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4. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.

Der Streit der Brüder.

Freitag, 12. Dezember 1924.

Die Staatsbeamtenvorlagen.

Calenta Bezugs Bedingungen:

Bel Zustellung ins Haus ob

bel Bezug durch die Doft:

monatlich... 16.­

olerteljährlich

halbjahrig

ganzjährig

48.­

98. 192­

Radftellung von Mann ffripten erfolgt nur bel Che fenbung der Retourmarten.

Brighent mit Ausnahme bes Moning

glig le

Nr. 290.

biese Korporationen bis 1. Jänner 1926 das Gefeß nicht anwenden, wird die Regierung hiezu ermächtigt.

Gleichstellung der Alt mit den s Neupensionisten.

Das Pensionsgesetz regelt definitiv die Alt penston stenfrage, und zwar durch de Bestim sten völlig gleichgestellt werden. Weiters ist für mung, daß die Atpensionisten den Neupensioni­alle Pensionisten one Pensionsgrundlage von 35 Jahren festgesetzt.

Die Lehrerbezüge.

Das Präsidium des tschechischen Landeslehrer­

Der Senat, der eine Versammlung der Prag , 11. Dezember. Die Beratungen über[ natsgehalt, bei längerer Dienstzeit Abgeklärten sein soll, hat sich am Mittwoch als die Staatsbeamtenvorlagen wurden am Mittwoch einen Monatsgehalt, multipliziert ein Tummelplatz der reiferen Jugend gezeigt. fcheinlich bezeichnet werden, daß de Vorlagen fertigung darf nicht 24 Monatsgehalte über­und Donnerstag fortgesetzt und es kann als wahr mit der Zahl der Dienstjahre. Die Ab­Es ging da hoch her und man hätte den ge- der montägigen Sibung des Abgeordnetenhauses schreiten. feßteren, älteren Herren das Temperament, vorgelegt werden. Der Inhalt der Vorlagen, das sie entwickelten, gar nicht zugetraut. Was den wir untenstehend nach einem Referat Dr. No- Ruhegenüsse hat der Staatsangestellte erst Anspruch auf Auszahlung der fich da an Aufregung austobte, das bringt sets im Vollzugeausschuß der tschechischklerikalen dann, wenn durch einen Amtsarzt eine dauernde nicht einmal das Abgeordnetenhaus, das auch Volkspartei wiedergeben, ist wohl nicht mehr Erwerbsunfähigkeit festgestellt wird. längstens zu normalen Zeiten eine abnormale Ueber- strittig. Es handelt sich nur mehr um die aber an dem Tage, an der er das 60. Lebensjahr higung der Geister zeigt, nicht so leicht fertig. Bebedung, die über eine Milliarde Stronen erreicht. Ganze Gruppen der Senatoren der Koalition erfordert. Man spricht neuerlich von einer Er Der Angestellte, der am Tage des Inkrafttre fchienen eine Wette abgeschlossen zu haben, wessen höhung der Zudersteuer, bon o'ner Sumu tens dieses Gesepes wenigstens zwanzig Dienst­Stimme am stärksten sei und einer von ihnen maßnahmen und schließlich ist in der eine fürzere Dienstzeit als 35 Jahre, mindestens verbandes to it feinen Angehörigen auf Grund lierung dieser Frage mit verschiedenen 3011ibre, bezw. Anspruch auf ständige Pension für ging ſogar schon zum tätlichen Angriff auf Stoalition auch ein Vorschlag betreffend eine Gr- aber für 18 Jahre hat, fann auf fein eigenes Ge- vertrauenswürdiger Informationen mit, daß bei einen jlowakischen Bruder über, der von einigen höhung der Eisenbahntarife um zehn ſuch in dauernde Pension versetzt werden, ohne der sogenannten tleinen Regelung der Staats­deutschen Senatoren noch knapp davor bewahrt Prozent gemacht worden. Erfüllung der Bedingungen, die gefehlich bisher beamtenbezüge auch mit der Lehrerschaft gerechnet werden konnte, durch die Faust von der Güte Mittwoch abends empfing in Vertretung des galten. Bis zu der Zot, in der Anspruch auf werde und daß man für das Jahr 1924 mit einer der tschechoslowakischen Unität überzeugt zu Ministerpräsidenten Innenan mister Malypetr volle Pension erhoben werden kann, längstens Quote rechnen könne, die zwei Dritteln von 20 werden. Schließlich wußte sich der ratlose und die Vertreter der Gewerkschaftsorganisationen der aber auf die Zeit von zwei Jahren, erhält der Perzent der Jahreze höhung der Ortszulage anerkannt unfähige Präsident nicht anders zu foalierten Parteien, die größtenteils Mitglieder Staatsangestellte zu den Ruhegenüffen einen Zu- geichkommt. De geringste Quote soll 240 K be helfen, als daß er dem slowakischen Redner, der Staatsangestellten- Deſitta find. Der Minter schlag. der gleich ist der Differenz zwischen diesen tvagen, aber parlamentarische Streife bemühen fich für ihre Erhöhung auf 300 K; die entsprechende der gerade sprach, das Wort entzog. Auf die erklärte, daß die Regierung die Schwierigkeit der und den vollen Ruhogenüssen. slowakischen Volksgenossen wird es gewiß außer Staatsangestelltensituation einsehe, daß sie aber Bei gezwungenem Abgang find die Vorlage werde wahrscheinlich erst später im Par ordentlich beruhigend wirken, wenn sie hören die die Steuerfähigkeit der Bürgerschaft nicht über der Angestellte, der eine fürzere anrechenbare noch nicht erfolgt ist und ein Teil der Bedeckung verpflichtet sei, für eine Administrative zu sorgen. Bedingungen andere. Die Vorlage stellt fest, daß lamente vorgelegt werden, da die Schlußredaktion werden, wie im Prager Parlament die Rede taſte. Die Regierung sei zu einer schrittwe en Dienstzeit als zehn Jahre hat, in dauernde Pen- feh.t. Es wurde auch das Ersuchen gestellt, in die freiheit ihrer Vertreter geachtet wird! Gewiß, Regelung bereit, muß aber gle hzeitig eine Re- fion mit einer einmaligen Abfert gung verfekt Vorlage auch die Erhöhung der Paritätszurlagen der Redner, Dr. Kovalit, hatte in echt flerifaler striktion des Personals und eine Reform der werden kann. Diese Abfertigung beträgt die Hälfte für Lehrer an Bürgerschulen um 75 Prozent, an Treistigkeit behauptet, der Hussitismus Verwaltung durchführen. Die Vertreter der der oben angeführten. Davon, daß der Angestellte die in dem Gesetze Nr. 392 vergessen wurde, auf­habe die Slowakei ausgeplündert und aus- aitionsgewerkschaften brachten sodann wre in die dauernde Pension verfeßt ist, muß er schrift zunehmen, was auch versprochen wurde. mba wrent geraubt. Es war ihm dabei gewiß nicht um Wünsche vor und besprachen die ihnen vorgeleg ch verständint werden mit der Aufforderung, daß eine geschichtliche Reminiszenz zu tun, sondern ten Gefeßenwürfe. darum, den Sussitismus als eine dem fatho­lischen Klerikalismus verhaßte Idee zu be= schimpfen. Es ist auch zu toll, wenn ein Kleri faler die Ausschreitungen der hussitischen Heere Alle Staatsangestelltenfategorien erhalten anklagt, denn im Laufe der Jahrhunderte wur- für das Jahr 1924 eine ganz gprozentige Orts den im Namen und Auftrage der katholischen zulage. Die Beamten mit Hochschulbildung sind Kirche hundertfach größere Bluttaten und Grau- hievon ausgenommen; sie erhalten dieselbe Zu­samkeiten verübt, als die Kriege der Hussiten lage wie im Vorjahre. Im Jahre 1925 werden im Gefolge hatten. Aber der vorsißende Senats­präsident hätte sich damit begnügen können, daß der Redner seine Aeußerung widerrief, er habe unter Hussitismus nur die Solda testa verstanden, die damals in die Slowakei eingebrochen ist. Doch die See raste nun ein­mal und wollte ihr Opfer haben, und sie raste, Der Staatsbeamtenahbau. weil der slowakische Redner die schöne Idylle Die Vorlage trägt den Titel Ersparungs­der Einheit des tschechoslowakischen Stammes, maßnahmen in der Verwaltung". Der Staat be seiner Eintracht, die Vorstellung seiner Stultur-. fchäftigt 342.000 Staa angestellte. Im Jahre Sprach- und Interessengemeinschaft zerstört 1925 wird diese Zahl um zehn Prozent hatte. Denn Senator Stovalik sprach als herabgesest. Es wird hiebei wie folgt vor­Oppositionsredner und wehrte fich gegangen: aus Leibeskräften gegen die Annahme, die Amt veraffen. In diesem Falle erhalten sie bei Die Staatsangestellten fönnen freiwilio ihr Slowaten sähen sich als die von den Tschechen einjähriger Dienstzeit einen Mo­erlösten Brüder an.

-

Die Regelunn der materiellen Berhältnisse.

die Ortszulagen an die Staatsangestellten in Mo­wölf Millionen an besonderen Zulagen. Die natsraten ausgezahlt. Die R chter erhalten militärgagisten erhalten ebenfalls eine fo genannte Bere tschaftsgulage im Gesamtbetrage bon 58 Millionen.

10000000

er nachträglich in achttägiger

rift

den freiwilligen Abgang aus dem Budgetdebatte im verlassenen Senat. Dienst anmelden kann. Folgt er dieser Prag , 11. Dezember. Aufforderung, so muß hm eine Abfertigung in der

Höhe von 75 Prozent der oben angeführten ge= In dem von der Opposition verlassenen Sca währt werden. Ein Angestellter, der wenigstens nat wird die Debatte über das Budget in ener zohnjährige einredenbare Dienstzeit hat, fann in Weise abgeführt, die der im Abgeordnetenhaus dauernde Penfion mit den zugehörigen Genüssen jüngst abgewickelten nicht im geringsten nachsteht. versetzt werden. Anstelle dieser Genüsse kann ihm Nicht nur die Bänke der Oppojit on find leer, auch auf sein Gesuch one Abfertigung in der Höhe von die toalierten Parteien sind im Saale nicht an­75 Prezent der oben angeführten gewährt werden. wesend und nur hie und da lommen einige Sena Die Auswahl derer, die aus dem Staats- toren schauen. was los ist". Und siehe da ,,, nic dienst entlassen werden sollen. soll nach ihrer se tan neděje"( nichts geschicht) und sie verlassen Fähigkeit erfolgen. Die besser qualifizierten wieder den Saal. Angestellten sollen, auch wenn sie es selbst for Oben am Präsidentenstuhl aber sißen abwech­dern, nicht entlassen werden. Weiters soll auf felnd Präsident Donat und die Vizepräsidenten die wirtschaftlichen Verhältnisse der Angestells und schauen mit müdem Blick in das leere Haus. ten Rüdicht genommen werden. Schrittweise Die Rednertribüne besteigt ein Redner nach dem follen auch ledige Angestellte vor verheirateten, Linderlose Berheiratete vor solchen mit Kindern für die Entlassung in erster Linie in Betracht fommen. Die Entlassungen sollen von einer besonderen Kommision, in der Vertreter aller Parteien fißen, vorgenommen werden. Das Gefeß gilt auch für Angestellte öffentlich recht licher Morrorationen. Es soll für Länder, Gaue, Bezirke und Gemeinden gelten. Wenn

anderen, liest sein von wem? aufgeschriebe nes Sprüchlein ab, legt fein säuberlich ein Blatt nach dem anderen in die schöne schwarze Mappe und geht wieder. Darauf gellt die Gode durchs Haus und der Vorsitzende hat beim Worterteilen besonderes Glück, denn der Senator, der als nächster Redner an de Reihe kommi, ist gerade vor fünf Minuten in den Saal gelommen.( Saal­diener waren bereits eine halbe Stunde früher er­folgreich auf der Suche.)

Das war es eben, was die Koalitions­Eine Red: Prašefs brachte in diese Ein­senatoren so in Harnisch brachte, daß sie gänz- Macht- und Herrschaftszwecke zu mißbrauchen.| Für den Starrsinn und die Herrschsucht tönigfeit etwas Leben. Er erklärte, es se feine lich an die Pflicht der Ruhe, wie sie älteren Aber nicht deshalb schrien die gesezten Sena- der Machthaber ist es bezeichnend, das sie bisher Pflicht, sich bei jeder Gelegenheit gegen die fort Herren ziemt, vergaßen. In dem Streit zwi- toren der Mehrheitsparteien auf und hieben auf nicht einmal zu den Slowaten ein geschten Angriffe auf seine Person zu wehren. schen dem von den Klerikalen geführten Teil die Pultdedel, weil die Slowaken über religiöse einträchtiges, friedliches Verhältnis herzustellen Dann polemiſierte er zunächst gegen die Vorwürfe des slowakischen Volkes und den Tschechen, ob Unduldsamkeit Beschwerde führten, sondern weil vermochten, sondern, daß sie die Kluft zwischen einen billiger( rekgrundben verschafft habe. Er des Genossen Dr. Heller, daß er seinem Neffen Tschechen und Slowaken ein Volf seien und ihr Redner behauptet und erhärtet hatte, das dem tschechischen und slowakischen Volksstamme verlange von Dr. Heller nicht, daß ihm die ton­ob die tschechische und die slowakische Sprache bisherige politische System habe immer tiefer aufreißen. Man kann nicht über- fervative und rechts gerichtete Politit gefalle, er dasselbe sei, mögen wir uns nicht hinein- die Slowakei als Kolonie besehen, daß der slowakische Klerikalismus den verde aber immer auch Hellers Linkspolitik be­mengen, darüber maßen wir uns fein Urteil trachtet und ihm seien die Slowoken ebenso Stampf gegen die Prager Regierungsmethoden kämpfen. Auf die Worte des Präsidenten anspie­an und diese Fragen können nicht durch einen nur der Kulturdünger für die herrschende acjchickt als Vorspann für seine flerifalen lend daß die Entwicklung nach links gehe, erklärte Ringkampf in der politischen Arena entschieden Nation wie die Angehörigen der anderen Machtgelüfte auszunußen weiß, aber um so Praset, die Ereignisse hätten gezeigt, daß der Zug werden. Man wird uns auch nicht zumuten, Winderheitsnationen. Der Export der Slowakei unfähiger zeigt sich eine Staatskunst, die es der Zeit viel mehr nach rechts gehe. Von den wir hätten für die von Pater Slinka geführte find slowakische Menschen, die ins Ausland versteht, dem Gegner so trefflichen Agitations: tschechischen nichtsozialist schen Politikern ver flowakisch- klerikale Partei Sympathien übrig. ziehen, weil sie feine Beschäftigung finden, der stoff zu liefern. Der Senat hat am Mittwoch teidige niemand mehr das Links. Der vielfach ge­An dem Komödienspiel, das einige deutsch - mport sind tschechische Beamte, tschechische in den leidenschaftlichen Saßausbrüchen ein wählte goldene Mittelweg sei nichts als eine Be bürgerliche Zeitungen aufführen und die Lehrer und tschechische Angestellte. An eine Wild der Zustände im Staate gezeigt. Wenn wegung von links nach rechts. Nachdem er noch auf weitere Zeitungsangriffe gegen seine Person Tränen vergießen, weil angeblich in der Slo- Vrüderlichkeit und nationale Gemeinschaft an der Spiße der Regierung ein weitblickender reagerte, bezeichnete er es als Schwäche der wakei seit dem Umsturz gegen den religiösen wollen die Slowaken nicht glauben, die ihre Staatsmann stünde, er müßte wissen, daß der Koalition, daß sie in den Beamterfragen nicht Sinn der Bevölkerung und die steinernen Landeskinder und Söhne von dem Rechte aus- Staat an allen Gliedern frank ist und danach den Mut habe, das Geld dort zu nehmen, woher Sinnbilder ihres frommen Idealismus"( wört schließt, bei den staatlichen Anstalten und Be- sein Heilungsverfahren einrichten, das nur in es genommen werden könnte. Sturz vor seiner lich in der Bohemia" zu lesen, die sonst nicht hörden unterzukommen. Der Slowate hört täg- der Schaffung voller demokratischer und natio- Rede sei ein Koalitionsmann zu ihm gekommen von lauter fatholischen Glaubenseiferern ge- lich versichern: ich oder du, das ist alles eins naler Gerechtigkeit liegen kann. Herrn Švehla und habe ihm erzählt, daß man bei der G'senbahn schrieben wird!) ein ununterbrochener Kampf und ein und dasselbe, aber er muß dann sehen, aber interessiert das nicht, er ist unsichtbar und viel ersparen könne. Der Betreffende felbst geführt werde, nehmen wir nicht teil. Die daß es nicht alles eins" ist, wer Erwerb. Ar- seine höchste Kunst ist, das Bestehende, mag nicht selbst zur Sprache bringen. Prašek bezeich fönne dies aber aus Rücksichten auf seine Partei Klerikalen in der Slowakei üben sich, ähnlich beit, Anstellungen und Lieferungen zugewiesen es noch so brüchig und morsch sein, zu leimen. net ein solches Vorgehen as Feigheit. Bei wie hier, nur noch unverschämter, in der Stolle bekommt und er merkt schließlich, daß nicht er endessen verrinnt kostbare Zeit, ohne daß die seiner Forderung nach Abschaffung der Nivelliste­der schuldlos Bedrückten und Verfolgten und sein Land verwaltet und seine Angelegenheiten Entwicklung zur Geſundung einsehen könnte. rung der Beamtengehalte wurde er wiederholt von mit noch größerem Erfolge als hier verstehen ordnet, sondern sein größerer und stärkerer Die in Haß aufeinander losfahrenden tschechi fronischen Zwischenvufen der tichechischen Sozial­sie es dort, den religiösen Sinn der kulturell Bruder, was ihn dazu treibt, eine solche Bruder- schen und slowakischen Brüder lehren, wohin die demokraten unterbrochen. Sener Rede wurde. rückständigen Schichten für ihre höchst irdischen liebe dankend abzulehnen. Dinge gehen! tein Beifall gezollt..