Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
leberlegung geantwortet:„ Ach, das ist sehr weit! jenes Wort aber konnte ich ihm nicht verzeihen, weil es mich wie ein Verrath an der Kameradschaft Vielleicht fün zig Meilen!" berührte.
Wir war, als sei ich durch einen Zauberschlag in das schöne Vaterland der Wenzel versezt worden. Etna d hatte die wichtige Entdeckung, daß er sich im Auslande be and, durch die Kupfermünzen gemacht, die er in dem Orte einsammelte. Der Toppeladler war ihm anfänglich verdächtig erschienen, und er hatte geglaubt, die Bauern wollten ihn durch ungültiges Geld beschummeln; nach und nach war er jedoch in seiner Gescheidtheit dahinter gekommen, daß der Doppeladler in jener Gegend heimathberechtigt sei.
Weißt Du schon, daß wir in Oesterreich sind?" rief ich ihm fragend zu, als er sein Hausirerwerk vollbracht hatte.
„ Das schadt nichts, wenns nur gilt!" sagte er, überzählte rasch das in dem Orte erworbene Vermögen und ließ es in sein stattliches Portemonnaie gleiten.
Der nächste Ort, in den wir gelangten, war das Städtchen Schlackenau. Auf einem weiten Plage es mag der Marktplatz gewesen sein- standen sechs Handwerksburschen plaudernd beisammen.
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„ Ha Kunden!" scholl es uns freudig entgegen.
Kenn!" erwiderten wir vorschriftsmäßig und ich eilte auf die ergnügt lachende Gruppe zu, um sie noch besonders zu begrüßen; Eduard indeß ging raschen Schrittes weiter, und so konnte ich nur einige flüchtige Worte mit den sechs Kameraden wechseln.
" Da sein mer ja Alle bei'nander!" rief Einer. " Wir halten Familientag!" setzte ein Anderer hinzu, der eine Brille trug und wie ein Gelehrter aussah.
Ich wurde gefragt, wo ich her komme, und ob die Strecke heiß" sei.
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Nicht schlimm!" sagte ich.„ In Sachsen tippelt sichs ganz gut."
" Da giebts aber die Grüne."
Und hier die Gelbe. Wir tippeln nach Sachsen !" Auf die Gefahr hin, mich zu blamiren, fragte ich, was das für Dinger seien, die Grüne und die Gelbe. Da brachen alle Sechs in ein Gelächter aus, und der Kunde mit dem gelehrten Gesicht und der Brille sagte:
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Wenn Du die Grüne friegst, so zeigen Dir die Deckel den Weg zu Muttern; Du darfst aber nicht daneben treten, sonst stecken sie Dich ins Kittchen. Kriegst Du die Gelbe, so kannst Du fahren, aber in der Knochentonne."
Seit jenem Worte ruhte fein Segen mehr auf unserem Bunde. Die gewaltige Macht meiner Phantasie, mit der ich so manches Mal die stärksten europäischen Kriegsheere geschlagen, die wildesten europäischen Kriege heere geschlagen, die wildesten Raubthiere gebändigt und die stolzesten Herzen erobert hatte, reichte nicht hin, den Groll zu tilgen, den ich gegen meinen Gefährten und Wohlthäter empfand. Obgleich er keinen Sinn besaß für den angenehmen Nugen einer guten Unterhaltung, hatte ich doch hin und wieder versucht, ein freundliches Gespräch anzuknüpfen oder ihn durch lustige Erzählungen zu erheitern; fortan aber widerstrebten mir solche Versuche, und so geschah es, daß wir den ganzen Tag über und auch am Abend in unserer Nachtstation nur die nothwendigsten Worte zu ein ander redeten. Zu meinem stillen Verdruß merkte ander redeten. er die veränderte Stimmung gar nicht, und meine Schweigsamkeit fiel ihm nicht auf; er sorgte für meinen unterhalt, trug mir in einem Tüchlein, das ich eigens für diesen Zweck bestimmt hatte und täglich zu waschen pflegte, die Nahrung zu und behandelte mich im Uebrigen, als sei ich Luft für ihn. ( Fortsetzung folgt.)
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enn man von Newyork aus mit einem Dampfboot der Old Dominion Linie die atlanti sche Küste entlang fährt, eine der schönsten Reisetouren in Süden der Vereinigten Staaten , fommit man an den Sea Islands vorbei, einer Inselfette, welche die Küste Georgias und Süd- Carolinas umgeben, und die feinste Baumwolle der Welt liefern. Das Klima dieser Gegend ist wundervoll Weihnachten hat man das schönste Frühlingswetter. Der Golfstrom läßt einen eigentlichen Winter gar nicht aufkommen. Man könnte im Februar Seebäder nehmen. Das Harz der Kiefern und das Salz des Meeres würzen mit frischem, belebendem Hauch die vom Dufte halbtropischer Blumen erfüllte Luft. Unter diesen Inseln ist eine, die ihresgleichen in der Welt nicht hat, Jekyl Jsland, acht Meilen von der Stadt Brunswick in Georgia , ein paradiesisches Fleckchen Erde von elf Meilen Länge und zwei Meilen Breite, auf dem Niemand landen darf, der keine Einladung besitzt.
Ich mußte fort; Eduard war schon über hundert öffne dich!" welches Einem die Wunder von Jekyl Schritte voraus.
" Machts gut!" grüßte ich nach Kundenbrauch und rannte dem Kollegen nach.
Machs gut!-Und laß Dich nicht in die Knochentonne stecken!"
Ich glaubte den Sinn des Räthsels errathen zu haben. Die Grüne und die Gelbe waren meines Erachtens amtliche Schriftstücke, auf denen solchen Kunden, die auf den Schub" kamen, die Marschroute vorgeschrieben stand. Wer die Grüne erhielt, mußte zu Fuß nach seiner Heimath laufen; wem die Gelbe zu Theil ward, den schaffte man mit der Bahn derthin.
Erst außerhalb des Städtchens holte ich meinen Gefährten ein. Weshalb läufst Du so schnell!" rief ich ihm, ganz außer Athem, zu.
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„ Ich mache, was ich Lust habe!" erwiderte er rauh.
Dieser abweisende Ton verlegte mich wieder so tief, daß ich ihn am liebsten mit einer Grobheit beantwortet hätte; das Gefühl meiner Schwäche gegenüber dem starken, unwirschen Gesellen befahl mir jedoch Schweigen, und so mußte ich meinen Ingrimm still hinunterwürgen. Schier bis zur Unerträglichkeit fühlte ich mich gedemüthigt bei dem Gedanken, daß ich von diesem Menschen abhängig war, daß ich ihm nachfolgte, wie ein geduldiger Hund, und mich von ihm füttern ließ.
Aus Dankbarkeit gegen ihn hatte ich alle seine Rohheiten und Grobheiten ertragen und entschuldigt;
Nicht Blaublut, sondern Gold ist das„ Sesam öffne dich!" welches Einem die Wunder von Jekyl Island erschließt. Es giebt an der atlantischen Küste der Südstaaten viele Ortschaften, welche von den amerikanischen Magnaten im Winter aufgesucht werden. Sie kommen dort freilich auch mit Menschen in Berührung, deren Vermögenschiffre kein Gefolge von mindestens sechs Nullen aufzuweisen hat. Jekyl Jsland hat diesem Uebelstande abgeholfen. Es gehört einem Klub von etwa hundert Millionären. Die Mitgliedsgebühren reichen bis in die Tausende hinauf.
Das Stückchen Land, ursprünglich aus Sandflächen, Sumpf und Wald bestehend, kostete 125 000 Dollars. Viele Hunderttausende wurden für Verbesserungen und Verschönerungen ausgegeben. Wie viele Mal hundert Millionen Dollars die Mitglieder zusammen werth sind, wie es in der Landessprache heißt, davon hat man nicht einen annähernden Begriff.
Die Gebäulichkeiten der Millioneninsel bestehen aus einem Klubhaus, das 100000 Dollars fostete, und aus Villen im Werthe von 15000 bis 60000 Dollars. Das Klubhaus ist ein dreistöckiges Backsteingebäude mit Dampfheizung und elektrischer Beleuchtung. Auch eine Art Privathotel wurde fürzlich errichtet. In Folge der strengen Eklusivität, welche auf Jekyl Jsland herrscht, wissen Uneingeweihte von der inneren Ausstattung dieser Winterasyle amerikanischer Nabobs nichts; doch wird dieselbe wohl dem in Gold und Ouyr getäfelten Badezimmer, das der Zuckerkönig Claus Spreckels im Hause seiner Tochter in San Francisco einrichten
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ließ, im Verhältniß entsprechen. Was die Kunst der Landschaftsgärtner aus der ehemaligen Wildniß gemacht, das kann Einem auch einen Maßstab für die Prachtentfaltung im Inneren der Villen abgeben. In verschwenderischer Fülle sind Palmen und seltene Ziersträucher angepflanzt worden. Gewächshäuser enthalten die prachtvollsten Blumen. Die Ställe des Klubs übertreffen manchen königlichen Marstall durch Zahl und Nasse ihrer Bewohner. Die meisten Mitglieder des Klubs lassen ihre eigenen Pferde hierher transportiren; aber für zweihundert Dollars den Monat kann man sich ein Gespann miethen, und für etwas mehr als die Hälfte davon ein Reitpferd!
Als ein Paradies dürfte sich die Insel für Nimrods erweisen. Die Verschiedenheit des Bodens begünstigt einen Wildstand von außerordentlicher Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit. Die Sümpfe wimmeln von Wildenten und Schnepfen. Die Wälder sind voll Hirsche und Wildschweine. Während des Sommers wird das Wild so zahm, daß das Klubhaus von einem Netz umgeben wird, um die Hirsche fernzuhalten. Man sieht sie des Nachts ganz harmlos in den Anlagen der Villen umherstreifen. Es eristirt jedoch eine Verordnung, welche die Zahl, die ein Mann während einer Saison erlegen darf, be= schränkt, sonst würde das Nothwild bald ausgerottet sein. Quails( amerikanische Wachteln) gedeihen nicht besonders. Sie werden daher zu Tausenden importirt und dann freigelassen. Die Jagd auf Fasanen und Truthühner ist sehr beliebt. Erstere wurden aus England eingeführt. Das erste Hundert wurde 1888 herüber gebracht. Die Eier wurden von gewöhn= lichen Hühnern ausgebrütet und, sobald die Brut flügge war, frei gelaffen. Im folgenden Jahre wurde ein weiteres Hundert herbeigeschafft. Seitdent sind die Wälder voll Fasanen. Auch an anderem Geflügel ist kein Mangel. Des Wildhüters Wohnung ist mit einer reichen Sammlung von JagdWenn die Wallstreettrophäen ausgeschmückt. Magnaten von der Jagd um den Mammon erschöpft sind, wenn ihre Frauen und Töchter nach den Anstrengungen der vorweihnachtlichen Saison im Opernhaus, Ball- und Konzertsaal der Erholung bedürfen, dann sieht man sie einige Wochen auf Jekyl Island am Strande liegen, oder auf den prächtigen Straßen dahinfutschiren, oder reiten, angeln und jagen. Hin und wieder finden freilich auch andere Jagden statt. Manches jüngere Mitglied des Klubs sucht in der ungezwungenen Atmosphäre dieses Winterlandaufenthalts das Herz einer Erbin zu erlegen; und manche harmlose Flirtation endet mit einer Partie", gegen welche die Eltern beiderseits nichts einwenden können, da die Vermögenschiffren harmoniren.
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Wer die Auserwählten sind, die sich erlauben können, eine Wintersaison auf Jekyl Island zuzu= bringen? Nun, da ist fast jeder zur amerikanischen Plutokratie gehörende Name vertreten. Da ist z. B. ein Mitglied der Vanderbiltfamilie. Dieser arme reiche Mann, der gewöhnlich in seiner acht von Newyork hersegelt, hat eine ausgesprochene Abneigung gegen Journalisten, die er sich durch seine Privatsekretäre vom Leibe hält. Da sind die Gontets, da sind die Cuttings. Da ist auch der Celfönig Rockefeller, dem Chicago seine Universität zu ver danken hat. Da ist der Eisenbahnkönig George Gould. Da ist der Bundessenator und Kapitalist Calwin S. Brice. Da ist auch der Tabathändler Pierre Brillard und der im politischen Leben vielgenannte Cornelius N. Bliß. Die meisten von ihnen kommen in ihren eigenen Eisenbahncoupés nach Brunswick und lassen sich dann von dem Klubdampfer nach der Insel herüberfahren. Viele von diesen Leuten sind durch Erbschaft zu ihrem Vermögen gekommen. Manche haben sich, wie es heißt, durch Fleiß und Sparsamkeit heraufgearbeitet. Zu diesen gehört Marschall Field von Chicago , ehemals ein Farmerbursche. Er erwarb seine Millionen im Ellenwaarenhandel, Grundeigenthums- und Minenspekulationen. Man sagt, daß sein Geschäft jährlich fünfundzwanzig Viillionen Dollars Umfaz habe. James Hill von St. Paul war in den 60er Jahren Mommis. Jezt ist er einer der bedeutendsten Etfenbahnmagnaten des Landes. Die Great Northern