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3. Jahrgang.
Svaldemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.
Dienstag, 25. Dezember 1923.
Weihnachts- Rede.
Liebe Genossen, ich sehe euch alle mit ernften und ftillen Gesichtern ohne Glanz auf Stirn und Antlig vor den funkelnden Weihnachtslichtern. Babt ihr alle das Freuen berlernt oder träumt ihr so ernst von den Kinderzeiten? Ober seib ihr alle müde geworden vom ewigen Kämpfen und Streiten?
O, ich weiß, wir sind der Berträumtheit der Bunderweihnachtsgeschichten längst entwachsen und das harte Leben lehrte uns irdischer denten und dichten. Wir haben, Maschinenlärm und tausend Schreie der Not in den Ohren, bas Gehör für die himmlischen Lieder vom Frieden und paradiese verloren.
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Nr. 300.
Wir durchbenten in langen Nächten angstboll das herzlose Weltgetriebe. Aber fühlen wir nicht auch alle in tiefer Seele den Funten der Bruberliebe? Die Menschheit blutet. Aber blüht nicht in diefer friedlichen Feierstunde das Wunder der weltumspannenden Liebe aus ihrer Wunde?
Blüht es nicht auch aus unserem Leib und erhellt die fünftigen Zeiten? Sabt ihr nicht alle den Mut, ihnen den mühsamen Weg zu bereiten? 3rrt nicht der Mensch? Sollte die Menschheit nicht irren?
Bir aber sind berufen, die nege des Unheils, der Berblendung, der Not zu entwirren.
Wir sind berufen, Bertünder zu sein der tiefen Gemeinschaft auf Erben, in der alle einmal zum brüderlichen Berbünden geläutert werden. Wir halten alle ben Stern von Betlehem in den unermüdlichen Sänden. Wir wollen alle das Licht des Friedens aus unserer Seele an die Menschheit verschwenden.
Der Kinberglaube ift tot. Unser Männerglaube aber soll leben
und der Welt ein neues Gesicht, eine nene Erfüllung geben.
Es ist Zeit
die Blutgerüste und Folterbänke der Gegenwart zu zerstören! Der brüderlichen Zukunft aber, tampffrohe Genossen, wollen wir mit dem Glanz und der Kraft
diefer lichthellen Feierstunde auf immer gehören.
Erlöser Sozialismus.
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blieben, sein Wesen als Fest der Erlösung ist im Dienste der Herrschenden zur Erhaltung und Selbstbewußtsein, der ihnen fündet, daß aus dem Denken und Fühlen der Menschen ge- der heutigen Unrechtsordnung. Statt Menschen- sie ihr Schicksal als Masse selbst gestalten und schwunden. würde und Menschenrecht lehrte sie Demut und erkämpfen müssen! Des neuen Erlösers Reich, Als noch in langen Urwaldnächten unsere Aber der Gedanke der Erlösung der leiden. Ergebenheit in das irdische Schickjal, das sie dem die darbenden Menschen folgen, ist von Vorfahren die Härten des Winters erlitten, der den Menschheit ist darum nicht tot. Er wurzelt blasphemisch dem Willen Gottes entstammend dieser Welt und auf dieser Welt will er sie zur Untätigkeit und wohl auch zu drücken- tief in den Herzen der Mühseligen und Be- zuschrieb, doch dieses Erdenschicksal ist nicht für ihnen Anteilnahme an den geistigen und fulden Entbehrungen zwang, erschien es diesen ladenen. Die Kirche, unfähig, das soziale Uebel alle Menschen das Gleiche: den einen gibt es turellen Gütern, will er allen nach geregeltem Naturmenschen als großes von ihren Göttern zu beseitigen, dem Armut, Elend und Aus- alle Freuden, alles Glück des Lebens, die an- Maß Wohlergehen schaffen, auf das in der beschertes Glück, wenn die Sonne wieder höher beutung des Menschen durch den Menschen dern hält es an ehernen Fesseln gekettet im heutigen Ordnung nur die Nußnießer des Beam Himmel zu steigen begann und die endlos entsprigen, verweist ihre ihre Gläubigen auf Inferno der Armut. Den einen zaubert es alle sites Anteil haben. langen Nächte fürzer wurden. Die historische ein Jenseits, in dem sie für alle auf Erden Schönheiten der Welt, alles Behagen, alle Erlöser Sozialismus! Wie gleicht in Ueberlieferung besagt, daß die Germanen dieses erlittenen Bitterkeiten reich entschädigt werden Wacht, die Möglichkeiten des Genusses der vielem Dein Schicksal dem Schicksal jenes, beglückende Ereignis festlich begingen. Sonnen- sollen. Doch die Armen merken, daß, dieser Sunst, ja selbst längeres Leben, die andern. dessen Geburt heute symbolisch in den Kirchen wende! Sie weďte Freude und Hoffen in den Hinweis auf fünftige Freuden die ihrer erst die in dumpfer Arbeitsfron dahinleben, fern gefeiert wird! In tiefster Armut ist er wie Du Herzen der schwer mit den Unbillen des Win- nach dem Tode harren, nur das Einbekenntnis von allem, was das Dasein schön und lebens- geboren. Auch in ihm war flammende Empöters ringenden Menschen. Alljährlich am der Machtlosigkeit der Kirche ist, der Macht- wert macht, verurteilt dieses Schicksal oft genug rung über eine ungerechte Weltordnung, auch 25. Dezember scharten sie sich um einen heiligen lofigkeit, die Grundsäße der christlichen Lehre zu Siechtum und früherem Tode. er war Streiter für die Armen. In heißem Baum. Die Sage erzählt, der Apostel Boni- in der Welt des Seins zur Wirklichkeit zu Versteht ihr, daß diese Millionen Men- Porn trieb er mit der Geißel die Händler und facius sei nach Germanien vorgedrungen, um machen. Und da sie sehen, wie die Kirche dieser schen, auf deren Entbehrungen das Wohl- Wechsler aus dem Tempel, dem Haus des hier die Lehre des Christentums zu verkünden Lehre seit hunderten Jahren untreu geworden ergehen der Besitzenden sich aufbaut, von der Volkes, das sie durch ihren verderblichen und er habe vor versammeltem Volke einen ist, daß sie troß zweitausendjähriger Macht Erlösung nach ihres Erdenwallens nichts Schacher schändeten. Seine Lehre, die Brot für solchen heiligen Baum gefällt, um den Men- nicht vermochte, das dos der Menschen zu lin- wissen wollen, und daß sie einem neuen alle Menschenfinder forderte, wurde von den schen, die heidnische Götter verehrten, zu be- dern, statt dessen stets zu den Reichen und Erlösungsgedanken folgen, der sie Herrschenden bitter gehaßt, und Pharisäer und weisen, daß diese Götter keine Macht besißen. Mächtigen stand, sie wollen in der Kirche nicht auf ein Leben nach dem Tode vertröstet, Schriftgelehrte, die ihre geistigen Trabanten damit das Volk sich der christlichen Lehre zu nicht mehr sehen, als eine Machtinstitution der sie nicht Demut lehrt, sondern Troß. Kraft waren, mühten sich, ihn zu widerlegen. Aber wende. Aber die Verehrung der Bäume pflanzte ihre fniffigen Künste und Spißfindigkeiten
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sich dennoch fort. Später verstand es die christ. 0000000000: 033803885000000000000000000000000000000000000000000000 waren vergeblich, die Begeisterung der Armen
liche Kirche, wie bei so manchen anderen über. nommenen und mit neuen Namen benannten Festen, den Heidenbaum, den sie nicht zu verbannen vermochte, zum„ Christbaum" zu machen und die Tage der Wintersonnenwende zur Erinnerungsfeier an die Geburt des Gründers des Christentums zu bestimmen. Erlösung vom Leid, einer Erlösung, welche der Gnade höherer, überirdischer Gewalten entstammt: der Sinn des Weihnachtsfestes war bei Heiden und Christen der gleiche.
Geit etwa einem Jahrhundert hat für die meisten Menschen auch dieser Sinn des Weihnachtsfestes als eines Symbols der göttlichen Erlösung sich gewandelt und seine innere Bedeutung verloren. Wie viele der modernen Menschen glauben noch wirklich und wahrhaft an das Wunder, das vom Himmel kommen werde, um Not und Bedrückung von ihnen zu nehmen! Sie haben längst begonnen, statt auf Erlösung von oben zu warten, ihrer eigenen Kraft, ihrem Willen und Wollen, ihrer Erfenntnis, ihrer Tat zu vertrauen. In der Vorstellung der Meisten besteht der Inhalt des Weihnachtsfestes in der Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschenken. Zuneigung und Liebe zu erweisen. Das Aeußere des Symbols ist ge
Der neue Stern.
Der du noch gehst in Traum und Nacht Durch dieses Daseins trübe Stunden, Der du zum Licht den rauhen Weg Noch nicht gesucht, noch nicht gefunden; Der du dich scheuft, auf neuer Bahn Borwärts zu gehn mit startem Schritte
Blid auf, blid auf aus deinem Wahn Und sieh ein großes Leuchten nahn: Cin Stern blintt über deiner Sütte.
Zu lange hat dein müder Sinn An dunkle Träume sich getettet: Als wachse fern von dir die Kraft, Die dich erlöst, die dich errettet. Als sei der Hoffnung bester Schluß Die scheue, demutsvolle Bitte
Des Günders, der vom Ueberfluß Brofamen sich erbetteln muß Und wartend hodi in falter Sütte.
Noch hat die blinde Einfalt nie Ein neues Kleid der Zeit gewoben, Das Lied der Demut hat uns nicht Erwent und froh emporgehoben. Erfenninis wirtte, eigner Rat, Daß er den Quell der Not verschütte: Was die Geduld vergebens bat, Wuchs auf zum Willen und zur Tat Und jah im Weihnachtsglanz die Sütte. Dein Auge auch, es soll ihn sehn: Den Stern, von junger Kraft gezündet, Der uns in Kampf und Sturmeswehn Das Fest des großen Friedens fündet. Blid auf, blick auf zu seinem Schein Und tritt in deiner Brüder Mitte:
Bier strahlt die Boffnung start und rein. Du felbft sollst dein Erlöser sein! Ein Stern steht über deiner Sütte.
Ernst Precsang.
fiog ihm zu, und immer neue Befennerscharen Scharten sich um ihn. Als sie seiner Lehre und ihren Bekennern den Ausrottungskrieg und der Haß der Mächtigen, die sich in ihrer Herrschaft bedroht sahen, schlug ihn schließlich selber ans Streuz.
Der Geist des Gefreuzigten lebte aber in den Herzen der Menschen, welche die auf der Ausbeutung beruhende Ordnung der Welt ins Elend stieß, weiter. Jene, die sich seine Nachfolger nennen, feiern ihn heute und singen ihm Lobgefänge, obwohl in ihrer Seele kein Hauch seines Wesens ist. Den Erlöser, der sein Vermächtnis erfüllen will. möchten sie. die wie jene Pharifäer und Schriftgelehrten von einst Diener der Herrschenden sind, in blinder Feindschaft ans Streuz schlagen. Doch über Haß und Schmä hungen hinweg wird er seinen Weg gehen. Vergeblich alles Mühen, ihm entgegenzuwirken! Er kämpft für eine Ordnung, welche die Würde aller Menschen und die wahre Freiheit begründen wird. Für eine Welt des Friedens. der Gefittung und Menschlichkeit. Laßt uns in seinem Dienste helfen. diese Zukunft vorzube reiten, auf daß der Tag komme, da das heute lästerlich mißbrauchte Wort zur lebendigen Wehrheit wird: Friede den Menschen auf Erden!...