Erscheint
wöchentlich einmal
in
Verlag
Doppelporto.
M: 1.
Der Sozialdemokrat
Internationales Organ
Sonntag, 4. Januar.
Avis an die Korrespondenten und Abonnenten des„ Sozialdemokrat".
Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw verfolgt wird und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten
Der Junker figt zu Rosse und preßt landab- landauf Des Fleißes befte Früchte mit Peitsch und Degenknauf. Rundum zieht dienstgefällig ein hündisches Geschmeis
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Der Schmalzgesell und Büttel- den strammen 3ehntherr- Kreis. Und manchen guten Bissen, geweiht durch Gottes Wort", Schleppt man in Frack und Kutte vergnügt zum Sammelort. Dann läßt im Reich man blasen ein schmetternd Hallali, Beugt, schmunzelnd in der Seele, vor allem Volk ein Knie Und spricht ein Vaterunser und ordnet Mein und Dein Die Peitsche gibt man messend dem blöden Haufen" drein, Das Schwert legt in die Schale man ihm als täglich Brod, Damit gefeit er troße dem Erbfeind- Hungertod!
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Der Hunger fizzt zu Rosse, er wirbt landein- landaus Für hunderttausend Gräber und für das Bettelhaus. Und aller Welt zum Troste führt er das Schicksal" ein Mit himmelblauem Auge und sanftem Heilgenschein. Drum, wie ich sonst Euch grüßte, der Erste auf dem Plan, Die Menschheit zu befreien vom blinden Hungerwahn,
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So schreit ich trotz der Vehme, heil auch in's deutsche Land, Wo Millionen ringend der Zukunft zugewandt, Entbiete Gruß und Losung
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Noch ist's die alte Madit,
Die unsre Legionen zum Kampfe angefacht, Die unsre Werksgenossen am ganzen Erdenrund Treuinnig mitverwunden zum freien Menschenbund!
werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von:
Fr. 2.- für die Schweiz ( Kreuzband) Mt. 3. für De Ichland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband).
Juferate
Die dreigespaltene Petitzelle 25 Gtb.= 20 Pfg.
1880.
als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selost adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtig Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern.
Der letzte Schlag!
Neujahrsgruß 1880.
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Noch ist er nicht gefallen des Todfeinds lester Schlag, Noch ist er nicht geschlossen der Knechtschaft Jahrestag; Kein jubelnder Sylvester birgt uns Bergessenheit, Uns bringt kein gläubig Hangen, die neu erschloss'ne Beit. 3mölf Schläge dröhnen nieder; uns ist ihr voller Klang Vom ersten bis zum legten ein hehrer Schlachtgefang:
Der Junker saß zu Roffe, der Hunger schritt in's Land, Der Bauer ward enteignet, erniedrigt und gebannt; Und Mönch und Pfaffe kirrten, daß es der Leib ertrag', Sum Himmel seine Seele das war der erste Schlag; Allweg' nur Herrn und Knechte, Rechts handel, Wahn und Lug, Gewalt, Berrath der zweite, das Volk darniederschlug. " Drei" Wie vergebnen Ratens der müde Bauer quitt Der Sippschaft Leibkonsense auf Eselshaut, zerschnitt; Wie er den frommen Herren die Bibel ausgelegt, Und mit dem Eisenbesen das Landrecht reingefegt. ,, Vier" Wie der satte Bürger das Rathhaus und das Sloß Gestürmt und ächt patrizisch geordnet Frohnd und Schoß. " Fünf" -Wie der Zunftzeit Hebel so Leib- als Geisteskraft Entfesselt, bis bemeistert fane Meisterschaft. Sechs" Bieber Shtag begalite, beach auch ihr Glanz und Trug, Bald fchrieb der freie Beften der Menschenrechte Buch; Der Gentus der Arbeit bene edend zog vorauf Und schleudert Privilege und Weitergopf zu Hauf!
Der lepte Schlag, der sündend den Gebenball erhellt, Der alle Gaufelbtler bed trims zeriellt Set uns die Pforten affnet in's Seim und Baterland, Der Schmalzgefell und Büttel zerblest wie eite! Gand; Der in Zafar und Kutte und Fred den Bwing herrn, jag But befferen Arbeit leudtet in's Studiengemach;
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Horch! Sieben"- Das klingt ,, heilig wie Eigenthum"- so schrill Als ob sein hohles Leben der Wahn nicht lassen will. Drum ward sie auch geschlagen die Juni- Hunger- Schlacht Von Proletarenfäuften, so blutig! Das ist ,, Acht!" Ein Schlag voll Fluch und Thränen, anklagend stöhnt er fort Die heilige Gesellschaft", gebaut auf- Brudermord! „ Neun" hört Ihr, durch die Straßen karrt man Schaffot und Thron Und drunter liegt das Elend und drüber grinst der Hohn! „, 3ehn" Dort, auf fränkischem Boden ersäufet man im Blut Den alten Meineids- Cäsar, um einen Kaiserhut! Indeß der Kaiserfieger gelullt in eitle Pracht, Ringt kühn der Kommunarde die Sieben- Wochen- Schlacht. ,, Elf" Wie sie ächzt und wimmert, ob diesem Schlage, wie Beim Todfeind Hilfe bettelt Versailles Koterie,
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Dant ihm, am eignen Volke den Henkersdienst erfüllt Und feig an Weib und Kindern die ekle Rachgier stillt. Am Strande zu Numéa , am Plan von Satory Stillt praktisch Noth und Hunger die Musterbourgeoisie. Und, ha! wie gellt der Elfte endlos durchs deutsche Reich Da tnebelt nebst den Sungen das Glend man zuglei Roch ist er nicht verklungen, der Schlag,-tein Bligftrah! brennt Auf die Verbrecheeftinien das Rainsmal zum End. Doch, feht die Welterballen! Bortatis und nimmer jag. Den Sturmthat auf die Stiene! Bald fommt der Leste Schlag!
Der übermüthgen Drängern den Bolzen Raden bricht Sum Plunder fanft fie bettet als legte Oberschicht; Der. Mein und Dein zu sichten, dem kommenden Geschlecht Mit ehr'nem Griffel schreibet das neue gleiche Recht! Drum wappnet Geist und Glieder, schon graut der junge Tag, An dem das Volk wird schlagen den zwölften, lekten Schlag!
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Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Auf unsern Aufruf sind bisher bei den Vertrauensmännern. in Deutschland und zum Theil auch beim„ Sozialdemokrat" folgende Gelder eingelaufen und an die Unterstützungskaffe abgeliefert worden:
1. Lifte
2.'
23456
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147,80
Mark 470,75
637,68
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3.
711,61
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4.
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5.
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6.
683,91
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7.
84,75
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822,26
Zusammen: Mark 3558,73
Parteigenoffen in und außer Deutschland ! Vergest diejeniger nicht, welche für unsere große Sache leiden und sendet Euer Scherflein an die bekannten Adressen. Indem wir die Opfer des von unsern Feinden mit allen Waffen der Brutalität ge= gen uns geführten, freilich vergeblichen Vernichtungskampfes nach Kräften unterstügen, erfüllen wir nicht nur eine Pflicht gegenüber unsern im Kampf geschädigten Genoffen und deren Familien, sondern fördern auch die Partei selbst, deren Morfämpfer sich um so hingebender für sie schlagen werden, je sicherer fie sind, daß die Partei hinter ihnen steht nicht nur mit Worten, sondern auch mit der That!
Unsere Festtage.
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Die Presse ist in diesen Tagen angefüllt mit den herkömm lichen Weihnachts- und Neujahrsbetrachtungen. Wohl fallen dieselben im Allgemeinen recht trübfelig aus. An Lust zum Schönfärben fehlt es bei den Organen der herrschen den Klassen zwar gewiß nicht; aber die schwarze Macht des Volkselendes, der giftige Mehlthau der Reaktion, sie haben sich so schwer auf die deutschen Gauen, wie auf die Lande ringsum gelegt, daß auch die sonst nicht sehen Wollenden sie nicht mehr läugnen fönnen. Ertönt doch laut
All überall Geschrei nach Brod Vom Atlas bis Archangel, In halb Europa Hungersnoth,
Im halben bittrer Mangel! Die Scheuern leer, die Steuern schwer, Die Ernten schlecht gerathen Doch immer Herrenrechte mehr Und immer mehr Soldaten!
Der bleiche Hunger, der nackte Jammer, die fettenklirrende Knechtschaft, die zitternde Kriegsfurcht und die sausende Herrenpeitsche: fie sehen selbst durch die rosenfarbene Brille des Liberalismus noch düfter genug aus, um eine völlige Todtschweigung und Umkehrung ins Gegentheil unmöglich zu machen. Außerdem ist ja auch dasselbe liberale Bürgerthum", welches bisher der allzeit bereitwillige Gehilfe der Regierung in der Unterdrückung und Ausbeutung des Volkes war, trotzdem es noch voriges Jahr die Sozialdemokratie ächten half, schiner gebeugt worden und liegt wehr- und ehrlos zu Boden vor dem Gewaltigen.
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Trotz alledem aber versucht die Presse die auf allen Gebieten sätze zu vertuschen und die abgrundtief klaffende Kluft zwischen des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens bestehenden Gegen Bedrückern und Bedrückten, zwischen Ausbeutern und Ausge Klasse und dem Volke durch ihren eklen Phrasenbrei zu überbeuteten, zwischen Reichen und Armen, zwischen der herrschenden tünchen. Das Kindlein von Bethlehem , das da Frieden auf Evangelium ein alle Nationen umschlingendes Band des Friedens Erden " und Freude allem Volk bringt", das durch sein gewoben", dessen Lehre dazu geeignet sein soll, die sozialen Schäden unserer Zeit zu heilen und den gähnenden Spalt zwischen den besitzenden und besiglosen Klassen zu überbrücken,
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,, die christliche Liebe, welche die unversöhnlichen Gegensätze auszugleichen vermag": alle diese altersgrauen Ladenhüter werden wieder hervorgeholt und dem Bolk als allerneueste Nova voll unfehlbarer Weisheit aufzubürden gesucht. Ja, ein Blatt, welches das Organ derselben Regierung ist, die eine große deutsche Partei, die Sozialdemokratie, wie einen vogelfreien Verbrecher verfolgt und jede mit ihren Plänen nicht übereinstimmende Ansicht mit roher Schergenfaust niederzuschlagen sucht, dieses selbe Organ hat sogar die ungeheuerliche Frechheit, zu schreiben:„ Die Liebe aber, die Versöhnung, zu welchen das Fest uns mahnt, können und sollen wir festhalten und sie über. tragen auf alle Verhältnisse des bürgerlichen und des politischen Lebens."
Liebe, Versöhnung, Friede, Freude wo sind sie? In den alten und neuen Fabelbüchern; wir wissen nichts von
ihnen, das Bolf fennt sie nicht. Das Volt, das allen Reich= thum und Genuß erschafft, es hungert, friert und stirbt vor= zeitig; soll es darob Freude empfinden? Ein unerbittlicher Kampf ums Dasein tritt Tausende und Millionen zu Boden; sollen sie ihn als Friede feiern? Wie seit Jahrtausenden, wenn auch zuweilen in anderen Formen, wird das arbeitende Volk zertreten, geschunden, geplündert und verachtet; soll es darob seinen Beinigern noch Versöhnung entgegenbringen? Man hezt uns gleich wilden Thieren durch alle Lande, jeder Bube darf uns mit Schmutz bewerfen, jeder Troßknecht seinen Prügel nach uns schleudern, jeder Hund uns nachfläffen; mit schamloser Hand zerstört man uns den heimischen Herd, jagt uns Weib und Kinder auf die Gasse und überliefert sie dem bleichen Elend; mit eiserner Gewalt und jeder Schandthat verfolgt man die muthigen Bekenner der Freiheit, die pflichtgetreuen Vor kämpfer des arbeitenden Volfes, und wir sollen Liebe für diesen Staat und diese Gesellschaft, Liebe für unsere Tod= feinde empfinden?!
Nein, nicht lieben wollen wir, wir wollen hassen- hassen jede Bedrückung, jede Bevorrechtung, jede Schurkerei, ob von großen oder kleinen Schurken begangen! Nicht Frieden wollen wir, sondern Krieg-Krieg gegen das ganze Gebäude von Unrecht, Schmach und Elend, das sich heutige Staatsund Gesellschaftsorganisation nennt; und der Krieg soll nur mit unserm Siege enden! Freude und Versöhnung aber wollen wir nicht eher fennen, als bis die Zwingherren alle zu Boden liegen und der alten Schlange der Giftzahn ausgebrochen ist, ohne den sie nicht leben fann! Zwischen der alten Welt der Klassenvorrechte und der neuen, sozialistischer Welt gibt es feine Versöhnung sie schließen einander aus wie Wasser und Feuer; das Leben der einen ist der Tod des andern!
Unsere Feinde thun wohl, wenn sie uns zu verderben trachten; denn als Sieger werden auch wir sie nicht nur niederschmettern, sondern sie vernichten und nicht ruhen, bis auch das letzte Atom des staatlichen, wirthschaftlichen und geistigen Herscherthums im Winde zerstoben ist und nur mehr der fluchwürdige Name an die alte Schande und das alte Elend erinnert!
Dann werden auch wir unser Weihnachten haben, dann wird auch das Volk sen Friedens- und Erlösungsfest begehen, dann wird die Welt ihre herrliche Zeit und Jahreswende feiern! X 45
Friedrich- Ebert- Stiftung