Frau von der Seite des Arztes hinweg.
Das Grauen vor dem Mörder, der sie wieder mit seinen ehebrecherischen Zärtlichkeiten verfolgte, hatte Marie aus dem Hause getrieben. Auch fonnte sie den Schmerz der armen, verzweifelten Frau, die Tag und Nacht weinte, nicht mehr mit ansehen. Von ihr hatte sie Alles erfahren. Das Ehrengericht hatte gesprochen. Nach den vorgefallenen Beleidi gungen konnte die verlegte Ehre nur durch Blut wiederhergestellt werden. Eine ganze Woche lang hatte sich Herr von Windheim auf der Schießstätte
geübt. Das Herz auf dem Bilde einer lebensgroßen Mannesfigur war das Ziel seiner Pistole gewesen. Und bei der ernsten Wirklichkeit hatte er ebenso gut getroffen. Man sollte sich so lange schießen, bis einer der Gegner fampfunfähig auf dem Plage blieb. Das geschah beim ersten Gange schon. Der Schuß bes Doktors ging ins Leere, dann warf ihn die Kugel des Assessors todt über den Haufen.
Der Mann mit der geretteten Ehre stellte Kaution und blieb einstweilen auf freiem Fuße.
Marie, seit Wochen ohne feste Stellung, fristete mühsam ihr Leben, indem sie hier und da niedrige Dienste verrichtete. Da begegnete sie eines Tages in einer entlegenen Gasse einem bettelnden Manne. Sie erkannten sich und wollten einander fliehen. Aber das Mitleid, das Jeder bein Anblick des Anderen empfand, trieb sie dennoch zusammen. Vor wenigen Tagen war Julius Lautenthaler nach Verbüßung seiner langen Strafe aus dem Gefängniß entlassen. Nun suchte er sich das Nöthige zusammen zu betteln, um wieder in seine Heimath gelangen zu können. Aber er fühlte wohl, daß sein Leben verfehlt und verloren war. Die wiedererlangte Freiheit war vergiftet; man würde ihm ausweichen, ihm feine Arbeit geben und schließlich durfte er verhungern. So von Mitleid mit sich selbst und ihr bewegt, hörte er Alles an, was Marie ihm von dem Assessor erzählte, der allein ihr ganzes Elend verschuldet. In seinen Augen bliẞte es auf, wie der Triumph über eine gerechte Wiedervergeltung. Ah, er hat vorsätzlich, mit Ueberlegung einen nun wird er auf dem Schaffot Menschen getödtet enden!" ,, Die gnädige Frau glaubte nicht daran," warf Marie ein.
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Aber es giebt doch Recht und Geseze im Lande! Nach dem Maßstab meiner Strafe giebt es nur den Tod für ihn. Vielleicht, daß sie ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus beguadigen. So lange bleibe ich noch in der Stadt die Verhandlung muß ich mit anhören."
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Eine Woche später trafen sich Julius und Marie noch einmal. Nur der Zufall ließ sie sich im Dunkel des stürmischen Herbstabends begegnen. Das Mädchen erkannte den einst Geliebten faum wieder. Was er seit gestern wußte, hatte ihn ganz verwandelt. Anfangs glaubte sie, er spreche im Wahnsinn. Aber es lag doch Wahrheit in seinen wilden, verworrenen Reden.
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" Freigesprochen haben sie ihn," schrie er,„ den Schurken, den Mörder, weil er in berechtigter Weise seine Ehre wieder hergestellt! Verstehst Du das? Wie kann ein Mann dem anderen die Ehre nehmen! Nur das Weib hat eine Ehre zu verlieren, und einem wehrlosen Mädchen sie zu rauben, das gilt ihnen für Recht. freigesprochen Freigesprochen und hat mit Vorbedacht einen Menschen getödtet! ah Und ich zwei Jahre im Loch jetzt sie messen mit zweierlei Maß! Und wissen wir's fie messen mit zweierlei Maß! Uud Gerechtigkeit ist ein Ammenmärchen für Kinder." Auf den Boden starrend grübelte er in sich hinein. " Ich habe Unrecht gethan, ihn damals nicht ganz zu erschlagen. So wäre ein Mord verhütet, ein
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Aus dem Papierkorb der
In die Welt hinaus.( Zu unserem Bilde.) Dies " In die Welt hinaus" des Malers Georg Knorr ist allerdings schon ein älteres Bild und doch seinem Inhalte nach so lebenswahr, so tief empfunden, daß es, wie jedes Kunstwerk, das einem echten, unmittelbaren Gefühl seinen Ursprung verdankt, nicht so leicht veralten wird, und darum den Beschauer auch stets aufs Neue zu fesseln, zu ergreifen vermag.
Und besonders mit diesem Bilde will es, mir wenig stens, so gehen. Ich überschlage es nicht, so oft es mir auch zu Gesichte kommt, ich lege es nicht bei Seite, nur weil ich es schon kenne.
Wie in ein gutes Buch, das ich einmal gelesen, vermag ich mich stets aufs Neue genießend darin zu versenten und immer neu klingt mir daraus das traurigtrübe Lied der Heimathlosen, der Verlassenen tief ins Gemüth.
auf unserem Bilde, das Elend oder der Rassenhaß hinaustreibt in die unbekannte Fremde, sie wird es in einer nicht allzu fernen Zukunft nicht mehr geben; aber, daß die Einsamkeit, die Verlassenheit der Seele dann auch aus dieser Welt verbannt sei, wer vermöchte dies zu behaupten?
Betrachten wir aber unser Bild in diesem Sinne, so werden wir erkennen, daß wir es hier nicht etwa mit einer tendenziös wiedergegebenen Erscheinung unseres heutigen sozialen Lebens zu thun haben, sondern daß in dem Bilde etwas von dem Ewig- Menschlichen enthalten ist, das nur dem großen Kunstwerk eignet und es vermöge dessen nicht veralten läßt.
Schnikel.
Frei muß ich denken, sprechen, und athmen Gottes Luft, Und wer die Trei mir raubet, der legt mich in die Gruft.
Herz weniger gebrochen, und die Welt von einem Verbrecher befreit gewesen!"
Marie wußte auch etwas. Sie war der Köchin des Assessors begegnet. Die hatte erzählt, daß der Herr demnächst nach dem Süden wolle, zur Erholung und wegen der Gesundheit seiner Frau. Die Arme, dort wird er sie ungestört quälen können!"
Julius ballte die Faust.„ Das soll er nicht!"
Du willst es hindern?"
„ Ja, es ist doch Alles eins."
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Aber Du hast doch nichts Böses vor was willst Du thun?"
"
,, Ein gutes Werk. Sorgen, daß er nicht weitere Morde ungestraft begeht. Vor ihn treten will ich und fragen, mit welchem Rechte er hier ist und nicht im Zuchthaus?"
Dem Mädchen wurde es angst bei seinen Reden. Stürze Dich nicht in neues Unglück, laß uns zusammen bleiben."
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,, Betteln und hungern! Nein, nein! Ver zeihen thu' ich Dir, aber lieben kann ich Dich nicht mehr. Ich hab auch meine Ehre. Was ein Anderer weggeworfen, ist mir nicht mehr gut genug!" Er Marie verhüllte schluchzend ihr Gesicht. hatte ja Recht. Er, der Sträfling, war gut und rein geblieben; sie durfte sich ihm nicht aufdrängen.
Er fühlte Mitleid mit ihr und sagte in milderem Tone:„ Wir sehen uns nicht mehr, Marie. Du bist ein Weib und darfst weinen über die Ungerechtigkeit der Welt, aber der Mann muß gegen sie kämpfen, und wenn er selbst zum Opfer fällt."
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Willst Du denn sterben?"
Du wirst von mir hören. Die Welt mag es ein Verbrechen nennen. Aber Leben um Leben! Wer da getödtet hat, der soll sterben. Die irdischen darum muß es ein an Richter lassen ihn frei derer thun."
„ Julius!"
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Droben ist Einer, der richtet gerecht. Ihm wollen wir unsere Sache anvertrauen. Wenn Du mir ein Gutes thun willst, Marie, so bete für mich." Sie konnte vor Schluchzen kein Wort hervorbringen, und ehe sie seine Worte recht begriffen, war er gegangen.
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Acht Tage später fand man den Assessor von Windheim am Rande der Eilenriede mit durchEin herumstreifender schossener Stirn als Leiche. ehemaliger Bergmann, der freche, aufrührerische Reden führte, ward als der Mörder festgenommen. Nach seiner Verhaftung bewahrte er allen Fragen gegenüber ein troßiges Schweigen, das an Verach: tung grenzte. Aber man wies ihm gleichwohl Alles nach: die Häuser, in denen er um Almosen gebeten, den Laden, in dem er mit dem erbettelten Gelde eine Pistole gekauft, die Straßen und Promenaden, auf denen er, mehrfach beobachtet, dem Assessor nachgeschlichen war. Soweit ist die Untersuchung bis heute gediehen. Nach Allem steht es außer Zweifel, daß es sich um vorsätzlichen, wohlüberlegten Mord handelt.
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Demnächst werden die Richter ein Todesurtheil
fällen.
Beit.
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Der ist ein guter Prediger, der seine eigenen ErShakespeare. mahnungen befolgt. " Der Kaufmann von Venedig."
Daß Ralph als Advokat geschickt Prozesse führet, Als Richter garnicht thut, was ihm zu thun gebühret, Das wundert mich nicht eben sehr; Jurist zu sein ist leicht, gerecht zu sein ist schwer.
Der Klerus.
Die Frömmigkeit gebar die Macht Des Klerus und hielt sie gelinde, Doch ward von dem verruchten Kinde Die gute Mutter umgebracht.
Friedr. Aug. Weißhuhn.
Nachdruck des Juhalts verboten!
Alle für die Redaktion bestimmten Sendungen wolle man an Herrn G. Macasy, Leipzig , Oststraße 14, richten
Und wann würde diese Weise ganz in der Welt verflummen? Freilich, die Armen, die Enterbten, die, wie die Juden Verantwortlicher Redakteur: Gustav Macasy in Leipzig . Verlag: Hamburger Buchdruckerei und Berlagsanstalt Auer& Co. in Hamburg .
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Chamisso.
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