1. Jahrgang.
Nr. 4.
Sountag, 4. September 19.1.
Sozialdemokrat
Bentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik.
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Deutschland am Scheidewege. cherung der Regierungsbeſchlüſſe in Bayern Schüsse. Die Arbeiter, die vollständig un
gegebenen Falls die Reichsexekutive einzu bewaffnet waren, holten sich aus dem Garten Sozialdemokrat"). Im Ueberwachungsauss Reichstanzler Wirth sieht das Reich am leiten, im ,, leberwachungsausschuß" abgelehnt Saunlatten und Gartenstühle und suchten die schuß des Reichstages berichtete heute der Scheidewege und Rettung oder Untergang als und Verhandlungen mit Kahr empfohlen-Revolverhelden zu entwaffnet, wobei sich eine Reichskanzler über die Verhandlungen zwei nahegerüdie Möglichkeiten. Nicht der die erste, verhängnisvolle Halbheit, die bittere Schlägerei entspann. Nach halbständigem mit Bayern wegen der Aufhebung des Aus innere Sturmt allein macht die nächsten Tage Folgen zeitigen fann, weil sie der Junkerklasse Kampfe, wobei von den Geburtstagfeiernden nahmszustandes. Er glaubt, sagen zu dürfen, und Wochen so entscheidungsträchtig, sondern Mut macht. Diese weiß zu genau, daß es mindestens 300 Schüsse abgegeben daß man in den nächsten Tagen zu einer Ver der verhängnisvolle Umstand, daß sich das diesmal um Leben und Tod geht, sie wird sich wurden, ergriff der größte Teil dieser Helden ständigung kommen werde. Der unabSchicksal Oberschlesiens und damit der deut- mit Berserkerwut ihrer Haut wehren, und die die Flucht. Ein Teil wurde von den Arbei- hängige Abgeordnete Unterleithner schen Wirtschaft entscheiden soll, während die Tollhäuslerausbrüche des„ Miesbacher Anzei- tern entwaffnet. Die Geburtstaghelden hat- brachte darauf ein außerordentliches umfang Parteien einander bis aufs Blut zerfleischen. gers" lassen ahnen, daß sie auch vor Arbeiter, ten etwa 10 Verwundete, deren Ber - reiches Material zur Handhabung des Belage In diesem Hin und Her von Zielen, von Demokraten- und Judenpogromen nicht zu leßungen nur von Schlägen herrühren, rungszustandes in Bayern bei, wies auf die dunklen Machenschaften und geheimen Hoff- rückzuschrecken gewillt ist, sobald es sich um während drei Arbeiter Schußver unterschiedliche Behandlung der Linken und nungen den rechten Weg zu wählen, ist eine ihre letzte Position handelt. Zwischen diesem letzungen davontrugen, einer von ih- der Rechten dabei hin und setzte sich fie die verantwortungsvolle und nur von einem Mei- Willen und seiner Ausführung Klafft freilich nen ist schwer vericht. Den Geburts- Aufhebung des Belagerungszustandes in Bahsterpolitiker voll zu bewältigende Aufgabe. Die noch eine große Kluft, aber er tann, schmet- tagshelden wurden Gummifnüppel, ern ein. Der Abgeordnete Dittmann un Rücksicht auf die Völkerbundtagung verlangte, ternd in die Welt gerufen, immerhin genügen, Revolver, Schlagringe und Muni- ternahm einen heftigen Vorstoß gegen die Redaß Deutschland in den Augen der Welt so um Wirth den Mut zum Aeußersten zu rau- tion abgenommen. gierungsmaßnahmen Bayerns . Die unabhän vertrauenswürdig dastehe, daß selbst böser ben. Wir fagten: mit der Ausführung hat In Osnabrück hatte die Deutsche gigen Abgeordneten fordern in einem Antrag Wille ihm die Fähigkeit, Oberschlesien zu ver- es ſeine guten Wege, und dachten dabei an Volkspartei ebenfalls eine Sebanfeier veran- die Reichsexekutive gegen Baywalten, nicht absprechen kann. Behaupten die den Widerstand der Arbeiterklasse, der touse- stalict. Für die 300 Besucher hatte der ern, während die bürgerlichen Parteien durch Rechtsparteien ihre Stellung und durften sie quent organisiert und durchgeführt, der Jun- Polizeidirektor 70 Polizeibeamte auf- Verhandlungen die Beseitigung des bayrischen ihr verwegenes Spiel mit Kontrollversamme kermarilla ohne Kaiser den Mut zum Los- geboten. Ein Prosessor verherrlichte in einer Belagerungszustandes erreichen wollen. lungen, Stahlhelmparaden und Prinzenrevuen schlagen gewiß nehmen würde. Weder im Festrede Krieg und Monarchie. Die Arbeiter weiter spielen, dann iſt dieſes Vertrauen end- Herbst 1918 noch gelegentlich des Kahr- But- ließen sich tvoß der Provolation durch schwarz Wirths Bekenntnis zum Proletariat.
weiß- rote Fahnen nicht herausfordern.
Regierung.
fäme, möchte er feinen Zweifel darijber las sen, daß er auf der Seite des Proletariats
Dez
giftig verwirft. Alle chauvinistischen Deutsch sches haben die hohen Herren bewiesen, daß landfeinde der ganzen Welt beten in diesen ihr Mut an die Größe ihres Maules heranStunden gewiß zu Gott, daß die Soldaten reicht, und so werden sie auch diesmal, wenn In Chemnih versuchten die Arbeiter die gen Rede des Reichskanzlers im Ueberund Junkerschnauze ihre alte, widerliche man ihnen die Faust unter die Nase hält, sich Schanfeier in den Schulen zu verhindern. In wachungsausschusse heben die Blätter mit beFrechheit bewahren und so für jede Vergewalti mit dem Tartarengeheul begnügen. Aber eincat Gymnasium entstand ein Handge= sonderem Nachdruck die Stelle hervor, in der gung Deutschlands den erwünschten Vorwand einig muß die Arbeiterschaft ihnen gegen menge, wobei ein Bauarbeiter von Dr. Wirth erklärte, falls es zu der Entwvid hergeben möge. Ihnen hat die Verordnung über sein, sie darf nicht, wie in den Tagen des einem mit Wassen versehenen Schüler er- lung: hie Bürgertum"," hic Proletariat" der Reichsregierung, welche republiffeindliche Umstarzes, um den konservativen Feiab za defen wurde. Zeitungen, Versammlungen und Paraden zwingen, allzuviele Konzessionen an das libestreng verbietet, einen bösen Streich gespielt. rale Bürgertum machen. Daß Arbeiter und Die Umbildung der preußischen stehen werde. Es fragt sich nur, ob dieser Sieb sich auch voll Bürger vereint die Schanze der Rückschrittler Demonstrationen für die Republik . auswirten wird, weil Wirth möglicherweise stürmen, ist gut und notwendig. Aber das Bedenken hegen wird, den Bogen allzu straff nuß geschehen, indem die revolutionäre Ar- Berlin , 3. September. Dem„ Tageblatte" Ric!, 2. September. Ein mehrere hundert zu spannen. Eiserne Energie hat den Mann beiterschaft ihre Verbündeten nach links fort zufolge hatte der preußische Landtagspräsident Mann starker Trupp durchzeg am Nachmittag bisher eben nicht ausgezeichnet und allzu sicher reißt, statt sich von ihnen leise nach rechts zie Leinert gestern Besprechungen mit dem und Abend die Stadt und zerstörte nafann er sich auch nicht fühlen, solange der hen zu lassen. Nach dieser Nichtung gibt die Reichspräsidenten Ebert und dem Minister- mentlich die an den Geschäften befindlichen zweitmächtigste Bundesstaat, Herrn von Kahrs Unterredung, welche von einem Mitarbeiter präsidenten Stegerwald über die Frage der Hoflieferanten Schilder. pechschwarzes Bayern jeden energisch- repu- des„ Berliner Tagblattes" mit Bizefanzler ümbildung der preußischen Regierung.( Be- schwarzweißrote Fahne wurde von blikanischer Schritt der Reichsregierung grund Bauer hatte, einiges zu denken, wenn er bei fanntlich wird im Zusammenhang mit dieser einem Balkon heruntergerissen und sätzlich sabotiert. Hier an die Isar hat sich den Unabhängigen mit Genugtuung eine Umbildung der Regierung auch der Wieder- verbrannt. aus der Rumpeltammer altersschwacher Ideen Eniwiatung zum demokratischen Standpunkt" eintritt der Sozialdemokraten lebhaft erör- Berlin , 3. September. ( Wolff.) Jm geflüchtet, was immer im dunkelsten Deutsch feststellen zu dürfen meinte. Denn in Wahrheit tert. Ob ein solcher, wenn er erfolgt, die Ueberwachungs- Ausschusse land davon aufzutreiben war: Jener Partitu- hofft er damit auf eine Hinwendung der Un- Bildung einer proletarischen Einheitsfront be- Reichstages begrüßte Dr. Beyerle( bayr. larismus, der bis in die Mitte des verflosse- abhängigen zum wahrheitssozialistischen Be- günstigen würde, darf man füglich bezweifeln. Volkspartei) die Momente der sich anba h nen Jahrhunderts sich in einem lächerlichen kenntnisse, welthe die heutige teimereiche Situa- Uns handelt es sich nicht um Koalition mit dennenden Beruhigung in den Bezie. Duodezfürstentum austoben durfte; der Haß tion ebenso verderben könnte, wie die ähnliche Bürgerlichen, sondern um den Aufstieg des hungen zwischen Reich und Baydes kaiholischen Analphabeten gegen den im November 1918. Wir sind überzeugt, daß Gesamtproletariats zum entscheidenden Faktor ern und sagte, der bayrische Ausnahmszus ,, hellen" protestantischen Preußen. Anbetung unsere unabhängigen Freunde diesen Weg im Staate. stand sei absolut nicht verfassungswidrig und der Uniform und des ,, augestammien" Herr- ebenso wenig gehen werden, wie sie sich auch folle lediglich Gewalt bekämpfen, komme sie scherhauses von Gottes Gnaden; die seit den nicht von den Kommunisten, die bisher übrivon links oder rechts. Reichskanzler Wirth Tagen Napoleons nicht mehr verstummte, von gens einiges blaß gehalten haben, in eine Berlin , 3. September. Wie die Blätter erwiderte: Wir haben bereits gestern mit beHabsburg immer begönnerte Sehnsucht nach Abenteuerpolitik werden hineinreißen lassen. mitteilen, fand gestern Nachmittag eine Beauftragten Herren aus Bayern die Gesamtder Hegemonie in Deutschland ; dazu die Auf der zielbewußten Festigkeit der Unabhän Selbstgefälligkeit des kunstverlaffensten Spie- gigen ruht heute die Zukunft des Reiches. Nur ſprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. lage, wie sie sich im Reiche und in Bayern er( beileiße nicht aus Ehrlichkeit, sondern aus ten Militaristen Deutschlands und Frankreichs dem Führer der bayrischen Demokraten Abg. mir mitgeteilt, daß sie gerne bereit sind, sohers über seine Stunſtſtadt; sein Neid, daß sie kann den trotz aller Feindschaft verbünde- Wirth, dem bayrischen Gesandten Preger, ergeben hat, eingehend und fachlich durchgedem bayrischen Staatssekretär Schweher und sprochen. Alle drei Herren aus Bahern haben Dummheit) den Krieg weniger fruchtbar aus die Waffe aus der Hand winden und beweisen, Dr. Dirr über die Aufhebung des Aus na h- fort in Verhandlungen mit dem bezunützen verſtand als der„ Berliner Saujud", daß Deutschland nicht der ewige Friedeſtörer me zustandes in Bayern statt. Das tannten Ziele einzutreten. Es hat sich und dergleichen edle Redewendungen mehr. der Welt ist, nur sie kann so Oberschlesien bei Aber Borniertheit, Schwerfälligkeit und Did- seinem Siammland erhalten und damit be- Ergebnis der Besprechungen wird der Reichs- aber bei der Besprechung herausgestellt, daß tanzler in der heutigen Sitzung des Neber- dort eine Reihe von Mißverständnisschädligkeit liefern einen Wall, den Herr von wirken, daß die wirtschaftliche Entwicklung wachungsausschusses mitteilen. Die Blätter sen vorhanden war. Ich habe den Herren Stahr für feſt genug hält, um sich hinter ihm Deutschlands aus einem gesicherten Boden sind der Ansicht, daß sich die bayrische Regie- aus Bayern angeboten, daß die bayrische zu verschanzen und den Wirthschen Verord- heraus ruhig und glanzvoll gedeihe. runr nicht auf einen ablehnenden Standpunkt Staatsregierung zunächst auf Grund des Benungen zu trogen. Er begnügt sich also nicht
blok, förmlich gegen sie zu protestieren, son- Die Herausforderungen der reichs- ſtellen und daß ein Konflikt zwischen richtes, den die Herren in München erstatten
dern läßt Offiziere weiter in jener Uniform herumlaufen, die sie durch ihre Einsichtlosigfeit am ärgsten geschändet haben; er duldet es und sorgt wohl noch dafür, daß die verbotenen Mörderblätter Miesbacher Anzeiger" und Völtischer Beobachter" weiter erscheinen
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Dem Reiche und Bayern vermie wollen, zu dieser Angelegenheit Stellung neh den werden dürfte. Zu der Verordnung men solle und daß wir dann anfangs des Reichspräsidenten über die Maßnahmen nächster Woche hier in Berlin wieder zuzum Schuge der Republik hat die sächsische sammenkommen wollen, um die Beratun Regierung eine Erklärung abgegeben, in gen, wie ich hoffe, zu einem guten Berlin , 1. September. ( Drahtbericht des der sie die Unterstützung der Maßnahmen für Ende zu bringen. Die bayrischen Herren und stemmt sich mit Händen und Füßen gegen Sozialdemokrat"). Ju Strahlau bei Sachsen zusichert. In der Erklärung wird na- haben dieser meiner Anregung zugestimmt und eine Aufhebung des bereits zwei Jahre wäh- Berlin , das fast ausschließlich Arbeiterbewölfe- mentlich von allen Beamten verlangt, daß sie werden sich spätestens Mittwoch zu dies renden Ausnahmszustandes in Bayern . Weiß rung hat, machte sich beim Bekanntwerden die sächsische Regierung in ihrem Bestreben, sen Beratungen mit uns wieder zusammener doch, daß im selben Augenblick die von den einer trotz des Verbotes stattfindenden Se- die republikanisch- demokratischen Einrichtun- finden. Die deutsche Volkspartei entscheidet sich für die Fesseln erlöste Arbeiterschaft, wovon eine danfeier eine große Erregung bemerkbar. gen zu schützen, unterſtüken. Nürnberger Versammlung genügend Zeugnis Als einige Arbeiter den Wirt des Lokales Berlin , 3. September. Wie den Blättern republikanische Konjunktur. ablegte, fein Gewaltregiment hinwegfegen fragten, um was für eine Feier es sich eigent aus München berichtet wird, ist gegen den Berlin , 3. September. Das Berliner Tagewürde, und das demokratische" Bürgertum lich handelt, erklärte dieser, daß die Leute bei Miesbacher Anzeiger", wegen des blatt" schreibt zu der gestrigen Debatte im des Reiches springt ihnt, muß man fürchten, ihm eine Geburtstagsfeier angemel am Donnerstag von ihm veröffentlichten Ar- Ueberwachungsausschuß: in seinem Bestreben bei. Wenigstens hat es det hätten. Als die Arbeiter den Saal betreifels ein erfahren wegen groben machte die Erklärung des Abg. Ka hl, daß die den Antrag des Genossen Dittmann, zur Si- ten wollten, sielen sofort von hinten Unfugs eingeleitet. deutsche Volkspartei zur repu
Staries Aufsehen