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3. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der

atschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei

in der tschechoslowafischen Republit.

Donnerstag, 11. Oftober 1923.

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Nr. 237.

Der Dolchitoß der Schwer- Die Reichsmart das schlechteste Zahlungsmittel Delterreich im Wahltampi.

patrioten.

Dem heimiüdischen Dolchstoß von hinten gegen den Parlamentarismus und damit gegen die deutsche Reichseinheit, den die Deutsch­nationalen in der vorigen Woche über Auftrag der Schwerindustriellen geführt haben, ist ein nener gefolgt, womöglich noch heimtüdischer und perfider. Die Ruhrindustriellen, natürlich lauter geeichte dentsche Schwerpatrioten, find unter Stinne& Führung ohne Vorwissen, ja gegen die Absichten der Reichsregierung in direkte Unterhandlungen mit dem Kommandanten der französischen Vesaßungsbehörden getreten,

nicht nur zu dem Zwede der Sicherung ihres persönlichen Profitinteresses, sondern auch zur Durchsehung ihrer diktatorischen arbeiterfeind­lichen Absichten. Was Stinnes im Reichsiage zu erreichen suchte, das ist im Grunde genom men dasselbe, was er jetzt mit Silfe der fran zösischen Bajonette zu holen sucht: die Nieder­tretung der Arbeiterschaft durch die fascistische Diftatur, die Abschaffung des Achtstundentages und die Beseitigung der Betriebsräte. Im Reichstage hatten Stinnes und die deutsch­nationalen Verfassungsfeinde kein Glüd, die Einjeßung einer militärisch- fascistischen Ge­waltherrschaft unterblieb, da die große Stoali­tion wieder hergestellt wurde. Selbst die bürger­lichen Parteien durchschauten die Intrige der Deutschnationalen Schwerindustrie, der Reichs. tag zeigte Herrn Stinnes die kalte Schulter mid so zog er mit langer Nase ab. Nun sind er und die anderen Scherpatrioten eilfertig und beflissen zum Erbseind" gelaufen, um auf diesem volfsverräterischen Wege noch einmal ihr Glück zu versuchen.

der Welt.

Eine Tschechotrone= 90 Millionen. Mart. Berlin

, 10. Oftober.( Eigenbericht.) Die deutsche Währung hat in ihrer Abwärtsents wielung den Tiefstand des Rubels nicht nur erreicht, sondern ihn bereits überschritten. Gestern stand der Dollar in Mostan auf 945 Millionen Rubel, heute wurde der Dollar in Berlin amtlich mit 2.9 und an der Nachbörse mit vier Milliarden bewertet; damit ist die deutsche Mart das schlechtefte Zahlungsmittel der Welt geworden. Eine Friedensmart gleicht ungefähr einer Milliarde Papiermart. Im gleichen Verhältnisse stiegen auch die Kurse für andere Zahlungsmittel; die Tschecho krone wurde mit 90 Millionen amtlich notiert.

Um den ungeheueren Bedarf an Zahlungsmitteln zu befriedigen, müssen riesige Mengen nener Noten mit immer höherem Nominalwert gedrudt werden. Vorläufig find es Einmil­liardenschein e, demnächst werden Fünf- und Zehn milliarden scheine heraus­fommen; gleichzeitig sind noch weit höhere Werte in Vorbereitung, und zwar zu 20, 50 und 100 Milliarden. Es dürfte gar nicht gange dauern, bis der Billionenschein herauskommt.

Bei der ungeheuer fortschreitenden Markentwertung, die jede Kallulation unmöglich macht, erscheint die Herstellung einer neuen Währung als das dringendfte Gebot der Stunde, wenn nicht das Wirtschaftsleben völlig zum Erliegen kommen soll. Die 2e bensmit telzufuhr wird immer knapper, da die Lan dleute sich weigern, wertloses Papier anzunch­men. Die Regierung hat die Absicht, sobald das Ermächtigungsgeses vom Reichstag beschlossen ist, die Schaffung einer neuen Währung in die Hand zu nehmen. Sie befindet sich in and. sichtsreichen Verhandlungen über die Gewährung eines ausländischen Warenkrebites und über eine Beteiligung amerikanischer Rapitalisten an der zu gründenden Währungsbank. Der Abschluß des Vertrages über den Warenkredit soll nahe bevorstehen.

Auf dem Lebensmittelmarkte wiesen die Preise, abgesehen von den Fleischpreisen, die eini­germaßen ftagnierten, eine 100prozentige Steigerung auf. Während gestern noch Margarine im Großhandel 300 Millionen Mark für ein Kilogramm loftete, wurden hente 500 Millionen Mart gefordert. Tas markenfreie Brot bostet von morgen ab 110 Millionen Mark. Die Ver­anlaffung hiezu ist das starke Anziehen des Mehlpreises, der gestern um drei Milliarden Mark pro Doppelzeniner stieg.

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Um die ganze Infamie der Deutſchnatio. Friedenstundgebungen des franzöfifchen

Broletariats,

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( Von unserem Wiener Korrespondenten.)

Raum noch zwei Wochen trennen uns von den Wahlen zum Nationalrat, die in Wien zugleich mit den Wahlen zum Gemeinderat verbunden werden, und das Wahlfieber hat auch schon die ganze Bevölkerung erfaßt. Für den äußerlich ruhigen Verlauf des Wahlkampfes hat die zwi­schen Sozialdemokraten und Christlichsozialen abgeschlossene Vereinbarung gesorgt, die die Par­teien verpflichtet, gegnerische Versammlungen, Flugblätter und Plakate nicht zu verhindern, sodas cs zu Gewalttätigkeiten bisher nur in ganz weni­gen Fällen gefonimen ist.

Als die ersten sind diesmal die Sozialdemo fraten öffentlich in den Wahlkampf eingetreten. Nicht nur daß sie schon am 31. August ihren Wahlaufruf veröffentlicht haben, haben sie auch mit ihren Versammlungen lang vor den Gegnern eingesetzt und auch ihre Kandidaten vor ihnen der Deffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. Auch mit der schriftlichen Propaganda sind die Sozial demokraten den anderen Parteien nicht nur zuvor gefommen, sondern sie haben diesen Kampf auch mit einer Wucht eingeleitet, daß die anderen Par teien, auch die Christlichsozialen, ihnen ouch bis jetzt noch nichts Aehnliches an die Seite zu setzen vermochten. In Wien namentlich beherrscht die fozialdemokratische Wahlpropaganda, auch abgeje hen von den zahlreichen Versammlungen und Demonstrationen die Straße. Zuerst wurden in ganz Wien satirische Bilder angeklebt, die nament­lich dem christlichsozalen Antisemitismus und Antifapitalismus die Begünstigung der Banken durch ihre Regierung gegenüberstellten. Tansende junger Proletarier haben bei Nacht diese Bilder ausgeflebt und sie in späteren Nächten bewacht und dort, wo sie trotzdem von den Gegnern abgefragt wurden, durch neue ersetzt. Zugleich wurden durch die Vertrauensmänner hunderttausende kleine Flugzettel berteilt und ebenfalls an Wanern und Plakatwänden aufgeklebt, die in schlagenden Säßen Ein Erfolg Zeigners. dic christlichsozialen Versprechungen mit ihren Ta ten konfrontierten. Dann folgten die Riesenplafate, nalen um Stinnes zu erfassen, muß man Dresden , 10. Oftober. Die Reichsregierung jede Woche ein neues, die die sozialdemokratische wissen, daß sie es waren, denen der Ruhrkrieg Paris, 10. Oktober. Der Nationalrat des hat den Amtshauptmann von Meißen , Schmidt, Verwaltung der Gemeinde und die christlichsoziale nicht lange genug dauern fonnie und die daran Allgemeinen Arbeiterverbandes hat gestern be- den Freistaat Sachsen ernannt. Man hofft, daß den Christlichsozialen angekündigten Aufhebung cinen Sozialdemokraten, zum Zivilfommissär für Sanierung des Staates, die Wirkungen der von Schuld tragen, daß der Stampf nicht zu einer schlossen, am 11. November eine nationale für dieses Entgegenkommen der Reichsvegierung des Mieterschußes, die Wohnungspolitik der Ge­Zeit abgeschlossen wurde, da er noch in Ehren Arbeiterlundgebung für den Friedem Konflikt Geßler- Zeigner ein Ende bereite: meinde, die Mitschuld der Christlichsozialen an und ohne restlose Kapitulation hätte beendigt den zu veranstalten. Die Kundgebung soll in wird. Krieg und die Segnungen des von den Christlich­werden können. Jetzt, da der Ruhrkrieg für fozialen verherrlichten Krieges den Wählern via Deutschland verloren ging, fennen die deutsch Paris, Lille, Reims, Bordeaux und Straßburg , stisch vor Augen führen. Gleich; bei Beginn des nationalen Großfapitalisten keine dringendere vielleicht auch in einer sechsten Stadt, statt­Berlin, 10. Oftober. Wie der Sozialdemo Wahlkampfes hat die Wiener Partei auch eine Sorge, als sich um die Kriegskosten zu brüden. finden. fratische Parlamentsdienst" aus München berich eigene Wahlzeitung erscheinen lassen, die Wiener Der Ruhrfrieg war ihnen ebenso wie der Welt. tet, verursacht dort die Absicht des Reichswehr Nachrichten ", die den Wählern unentgeltlich in die frieg eine Zeit der Plünderung der Volfs. ministeriums, den General von Lossow aus Mün Wohnungen zugestellt wird, und außerdem eine massen, während die ungeheure Mehrheit des Breslau , 10. Oftober.( Wolff.) Heute ist hier chest abzuberufen, einige Erregung. Eine amtliche Wahlzeitung für die Frauen Die Unzufriedene". deutschen Volkes namenlose Entbehrungen auf eine größere Anzahl von Kommunisten verhaftet Mitteilung ist noch nicht eingetroffen, doch hält die die Frauen über die christlichsoziale Bolitik auf­sich nahm, nun suchen sie es wie nach dem worden, darunter befinden sich Mitglieder der man es für wahrscheinlich, daß Lossom tatsächlich flärt. Diese Zeitungen, Flugzettel und Wilder Ariege zu halien: alle Kriegskosten Bartei, sowie das Bureaupersonal und Angestellte neuen Konflikte zwischen Bayern und dem Reiche angepaßtem Teri, auch in der Proving verbreitet, Bezirksleitung der schlesischen kommunistischen abberufen wird. In diesem Falle sei mit einem werden, zum Teil mit den örtlichen Verhältnissen von den Schultern der Bourgeoisie der Schlesischen Arbeiterzeitung". Die Festnahme zu rechnen.( Lossow ist fetter treffliche Reichswehr wo außer dem Verrat der Christlichsozialen an abzuwälzen. Der erste Vorstoß dazu sollte steht im Zusammenhange mit der fommunistischen general, der unlängst, bei der Münchner Mon den Kleinbanern mehr in den Vordergrund gestellt die Zerschlagung der großen Koalition sein, die Propaganda zum Zwede der Einsetzung einer Ar- archistenparade, sich im Gefolge des Herrn Rupp wird. Daß daneben den Tag in Wien allein nach Beiseiteschiebung des Parlamentarismus beiter- und Bauernregierung in Deutschland . recht Wittelsbach so wundersam ausnahm. D. R.) Dupende, im ganzen Staat Tausende von Ver­von einem mit Diftaturgewalt ausgerüsteten fammlungen stattfinden, braucht wohl nicht be 10000000000000000000000000000000000000000000¯¯¯¯¯Øª☹تGK¶¶00000000 sonders erwähnt zu werden. Die Kosten dieser Direktorium abgelöst werden sollte. Einmal zur schrankenlojen Herrschaft gelangi, hätten achteinhalb und zehnstündiger Arbeitszeit und Ihre hirnlose Butschtaktif, ihr Schreien nach großen Wahlpropaganda gehen wohl in die Milli Sie deutschnationalen Schwerindustriellen Teich zur Abschaffung der verhaßten Betriebsräte der Diftatur, ihr ständiges Spiel mit dem arden, aber die Arbeiter, bie wissen, um was es in tes Spiel gehabt: die deutsche Arbeiterschaft zwingen. Nur weil der französische Komman- Generalstreif, treibt die Mittelschichten des diesent Wahlkampf geht, haben alle Opfer mit Be­geisterung auf sich genommen und seit Monaten hätte durch Verlängerung ihrer Arbeitszeit. dant ablehnte, mit den Industriellen anstatt Bürgertums ebenso ins rechtsradikale Lager, steuern viele Hunderttausende Arbeiter allwöchent zu unterhandeln, unter- wie ihre Seße gegen die Sozialdemokratie lich einen Bruchteil ihres Lohnes, mindestens aber durch Knebelung ihrer Rechte, durch Schweiß mit der Regierung und Blut mit unbezahlter Mehrarbeit die blieb die Ausführung des schändlichen Planes. Massen des Proletariats dem Indifferentismus tausend Stronen für den Wahlfond. deutsche und französische Währung allein zu Dieser Schritt der deutschnationalen Schwer in die Arme jagt, so daß auch sie ein Opfer Die bürgerlichen Parteien haben es nicht so reparieren gehabt. Das deutsche Proletariat patrioten zur Errichtung eines großfapitalisti- des deutschnationalen Fascistentums zu werden gut. Weder können sie auf so begeisterte Arbeiter, so viele Vertrauensmänner rechnen, die Tag und wäre nach den Plänen der Schwerindustriellen schen Regimes ist übrigens nicht der erste. drohen.

Kommunistenverhaftungen.

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Rupprechts getreuer General.

"

den Banken und anderen Stapitalisten-

und ihrer hatenkreuzlerischen Helfer allein Schon lange sucht der deutsche Kapitalismus Das volfsverräterische Beginnen der Stin. Nacht für die Partei arbeiten, noch sind ihre An­das Opfer gewesen, es hätte mit vermehrtem den Weg, um mit dem französischen Hand, in nesgruppe hat in Deutschland ungeheure Em- hänger gewöhnt, für die Partei Geldopfer zu brin Glend und größerer Ausnügung ihrer Arbeits. Hand zur Wahrung des gemeinsamen Profites pörung geweckt. In der Tat zeigt sich diesmal gen. Dafür aber werden die Milliarden, die sie traft nicht nur die Wiedergutmachung an zusammenarbeiten zu fönnen. Das Ziel, das die Gelegenheit, das volfsverderbliche Treiben für ihre Wahlpropaganda benötigen, ihnen von Deutschland , sondern auch die Wiedergut bei den französischen Schwerindustriellen ver der Hintermänner des Hakenkreuzlertums in gruppen geliefert. Wie bei früheren Wahlen machung an den deutschen Finanzen zu beständnisvolle Liebe findet, ist seit langem die einem Maße zu erkennen, wie nicht oft, da es zirkulieren auch diesmal Sammellisten für den zahlen gehabt. Schaffung einer Betriebs. und Ausbeutungs. sonst seine Ränfe im Verborgenen spinnt und Wahlfond der bürgerlichen Parteien in fapitalisti Es sind treffliche Patrioten, die Herren gemeinschaft der rheinisch- westfälischen mit der seine wahren Ziele unter einem Wust vater schen Streisen und es ist der Arbeiter- Zeitung ge­Deutschnationalen! Wenn man der von ihnen französischen Schwerindustrie. In edlem Zu- ländischer Phrasen verhüllt. Auch bei uns iungen, einen von zwei ehemaligen Adeligen, dem ausgehaltenen Preije glauben wollte, wäre die jammenwirken der deutschen und französischen schreien die Sakenkreuzler nach der nationalen ehemaligen Grafen Colleredo und dem ehemaligen Nation ihr höchster Gott und die Franzosen Bourgeoisie soll die Arbeiterschaft niedergerun- Diktatur. Jene deutschen Proletarier, die sich Varon Ehrenfels unterzeichneten Aufruf eines der Erbfeind", den sie unversöhnlich bekämp. gen werden, um sie wirksamer ausbeuten zu von den Verlogenheiten und Versprechungen Komitees von Großgrundbesitzern an die anderen fen. Aber das Interesse ihres Geld önnen. Darum die Forderung der Deutsch - der Emisjäre des Hafenfreuzleriums blenden Großgrundbesitzer zu veröffentlichen, worin diese aufgefordert werden, für jeden Hektar Besitz zivei sadsläßt sie zu diesem selben Erb- nationalen nach der Diktatur, darum der Bitt- ließen und ihnen bei den Gemeindewahlen tausend Kronen für den Wahlfond zu spenden, was feind laufen, um da der Versuch im gang des Herrn Stinnes zu den französischen Gefolgschaft leisteten, können an dem Schand in Niederösterreich allein mehr als eine Milliarde Reiche mißlangwenigstens im Ruhrland Besatzungsbehörden. Indessen finden Stinnes tun der Stinnes und Konsorten Anschauungs- ausmacht, die dem christlichsozialen Wahl­von dem französischen Höchstkommandierenden und Genossen an den Stommunisten, welche unterricht über die wirklichen Triebfräfie des fond zur Verfügung gestellt wird. Denn der it erfiehen, er möge mit den unter seinem eifrig daran sind, die Arbeiterbewegung immer deutschnationalen Fascismus nehmen. Augen Aufruf erflärt ausdrücklich, daß das Geld der Befehl stehenden Bajonetten die Arbeiter zu weiter zu zersetzen, willkommene Mitarbeiter. auf, ehe es zu spät ist! christlichsozialen Partei zur Verfü­