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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Welt zerworfenen Dichter statt des erhofften Bei­falles nur neue, wenn auch ungerechte Verdächtigungen müffiger Feinde ein.

In das Jahr 1844 fallen zwei kleinere, poetisch­satirische Werke: Atta Troll " und Deutschland . Ein Wintermärchen". Im farbenprächtigsten Ge­wande wahrhaft poetischer Kraft sind sie aber nicht viel mehr als politische Harlekins, die die Schellen schlagen und um nichts große Sprünge machen.

Mit dem Jahre 1848 begann Heines förper liches Leiden, das ihn von nun ab nicht mehr ver­ließ. Nahezu acht Jahre war der unglückliche Dichter verdammt, die namenlosesten Schmerzen zu ertragen, die seinen Körper fesselten, während sein Geist ungebrochen thätig blieb bis zum Ende. Mehr als seine unglückliche und fatale politische und ge= sellschaftliche Stellung mag wohl Jeden dieses Elend mit einem Manne versöhnen, der schöner und harmonischer zu einer anderen Zeit hätte leben können, den aber das Schicksal niemals im Leben zur Ruhe und zum ſtillen, geläuterten Schaffen kommen ließ, sondern mit Neid, Mißgunst, Ver= leumdung und Krankheit verfolgte, gleichsam höhnend über ihn, der Alles verhöhnt hatte. Das legte ein­heitliche Werk aus dieser Zeit ist eine Sammlung neuer Gedichte unter dem Titel Romanzero ". Es find Gedichte aus der Matraßengruft", wie Heine selbst sein Krankenlager nannte. Und das Kains­zeichen seiner unheimlichen Krankheit tragen auch die Gedichte des Romanzero", in dem sich neben den schönsten und rührendsten Liedern die traurigsten Erzeugnisse einer zerseßten Menschenseele befinden, das lezte und das wahrste aller Werke des großen Künstlers, den schon dreiundzwanzig Jahre vorher Ludwig Börne im hundertneunten der Briefe aus Paris" so wahr gezeichnet hatte, wie er sich selbst nie zeichnen konnte bis in die späten Tage seines Elends. Dort sagt Börne von ihm:

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"... Seine ist ein Stünstler, ein Dichter, und zur allgemeinen Anerkennung fehlt ihm nur seine eigene. Weil er oft etwas Anderes sein will, als Dichter, verliert er sich oft. Wem, wie ihm,' die Form das Höchste ist, dem muß sie auch das Einzige bleiben; denn sobald er den Rand übersteigt, fließt er ins Schrankenlose hinab und es trinkt ihn der Sand. Darunt überzeugt er nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht, denn man weiß, daß er an der Wahr­heit nur das Schöne liebt. Aber die Wahr­heit ist nicht immer schön. Wie kann man je Den glauben, der selbst nichts glaubt? Heine schämt sich so sehr, etwas zu glauben, daß er

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Weltraume nur so viel erzählt, wie ihm in der grauen Morgendämmerung davon übrig geblieben ist. Daher der ewige Wandel, daher die fehlende Einheit in ihm und das unentwirrbare Knäuel der heterogensten Ueberzeugungen und Stimmungen.

Aber wie tief mußte es den unglücklichen, franken Dichter erbittern und verstimmen, daß man ihn gerade in diesem, sein innerstes Wesen betreffenden Punkte zeitlebens mißverstand und sein einzigstes Können übel deutete. In seinen Briefen spricht er sich oft in rührenden Klagen darüber aus, und diese Briefe sind auch zum größten Theile das schönste ihn überlebende Dokument seines Werthes. Vieles, was uns an seinen Werken unverständlich dünfen will, was uns daraus mit hohlen, kranken Augen will, was uns daraus mit hohlen, kranken Augen angrinst und was sich wie ein breiter, tückischer Dämon über das schöne Ganze lagert dieses dieses große Räthselhafte findet oft in den Briefen seine Lösung. Und wer ihn erst wahrhaft kennen ge­lernt hat, kann ihn nicht mehr verkennen wollen. Heinrich Heine starb am 16. Februar 1856. Ueber seine letzten Tage schrieb seine Wärterin, Catherine Bourlois, an Gustav Heine :

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Herr Heine mußte ganze Nächte im Bette fizend zubringen. Mittwoch, den 13. Jebruar, Mittwoch, den 13. Jebruar, arbeitete mein armer Herr volle sechs Stunden, was er bereits eine ganze Woche aus Schwäche unterlassen hatte. Zu wiederholten Malen äußerte Herr Heine: Ich fühle mich glücklich, daß ich meine gute Schwester noch einmal ge­sehen habe, denn ach, Catherine, ich bin ein todter Mann. Am Sonnabend verschlimmerte

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sich sein lebel noch mehr. Nachmittags zwischen vier und fünf Uhr flüsterte er dreimal das Wort: Schreiben". Ich verstand ihn nicht, antwortete aber" Ja". Dann rief er: Papier Blei­stift!" Dies waren seine letzten Worte. Die Schwäche nahm zu, der Bleistift entfiel seiner Hand, ich richtete ihn auf. Strämpfe stellten sich ein. Qualvolle Pein malte sich in seinen Zügen und der Todeskampf ging zu Ende. Herr Heine behielt bis zum letzten Augenblicke sein volles Bewußtsein."

Nuf der Walze.

Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Riebeck.

Bweiunddreißigltes Kapitel.

( Fortsetzung.) Die Rinderpest.

Gott den Herrn" in lauter Zuitialbuchstaben S

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drucken läßt, um anzuzeigen, daß es ein Kunst­ausdruck sei, den er nicht zu verantworten habe.

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Giebt es je einen Menschen, den die Natur bestimmt hat, ein ehrlicher Mann zu sein, so ist es Heine , und auf diesem Wege könnte er sein Glück machen. Er fann feine fünf Minuten, feine zwanzig Zeilen heucheln, keinen Tag, feinen halben Bogen lügen. Wenn es eine Krone gälte, er kann kein Lächeln, keinen Spott, keinen Wiz unterdrücken, und wenn er, sein eigenes Wesen verkennend, doch lügt, doch heuchelt, ernsthaft er= scheint, wo er lachen, demüthig, wo er spotten möchte, so merkt es Jeder gleich, und er hat von solcher Verstellung nur den Vorwurf, nicht den Gewinn.-"

Aber so wahr auch das Urtheil Börnes über Heine ist, so hat er doch die innersten Motive zu dem Wesen Heines und seiner Entwickelung nicht begriffen. Diese proteusartige Natur, die nichts glaubte und nichts heilig hielt, der sich oft tiefe Aeußerungen der Frömmigkeit entrangen, um sofort in einem Sturzbade kichernder Blasphemien unter­zusinken, diese nie zur Ruhe kommende Natur, die heute den Jakobinern zujubelte und morgen einen Hymnus auf die Aristokraten sang- sie konnte sich nicht anders gestalten, als sie sich thatsächlich gestaltet hat. Gerade weil Heine mit seinem Herzen nie an den Ereignissen der Gegenwart hing, war er im Stande, an allen Ereignissen vorbei­zuflüchten, das Schöne in ihnen hervorsuchend, das Unschöne abstoßend, ein Träumer, der von seinem

u, Raubmörder, wenns g'fällig is..." Sag ihm nur, der Scharfrichter will ihn sprechen!"

Du, hörst, der Scharfrichter will Dir guten Morgen sagen."

Der aufmunternden Fußtritte hätte es nicht be­durft, um mich zum Aufstehen zu bewegen, ich war bereits beim ersten Anruf erwacht und wäre von selbst aus meinem Strohgenist geschlüpft. Durch das ein wenig geöffnete Scheunenthor lugte der Morgen und blies ein empfindlich rauher Wind; in der Scheune regierte noch die Finsterniß. Meine sieben Striegs­leute machten mobil; sie kleideten fich in großer Eile an, jammerten, daß sie vielleicht zu spät kommen könnten, wimmerten dabei vor Kälte und fanden allerlei Ursache zum Fluchen und Schimpfen. Einer behauptete, ihm seien die Fußlappen gestohlen worden, behauptete, ihm seien die Fußlappen gestohlen worden, ein Anderer fand nur einen Stiefel, ein Dritter beklagte sich in ergreifenden Worten, daß sein Waffen­rock als Fußsack benutzt worden sei. Ich rüstete indessen gleichfalls und verwandte eine besondere Sorgfalt auf die Verpackung meiner wunden und immer noch schmerzenden Füße. Beim Suchen nach dem fehlenden Stiefel bekam einer der Krieger mein Schuhwerk in die Hände." Dahie, Seppel, is Dei Latschen!" rief er und warf dem Kameraden einen meiner Stiefel zu. Der Striezi da, der Raub­mörder, hat ihn gemoppelt!"

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Ja freilich is dös mei Stiefel!" rief der Kamerad und trat mit meinem Eigenthum an die Thoröffnung, um es bei Licht zu besichtigen. Da mochte ihn einer der klaffenden Risse des Oberleders

höhnisch angegrinst haben, denn mit einem wild­schmerzlichen Fluche schleuderte er meinen schuldlosen Trittling an das hintere Thor. Die ganze Bande lachte vergnügt und schadenfroh; ich aber mußte über den Strohberg klettern und im Dunkeln herumtasten, und ich war froh, daß ich nicht lange zu suchen hatte.

Ein junger Mann kam und lud zum Frühstück ein, und ein Weilchen später waren die Soldaten soweit gerüstet, daß sie der Einladung nachkommen fonnten. Ich erhielt Befehl, mitzugehen. Wir traten in eine geräumige, verräucherte und schmucklose Bauernstube und wurden von der Wirthin freundlich begrüßt. Sie erkundigte sich, ob uns während der Nacht falt gewesen sei, und erzählte nochmals, daß oben" ein Karousselmann wohne, weshalb sie uns habe kein Zimmer anbieten können. Mir nickte sie wiederholt lächelnd zu; jedenfalls aus Dankbarkeit dafür, daß ich sie während der Nacht nicht ermordet oder ihr nicht die Wirthschaft angezündet hatte. Sie lud mich auch zu Tisch ein und wies mir einen Blaz an.

Auf einem großen Tische dampfte eine mächtige Schüssel Suppe; daneben stand eine kleinere Schüssel mit einem Berge appetitlich lockender Pellkartoffeln, auch Brot und Butter war vorhanden, und außerdem verkündefe die Hausfrau, daß für Suppenverächter ein ganzer Tcpf voll Kaffee bereit stände.

" Erst die Supp'n, und hernacher a Kaffee," schlug ein Kriegsmann beherzt vor und fand damit allgemeinen Beifall.

,, Aber nu dreinhaun, Gott verdamm mi, sonst fömmt der Korporal und pfeift!"

Wir hieben drein, namentlich ich; denn ich be­fürchtete, daß das österreichische Kaiserreich geneigt sein werde, die an mir begonnene Entfettungskur im Laufe des Tages fortzuseßen. Das Frühstück war schnell beendet, und als wir uns dann in Gile verabschiedeten und ausrückten, fühlte ich mich in leidlich guter Verfassung.

Die Dorfstraße war von Militär belebt; einzelne Trupps ranuten unschlüssig hin und her und fragten, wo sie sich hinzuwenden hätten, andere wiesen nach dem Ausgange des Dorfes und marschirten in der bezeichneten Richtung. Auch unsere Leute waren bezüglich des Versammlungsortes im Zweifel, schlossen fich aber nach einigem Zögern einem anderen Häuschen an und gelangten bald an den richtigen Ort. Außer­halb des Dorfes, unmittelbar hinter den lezten Häuschen, erfolgte die Aufstellung. Unser Korporal war bereits zur Stelle; er fam uns einige Schritte entgegen und erwiderte den Morgengruß mit einem fräftigen Zorngewitter. Damit der Trompeter nicht wieder unnöthig blase, werde er nächstens ein Schock alte Weiber beordern, auf daß sie der Faulbande die Ohrlöffel einmal gründlich ausschenere.

Er mochte wohl nur aus Gewohnheit schimpfen, denn wir waren feineswegs die Lezten auf dem Plaze, und wir mußten nahezu eine halbe Stunde dort stehen und frieren, bis endlich als allerlegter Mann der Riese angeschritten fam. Von Weitem erdröhnte seine Stimme: Noch nich fertig? Satra, die richtige Kuhheerd'!"

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Und als er mich erblickte: Was? Den b'schundnen Brotaffen da habt Ihr noch nich auf'u Ast gehängt? Schmeißt ihu ins Wasser, wein fa Strick da is! A Schand für uns, so a Sau­vagabund!"

Er rannte an uns vorüber, und mehrere Sol­daten drehten ihm Nasen oder streckten die Zunge nach ihm aus. Ich hörte sagen, daß er am Abend zu viel g'soffen" habe und deswegen nun zu spät komme. Der Herr Leitnant" dürfte das nicht wissen, sonst würde er ihm derb die Nasen puzen".

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Gut, daß wir endlich in Bewegung famen! Das Stehen in der kalten Frühmorgenluft war zuletzt ganz unerträglich geworden. Das war ja Dezemberfälte!

Wieder marschirte ich inmitten zweier Leibgardisten am Schlusse des Zuges. Am Abend zuvor hatte ich aus dem Munde der Soldaten vernommen, daß ich nach Sachsen ausgeliefert werden solle; jezt er= fuhr ich aus der Unterhaltung meiner Vordermänner, daß in Böhmen und auch in Sachsen die Rinderpest herrsche, und daher die Grenze durch Militär ab­