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3. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in er tschechoslowakischen Republik.

Dienstag, 27. März 1923.

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Nr. 71.

Eine ideale Forderung". Sozialistenberatungen über die Ruhrfrage. Die Berfolgungen der Arbeiter­

bewegung in Ungarn .

Herr Rudolf Keller, der Herausgeber des Bolle Uebereinstimmung auf baldige Beendigung des Ruhrtonflittes. " Prager Tagblattes", hat das dringende Be- Berlin , 26. März.( Eigenbericht.) Die befassen, auf deren Beschlüsse die deutschen Sozial Die Internationale Transportarbeiter Föde dürfnis empfunden, bei den Machihabern des Verhandlungen zwischen den Bertretern der eng- demofraten neuerlich antworten werden. Es ration teilt uns mit: Staates seine Visitenkarte abzugeben. So und lischen, franzöfifchen, belgischen und italienischen herrscht volle Uebereinstimmung darüber, daß der Am 25. Februar fand in Budapest der Kon­nicht anders ist sein sonntägiger Zeitaufjay zu Sozialisten und der deutschen Sozialdemokratic Ruhrkonflikt möglichst bald beendet werden, die greß des Ungarischen Transportarbeiterverban werten, den er Die ideale Forderung" über- wurden heute Abend abgeschlossen. Mit ihrem Reparationsfrage unter Berücksichtigung der Bah- des statt. Nach einer Pause von etwa zehn Jah schreibt und in dem er der deutschen Politik Ergebnis wird sich die am 29. März in Paris zu- lungsfähigkeit Deutschlands gelöst und der Frieren war die J. T. F. zum erstenmal wieder- im tschechoslowakischen Staate einen Sad sammentretende Konferenz der Ententesozialisten den Europas gesichert werden müssen.

wohlgemeinter Ratschläge zuwendet. Die

frieden und Kapitalsabgabe.

diesmal in der Person ihres Sekretärs Na­thans vertreten. Die besonderen Umstände, unter denen der Kongreß abgehalten wurde, sowie deutschbürgerliche nationale Politik ist nun in Die englische Arbeiterschaft für Ruhr- Generalappell. Ein Putsch sei im letzten Augen die Tatsachen, die uns während unseres Buda­der Tat alles eher als achtunggebietend und macht in ihrer Ratlofigkeit und Verworrenheit blice durch das Zupaden in Norddeutschland ver- pester Aufenthaltes über die noch immer anhal hindert worden. tenden Verfolgungen unserer ungarischen Rame oft genug einen bemitleidenswerten@indrud. London , 26. März.( Reuter.) In einer Rede Wie die Vossische Zeitung" meldet, haben raden bekannt wurden, veranlassen uns über die Aber die freundlichen Ratschläge, die Herr vor der Ortsgruppe Newport der unabhängigen sich an dem Aufmarsche der Hitlerlente auch die Verhältnisse, unter denen unsere ungarischen Keller als Mentor zu erteilen unternimmt, Arbeiterpartei erwähnte Macdonald die vereinigten vaterländischen Verbände beteiligt. Kollegen arbeiten müffen, einiges zu fagen. Wir gehen nicht nur die deutschbürgerlichen Par- Reise der Vertreter der Partei ins Ausland, um durch den Bannkreis des Landtages bringen er sten Auftakt einer Aktion, die Erst als gegen Abend die Nationalsozialisten betrachten diese Mitteilungen gleichzeitig als den teien, sondern die gesamte deutsche Bevölkerung die Forderungen des französischen, des belgischen wollten, trennten sich die Angehörigen der vater- J. T. F. in Angriff genommen hat und die fort des Staates, aljo auch die deutsche Arbeiter und des italienischen Volkes zu erörtern und sich ländischen Verbände von den Nationalsozialisten. gesetzt werden soll und wird, bis diesen Verfol schaft an. Diese Ratschläge gehen dahin, die zu bemühen, einen Plan ausfindig zu machen, der gungen in Ungarn ein Ende gemacht wird und ideale Forderung" nach dem Selbstbestim die deutsche Regierung befriedigen würde. Mac­Die Frechheit der Hitlergarden. unseren dortigen Kollegen das Koalitionsrecht mungsrecht abzuschwören und sich- wofür donald sprach die Hoffnung aus, die Arbei ohne jede Einschränkung gesichert ist. angeblich neun Zehntel der deutschen Bevölke München , 26. März.( Tsch. B.) Die nationa Es waren nur Vertreter der Budapester rung in Böhmen im geheimen längst find terpartei werde die Lösung der gegen listischen Stoßtrupps haben am Transportarbeiterorganisation( 5500 Mitglieder) zusammen mit den vereinigten vaterländi mit der Republik auszuföhnen". Die Art nun, wärtigen Schwierigkeiten durch die( chen Verbänden eine Gelände übung anwesend. Die übrigen Ortsgruppen find aufge in der Herr Keller, der Herausgeber des Blat- europäischen Regierungen erleichtern fön veranstaltet, um öffentlich gegen die Auflösung der lich der Vorstandssitzungen, muß volizeiliche Er­Geländeübung hoben. Für alle Zusammenfünfte. einschließ tes, das wohl über Abonnenten, aber über nen. Bezüglich der inneren Politik sagte er, die deutschen Freiheitspartei zu demonstrieren. Nach laubnis eingeholt werden. Auf dem Kongreß lich der Vorstandssitzungen, mu polizeiliche Er herzlich wenig Bekenner verfügt, über diese Arbeiterpartei schlage eine Sapital sabgabe Beendigung der Uebung wurde ein Demonſtra- saßen neben dem Vorsitzenden: 1. ein höherer Frage zu schreiben unternimmt und die für vor damit die Steuern herabgesetzt werden tionszug durch die Stadt veranstaltet. Polizeibeamter; 2. ein gewöhnlicher Polizist; 3. die tschechischnationale Presse ein gefundenes fönnten. standen am Saaleingang drei Polizeibeamte; 4. Fressen" bedeutet, um sie gegen die deutschen befanden sich im Saale unter den Delegierten noch zwei Bolizisten in Zivil. Die Polizei hatte bereits früher schriftlich mitteilen lassen, daß die ausländischen Vertreter nicht das Wort ergreifen dürfen. Der Sekretär der Organisation wurde 10 Tage vor Abhaltung des Kongresses wegent einer Rede, die er vor einigen Jahren gehalten hat, verhaftet und weggeführt! Die Ber­trauensmänner der Organisation, die Lohnforde rungen formulieren, laufen stets Gefahr, von den Unternehmern als jüdische Sever" oder Kom munisten" denunziert und interniert zu werden.

Ein Geifeltommando" der Halen freuzler.

Barteien auszuschroten, macht, so unwesentlich Kombinationen der französischen Presse. die Privatmeinungen des Herrn Rudolf Keller sonst auch sind, eine Antwort notwendig. Berlin , 26. März.( Eigenbericht.) Nach Pa- Berlin, 26. März.( Eigenbericht.) Die Hitler rifer Meldungen glauben die französischen Na- leute haben unter dem Decnamen einer Treu Die Forderung nach dem Selbstbestim- tionalisten, daß die Vereinbarungen per inter- heft" in Nürnberg ein Geiselkommando errich mungsrecht ist dem Herrn Keller zufolge nichts nationalen Sozialistenkonferenz die deutschen So- tet, das im Falle eines Putsches die Arbeiter anderes als eine Lebenslüge, welche Bezialdemokraten givingen werden, ihre Haltung zum bewegung durch Gefangenſebung der Führer hauptung er mit einem literarischen Gleichnis Babinett Cuno zu ändern. Zu dieser Annahme köpfen" foll. An der Spitze der Treuschaft" schmückt. In gesuchter Geistreichelei zieht er liegt deshalb kein Grund vor, weil die deutschen stehen ein Professor und ein Arzt. zwischen dem träumerischen Schwächling Sjal Bolitik im Sinne des internationalen Sozialis Sozialdemokraten auch vor der Konferenz ihre Nationalistische Kundgebungen vor mar Ekdal in Ibsens " Wildente" und dem mus eingestellt hatten. Sollte die Sozialdemo Rundgebungen vor Deutschen im tschechoslowakischen Staate einen fratie mit Cuno in Widerspruch geraten, fo der französischen Botschaft. Noch schwieriger sind die Verhältnisse, unter denen das Eisenbahn- und Straßen Vergleich. So wie Ekdal an seiner Lebenslüge, werden keinesfalls die franzöfifchen Nationalisten endigung einer Demonstration vor dem Reichs beit verrichten muß. Den Eisenbahnern ist ver Berlin , 26. März.( Eigenbericht.) Nach Be- bahnpersonal seine organisatorische Ar­der idealen Forderung", zugrundegeht, weil Vorteil davon haben! er in seinem Traumzustand das Leben selbst tag fam es gestern zu nationalistischen Stund boten, sich in einer auf unserem Standpunkt übersicht, so sagen, nach Steller, auch die Deut Parade" der bayrischen Hafentreuzler. einen Gesetz sollen in der Nähe des Reichstages fieren. Wohl bestehen etliche Verbände für ein­gebungen vor der französischen Botschaft. Nach stehenden felbständigen Gewerkschaft zu organi schen dem verhängnisvollen Schlagworte Berlin , 26. März. Der Vorwärts" meldet keine Versammlungen stattfinden. Die Polizei zelne Gruppen, wie Maschinisten, Heizer, Zugs Selbstbestimmung" nach, daß er als mit den aus München , daß dort am Sonntag früh geht aber rigoros nur bei linksgerichteten Ver- personal( von letzterem sogar zwei), die natürlich Forderungen des Lebens im Widerspruche aus Berlin, Nürnberg, Augsburg , Regensburg anstaltungen vor, während sie rechtsstehenden feine wirtlichen Vorteile für ihre Mitglieder er ftehend, ansieht. Steller bangt geradezu vor dem und anderen Städten Trupps von Hakenkreuz- Streifen erlaubt, das Gesetz zu mißachten. Der ringen fönnen. Uebrigens wird ein starker Drud Tage, da das heute auf dem Boden liegende lern eingetroffen sind. An mindestens 4 Stellen Vorwärts" schreibt dazu, daß es nötig sein wird, ausgeübt und selbst mit Internierung gedroht, Deutschland seine Selbstbestimmung zurückge- wurden Felddienstübungen abgehalten. Ein entweder nach beiden Seiten gleich streng vorzu um das Personal zu zwingen, sich den von der winnen wird, und er stellt die besorgte Frage: Parademarsch vor Hitler und von Kahr schloß gehen oder das Gesetz über die Bannmeile auf- Regierung protegierten chriftlichen" Organisatio Wie wird Deutschböhmen dann seine Selbst- wärts", war am Sonntag mehr geplant als ein Republik leiden soll. die Nebungen. Zweifellos, so meint der Vor- uheben, wenn nicht das Ansehen der deutschen nen( deren je eine für die Arbeiter und die Beam bestimmung nüßen? Wird es sich für den An­ten besteht) anzuschließen. Einer der Direktoren schluß an Deutschland entscheiden, oder wird es in einem freigewählten Verband bei der und nicht etwa der tschechischen Machtpolitik| ständigung zu suchen! Nicht einmal die berüm-| dung, ein Recht, das heute durch die Gewalt Moldaurepublik verbleiben? Da sieht Herr ist die Erhaltung eines großen Heeres zu ten weißen Raben", die früher sehr vereinzelt erjeszt ist, sondern um die Erfüllung der Be­Keller nun das Grausige aufsteigen: Wenn die danken. Das ist der Ton, auf den Herr Keller einer Revision des Verhältnisses der beiden dingungen, welche dieser Entscheidung voraus­Hjalmar Ekdals die Oberhand im deutschen bei seinem Herabstieg in die Niederungen der Volksstämme zueinander das Wort redeten, zugehen hat. Was Herr Keller will, das ist die Volke gewinnen, so wird die Entscheidung im Politik, seinen Artikel abgestimmt hat. Er wagen sich jetzt noch mehr hervor: der wüst bedingungslose unterwerfung. Sinne der idealen Forderung", das ist der darf sich daher nicht wundern, daß die tsche- um sich schlagende und tobende Chauvinismus ein Programm, das allerdings auf der einen Lebenslüge" Ekdals, fallen, obwohl damit die chischnationale Presse, ohne viel nach Herkunft hat sie längst verscheucht! Die Hjalmar Efdals Seite helle Freude hervorrufen muß, aber nicht deutsche Bevölkerung ein großes, fast töd- und Legitimation zu fragen, in dem Artikel sind sie nicht auch auf der anderen Seite geignet ist, die Fragen, um die es geht, in liches wirtschaftliches Opfer bringen" würde. einen Haupttreffer erblickt, den ihre Politik zu finden? Herr Keller gibt dies schüchtern einer alle Teile befriedigenden Weise zu lösen. Fiele aber Deutschböhmen an Deutschland , so gemacht hat. Vielleicht ahnt Herr Keller nicht, wohl zu, aber er wendet sich gegen die hüben, Herr Keller stellt sich wohl die Dinge wunder­würde das die Erschlagung" der ganzen deutsch wie er nicht nur dem Selbstbestimmungsrecht, nicht auch gegen jene drüben. Er hält nur das bar einfach vor: die Deutschen treten in die böhmischen Industrie bedeuten, so daß nur sondern dem politischen, nationalen und ful- Selbstbestimmungsrecht für eine Lebenslüge"; Regierung ein, er verteilt auch schon die Por­mehr eine Handvoll Hopfenbauern und an- turellen Kampf der deutschen Bevölkerung in angenommen, es wäre jo, gibt es nicht eine tefeuilles und weiß, daß die Deutschen vier dere landwirtschaftliche Betriebe sich ernähren den Rüden fällt, aber die Unwissenheit über viel ärgere Lebenslüge":" den nationalen Miniſterſize, reklamieren" fönnten, worauf sic könnten". Nach Seller sieht man das im All- den Schaden, den sein Dolchstoß von hinten" Staat"? Merger, weil er eben nicht bloß eine in dem Rahmen dieses Hauses jene Stellung tagsleben in Deutschböhmen auch ein, aber an anrichtet, vermag ihn natürlich nicht zu ent- ideale Forderung" ist, sondern ein nationales einnehmen würden, die uns niemand vorent­Sonntagen überwiege die ideale Forderung" schuldigen. Es ist mit Ausnahme etwa der und politisches Programm darstellt, welches halten fann". Wirklich? Oder ist nicht Herr und drohe in Verblendung die Gristenz des deutschen Ueberradikalen gar nicht wahr. vier Millionen Deutscher täglich am eigenen Steller selbst ein Hjalmar Etdal, der in der deutschen Volkes zu vernichten. Darum fühlt daß die Unversöhnlichkeit, Verträumtheit oder Leibe schmerzhaft zu spüren bekommen. Es sei Welt seiner Träume die Wirklichkeit nicht sicht, Herr Rudolf Keller die große historische Mis- Werblendung der deutschen Bevölkerung an dem nicht geleugnet, daß Deutschböhmen ein wich richtiger: nicht sehen will? fion in sich, dem deutschen Volke über seine Zustandekommen eines nationalen Ausgleichs tiges wirtschaftliches Interesse hat, bei der Vor allem übersieht Herr Keller, daß zur wahren Interessen die Augen zu öffnen. die Schuld trägt. Sind diese Untugenden nicht Tschechoslowakischen Republik zu bleiben, aber Liebe und Ehe zwei gehören. Zwei, die im Daß die Darstellungen Stellers feinen An mindestens ebenso bei den Machthabern zu fin- wer sagt Herrn Keller, daß die Deutschen im freier Entscheidung sich zusammenfinden, da spruch darauf erheben können, als seriös ge- den, die nicht nur eine drückende und demüti- Falle der Erlangung des Selbstbestimmungs nicht der eine Teil dem anderen die Bedingun­würdigt zu werden, geht schon aus ihrer schrei- gende Vorherrschaft der einen Nation über die rechtes von diesem Rechte nicht den Gebrauch gen des Zusammenlebens despotisch diffiert. enden Einseitigkeit hervor. Nur die deutsche anderen aufgerichtet haben und sie schranken- machen, daß sie im Falle der Gewährung glei Wenn er es beklagt, daß die beiden Völker Bevölkerung besteht der Mehrheit nach aus und hemmungslos ausnüßen, sondern die auch chen Rechtes im Verbande der Republik zu ver- heute in einer Konvenienzehe" leben, die er Sjalmar Ekdals, nur die Deutschen jagen noch nicht das Allergeringste getan haben, um bleiben erklären? Wer gibt ihm ein Recht, zu gerne in einer Liebesehe vereinigt sehe, so hat einer Lebenslüge" nach, nur sie haben ein aus der Konvenienzehe" eine Liebesehe" zu zweifeln, daß die deutsche Bevölkerung auch er damit, daß er alle Schuld an dem bisheri wirtschaftliches Interesse am Verbleiben in der machen? Herr Keller zeige uns doch nur eine ohne seine anmaßliche Bevormundung in der gen Zustand nur dem einen Teil zuschiebt, dem Moldaurepublik, nur von ihnen hängt die einzige der tschechischen politischen Parteien, Wahrnehmung ihres Interesses das Richtige Werfe der Vereinigung einen schlechten Dienst Herbeiführung eines Ausgleichs zwischen Deut- die reif und willens wäre, eine Annäherung finden werde? Hiebei handelt es sich durchaus erwiesen. schen und Tschechen im Staate ab, nur ihnen an die Deutschen im Sinne einer ehrlichen Ver- nicht bloß um das Recht der freien Entschei

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