1. Jahrgang. Nr. 47.

Dienstag, 25. Oktober 1921.

Sozialdemokrat

Bentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Urbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik.

Mebaktion und Verwaltung: Prag II., Savličtovo nám. 32.| Einzelpreis 70 Heller. Desugsbedingungen: Del Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich 16- K Telefon 6795, nachts 6797. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Prag. vierteljährlich 48-, halbjährig 96, ganzjährig 192. Für Deutschösterreich mon atlich 120- öK, für Deutschland 16- Mk. Postspartassatonto 57544. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

Arbeiler, Arbeiterinnen!

Barteigenossen und Genossinnen!

In schicksalschwerer Stunde wenden wir uns an Euch! Die lange im Dunkeln Ta ichende Gefahr eines Krieges hat über Nacht drohende Bedeutung gewonnen. Die Regierung hat die Teilmobilisierung angeordnet und damit ist der erste Schritt getan, der schon binnen furzem zu kriegerischen Handlungen führen kann. Geschieht das Furchtbare, dann stehen wir vor Erreignissen, deren Verlauf und Folgen noch unab­sehbar sind. Der Gedanke, daß wir wieder in die Schrecken eines Krieges hineingestürzt

Teilweise Mobilisierung.

Die 1895er und die Jüngeren.

Prag , 24. Oftober.( Tsch. P. B.) Der Präsident der Repub Ministers für nationale Verteidigung und nach Anhörung der Mobilisierung angeordnet.

Das Patent des Präsidenten lautet:

Herr Minister für nationale Verteidigung!

at über Vorschlag des eine teilweise

werden sollen, erfüllt uns mit Schaudern, denn erst drei Jahre sind seit der Beendigung Wehrgefeßes vom 19. März 1920 S. b. G. n. V. Nr. 193 die Mobilisation an.

Ueber ihren Vorschlag ordne ich nach Anhörung der Regierung gemäß dem§ 23 des

des Weltkrieges verflossen und die Greuel des Krieges, das ihn begleitende Leid ber Menschen, stehen in aller Erinnerung und noch bluten die Wunden, die er geschlagen.

1. Der im Jahre 1895 geborenen und der jüngeren Militärgagi sten und der Mannschaft in der Reserve der Infanterie, Artillerie, Kavallerie und der Fliegertruppen.

Arbeiter und Arbeiterinnen! Da unsere Brüder unter die Waffen gerufen werden und einem ungewissen Schicksal entgegengehen, rufen wir Euch in Erinnerung, daß 2. Der im Jahre 1890 geborenen und der jüngeren Militärgagi wir vom ersten Tag ihres Bestandes an aufgezeigt haben, daß die Friedensschlüsse, die sten und der Mannschaft in der Reserve der übrigen Waffengattungen und aller von den siegreichen Mächten der Entente den besiegten Staaten und Völkern diktiert Dienste einschließlich der Aerzte, Tierärzte, der Offiziere bes Zeug­wurden, den Keim zu neuen Kriegen in sich tragen. Sie sind Friedensdiktate, die den wesens, des Verwaltungs- und Proviantdienstes, wo immer sie eingereiht find, also auch 3wed verfolgen, das Proletariat Mitteleuropas für die herrschenden Klassen der En- bei der Infanterie, der Kavallerie und bei den Fliegertruppen.

3. Von den Angehörigen des Telegraphenregiments, des Eisenbahnre­tente frohnden zu lassen, wieder Unruhe in die Welt brachten, neue Konfliktstoffe schu- giments und der Automobilformationen, außer den oben ab 2 erwähnten fen. Die Entente, die unter der Maste, der Demokratie zu dienen, ihre Völler in den auch die Mobilisierung der Militärgagisten und der Mannschaft in der Reserve, Kampf und zum Siege geführt hatte, zeigt weder den Willen, noch die Kraft, für die der in den Jahren 1889 bis einschließlich 1891 Geborenen, insoweit sie die Demokratie in Mitteleuropa einzutreten. Und so sahen wir seit vielen Monaten mit Bestimmungskarten( urcovack listek) erhalten haben. wachsender Besorgnis, wie die bewaffnete Realtion immer dreister ihr Haupt erhebt, en­ger ihre Kreise zieht, ringsum in Deutschland , Bayern , Ungarn und Desterreich eine die Errungenschaften der Revolution bedrohende Macht gewinnt.

An der Spitze der Reaktion stehen die entthronten Herrscherhäuser, die Ho­ henzollern , die Wittelsbacher und allen voran die Habsburger . Dieses Geschlecht, das alle erdenkliche Schmach auf sich geladen hat, schleudert in der Person seines würdigen Sprossen, des chemaligen Kaisers Karl die Brandfadel neuen Krieges in die Welt.

Ich ordne an, daß Sie diese teilweise Mobilierung sofort durchführen.

Prag , am 28. Oftober 1921.

berkünden and

T. G. Masaryk m. p. Dr. Eduard Benesch m. p. Fr. Udrzal m. p. Infolgedessen hat der Minister für nationale Verteidigung die sofortige Vornahme der mit der Verkündigung dieses Patentes verbundenen Arbeiten angeordnet und den 27. Ot tober 1921, 0.01 Uhr, als ersten Mobilisierungstag bestimmt. Näheres auf den Kundma chungen.

Gemeinsame Erklärung

Der Sozialdemokratischen Parteivorstände Deuts Der Lichechoslowakei und Desterreichs.

Das Abenteuer des Habsburgers bedroht vor allem unsere Brüder in Deutsch­österreich, sie, die heute in ihrer Einigkeit und in ihrem tapferen revolutionären Kamp­se der stolzeste Teil des internationalen Proletariates sind, mit denen wir viele Jahr­zehnte hindurch in treuer Waffenbrüderschaft unsere Kämpfe führten und mit denen uns auch heute noch tausend Fäden brüderlicher Freundschaft verknüpfen. Ihr Schid­sal ist zu nicht geringem Teile auch unser Schicksal. Würde der österreichischen Arbei­terschaft das blutige Habsburgerjoch auferlegt werden, bliebe die monarchistische Re altion fiegreich, die ihre blutbefleckten, gierigen Hände nach Wien ausstrect und würde der weiße Terror der farlistischen Banden das Wiener und österreichische Proletariat niedermeheln, jede Lebensregung der Arbeiterbewegung im Blute erstiden, so wär dies Angesichts der wachsenden Bedrohung der re­auch eine Bedrohung unserer selbst. Aber auch die Proletarier Deutschlands stehen publikanischen Verfassung durch die monarchi­vor großen Gefahren und führen schwere Kämpfe gegen die deutschnationale Realtion, stische Konterrevolution haben die Parteivor­die monarchistischen Hafenkreuzler, die Schwerindustriellen und Großgrundbesitzer. stände der Sozialdemokratischen Partei Deutsch­Die Erhebung der Monarchisten in Ungarn ist ein Teil der fontrerevolutionären lands, der Unabhängigen Sozialistischen Partei Bewegung, die wir ringsum am Werke sehen. Werden die Karlisten in Ungarn sieg. Deutschlands , der Tschechoslowakischen Sozial­reich, so wird in kürzester Zeit die Reaktion einen weiteren Vorstoß zur blutigen Er- demokratie, der Deutschen sozialdemokratischen oberung Desterreichs, Bayerns und Deutschlands unternehmen. In dieser Not und Ge- Arbeiterpartei aus der tschechoslowakischen Re­publik und der Sozialdemokratischen Arbeiter fahr, die auch unsere Gefahr ist, können und dürfen wir unsere Brüder, das kämpfende Proletariat Defterreichs und Deutschlands nicht verlassen!

Wir haben im Barlamente von der Regierung verlangt, daß das Aeußerste, der Krieg, vermieden wird, daß sie alle friedliche Mittel bis zum äußersten ausschöpfe, um das farliftische Abenteuer ohne Blutvergießen zu beenden. Diese Forderung erheben wir hiemit laut und feierlich vor aller Welt aufs neue. Nach der Verfassung kann über Krieg oder Frieden nur die Nationalversammlung entscheiden, deren sofortige Einberufung wir verlangt und erreicht haben.

Die parlamentarische Vertretung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft wird weiter eifrig bemüht bleiben, auf die Regierung einzuwirken, daß eine Vertreibung berHabsburger ausUngarn und wo möglichst ein entscheidender Schlag gegen die mittel­europäische Reaktion ohne Strieg geführt werde. Wir tragen eine Verantwortung für bie bisherige Politik der Regierung und für ihre letten Maßnahmen, wir sind Gegner des in diesem Saate bestehenden politischen Regierungssystems und protestieren gegen die Absicht um reaktionäre Methoden gegen die Bevölkerung in Anwendung zu bringen. Im Kampfe gegen Habsburg , die Reaktion den drohenden weißen Terror aber werben die deutschen Arbeiter dieses Stantes in internationaler brüderlicher Solidari­tät ihre revolutionäre Pflicht erfüllen.

Der Barteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

Die Klubs der Abgeordneten und Senatoren der deutschen sozialbeut. Arbeiterpartei.

partei Oesterreichs sich auf folgende Erklärung

geeinigt:

deraufrichtung des Militaris. mus und des Systems politischer und sozia­ler Unterdrüdung zur Wehr zu setzen. Die unterzeichneten Parteileitungen wer ben zu einverständlicher Abwehr miteinander in ständiger Füh Iung bleiben. Sie richten zugleich an alle sozialistischen und Arbeiterparteien der Welt den Appell, das Proletariat der zunächst bedrohten Länder in seinem Verteidigungs­tampfe zu unterstüßen und erinnern insbe sonders die Barteien Englands, Frank. reichs, Belgiensund Jtaliensan ihre erhöhte Verantwortlich­teit, da offensichtlich diese Restaurations. versuche von der offiziellen oder inoffiziellen Politik ihrer herrschenden Klassen getragen sind.

Das gemeinsame Interesse des gesamten Proletariats des Deutschen Reiches, der Tschechoslowakei undOesterreichs gebietet die Aufrechterhaltung und Siche­rung der republikanischen Staatsform in diesen Ländern mit allen parlamentarischen und außerparlamentari­schen Mitteln. Die Parteileitungen erwarten Für den Parteivorstand der deutschen sozia! einerseits von den öffentlichen Vertretungen bemoratischen Arbeiterpartei in der Tscheche. der Arbeiterklasse den Einsatz ihrer ganzen parlamentarischen Macht dafür, daß alle monarchistischen Zettelungen

slowakischen Republik:

Dr. Czech, Cermat;

und die Regierungen für jede Unterlassung für die tschechoslowakische Sozialdemokratie: ober Duldung gegenüber Angriffen, die den Bürgerkrieg zur Folge haben müssen, verant­wortlich gemacht werden.

A. Nemec, Jaroslav Astr; für die sozialdemokratische Partei Deutsch­Oesterreichs:

Karl Sei, Ferdinand Staret; für das Zentralfomitee der unabhängigen sozialistischen Partei Deutschlands : A. Crispien;

Sie erwarten andererseite, daß die arbei tenben Selassen selbst die gesamte Rraft ihrer politischen und wirtschaftlichen Organisation bereithalten, um sich gegen die Wiederkehr der mit dem Fluche des Serieges für die fozialdemokratische Partei Deutschland belasteten Dynastien und gegen die wic- l

Hermann Müller , Otto Wel