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4. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowatischen Republit.

Sonntag, 21. September 1924.

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Nr. 223.

Friede, Bölferbund und traten betrachtet. Troßdem hat er an Be- tiges Zentrum internationaler Politik ge- belt außerhalb jenes Staates fich weigert, ihm

Maſſenstreit.

3um 21. September 1924.

Von R. Rangy.

Sozialisten, mit Geringschäßung und Miß-| Heute schon ist der Völkerönnd ein wich- zu treiben, wenn die gesamte Arbeiterschaft der deutung und Ansehen von Jahr zu Jahr geworden. Regierungen und Paricien, die ihn Mittel zum Striege zu liefern und die eigene wonnen, obwohl die an ihm geübte Seritif sehr ablehnen, erschweren sich damit ihre eigene Arbeiterschaft diefen Boykott durch ihren berechtigt war. Lage in der Welt. Aber Gewaltiges wird er Waijenstre if unterstützt.

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Er litt vor allem darunter, daß er ein erst leisten, wenn er in dem hier angedeuteten Unter den bisherigen Verhältnissen mußte. Werf der Sieger von 1918 war, das der Welt Sinne reformiert wird. Was fein anderer es hoffnungslos jein, nach ausgebrochenem von ihnen im Diktatfrieden von Versailles Faktor vermag, vermag dann er: jegliche Striege Kriegshandlungen durch Massenstreiks Wenn wir absehen von konsujen Jüng- auferlegt wurde, dessen Zustandekommen einen Striegsurfache friedlich aus dem Wege zuzu stören, da die Furcht vor der Invasion und lingen und gewiffenlosen Verbrechern, die Sohn auf die Idee eines Völkerbundes dar räumen. Aber wenn er dabei Widerstand bei der Niederlage jedesmal überwog. Ganz ab­hoffen, sich durch Raub und Mord zu bereichern, stellte. Der Bund gebärdete sich in seinen An- einzelnen Nationen findet, wie diesen über- gesehen davon, daß dabei gar kein Unterschied will heute alle Welt den Frieden, bangt jeder- fängen auch dementsprechend bloß als Werk- winden? gemacht wurde zwischen den verschiedenen mann vor dem Strieg. Und doch taucht immer zeug der Sieger. Die Vereinigten Staaten Man spricht davon, dem Völkerbund eine Arten von Striegen, daß der Angegriffene ebenjo wieder das Gespenst eines neuen Krieges auf, blieben ihm fern, weil sie von ihm nicht die starke militärische Macht zur Verfügung zu lahmgelegt worden wäre wie der Angreifer der uns droht, ob wir wollen oder nicht. Die Herstellung eines dauernden Friedenszustands, stellen, die ihn instand sehen würde, jede wider- wenn der Streif gelang. Logit der Tatsachen ist eben stärekr als unsere fondern neue Verwicklungen erwarteten. Die penstige Nation zur Raison zu bringen. Aber Aber so wenig der isolierte Massenstreif Wünsche. ruffische Sowjetrepublik verlangte nicht nach hieße das nicht, anstelle der bisherigen Arten den Strieg zu verhindern vermag, so wichtig Die Kriegsgefahr von heute ist eine Folge Frieden, sondern nach Strieg, allerdings in von Kriegen eine neue zu jezen, den Serieg des fann er werden zur Unterstübung der Tätigteit der Friedensschlüsse von gestern. Seit jeher erster Linie nach dem Bürgerkrieg in ganz Bundes der Völker gegen ein einzelnes Volk? des Völkerbundes gegen einzelne Gewalttäter. trug jeder Gewaltfriede den Keim zu neuen Europa . Deutschland war vom Bunde zunächst Das wäre eine schlechte Methode den Krieg Sier fallen die psychologischen Hemmungen Kriegen in sich. Das gilt heute mehr als je. ausgeschlossen und nicht geneigt, ihm beizu aufzuheben. weg, durch die das Wirken des isolierten Denn die letzten Friedensverträge wurden von treten, solange eine geschlossene Front der Sicher ist es, daß eine starte Macht hinter Majjenstreits gegen den Strieg paralysiert wird. den Siegern den Besiegten nicht nur diftiert. Sieger ihn beherrschte. dem Völkerbund stehen muß, sonst kann er Run kann auch die durchtriebenste Regierung ohne diese anzuhören, sie regelten auch eine So ist der Völkerbund bisher ein Rumpf burch jeden friegslustigen Staat lahmgelegt den Massen nicht mehr weißmachen, daß das solche Fülle der mannigfachsten Verhältnisse. geblieben und schon dadurch darin behindert, werden. Aber diese Macht braucht nicht not Vaterland durch den Antitriegsstreif bedroht wie fein Friedensvertrag vorher. Die Sieger, feine Aufgabe vollständig zu erfüllen alle wendigerweise eine militärische zu sein. Sie wird.

noch verblendet vom Kriegsrausch, aufs äußerste Gegensätze zwischen den Nationen in friedlicher tann eine ökonomische sein. Und vor allem Der Völkerbund allein vermag den Frie­immwissend über die Verhältnisse in den Län- Aussprache aus dem Wege zu räumen oder kommt hier die ökonomische Macht der Arden ebensowenig zu sichern wie die Internatio dern der Besiegten, vielfach auch getrieben von durch einen objektiven Schiedsspruch erledigen beiter als des energischesten Friedensfaktors nale der sozialdemokratischen Parteien oder die furzsichtigster Temagogie, haben ein Werk ge- zu laffen. Heute haben die Sindernisse aufge- in Betracht. der Gewerkschaften allein. Wohl aber vermögen schaffen, das weit mehr Gegensätze und Pro- hört, die Deutschlands Beitritt zum Völker- Wenn ein einzelner Staat trotz der fried- fic einander gegenseitig so starf zu stüßen, daß bleme hervorrief, als es aus dem Wege räumte. bung verhinderten. Nur dessen Nationalisten lichen Intervention des Völkerbundes Kriegs- fie vereinigt ein unüberwindliches Bolliverf und daher zu umerträglichen Verhältnissen stehen dem noch im Wege. Deutschlands Beitritt gelinste zeigt, die das Proletariat mißbilligt, des Friedens werden. Dahin zu streben ist führte, die dem Sieger nichts nüßten, die Bedürfte Amerika ernuntern, ihm zu folgen. Tabana dürfte es wohl gelingen, ihn zu Paaren unser aller Pflicht. fiegten zur Verzweiflung trieben und jogar mit wäre eine große Lüde im Völkerbund aus­Differenzen zwischen den Siegern selbst hervor- gefüllt. rufen mußten. Dieser leidet jedoch auch daran, daß er Daher die erschreckende Erscheinung, daß bisher bloß ein Bund der Regierungen ist, neue Striegsgefahr jetzt schon wieder auftaucht, nicht der Völker. Es ist demgegenüber auf die lange bevor die schweren Wunden des letzten technische Unmöglichkeit hingewiesen worden, Krieges vernarbt sind. ein Bölferparlament direkt zu erwählen. Das Mit größter Energie wenden sich die Arift richtig. Aber das Völferparlament fönnte beiter allerorten gegen dieses entfeßliche Ges noch auf anderem Wege zustandekommen, auf spenst. Das stärkste Mittel, mit dem sie es zu lamente der einzelnen Staaten. Das wäre nicht dem Wege indirekter Wahl durch die Par­bannen suchen, ist der Entschluß, durch einen Massenstreit einen ausgebrochenen Krieg dasselbe, wie die Erwählung der Delegierten durch die Regierungen.

im Reime zu ersticken.

Die Absicht ist eine höchst begeisternde. 1921, schrieb ich darüber in meinem Vorwort Schon vor drei Jahren, im September Aber auf die Gefahr hin, mich unpopulär zu machen, muß ich gestehen, daß ich heute an zur deutschen Ausgabe des Buches des Pro­der Wirksamkeit des Mittels, wenn für sich fessors Gilbert Murray über Probleme der allein angewendet, ebenjo zweiffe, wie ich vor Außenpolitif", in dem ich für den Völkerbund dem Krieg von 1914 gegenüber vielen meiner eintrat: Freunde, nicht nur Rosa Luxemburg , sondern auch Jean Jaures , Vaillant, Reir Sardie daran zweifelte.

Das Mittel fönnte erst zur Anwendung fommen, wenn es zu spät ist: ist einmal der Strieg ausgebrochen, dann erfaßt die Kriegs­panik die Massen, dann werden sie ganz von dem einen Gedanken beherrscht, die feindliche Invasion, die eigene Niederlage zu verhindern. So war es 1914 und so würde es wahrschein­lich wieder sein.

,, Eine direkte Wahl der drei Abgeordneten, auf die jede Nation Anspruch hat, dürfte fami zweckmäßig sein. Es würde genügen, wenn sie vom Parlament des Staates nach Propor­tionalivahlvecht gewählt würden, so daß aus jedem Lande seine größten Parteien im Bunde ihre Vertretung fänden, ihre Vertretung fänden, also auch die So zialisten in manchent heute bürgerlich regierten Staate.

Würde dann noch die Bestimmung beseitigt, daß jeder Staat nur eine Stimmte hai, dürffe jeder der drei Vertreter nach seiner Ueber­

Zur Berhinderung von Kriegen:

Schiedsverfahren bei Streitfällen.

Bermittlungsversuch, Schiedsrichterspruch oder Ratspruch.

Genf, 20. September. Der Unterausschuß des ersten Versammlungsausschusses, der ind­besondere die Einzelheiten des Schiedsverfahrens auszuarbeiten hatte, hat nach fangwie­rigen Meinungsverschiedenheiten die Einigung durch ein Kompromiß zwischen den Schieds­befugnissen des Rates und jenen von besonders zu ernennenden Schiedsrichtern erzielt. Verfahren bei der Lösung eines Streitfalles würde dabei folgendermaßen_ver=

laufen:

Das

Bei einem Konflikt unternimmt der Rat zunächst einen Vermittlungsversuch. Gelingt der Bersuch, so ist das Verfahren natürlich beendet; scheitert er, so eröffnen sich folgende Möglichkeiten: 1. Eine der streitenden Parteien verlangt einen Schiedsspruch, den die an­dere nicht ablehnen kann. Der Rat ernennt nun mit Mehrheitsbeschluß; Schiedsrichter, deren Zahl von Fall zu Fall festgesetzt wird und deren Schiedsspruch obligatorisch ist. 2. Keine der Parteien verlangt ein Schiedsverfahren. Dann wird der Rat automatisch Schiedsrsichter; fann er einen Spruch einstimmig fällen, so ist der Entscheidentgültig. Kommt es zu feiner Einigkeit, so wird das Schiedsverfahren besonderen Schiedsrichtern übergeben.

Abrüftungskonferenz

unterzeichnet wird!

Pause von noun Tagen heute Vormittag wieder eine Bolligung alb.

Der italienische Senator Scialoja refe Beistand für Mittellofe vor Gericht. porauf eine diesbezüglidy: Rescation von der Versammlung angenommen wurde.

vierte aber aatentgeltlichen juridischen

Es vejerierte dann Fräulein Bonnevie

Besigen wir nicht die Kraft, die Politik sugung reden und stimmen, dann hörte die wenn das Protokoll von 16 Mächten Geschlossenheit der einzelnen Nationen im zu hindern, die zum Kriege führt, dann ver­Bunde rasch auf, und das ist höchst wichtig für mögen wir auch nicht, ihn selbst zu hindern. Genf, 19. September. Ueber die internatio­die Annäherung der Nationen."( S. 28, 24.) Unsere Abwehr muß lange vor dem Kriegs­nale Abrüstungstonferenz, die spätestens ausbruch, nicht erst nach diesem einseßen. In einer jeden Regierung lebt der Drang am 15. Juni 1925 cinberufen werden soll, erfährt Der Massenstreit zur Abwehr des Strieges nach Erhaltung ihrer Souveränität. Bleibt der men, daß sie voraussichtlich in Genf stattfinden( Norwegen ) über Arbeiten der Sonderkommission ist aber auch darin unvollkommen, daß er im Völkerbund eine Vertretung von Regierungen, wird. Bu ihr sollen alle Staaten, auch diejenigen, betreffend den Handel mit Opium und an besten Fall Kriegshandlungen lähmen kann, dann besteht die Gefahr, daß er nichts wird, die nicht das Protokoll ratifiziert haben und nicht deren Betäubungsmitteln. Sie stellte fest, daß alle dem Wölferbunde angehören, also auch Deutsch - Vorarbeiten nunmehr getroffen seien für die Gin­nicht aber den Gegensazz aufzuheben vermag, als ein riesiges Jutriguennest, in dem jede land, Rußland und die Vereinigten berujung der beiden Opiumfonferenzen der den Konflikt hervorruft. Und das zu be- Regierung um die Gunſt der andern buhlt, Staaten, eingeladen werden. Die Einberufung nach Genf für November d. J. In der angenom wirken ist die Hauptsache. um ihre eigenen Sonderzwecke durchzusetzen. hängt aber selbstverständlich davon ab, ob eine meiten Refolutiot wurde die von der Schweiz Wir müssen uns vor allem fragen: Wie Wählen dagegen die Parlamente die De- genügende Anzahl von Völkerbundsmitgliedern, vorgenommene Ratifizierung der Saager Opium­ist es möglich, zu verhindern, daß Gegensäße legierten, dann werden sich die Vertreter der und zwar auch eine genügende Anzahl von Groß- Sonvention begrüßt. Die Versammhung genehmigte hierauf die zwischen den Staaten auftauchen, und zu be- verschiedenen Klassen, Methoden, Weltanschau- mächten vorher das Protokoll über das Schieds­wirken, daß, wo solche trotzdem emporfommen. ungen leicht zusammenfinden zu gemeinsamem verfahren und die Sanktionen durch ihre Parla- Berichte der Verfchrstommission nao nahm eine Resolution an, welche sich auf drahtlose Tele­sie durch andere als kriegerische Methoden Vorgehen. Sicher werden die Sozialisten da mente ratifiziert haben wird. überwunden werden? Wir müssen trachten, den eine geschlossene Phalanx bilden, wenn die Vor dem Zusammentritte der Abrüstungston phonic, Verwendung des Esperanto im internatio­Krieg überflüssig zu machen. Tann er- Internationale ihre Schuldigkeit tut. Sollten ferenz muß, wie verlautet, das Protokoll über das inalen Telegraphenverfehr some auf Vaßerleich­gibt sich seine Verhinderung von selbst. Sie Vertreter bürgerlicher Interessen den So- Schiebsverfahren und die Sanktionen von min- terungen bezieht, an. Das kann nicht durch den proletarischen zialisten gegenüber nicht ihre nationalen Diffe- destens 16 Mächten, darunter vier Groß­Massenstreit geschehen, sondern nur durch renzen vergessen können und gespalten bleiben, nächten, ratifiziert ſein. cinen vedmäßig eingerichteten Völker- so müßte das den Einfluß der internationalen bund. Sozialdemokratie im Völkerbund noch steigern.

Der im Vertrage von Versailles 1919 ein- Dann wird er mit größtem Erfolg an eine gerichtete Völkerbund wurde anfangs vielfach, wahrhaft internationale Neuordnung der Welt nicht nur von Reaktionären, sondern auch von herangehen können.

Bölterbundsversammlung.

Genf, 20. September. ( Schweiz

. Tel.- Qlg.) Die Völkerbundsversammung hielt nach einer

Der frühere italienische Ministerpräsident Salandra teilte der Versammlung sodann mit, daß in Rom am heutigen Tage der Freundschafts­und Schiedsgerichtsvertrag zwischen Italien und der Schweiz abgeschossen worden ist, durch welchen die Streitfragen zwischen beiden Staaten einer obligatovischen Schiedsgerichtsbarkeit unterworfen verden.