Social- Demokrat.

Gefab

Nr. 61.

Berlin , Mittwoch den 14. März 1866.

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Diese Zeitung erscheint täglich

mit Ausnahme

der Sonn- und Festtage.

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Organ der social- demokratischen Partei.

Redigirt von J. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweiter.

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XIV.

In Nr. V. dieser Artikel baben wir, Herr Schulze, die Anschauungsweise in Sachen des Risicos, zu deren Begründung und Vertheidigung Sie Ihre Schrift herausgegeben haben, in folgende Worte Der Geschäftsunternehmer bezieht einen gewiffen Gewinn als Ersag für das Rifice, welches er durch Erfaß Unternehmung des Geschäftes läuft, dieses Risico kann nicht abgeschafft werden, also ist jener Ge­

zusammengefaßt:

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Der todte Schulze gegen den lebenden Lassalle. Ihnen vielmehr eingehend nachgewiesen, wie man abhängiger ist er von der Außenwelt. Im Gegentheil, unter Aufhebung der Gegenstellung von Kapital je energischer, je umsichtiger sich sein Wollen und seine ten, re und Arbeit, mit Wegfall insbesondere der Con- Kraft bethätigen, jemehr seine Kenntnisse, seine Erfahrung 3) currenz, einen haltbaren Gesellschaftszustand her- fich erweitern, beſto mebr macht er sich aus dieser Abficatio hängigkeit los, desto mehr wird er Herr der Umstände. mung stellen kann; und wir haben Ihnen weiter gezeigt, Wir haben Ihnen gezeigt, Herr Schulze, daß daß in diesem Zustande die Production eine un- die Entwickelung der inneren Eigenschaften des endlich gesteigerte, bie Durchschnittslage des Ein Menschen" selbst von den gesellschaftlichen Verhält zelnen eine weit beffere sein würde; sowie endlich nissen abhängt und daß heute diese Entwicklung beme auch, daß dann nur von Freiheit und wahrer bei Verschiedenen sehr verschieden vorgenommen Selbstbestimmung" die Rede sein kann, nicht aber wird. Wir haben Ihnen ferner gezeigt, daß es, reid beute. Es stellt sich aus alledem für die Hauptstreit darauf ankommt, wie ,, energisch" und ,, umsichtig" um ,, Herr der Umstände" zu sein, weit weniger und frage das Ergebniß heraus: daß das Risico zwar das Wollen" und die Straft" eines Einzelnen lich glaub allerdings nicht aus der jetzigen Gesellschaft heraus seien, als vielmehr darauf, ob und wie viel Stain gebracht werden fann; daß es aber dadurch aus pital ihm durch die gesellschaftlichen Zusammen der Welt zu schaffen ist, daß mit dem jebigen hänge zufällt.

winn ebenso nothwendig wie gerecht, folglich ist jede Bekämpfung desselben ebenso unfinni, wie un Wir haben diese Auffassung durch eingehende

gerecht."

Ausführungen als eine falsche nachgewiesen und stellen nunmehr unsere Ergebnisse zusammen.

Gesellschaftszustande auch die dem Risico. zu Grunde liegende Ursache hinweggeräumt wird.

Das Risico so führten wir aus fann im jeßigen Gesellschaftszustande allerdings nicht abge= Im Gegensatze also zu Ihrer Anschauung: das schafft werden; denn dasselbe entwickelt sich mit Risico kann nicht abgeschafft werden, also ist jener innerer Nothwendigkeit aus dem Kapital im heuti Gewinn ebenso nothwendig wie gerecht; folglich ist gen Sinne, d. h. aus den der Arbeit als selbst- iede Bekämpfung tesselben ebenso unsinnig wie un­ständige Macht gegenübergestellten' Kapital. Die gerecht" im Gegensatze zu dieser Anschauung sind wir kapitalbesitzende Klasse in ihrer Gesammtheit trägt, wie aus dem steigenden ,, Nationalreichthum" her berechtigt zu sagen:" vorgeht, kein Risico: allein jeder einzelne Unter­nehmer trägt ein solches. Für ihn ist also auch die Risicoprämie( der Kapitalgewinn) nothwendig und, wie man unter den Voraussetzungen des jetzigen Gesellschaftszustandes sogar zugeben kann ( bedingungsweise), gerecht.

Allein die Betrachtung der Sache im Großen, weit entfernt, zu beweisen, was Sie aufstellen, führt im Gegentheil zur Erkenntniß, daß dieser jetzige Gesellschaftszustand weder ein gerechter noch

ein nothwendiger ist.

S. 8 wagen Sie zu behaupten: Abgesehen davon, daß der Culturfortschritt selbst die

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Tendenz hat, die Wage zu Gunsten dieses Factors eigenes Wollen und Können") mehr sinken zu machen 2c. Unwahr, Herr Schulze! Der Zug unserer heu­tigen Cultur geht dahin, das große Kapital immer anwa mächtiger, somit den einzelnen fapitallofen Arbeiter immer abhängiger von äußeren, nicht seinem wollen und Können" unterworfenen Verhältnissen

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zu machen.

S. 11 sagen Sie:

Nicht das rechnet man dem Spieler zu, wenn man

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Wirklich? Welche Weisheit! Das Unglück ist weld nur, daß heute jeder spielen muß, er mag wollen ben oder nicht. Freilich ist es für Viele ein gar ange- welch nehmes Spiel, in welchem die Chance hauptsächlich hen; darin besteht, ob sie weniger oder ob sie mehr ge- Einfl winnen werden; für Andere freilich ein trauriges Deſte Spiel; das traurigste aber für jene, deren Chance vervi nur darin besteht, ob sie mit knapper Noth leben seiner können oder verhungern müssen.

,, Das Risico und mit ihm der Kapitalgewinn fann abgeschafft werden; der Stapitalgewinn ist eine Ausbeutung; folglich ist die Bekämpfung des Ka ihn für seinen Ruin verantwortlich macht, daß er ver- und pitalgewinnes wie überhaupt die Bekämpfung dieses Tiert, daß die Chancen des Spiels, die er allerdings folge jetzigen Zuſtandes und seiner sämmtlichen wesent- nicht voraussehen konnte, gegen ihn find, sondern: baß mit g lichen Ausflüsse ebenso vernünftig wie gerecht." er überhaupt spielt! Zugleich mit der Widerlegung Ihrer haupt­sächlichen Aufstellungen haben wir die Nichtigkeit Ihrer sonstigen Behauptungen dargelegt; wir haben, um uns nicht beständig mit Ihren vereinzelt bin geworfenen Behauptungen herumschleppen zu müssen, Wir haben Ihnen nämlich, was zunächst die die Anschauung unserer Partei, so weit es erfor­Gerechtigkeit betrifft, nachgewiesen, daß dasjenige, derlich war, in zusammenhängender Weise darge­wovon das Risico getragen wird, das Kapital ſtellt, und Jeder mag jetzt unsere Arbeit mit der selbst, nach den Grundsätzen des natürlichen und Ihrigen vergleichen. Nichts destoweniger wollen selbstverständlichen Rechtes der Gesammtheit der wir jedoch einige Ihrer marquirtesten Behauptun Arbeitenden gehört, weil nur durch sie alle Werthe gen und Ausrufungen noch herausgreifen, um sie geschaffen werden; wonach sich der jetzige Zustand auf Grund der gegebenen Entwickelung, in ihrem als eine Ausbeutung des arbeitenden Volkes durch wahren Werthe erscheinen zu lassen. wenige Kapitalbesitzende darstellt, welche Ausbeutung immer nur möglich ist durch selbstständiges Kapital, d. h. durch eine der jeßigen Ausbeutung schon vor­hergegangene andere Ausbeutung.

Wir haben ferner gezeigt, daß durch das Risico, welches aus dem Schoße des der Arbeit selbststän­dig gegenübergestellten Stapitals berauswächst, der Gesellschaft ein Charakter ertheilt wird, in welchem die Freiheit des Einzelnen nahezu aufgehoben ist; und zugleich haben wir das gehässige und schwin­delhafte Wesen der Concurrenz, welches nothwen­dig mit diesem Zustande verbunden ist, bloßgelegt. Wir haben aber ferner auch gezeigt, daß diese jezige Wirthschaft durchaus nicht eine noth­wendige und unabschaffbare ist; wir haben

Auf Seite 4 orakeln Sie:

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unser

S. 13 lügen Sie wie folgt: Fleiß und Faulheit, Solidität und Liederlichkeit, Tüch- Wün tigkeit und Ungeschicklichkeit, Dummheit und Einsicht: das ſteher Alles sind ja dann ganz gleichgültige Dinge, auf die Nichts ankommt, die den Leuten ebensowenig nüßen wie persö schaden, wie es die Lassalle'schen Sendboten täglich pre­digen, indem sie über die Bildungsstrebungen, über das Sparen der Arbeiter spotten.

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Eine Selbstverantwortlichkeit Jemandem aufbürden wollen, dem man nicht die Freiheit gewährt, sein Geschick selbstthätig in die Hand zu nehmen, ist ein Unding." Wo und wann haben die Mitglieder unserer Wir haben Ihnen gezeigt, daß heutzutage Nie- Partei gepredigt," daß Fleiß und Faulheit, Solid mand ſein Geschick in der Hand hat. Wenn die dität und Liederlichkeit, Tüchtigkeit und Ungeschick­Gesellschaft z. B. durch ihre unberechenbaren Con- lichkeit, Dummheit und Einsicht gleichgültige Dinge juncturen den Arbeitern die Arbeit entzogen hat, seien? Wo und wann? Sie werden die Antwort bie müssen diese einfach verhungern. Jene Selbstver- schuldig bleiben, weil Ihre Behauptung auf einer M antwortlichkeit ohne Möglichkeit der Selbstbestim- wissentlichen Verdrehung beruht. mung, jenes" Unding" besteht also, besteht gerade Was unsere Sendboten predigen," ist nicht, heute in der bürgerlichen Gesellschaft. daß jene Dinge gleichgültig seien, sondern daß es dem Arbeiter bei dem besten Fleiß, aller Solidität u. s. w. doch nie möglich sein werde, das Joch des ihn aussaugenden Kapitals zu brechen. Diese trau

Sie orafeln weiter( S. 7):

Je weniger die innern Eigenschaften des Menschen entwickelt find, je weniger er selbst weiß und leistet, desto

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