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2. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Der Schlachtruf

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.

der Reaktion.

Samstag, 21. Ottober 1922.

Keine Hoffnung auf baldige Gesundung

Deutschlands ?

Ungünstige Wirkung der englischen Regierungskrise.

Stimmung.

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Bellimistische

- Stürmische Devisenhausse in Berlin .

Berlin , 20. Oftober. Die Regierungs frise in England hat hier eine sehr ungünstige Wirkung ausgeübt. Man befürchtet, daß die en dgültige Regelung der Reparationsfrage nicht nur aufs neue hinausgeschoben wird, sondern daß auch die Gewaltpolitik der französischen Nationalisten nene Nahrung finden wird. Es wird als sicher angenommen, daß die Brüsseler Finanzkonferenz vorläufig nicht stattfinden wird und daß in der Reparationsfommission die schärfere Richtung wieder die Oberhand gewin nt. Die pessimistische Stimmung Tam besonders deutlich an der heutigen Börje zum Ausdruck, wo man jede Hoffnung auf eine baldige Wieder­gesundung der deutschen Wirtschaft ausgegeben zu haben scheint. Schon gestern waren die Kurse für ausländische Zahlungsmittel erneut in die Höhe gegangen, heute nahm die Devisen hauffe auf Meldungen über schwächere Ausland sturse der Mark wieder stürmische Formen an. Der Dollar stieg von 3192 auf 3551, die Tich e cotrone von 10.498 auf 11.870.

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Nr. 248.

tanzler im Hause verstärkt worden seien. -Abg. Stresemann( deutsche Volkspartei ) stellt fest, daß der Antrag der Mittelparteien feineswegs auf eine Anregung der Sozialdemokratie zurüc zuführen sei. Abgeordnete Frau Zettin ( Kommunistin) verlangt, daß die Präsidenten­wahl durch das Volk noch in diesem Jahre erfolge.

In Beantwortung einer persönlichen Bemer fung des Abg. Hergt führt Reichsfanzler Wirth aus, nach Nachrichten, die wir haben und nach dem Bekenntnisse eines Mitbeteiligten an einer Verschwörung, müssen wir mit einem neuen poli. tischen Morden in Deutschland rechnen.( Großze Bewegung.)

Mit der Mahnung des Abgeordneten Fehrenbach( Zentrum) an die Deutschnatio nalen, vor allem auf die deutschnationale Presse einzuwirken, um die Mordatmosphäre zu reini gen, schließt die Aussprache. Der Antrag der Mittelparteien wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der äußersten Linken in erster und zweiter Lesung angenommen. Die dritte Lesung erfolgt am Dienstag.

Seit Jahr und Tag widerhallen die deutsch­nationalen Zeitungen vom wüsteſten antisemi­tischen Pogromgeschrei. Kaum jemals wurde die Judenhezze so systematisch betrieben, wie jetzt von den monarchistisch- deutschnationalen Propagandisten der Gegenrevolution. Die Werbearbeit für den Monarchismus, die Ver­unglimpfung des demokratischen und republi­kanischen Gedankens und die zügelloseste Schü­rung des Judenhasses gehen dabei Hand in Hand. Das ist natürlich kein Zufall. Es hat vielmehr schon August Bebel vor dreißig Jah­ren darauf treffend hingewiesen, daß die Juden­hetze der Reaktion als Deckmantel dient, indem er schrieb, der Antisemitismus werde von den verschiedensten bürgerlichen Parteien und Per­jonen als Abzugsfanal benußt, um die Aufmerf­jamkeit von der eigenen voltsfeindlichen Hand­lungsweise abzulenfen. Das war zu allen Zei­ten so. Als Lueger daran ging, das Wiener Seleinbürgertum für den Klerikalismus einzu­fangen, und es zum Kampfe gegen die aufstre­bende Arbeiterbewegung zu sammeln, weďte er vor allem die antisemitischen Instinkte dieser politisch und ökonomisch unwissenden Kleinbür gerlichen Schichten. Und nicht anders war es Eine Mitteilung Wirths in der Reichstagsligung. Ebert führt sein Amt tratische Parlamentsdienst:

in Frankreich zur Zeit des Dreyfusprozesses, der für die monarchistische Bewegung damals eines der Mittel darstellte, in dem entfesselten antisemitischen Haß und Fanatismus die Maß­sen zu blenden, um sie willig gegen die Repu­blif in die Schlacht führen zu fönnen.

Vor neuen politischen Morden in Deutschland .

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ohne Börsenjobber, ohne Unmoral und ohne fapitalistische Ausbeutung.

Mordanschläge gegen Wirth. Eine Verhaltung. Berlin

, 20. Oktober. Zu den Erklärungen des Reichskanzlers erfährt der sozialdemo

Durch Zufall find die Polizeibehörden nicht nur auf die Spur eines einzelnen Rom.

nationalen Verbrechen vergessen zu machen und es vor ihren in den Schlamm geratenen Karren spannen zu fönnen.

bis 30. Juni 1925 weiter. Berlin , 20. Oktober .( Wolff.) Der Reichstag | Abgeordnete Hergt erklärte, er und seine beriet heute den gemeinsamen Antrag der Sozial Freunde würden gegen diesen Antrag stimmen. plottes, sondern mehrerer Anschläge ge­demofraten, des Zentrums, der deutschen Volls der Unfall der Parteien fet aus der Meinung gen den Reichskanzler gekommen. Eine jugend. partei, der Demofraten und der Bayrischen Volls entstanden, daß seine Partei einen eigenen Kandiliche Person ist von Kreisen, die dem Attentat partei, betreffend die Wahl des Reichspräsidenten , baten aufstellen würde. Das sei nicht wahr. auf Rathenau nahe stehen, für hohen Sold ge Der Antisemitismus als Mittel zum vonach die Reichsverfassung dahin abgeändert Reichskanzler Dr. Wirth bestritt entfajieben, sungen worden, den Reichskanzler zu ermorden. Zwed: so ist es auch heute. Die deutsche na- werden soll, daß der von der Nationalversamm daß der Antrag der Mittelparteien eine Berben­tionalistische Reaktion hat in Deutschland wie lung gewählte Reichspräsident sein Amt bis zum gung vor der Sozialdemokratie sei. Ohne die- Gewissensbisse haben den jungen Mann veran­auch bei uns wieder die alte Maske des Anti- 30. Juni 1925 führen solle. Die deutsch ligfeit des Reichspräsidenten und seiner Freunde laßt, von diesem Plane Abstand zu nehmen und semitismus vorgebunden. Mit Recht fonnte nationale Frattion beantragte dagegen, daß würden die Deutschnationalen faum Gelegenheit die Vorbereitungen in rechts gerich der Vorsigende im Prozesse gegen die Mithel- die Wahl des neuen Reichspräsidenten am 3 . De haben, im Reichstage zu jiben. Mit seiner be teten Kreisen der Polizei mitzuteilen. Er fer bei der Ermordung Rathenaus sagen: Hin- zember dieses Jahres vor sich gehen solle. Abge sonnenen Ruhe sei Präsident Ebert in unruhiger wurde daraufhin verhaftet und machte Aus­ter den Mördern und Mordangriffen hebt der ordneter Marg( Zentrum) begründete den ge- 3eit oft genug der Helfer aus der Not für die wurde daraufhin verhaftet und machte Aus­fanatische Antisemitismus verantwortungsvoll meinsamen Antrag der Parteien. Er sagte, die strifen des Volles aewesen. Aus den Provisorien fagen, welche die Polizei auf neue Fährten jein verzerrtes Antlitz empor." Das ist treffend. Lage des deutschen Volkes lasse die Belastung mit Agitation von rechts endlich auf­überaus schwere finanzielle und wirtschaftliche müssen wir heraus, damit die verheyen de lenkten. Aber es weist doch nicht erschöpfend den Ur- der Aufregung einer Wahl sehr bedenklich erschei hore.( Stürmischer Widerspruch seitens der Berlin , 20. Oftober. Wie verlautet, wur­sprung und die Urheber des Verbrechens auf. nen. Der bisherige Reichspräsident habe es ver- Dentschnationalen.)- Abgeordneter Müller den in der letzten Zeit an den Sieichskanzler Briefe Gewiß, der unmittelbare Urheber des schänd- standen, bei der Ausübung seines Amtes das ge- ranten( Sozialdemokrat) erflärt, Deutsch gerichtet, worin ihm das Schicksal Rathenaus pro­lichen Meucheimordes, der Deutschland eines famte deutsche Volf zu vertreten und seine Ge land werde am besten fahren, wenn das Ausland phezeit wird. Die Kriminalpolizei hat darushin seiner besten und edelsten Männer beraubte, schäfte zu besorgen. Er habe sich damit im stei sch. daß die Deutschnationalen sich in ist der Antisemitismus, aber hinter ihm stehen genden Maße während seiner Amtsführung die einer rettungslosen Minderheit be- einen strengen Ueberwachungsdienst über die Per­doch noch ganz andere Triebfräfte. Die wahren Sympathie weitester Bevölkerungskreise erwor finden, wozu die Annahme des Antrages die beste fonen veranlaßt, die für diese Tat in Betracht Schuldigen sind die Führer der deutschnatio- ben. Die Parteien wünschten die Verlängerung Gelegenheit bietet. Eine Kandidatur Hindenburgs tommen. Dabei wurden Briefe eines gewissen seiner Amtszeit, weil sie der deutschen Politik den würde die Sozialdemokratie nicht schreden.- nalen Partei und deren Preſſe, deren täglich Charafter der Stetigkeit, Geschloffenheit und Bräsident Löbe teilt mit, daß in letzter Zeit Schulz aus Leipzig aufgefangen, der einem Veľann­betriebene wüste Pogromheßze schließlich bei den Festigkeit geben wollten.- Der deutschnationale die Schutzmaßnahmen für den Reichsten mitteilt, daß er den Reichskanzler ermorden beklajsierten, moralisch entwurzelten und sittlich verkommenen jungen Leuten einer gewissen **** LØRER ⠀⠀ BØDERRØNTBEIJURGICØLIKEZZINI Saste zu der Auffassung führen mußte, daß die die Juden nach ihrem Glauben fleine Kinder die unglüdseligen Kriegsfolgen, ohne Wucher, fen, um bei ihm die Erinnerung an die deutsch­Austilgung alles Jüdischen" mit Revolver, zu schlachten verpflichtet sind. Die Juden allein Maschinenpistolen und Handgranaten eine ver- find natürlich auch am Wucher und an der Zene­diente Tat sei, die nötig ist, um die Uebel die- rung schuld, als ob die Bevölkerung nicht sehen Die Sache ist herrlich leicht und wunderbar ser Welt zu beseitigen. Wenn die deutschnatio- würde, daß die Arier" das Wuchern genau so einfach. Da zerbrechen sich Wirtschafts- und So- Daß die verlogenen Phrasen und das Ju­nale und deutschgelbe Presse heute versucht, die gut verstehen, und als ob man im Kriege und zialpolitiker, Staatsmänner und die Völker dengeſchrei der Deutschblütigen" in den Schich über die Mordgesellen verhängten Strafen als nach dem Kriege nicht die tausendfältige Er selbst die Köpfe, wie Not und Strijen zu ban ten des sich in seiner Eristenz vom Großkapita­ geradezu ungeheuerlich" hinzustellen, da es fahrung gemacht hätte, wie auch die christlichsten nen wären welch überflüssiges Streben nach lismus bedrohten und ökonomisch unorientier­sich um Jungen" handle, die in eine Besse- und frömmsten der Bauern und Händler die Lösung des gordischen Knotens! Man jage die ten Kleinbürgertums, in den Streisen der un­rungsanstalt gehören und nicht ins Zuchthaus Preise hinaufzutreiben verstanden und die arme Juden aus dem Lande und alles Unglück hat reifen, völkisch- arijchen' Studentenschaft und ge­oder Gefängnis", so ist das allerdings wenn Vevölkerung ausgeplündert haben. Die deutsch ein Ende. Schade nur, daß so leicht erfennbar wisser durch den Strieg entwurzelter sogenannter auch die Täter damit nicht entschuldigt werden nationale Presse entblödet sich nicht einmal, zu ist, was sich hinter dem wütenden amisemiti- Intelleftueller Anhang gefunden haben, ist ge­insofern richtig, daß die Verurteil- behaupten, die Juden wären am Ausbruch des schen Geschrei verbirgt! Es ist eine alte Erfah. wiß richtig. Aber die Deutschnationalen täuschen ten nur die Opfer anderer sind, nicht zuletzt Strieges schuld; das behauptet dieselbe Presse, rung, daß der Schlachtruf gegen die Juden sich sehr, wenn sie glauben, damit auch größere die Opfer deutschnationaler antisemitischer Gift- die den Striegshebern die Mauern gemacht hat, stets nur der Schlachtruf der Reaction war und Teile der Arbeiterschaft einfangen zu fönnen. blätter, welche die längste Zeit zur Befreiung" alle Schand- und Greueltaten des Strieges gut- ist. Auch die Deutschblütigen" brauchen den Die deutsche Arbeiterschaft ist durch eine zu von der Judenrepublik" durch Mord und Tot- hieß, die den Krieg als notwendig, als wahren von jeher in den Masien genährten Saß gegen harte Schule gegangen, als daß sie die deutsch­schlag in Heim und Proja aufforderten. Wenn Heilszustand der Menschheit pries und die vier die Juden, um durch diese Sündenböcke die nationalen Schwindler nicht durchschauen würde. Die Früchte dieser Seßze reifen, dann sucht aller Jahre lang das Durchhalten" bis zum Weiß- Augen des Volfes von den eigenen Sünden ab- Sie wird sich über die Ursachen ihrer wirtschaft­dings die antisemitische Hepp Hepp- Presse von bluten der Völker predigte! Selbstverständlich zulenken. Würden die Deutschvölkischen mit lichen und politischen Senechtschaft nicht täuschen ihren verheyten Opfern abzurücken, als ob nicht erzählt die deutschnationale Schmußliteratur ihrem wahren Gesicht vor die Massen treten, lassen, denn sie weiß, dant ihrer Senntnis des dieselbe Bresse, als die Tat geschah, sie als auch, daß die Juden sich im Kriege gedrüdt ihre wahre Absichten verraten, so würden sie Wesens des Kapitalismus und der sozialen Heldentat", die Mörder als wahre Tellgestal haben als ob es keine deutschnationalen Ta- mit eisernem Besen, davongejagt werden. Nach Triebfräfte, die wahren Ursachen ihres Glends ten" gefeiert hätte! chinierer gegeben hätte! und daß der dem Weltkrieg, der dem deutschen Volfe die ebenso richtig einzuschäßen, wie die antisemiti­Was wird auch alles den Juden von diesen dische Marrismus" schuld sei an der jeßigen Früchte ihrer verbrecherischen Bolitik zu fosten ichen Setzereien der Deutschnationalen. Sie Blättern zur Last gelegt. Es gibt fein Uebel Strije und Arbeitslosigkeit. Mit einem Wort: gab, so daß es heute schier hoffnungslos frank fämpft nicht bloß gegen den jüdischen Kapi­und fein Unglüd in der Welt, an dem nach eile Nichiswürdigkeiten, alle Not, alles Unglück, niedergebrochen ist, fönnen die deutschen Na- talismus", sondern gegen den Stapitalismus ihrer Behauptung die Juden, der jüdische die Teuerung, der unglückliche Krieg, die Ar- tionalisten nicht offen bekennen: seht, die Senech überhaupt, auch wenn es arischer" oder fromm­Geist", oder die Judenrepublik" nicht die beitslosigkeit, alle Unmoral, stammt nur von tung und Not des deutschen Volkes ist das Werk christlicher Kapitalismus iſt. Schuld trügen. Stein Schauermärchen ist albern den Juden. Und es liegt nur an den von die- unseres größenwahnsinnigen Treibens! Sie fön- hüten, bem zerschlissenen ähnlein der völkischen genug, um nicht erzählt zu werden. Das gilt jen Plagen heimgesuchten Menschen, sich davon nen auch nicht offen jagen, daß ihre Absicht Judenfresser zu folgen, denn sie weiß, daß hin­ebenso von der Behauptung, daß die Juden zu befreien, indem sie sich und ihr Schicksal den die Wiederherstellung der monarchistischen Reafter der Masfe der Befreier vom" jüdischen eine geheime Sefte bilden, welche die Herr- deutschnationalen Messiasen anvertrauen, die die tion ist. Darum jeßen sie den wütenden anti- Joche" die verzerrte Fraße der Steaktion lauert. schaft über die Welt" anstrebt, wie vom Ritual- Juden totzuschlagen versprechen, worauf die semitischen Spektakel ins Werk, suchen die wil­mordmärchen und von der Behauptung, daß Welt als reines Paradies dastehen werde: ohne desten und trübsten Instinkte im Volfe zu wet­

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Sie wird sich