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6. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowatischen Republit.

Die deutschen Christlich­

Sonntag, 25. April 1926.

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Der Vernichtungsfeldzug gegen die Deutschen :

Nr. 98.

jozialen als Brotverteuerer Eine neue Tschechisierungsaktion beginnt!

Der deutsche christlichsoziale Theologie­professor Dr. Hilgenreiner hat im Senat am Donnerstag eine Rede gehalten, aus welcher der Wille der deutschen Christlichsozialen, für die von den tschechischen Agra­riern beantragten festen Lebens­mittelzölle zu stimmen, unzweideutig hervorgeht. In feinen Ausführungen werden die Umrisse des zwischen tschechischen und deut­schen Agrariern einerseits, tschechischen und deut ichen Römlingen andererseits abzuschließenden Geschäftes deutlich sichtbar. Die Christlichsozia­

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Maffenentlassungen deutscher Bahnarbeiter. Kein Abbau, sondern Austausch gegen Tschechen . Ohne Pension und Abfertigung aufs Pflaster geworfen. Gleichlautende Meldungen aus Karlsbad , Bodenbach und Tepliß.

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So sieht der Minderheitenschutz der von den Deutschbürger­lichen unterstüßten Regierung aus!

die ,, Abgebauten ,, entweder ständige Ruhebe­züge oder Abfertigungen in der Höhe bis zu 10.000 Kronen erhielten,

aber ehe sie noch stattfand, warf man die alt­erprobten deutschen Arbeiter auf die Straße und nahm statt ihrer Tschechen auf. Das unterscheidet neben der Hinterziehung der Entschädigungen diese Aktion von allen früheren, das unterscheidet neben der Hinterziehung der daß diesmal jeder Anhaltspunkt dafür fehlt, daß ein Abbau überflüssiger Arbeiter stattfindet, da für jeden Deutschen ein oder zwei bahnfremde, ungeschulte Tschechen eingestellt werden.

Wir haben gestern von der großzügigen Ent- Mit einer 14, in vielen Fällen sogar sieben len helfen den Agrariern bei der Durchdrückung lassungsaktion berichtet, die nach dem Eisenbah- tägigen Kündigungsfrist, wurden die der Zölle, wofür ihnen dann diese aus Dank- ner" im Bereiche einer Reihe von Staatsbahn- deutschen Arbeiter auf Grund diess Paragraphen barkeit bei stehen wollen, daß der von direktionen geplant ist. Wir zeigten auf, wie un auf die Straße geworfen. Es wird flar, warum bem früheren flerifalen Innenminister Dr. sinnig der Abbau der Bahnarbeiter vont techni- das Abbaugesetz hier nicht in Anwendung gebracht Noset in das Besoldungsgesetz der Staatsange- fchen Standpunkt aus ist und wie fadenscheinig wurde und man mit diesen Entlassungen bis ins stellten eingeschmuggelte berüchtigte Paragraph das Argument von der Nicht kenntnis der Jahr 1926 wartete, wenn man in Betracht zieht, 211, der von der Erhöhung der Kon- Staatssprache bei den Schwellenar daß gruabezüge der Geistlichkeit han- beitern wirkt, die den ganzen Tag über zu ihrer delt, zur Annahme gelange. Die Schwarzen und Arbeit kein Wort tschechisch brauchen. Was sich in die Grünen würfeln gemeinsam um die Haut diesen Nachrichten drohend ankündigte, wird noch bei weitem übertroffen durch die Meldungen, die des Volles. Hilfſt Du mir, meine Geschäfte aus der ganzen Provinz heute einlaufen und be­besorgen, helfe ich Dir bei Deinen! Die Inter - stätigen, daß die Regierung eine nationale der deutschen und tschechischen Agra­rier war schon früher hergestellt, mun haben neue große Tschechisierungsaktion sich ihr auch die Klerifalen beider Nationen angeschlossen. Da es den Profit gilt, fallen die ins Werk leitet. Die nach dem großen Abbau des Jahres 1925 noch verbliebenen deutschen Ar­nationalen Gegensäße und in den Armen liegen beiter und Angestellten sollen aus dem Bahndienst sich beide. Die schwarz- grüne Koalition, die entfernt, an ihre Stelle Tschechen gesetzt werden. behalten, um sie jetzt ihrer Rechte zu berauben im Staatsinteresse ihre Posten auf­dem Volke den armseligen Brotkorb noch höher Daß man dabei unendlich viel soziales Elend stif- und an den Aermsten der Armen, an den Hunger- geben und sich als Eisenbahner ins hängen will, wird zur Tatsache. tet, daß man hunderte Familien brotlos macht, freuzern der Arbeitslosen das Geld zu ersparen,

93 Entlassungen

Das Arbeitsverhältnis fann beiderseits ohne Angabe von Gründen jeden Tag durch Kün­digung gelöst werden".

die nunmehr Entlassenen" keinen

roten Heller bekommen, sondern ohne Pension und Abfertigung ins Elend gestoßen werden.

Im Bereich der Staatsbahndirektion Prag­N or d, Bahumeisterrayon Karlsbad, wurden Die Regierung hat also mit einem gewissen angestellt. Man agitiert unter beschäftigten tsche­zwei deutsche Arbeiter entlassen und vier Tichechen Raffinement beim Abbau Gnade" walten lassen, chischen Arbeitern, sie möchten und einige tausend Deutsche in den Staatsdiensten

gen. Aus Teplit werden zehn Kündi gungen gemeldet, weitere sollen im Zuge sein. gungen gemeldet, weitere sollen im Zuge sein. Nach unseren Informationen wurde gegen diese Massenentlassungen deutscher Eisenbahn­arbeiter vom Verband der Eisenbahner Glöpfige Familien zu versorgen haben! bei den kompetenten Stellen bereits eingeschritten

Sie alle werden gekündigt, weil sie der Dienst- und Protest erhoben. sprache nicht vollkommen mächtig"

lernen. In fast allen Fällen hatte man den Arbeitern das Recht auf eine Wiederholungsprüfung zugestanden,

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Soweit die Tatsachen, die eine deutliche Spra che sprechen. Was diese gefährliche Tschechisie­rungsaktion der deutschen Arbeiterschaft politisch zu sagen hat, das ist nicht nur die Mahnung zum Zusammenschluß und zur Abwehr auf dem Boden der freien Gewerkschaft, sondern auch die

Herr Senator Dr. Hilgenreiner hüllt den daß man obendrein die Sicherheit auf den Bah- das sie für Rüstungskredite und Auslandspropa- ,, berdeutschte Gebiet" melden! Willen seiner Partei, für die Lebensmittelzölle nen aufs äußerste gefährdet, das fümmert die ganda benötigt. Dieses nicht näher zu qualifizie- So schamlos offen hat noch kein Regime die Ent­zu stimmen, in gefühlvolle Ausdrücke, aus Machthaber nicht, geht es doch um ein weit höhe rende Verhalten drückt der gegenwärtigen Ent- nationalisierung betrieben! Aehnliche Weldungen denen seine Sorge, dem darniederliegenden res Ziel, um die Tschechiſierung der deutschen Ge- lassungsaktion den Stempel auf; es macht sie nicht laufen aus den verschiedensten Gegenden ein. In Wirtschaftsleben aufzuhelfen, ersichtlich werden biete, um die Schaffung des Nationalstaates, in nur zu einer gewissenlosen Handlung Bodenbach wurden am 21. d. M. sieben joll. Er erklärte, es sei dringendste Staatsnot- dem den nationalen Minderheiten nur das Recht der Regierung, es kennzeichnet sie auch als Arbeiter entlassen, darunter ein Vater von zusteht, Steuern zu zahlen und Waffendienite zu scha mloses Täuschungsmanöver, das vier Kindern, der elf Dienstjahre hat und voll­wendigkeit, das zerrüttete Wirtschaftsleben zu leisten. Die Beamtenregierung scheint den Ehr- sich der Staat mit seinen Dienern leistet. Die Entständig mittellos ist. Da das Bahnbetriebsamt bessern". Was zerrüttet" nun, nach der Mei- geiz zu haben, ihre Vorgängerinnen an Rücksichts- lassenen dienen zehn bis fünfzehn Jahre und Erhebungen über die Familienverhältnisse oflegt, nung des Herrn Theologieprofessors( das heißt: losigkeit noch zu übertreffen und die altösterreichi- haben bis zu fiebzehn anrechenbare Jahre für den find weitere Entlassungen zu gewärti Lehrer des Wortes Gottes ), das Wirtschafts - fchen Bürokraten wollen anscheinend ihre staats- Bensionsfonds. Sie sind allen Berichten zufolge leben? Das Fehlen von hohen erhaltende" Gesinnung dokumentieren, indem sie durchwegs brave und verläßliche Arbeiter, gegen Lebensmittelzöllen! Er jagte:" Die jene Hentersarbeit an deutschen Arbeitern die feine Beschwerde vorliegt. Unter den 93 find ungelöste Zollfrage ist ein Hemm- verrichten, die selbst dem Tschechisierungskabinett schuh, der der Entwicklung unserer Handels- Svehla Hemmungen bereitete und es vor dem Ziel 49 Familienväter, die zum Teil 5 bis politik im Wege liegt." Es glaube nur nie- stoppen ließ. Uns wurden im Laufe des gestrigen mand, Hilgenreiner leide wirklich an der naiven Tages Vorstellung, Handel und Industrie würden er blühen, wenn das Einkommen der Massen der bekannt, die sämtlich auf Grund des berüchtigten sind, obwohl sie diese Dienstsprache nicht brau­Arbeiter, Angestellten und des kleinen Land-§ 17 der Arbeitsordnung erfolgten. Dieser Henchen und obgleich sie bemüht waren, sie zu er­volfes durch hohe Zölle auf alle Agrarprodukte fersparagraph der Arbeitsordnung besagt: so geschmälert wird, daß sie an Nahrungs­mitteln, Kleidern, Schuhen und anderen Lebensnotwendigkeiten noch weniger einkaufen fönnen, als bisher. Von so schreiender volfs­wirtschaftlicher Unkenntnis ist er nicht, nicht zu wissen, daß bei gleichbleibenden Löhnen deres Geschenk zu bekommen. Darüber werden. Daß die Warenverteuerung feine] das die Betätigung christlicher und und Gehalten die Massen der auf ein bestimm- sagte Herr Dr. Hilgenreiner: Auch die Rege- Sebung des Handels, sondern seine Er- sozialer Gesinnung, armen Menschen, tes Einkommen angewiesenen Konsumenten. Die lung der Bezüge der Beamten darf nicht weiter würgung auf dem ohnehin eingeschränkten deren Hauptnahrung Brot und Kartoffeln sind, durch Zölle bewirkte Verteuerung der wichtig- hinausgeschoben werden und dabei darf Auslandsmarkt zeitigen würde, muß jedem, das Stückchen Brot vom Munde wegzurauben, ften Nahrungsmittel durch eine weitere Ein- auch nicht der Klerus vergessen der nicht volkswirtschaftlicher Analphabet ist, damit die feisten Pfäfflein und ihre Köchinnen schränkung ihrer Lebenshaltung bezahlen müß- werden. Die Sache kann durchgesezt ist, auf den ersten Blick einleuchten. Herr noch feister werden? Ist das das Verständ­ien und daß das Sinten der Kaufkraft von werden, wenn es auch nicht die bis- genreiner, der katholische Priester, weiß das nis der Römlinge für die sozialen Millionen Menschen im Staate nur eine herige Mehrheit täte." Die Verbrä- alles, aber die Erhöhung der Pfaffengehalte ist Aufgaben, daß sie in einer Zeit schwerster Schädigung von Handel und Industrie, wie mung des Willens, den Boitsaushungerern Hilfe ihm und seiner Partei wichtiger als das Volks- Not, da auch die Regierung darangeht, riesige überhaupt der gesamten Volkswirtschaft zur zu leisten, mit der Besorgnis um das zer- interesse. Erzielen die Großagrarier fettere Steuerbelastungen dem Volke aufzubürden, Folge haben müßte. Doch Hilgenreiner braucht rüttete Wirtschaftsleben", ist durchsichtigster Profite und wird den Pfaffen von Staats einen doppelten Fischzug für die Großagrarier unbedingt einen Grund für das Eintreten seiner um bug, mit dem die deutschen Christlich - wegen das Einkommen verdoppelt, damit sie und für die Pfaffen unternehmen? Im Ini­Partei für Lebensmittelzölle, an dessen Stich- sozialen höchstens die Allerdümmsten unter mit gestärkten Kräften das Volk von seinen tiativausschuß haben die deutschen christlich­haltigkeit er zwar selber nicht glaubt, von dem ihren Anhängern hinters Licht führen werden. irdischen Leiden hinweg auf die Freuden des sozialen Mannen den ersten Schritt bereits er aber hofft, daß ihn die in volkswirtschaft- este landwirtschaftliche Zölle, noch dazu in Jenseits vorbereiten können, dann ist das christ- getan und haben dem Agrarzollantrag zuge­lichen Dingen ahnungslosen christlichen Partei- der ungeheuerlichen Höhe, wie sie von den liche und soziale Programm der Christlich - ſtimmt. Die entscheidenden Schlachten werden gänger glauben werden. Agrariern gefordert werden das ist: sechs sozialen ausgeschöpft. Die arbeitenden Menschen im volkswirtschaftlichen Ausschuß und im Die Christlichsozialen sind entschlossen, dem mal so hohe Zölle nicht nur auf Mehl und können vor Hunger verrecken. Plenum des Senates geschlagen werden. Ohne Bollattentat der tschechisch- deutschen Agrarier alle Getreidearten, sondern auch auf In der christlichsozialen Partei führen die die Stimmen der deutschen Chriſt= ihre Unterſtüßung zu gewähren, und auf Vieh, Fleisch, Fische, Fett, Obst, Kirchenfürsten, die wohlgenährte und reiche( ichsozialen ist dort die Annahme dem Antrag Donat sind auch drei tsche- Eier und anderes- würden der malträtier- Geistlichkeit und die ehemaligen Adeligen das des Bollantrages unmöglich. Auf hische Klerikale unterzeichnet- weil ten Volkswirtschaft nicht aufhelfen, sondern ihr große Wort. Es stehen in ihr aber neben An- ihnen also lastet die Verantwortung für alle sie auf dem Lande hinter der Zoll- den Genidschlag verseßen. Die durch Zölle ver- gehörigen der Mittelstände auch viele ländliche Schädigungen, welche der Hungerzoll für di demagogie der Agrarier nicht zuursachte Teuerung müßte unbedingt zu Er- und städtische Arbeiter. Was jagen diese industrielle, städtische und einen großen Tei: rüdstehen wollen, weil sie noch immer höhungen der Löhne führen, welche wieder eine christlich sozialen Arbeiter und der ländlichen Bevölkerung bringen müßte. bei jeder Volksaushungerung mitgeholfen haben, Verteuerung der Industrieprodukte zur Folge Arbeiterinnen zu den zollwuche- Dieser Verantwortung werden - was der Hauptgrund ist hätten. Die Lebensführung der arbeitenden Be- risch en Absichten ihrer Partei? sie nicht entrinnen, dafür wird fie den Agrariern auf Kosten der Bevölkerung völkerung ist auf dem allertiefften Niveau an- Diefe behauptet doch, nicht nur für Seelen- gründlich und ausgiebig gesorgt ein Geschenk machen wollen, um von ihnen gelangt, eine weitere Zusammenschnürung des heil, sondern auch für das leibliche und irdische werden.

und weil

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dafür auf Kosten der Bevölkerung ein an- Hungerriemens fann ihr unmöglich zugemutet Wohl des christlichen Boltes zu kämpfen! Ist