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4. Jahrgang.

So ldemokrat

Der 4. März.

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Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.

Die deutsche Arbeiterschaft dieses Staates

Dienstag, 4. März 1924.

Der Prozeß gegen Hitler und Genossen

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Nr. 54.

nehmung hervor, daß er sich an dem Staats streich vom 8. November nicht in nennenswerter Weise beteiligte. Falls die Zeugen teine neuen Angaben machen, so wird der Staatsantvalt die feiert heute einen traurigen Gedenktag. Trau- Kahr, der Berbündete aus dem Bürgerbräu als Anstifter des Münchner Blutbades Auflage auf Beihilfe zum Hochverrat wahrschein rig, denn er wedt die Erinnerung an blutige lich zurückziehen. Opfer des Kampfes um die politische und ful- heutige Tag des Sitlerprozesses brachte die abnormalem Wege. Ferner beantragte das Amt des neuen Polizeipräsidenten München , 3. März.( Eigenbericht.) Der gesetzt werden, entweder auf normalem oder Die Vernehmung Frids, der bei dem Putsch turelle Freiheit, an zahlreiche vernichtete Men- Beendigung der Vernehmung der Angeklagten. ohl die Ladung des Vorsitzenden der bayrischen erhielt, brachte verschiedene interessante Momente. schenleben. Es jährt sich heute zum fünften- Die Verteidigung geht immer schärfer gegen den Volkspartei, Geheimrates Dr. Held, der Auf- Frid war Oberamtmann in der Polizeidirektion male der Tag, da eine von der deutschen Generalstaatsfommissar vor; in der Vormittags schluß geben soll über die merkwürdige München und als solcher arbeitete er mit Pöhner, jozialdemokratischen Arbeiterpartei in der gan- fihung beantragte Rechtsanwalt kohl als Ver Bergeßlichkeit des Herrn von Kahr. während dessen Amtszeit als Polizeipräsident, zu zen Republik angefeßte Kundgebung für das treter des Angeklagten Brückner nichts weniger als Ebenso die Ladung Escherich 3, der darüber fammen. Der Angeklagte schilderte, wie er und Selbstbestimmungsrecht in einer Reihe von die sofortige Verhaftung von kahr, aussagen soll, daß Nahr bei der Auflösung der Pöhner in den Jahren 1920 bis 1921 die ntio Städten und Orten mit der Niederknallung pisow und Seisser, weil sie allein an dem Einwohnerwehr eine durchaus zwiespältige Sal nalsozialistische Partei und Hitler gegen das Ein­etwa eines halben Hundert von Menschen ab- Blutbad vor der Feldherrnhalle schuld seien. Es tung eingenommen habe. greifen des damals herrschenden Ausnahmezu­schloß, die nichts anderes verbrochen hatten, als wäre erwiesen, bezw. würde durch weitere Zeu- Hierauf begann die Einvernehmung des standes geschützt und die nationalsozialistische für das im Striege von den Siegerstaaten, zu bestimmten Gründen das Blutbad bewußt her Anführer der am 8. November meuternden In Dies alles geschah unter der Ministerpräsident genaussagen noch erhärtet werden, daß Kahr aus achten Angeklagten, des Leutnant Wagner, der Propaganda in jeder Weise erleichtert haben. denen auch die Tschechoslowakei gehört, verkün- beigeführt habe. dete und feierlich zugesagte politische und na­fanterieschule war. Er schildert seinen Kampf schaft Stahrs. Als aber im Dezember 1921 Graf Nachmittags bekundete der letzte Angeklagte, gegen die rote Gefahr", womit er die So Lerchenfeld und Schweher ans Ruder kamen, war tionale Recht aller Völker friedlich zu demon- Oberleutnant Frid, daß er in der Putschnacht zialdemokratic meint. Er habe schlimme" Er- jes mit diesen Begünstigungen zu Ende. Pöh strieren. Der Tag wird bei der deutschen Ar- gegen halb zwölf Uhr mit Böhner zusammen bei fahrungen mit der Sozialdemokratie" gemacht, so ner und Frid nahmen beide Abschied von ihrem beiterschaft unvergessen bleiben wie die armen Ruhr gewesen sei. Sahr sei sehr liebenswürdig bag er als Reichswehrleutnant seine Soldaten Amt. Frid schildert nun seine Tätigkeit als Leiter Opfer selbst, auch wenn, wie manche übereifrige gewesen und habe ihnen erklärt, er habe an alle immer erzogen habe in dem Grundsaße: Eine des Sicherheitsdienstes der Münchner Polizei­und nicht gerade berufsmäßige Staatshüter ver- bayrischen Regierungsstellen einen Rundfunk Befreiung Deutschlands ist nicht möglich, so lange direktion; er habe den Ueberfall auf die Versamm langen, die Regierung möge mit allen Mitteln pruch gerichtet, daß er die Regierungsgewalt es noch Sozialdemokraten in Deutschland gibt. lung ahr am 8. November nicht hintanhalten der Staatsgewalt, mit Bensur und Polizei, als Statthalter fest in der Hand habe. Daraus Wagner jildert die zwei Bewegungen in der fönnen, weil er zu wenig Bolizeikräfte bereitge­jede Aeußerung des Gedenkens an die Gecht erneut hervor, daß Kahr auch in der Nacht stellt hatte. Spät abends erfuhr Frid von Pöhner seine Mitverschworenen über seinen dann später seine Ernennung zum Polizeipräsidenten. Er töteten des 4. März 1919 mit Stumpf und vollzogenen Umfall nicht unterrichtet hat. rimmt diesen Boſten auch sofort an und nimmt Stiel ausrotten, da, wie sie lügen, die Feier Damit ist die Vernehmung der Angeklagten als Bolizeipräsident verschiedene Amishandlungen dieses Gedenktages die Gefühle des tschechischen beendet; morgen beginnt dann der Zeugen vor, bis er endlich, furz nach drei Uhr nachts, Boltes beleidige. Darin liegt der Versuch, das aufruf. im Gebäude des Polizeipräsidiums selbst verhaftet tschechische Volk schlechthin an den damaligen wird. An die Vernehmung Frids schloß der Vors Ereignissen schuldig und mitverantwortlich er- München , 3. März. Die heutige Vormittags fipende eine Reihe von Vorhalten, die Frick voll­scheinen zu lassen; ein Unterfangen, das zu verhandlung begann mit einer Reihe von ständig ungenügend beantwortet. Er vermag die begehen, un ferneliegt. Das tschechische Bolt Feststellungen der Verteidiger. Wichtig davon gegen ihn vorliegenden Beschuldigungen in feiner als Gesamtbegriff hat damit nichts zu tun und find nur die Ausführungen des Justizrates Kohl Weise zu entkräften und macht lediglich verschie wir würden sogar ungerecht sein, wollten wir über die Schuld des am 8. November bei der Re­dene Versuche, sich von der Schuld reinzu­nicht glauben, es hätte auch unter den tschechi- fidenz erfolgten Zusammenstoßes mit der Landes­waschen. Dies veranlaßt den Vorsitzenden zu polizei, wobei es zwanzig Tote gab. Auf Grund einer schärferen Führung der Berhand schen Machthabern Vernünftigere gegeben, nach der Dienstvorschrift der Landespolizei stellte der lung als man es bisher gewöhnt war. deren Sinn das Gemeßel vom 4. März durch Verteidiger fest, daß die Leitung der Polizei ver­aus nicht war. Das tschechische Volt hat ebenso pflichtet gewesen wäre, vor Eröffnung des Feuers seine Märtyrer wie es hier bei der deutschen sichtbare Warnungstafeln aufzuzeigen. Da sie Arbeiterschaft der Fall ist, und es braucht in dies unterlassen hat, trifft ausschließlich sie die der Ehrung dieser Gefallenen keine Gehässigkeit Schuld an dem Zusammenstoße, insbesondere den gegen sich zu erblicken. Mit brutaler Gewalt Kommandeur dieser Abteilung, den Oberleutnant das Andenken für die teueren Toten ausrotten Godin. Die indirekte Schuld treffe die Herren zu wollen, wäre ein vergebliches Bemühen; ez bon Kahr, Lossow und Seiffer, so daß diese vier es Genannten längst wegen mordes verhaftet würde dadurch erst recht Berbitterung und Haß sein müßten. Weiter stellte Stohl den Antrag, daß gesät werden und unter der Oberfläche um so die Mitglieder des gesamten Ministeriums heißer und glühender das fortleben, was äußernilling als Zeugen vernommen werden, lich auszutilgen gesucht wurde. weil seinerzeit diesen gegenüber Kahr den Aus­spruch getan habe, in fürzester Frist müßte in Ber lin ein nationales Direktorium ein­

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Reichst die nationale, wie sie hauptsächlich in der be prischen Reichswehr zum Ausdrucke tommt, und die republikanisch- internationale, zu der sich große Teile der übrigen Reichswehr bekennen. Die weiteren Ausfüh­rungen des Angeklagten belasten insbesondere den General Loffoto; Lossow habe den Inanterieschü­lern befohlen, die Hitlerversammlungen zu be­chen; weiter wurde einmal den Infanterieschi ein ein Befehl Lossows verlesen, in dem es hieß, der Tag der schwarz- weiß- roten to tarde stünde nahe bevor, die Schüler sollten sich noch etwas gedulden.

Als der Angeklagte mit der Schilderung der Vorgänge in der Infanterieschule beginnen wollte, beantragte der Staatsanwalt den Ausschluß der Deffentlichkeit. Das Gericht beschloß dann auch, für diesen Teil der Vernehmung die Deffentlich feit auszuschließen.

Der heutige Nachmittag war mit der Ver­nehmung der letzten beiden Angeklagten Bernet, dem Stiefsohne Ludendorffs, und dem Polizei­oberamtmann Frid ausgefüllt.

Pašič muß gestürzt werden. Belgrad , 3. März. Wie ous Agram geme det wird, hielten die Abgeordneten der kroatisch republifanischen Partei gestern eine Bersomnung ab, in welcher der Vizepräsident der Bart. Macet, den Antrag des Parteiführers Radič Bernet war bis zum April 1923 Leutnant mitteilte, daß sich die für den Sturz des Sabin: ties der norddeutschen Reichswehr , quittierte dann aber Pasič erforderliche Anzahl von kroatischen Ab seinen Dienst und übersiedelte zu seinem Vater geordneten in das Parlament begeben solle. Der nach München . Hier war er in einer Bank tätig Antrag wurde angenommen. Durch diesen Be­und trat im September der nationalsozialistischen schluß erscheint weder das Programm noch die Partei bei. Irgend welche Funktionen hatte er bisherige Taktik der kroatisch- republikanischen dort nicht inne. Auch sonst ging aus seiner Ber- Baucrnpartei berührt.

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Wie immer daher die gegenwärtig Herr schenden der Gedenkfeier des blutigen 4. März fich gegenüber verhalten mögen, nichts kann die deutsche sozialdemokratische Arbeiterschaft dazu zwingen, das Andenken, die Liebe, die Ver- zum Zusammenbruch des Staatswesens führte.| Bersprechungen auf Schaffung eines wirklichen in Sozialdemokrat" umstürzlerische ehrung für die Proletarier, die vor fünf Jah- Der Gedanke schien unfaßbar, daß der alte nationalen Rechtsstaates sich ruhig in das ihnen Artikel gebracht, obwohl bekanntlich der So­ren Opfer eines Systems und Geistes wurden, Jammer in dem neuen, im Zeichen des Selbst zuteil gewordene neue staatliche Schidjal ge- zialdemokrat" erst zweieinhalb Jahre nach des Systems der Unduldsamkeit und des Gei- bestimmungsrechtes, der Demokratie, der Frei- fügt. Doch die Erwartungen haben getrogen, den blutigen Märzereignissen gegründet wurde. stes der Gewalt, aus ihrem Herzen zu reißen. heit und Gerechtigkeit gegründeten Staate sich von allen Verheißungen ist nicht eine erfüllt Troß dieser Lügen des Bloch, der berufen ist, Wofür die Volksmassen am 4. März 1921 in wieder einnisten, wieder der sozialen und ful- worden, und so bilden die fünf Jahre des Be- der Hehpresse der Gewalthaber den Ton anzu­den Straßen der Städte der deutschen Gebiete turellen Entwicklung dauernd ein Hemmschuh standes des Staates eine Stette von bitteren geben, steht die Tatsache fest, daß die Massen der Republik demonstrierten, ist auch heute sein sollte. Unmittelbar nach dem Umsturz, als Enttäuschungen, hervorgerufen durch den Ge- für das Selbstbestimmungsrecht ernst und ent­noch lebendiges Gemeingut der deutschen sozia- die Angliederung Deutsch , böhmens noch nicht waltgeist, der bei den Herrschenden fast über schlossen, aber durchaus ohne alle Ausschreitun listischen Arbeiterschaft, die es seit jeher als vollzogen war, wetteiferten führende tschechische Nacht den Gedanken der Demokratie, das gen demonstrierten. Aber eben weil es das ihre geschichtliche Mission erkannt hat, neben Politiker in Verheißungen über das große Ideal der Gleichberechtigung gewichen war. Das Selbstbestimmungsrecht war, für das sie de­dem Stampfe für ihre ökonomische Freiheit, Maß von Recht, dessen die Angehörigen aller Zusammenleben der Völker im Staate ist heute monstrierten, hat es zu der Schießerei geführt. auch den Kampf für die politische Freiheit und Nationen in dem neuen Staatswesen teilhaftig ein ebenso ungelöstes Problem, wie es in Sie mag von oben nicht kommandiert, die die nationale Gleichheit zu führen. Wer will werden würden, der zu einem Staat wahrer Desterreich der Fall war. Der Geist der das Gewehre vielleicht von selbst" losgegangen, nicht verstehen, daß dies in den Stimmungen Demokratie und des brüderlichen Zusammen- mals an der Macht befindlichen Klasse ist rest- sein, aber vorher war durch Monate von der des Volkes vor fünf Jahren, wenige Monate schlusses aller Nationen, mit einem Wort: zu los auf die neuen Gewalthaber übergegangen. tschechischen Seßpresse jede Forderung nach nach dem Umsturz, nach einem furchtbaren einer noch wesentlich verbesserten Schweiz ge- Auch die Bluttaufe, die beim Umsturz Gleichberechtigung aller Bürger im Staate Kriege, der ihm namenlose Opfer auferlegt macht werden sollte. Wir haben oft von tsche- glücklicherweise ausgeblieben war, stellte sich als Hochverrat und Irrendentismus verdächtigt hatte, und nach der Verkündigung der 14 chischen Politikern genugtuend die Tatsache ein, und es war jener verhängnisvolle 4. März worden. In der Atmosphäre des Haſses ent­Punkte Wilsons, die von den Siegerstaaten rühmen hören, daß der Umsturz sich ebenso wie des Jahres 1921, der sie brachte. Wahrlich luden sich dann die Flinten spielend leicht. feierlich angenommen worden waren, noch viel die Einverleibung der deutschen Gebiete un- nicht durch die Schuld der friedlichen Demon- Wir gedenken heute der Toten des 4. März, stärker der Fall war, und daß in allen, für blutig vollzogen hat, daß sich kein Widerstand stranten, die unbewaffnet waren und die feiner- die Proletarier und meistens Angehörige die Freiheit schlagenden Herzen nach der Ve- fand, und daß der junge tschechoslowakische lei Gewalttätigkeiten verübten. Es ist eine unserer Partei waren, in Liebe und Verehrung. freiung aus dem altösterreichischen Kerker die Staat ohne Blutvergießen aus der Taufe ge- freche Verunglimpfung der Toten, wenn Herr Sie fielen für eine Idee, für die große Idee Hoffnung loderte, es werde nun fein Staat hoben werden konnte. Sie vergessen dabei an- We oriz Bloch, der deutsche Hausjude der der Demokratie und der Freiheit. Indem wir mehr möglich sein, in dem es Herrscher und zuführen, daß das Verdienst dafür die Dis- tschechischen Regierung es in der von ihm re- dieser unserer Gefallenen gedenken, wollen Beherrschte, bevorzugte und zurückgesezte Völ- ziplin, der Besonnenheit und Mäßigung der digierten Tschechoslowafischen Korrespondenz" wir nichts gemein haben mit den deutschen fer geben werde. Jahrzehntelang haben wir großen Masse der deutschen Bevölkerung zu unternimmt, die Schuld an jenen traurigen Nationalisten, welche die Opfer des 4. März auf dem schleimigen, jumpfigen Boden Dester- danken ist. Die deutschen Nationalisten waren Vorfällen auf die Demonstranten zu schieben, nationalistisch auszuschroten suchen. Sie, die reichs unseren Stampf für den politischen und eingeschüchtert durch den für das deutsche Volk die der dreiste Schmock nennt sie Erzeden- die Demokratie im Zeichen des Hakenkreuzes sozialen Aufstieg des Proletariats geführt, so katastrophalen Ausgang des Weltkrieges, an ten"- gegen die Soldaten zu erst geschossen mit Füßen treten, die die Freiheit in der Frei­immer stand uns das ungelöste nationale Pro- dem sie mitschuldig waren, und hatten sich hätten. Dabei schmäht Moriß Bloch auch das heit der Ausbeutung erblicken, sie können und blem als schwerstes Hindernis im Wege, das verkrochen, die übrige deutsche Bevölkerung Andenken Josef Seligers, der kurz vorher dürfen nicht an unserer Seite an die heiligen die Nationen in tötlichem Haß einander gegen hatte im Bertrauen auf die vermeintlich zur man denke!- eine aufreizende Rede gehalten Gräber der Toten treten. Ihr Gedenken sei überstehen ließ, daß jeden Fortschritt lähmte, Herrschaft gelangte Demokratie des tschechischen habe, wobei dem Bloch das Malheur passiert, reingehalten. Ihr Vermächtnis sei in Ehren Den Klassenkampf hinderte und das schließlich Boltes und im Glauben auf die gemachten Seliger habe damals in der Freiheit" und für alle Beiten bewahrt!

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