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6. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.
Samstag, 12. Juni 1926.
Der Weg ins Verderben. Dauerligung bis in die Morgenstunden.
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Nr. 137.
[ teilern und Sozialdemokraten, so daß Tomašef und Staněk vermittelnd eingreifen müssen. Cha lupa weist siffernmäßig nach, wieviel Millionen das Prager Erzbistum und die Kirche überhaupt Die Zollabstimmung an den Zöllen verdienen wird, zeigi sodann auf, wie sehr demgegenüber die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter gegen die Vorkriegszeit ge
Was haben uns die sogenannten Fachleute Gegen 8 Uhr abends Eingang in die Spezialdebatte. mit dem Abgeordneten Dvořačef an der Spize hierzulande gilt nur der als Fachmann, der wird nicht vor 4 Uhr früh beginnen. Keine Atempause. das Mitgliedsbuch der nationaldemokratischen Prag , 11. Juni. Die Generaldebatte über regende Protest der ungarischen Regierung gegen funken sind. Partei in der Tasche hat nicht davon erzählt, die Zölle dauert den dritten Tag an; ein Red- die Zollvorlage wird behandelt. Was beſchloſſen daß der Staat die festen Getreidezölle brauche, ner nach dem andern tritt an das Rednerpult. wurde, ist zur Stunde nicht bekannt. Petrovicky( Nat. Dem.) behauptet, daß seine um mit dem Auslande leichter zu Handels- Die Opposition nußt die ihr zugemessene RedePartei durch mühsame Verhandlungen eine HerabGegen 8 Uhr geht die General debatte feßung der Zollkoeffizienten erzielt habe, und berträgen zu kommen! Wenn nur einmal frist voll aus, immer neue Redner melden sich zu Ende. Das vollbeseßte Haus stimmt einen nimmt die Gewerbetreibenden und Kaufleute an und so ändern sich die Voraussagen über den Antrag Dr. Czech auf Uebergang zur Tages- gegen die Anschuldigung der Preistreiberei in Verlauf der Sißung von Stunde zu Stunde. An- ordnung nieder, ebenso zehn weitere, welche die Schußz. fangs rechnete man damit, die Abstimmung über Minister zu Erklärungen in der Hausfißung aufdie Vorlage und die hunderte eingebrachten Ab- fordern. abends vornehmen zu können. Aber allein die änderungsanträge in der Zeit von 9 bis 12 Uhr Generaldebatte dauert bis 8 Uhr abends fort.
hohe Getreidezölle im Zolltarif sind, dann werden unsere Unterhändler von diesen Zöllen etwas nachlassen können, um dafür das Entgegenkommen der anderen Staaten für unsere Induſtriewaren zu erkaufen. Selbst der Außenminister Beneš hat diese Auffassung mit dem Ansehen gedeckt, das er bei den nichtzollfreundlichen tschechischen Parteien genießt.
lassen!
Wieder ist für eine Weile der ungestörte
Zölle und Kleinlandwirte.
Hierauf führt
Genosse Leib!
hier in diesem Hause vorgebracht haben, habe ich noch nirgends gefunden. Schon bei den Verhand lungen in den Ausschüssen hat man es immer deutlicher gesehen, daß
die Gier nach höheren Profiten für die Agrarier die einzige Richtschnur
war, so daß man nur mit Widerwillen die Unaufrichtigkeit und die Verdrehungskünfte der Agrarier ansehen konnte.
Immer und immer wieder mußten die kleinen Landwirte herhalten, in deren Namen sie dor geben, die Zölle einführen zu müssen. Daß bei den Kleinlandwirten ein Notstand vorhanden ist, stimmt leider, aber es ist höchst merkwürdig, daß man erst jetzt das gute Herz für die Kleinlandwirte entdeckt und aus reiner Liebe für sie nun die Zölle einführen will.
Für uns Sozialdemofraten ist die Zollfrage
Fortgang der Sißung gesichert, das Haus geht in die Spezialdebatte ein. Bis gegen 2 Gegen Mittag ergreift Genosse Leibt das Uhr früh soll sie dauern; vielleicht auch länger. Wort, um die Zollvorlage namentlich vom Die Abstimmung über Hunderte von Anträgen als Vertreter der Kleinbauern aus: Aber schon bei der Einbringung des Zoll- Standpunkt der Kleinbauern zu bekeuchten; aus wird weitere Stunden in Anspruch nehmen; da- Wir Sozialdemokraten erwägen bei allen antrages der apostolischen Mehrheit des fiche- selbstloser Liebe zu diesen kleinen Landwirten has zwischen soll eine Ruhepause von ein bis zwei volkswirtschaftlichen Maßnahmen immer zuerst, ob choslowakischen Parlaments, die auf dem ben ja die Agrarier angeblich die Zollvorlage ge- Stunden eingeschaltet werden. Die Sonne wird diese der Allgemeinheit zugute kommen oder nur Grundsaße beruht: Zeueres Brot und schaffen. Genosse Leibl nimmt nun eines diefer also schon hoch am Himmel stehen, bis der Zoll- einzelnen Voltsschichten; wir tun dies auch bei hohe Pfaffengehälter, hat sich gezeigt, dem anderen her und weist deren Saltlosigkeit dung ist es noch lange nicht! Die wird draußen ist von weitestgehender Bedeutung; von den Anfadenfcheinigen agrarischen Zollargumente nach lamps entschieden ist. Die endgültige Entschei- dem vorliegenden Gefeßentwurf. Der Zollantrag daß das Argument von der Notwendigkeit der nach. Dann schildert er die wichtigsten Forderun, fallen, vor den Wählern, und sie wird anders tragstellern wird zu seiner Begründung die wirtGetreidezölle mit Rücksicht auf die Handels- gen der Kleinlandwirte, die er vertritt: Vor allem lauten als hier im Hause. Das ist der unerschüt- chaftliche Notlage der Landwirtschaft angeberträge ein Betrug ist, denn im Artifel V teine Futtermittelzölle, die die Bich- terliche Glaube aller der, die weiteres Elend von führt. Eine so armselige Begründung, wie sie des Geseßantrages wird bestimmt, daß gerade zucht der kleinen Häusler völlig ruinieren müß- den arbeitenden Schichten der Bevölkerung ab- unsere Herren Agrarier und sonstigen Zollfreunde die wichtigsten der beantragten Zollfäße im ten; dafür ausreichende staatliche Mittel zur Hewehren wollen! Vertragswege nicht herabgesetzt werden können. bung der agrarischen Produktion, Errichtung von Wer sich aber noch immer von den Argumenten einen Musterwirtschaften in allen Bezirken und der Bürgerparteien betören ließ, der sieht nun- nicht zuleßt ausreichende Vertretung der Klein- 3wischenrufen empfangen, mit halbstündiger VerDer Vorsitzende Malypetr eröffnete, von mehr in dem aussehenerregenden Schritt der landwirte in allen landwirtschaftlichen Körper- spätung die Situng; das Haus fährt in der ungarischen Regierung, wonach im Falle der schaften. Die Kleinbauern gehen auf den aara- Generaldebatte über die Zollvorlage fort. Annahme der Hochschußzölle„ die geplanten rischen Schwindel nicht ein und werden sich von Chalupa( tschech. Soz.- Dem.) weist darauf hin, Wirtschaftsverhandlungen zwischen Ungarn und der schärfsten Gegnerschaft gegen die Zölle durch daß der Zynismus, den die Agrarier während des der Tschechoslowakei als ergebnislos angesehen alle Lockungen der Großagrarier nicht abbringen Krieges an den Tag legten, auch jetzt bei dieser werden können", daß die Zollpolitik der tiche= Vorlage und während der ganzen Debatte un Nachmittags fand ein Ministerrat statt, der verhüllt zum Vorschein fommt. Als ihm der Ges chischen und deutschen Bourgeoisie die breiten sich mit der Forderung der tschechischen Sozialwerbeparteiler Najman in einem Zwischenruf Massen der Bevölkerung aller Nationen dieses demokraten befaßt, die Regierung möge unverzüg- fagt, wenn die Fleischer soviel verdienen, dann Landes schnurstracks ins Verderben führt. lich erklären, ob sie durch die Weiterleitung des möge er sich eine Fleischerei einrichten und das Wer die wirtschaftliche Entwicklung der Gesetzes an den Präsidenten die politische Berant Mandat sein lassen, kommt es zu einem scharTschechoslowakei in den letzten Jahren auf- wortung übernehmen wird; auch der aufschener- fen 3usammenstoß zwischen Gewerbepar merksam verfolgt hat, der kann sich der Ansicht 0000000°°°°°°°°**°*°***************************** ŬTAMBUAKENEALANT nicht verschließen, daß das Wirtschaftsleben des Staates unaufhaltsam seinem Verfall ent- auf die parlamentarischen Verhandlungen der die Folge der wahnsinnigen Hochschußzzollpolitik gegengeht. Die Lebenshaltung der Bevölkerung Bollfrage einen Druck ausüben. Als ob es das der bürgerlichen Parteien nicht nur eine Teueder Tschechoslowakei beruht auf dem Export von Ausland gar nichts anginge, was für Zölle wir rung sein, unter der die Bevölkerung schwer ein starres Dogma; wir beurteilen sie nur vom Standpunft der Zweckmäßigkeit. Wenn Sie Industrieartikeln, aber der Ueberschuß unserer an unseren Grenzen einheben! Gegen wen rich- leiden wird, sondern erhöhte Arbeitslosigkeit. uns beweisen können, daß der überwiegende Teil Ausfuhr über die Einfuhr geht Jahr für Jahr ten sich denn die Zölle? Einmal gegen die ein- Mehr Arbeitslosigkeit und teu- der Bevölkerung davon Vorteile genießt, daß zurück. Das Aktivum unserer Handelsbilanz heimischen Konsumenten, denen sie die not reres Fleisch und Brot, das sind die die Produktion gehoben und wenigstens den hat im Jahre 1922 mehr als fünf Milliarden, wendigsten Lebensmittel verteuern und das Folgen der Hochschutzzollpolitik für das Prole- selein landwirten, die wir bisher einzig 1925 aber nur noch etwas mehr als eine Mil- anderemal gegen die fremden Staaten, deren tariat, und das alles ,. um die Gewinne der und allein vertreten haben, geholfen und liarde Kronen betragen. Dieser Rückgang jezt Agrarprodukten sie den Eintritt in die Tiche- Großgrundbesißer zu mehren und die Gehälter den übrigen Bevölkerungsschichten nicht geschadet wird, dann werden wir unsere sich auch im Jahre 1926 fort, wir haben im choslowakei verwehren. Es ist daher selbstver- der Pfaffen zu erhöhen! Vielleicht werden die Wähler jetzt darüber Ansichten gerne revidieren. Aber die Zweckmäßigersten Quartal dieses Jahres nicht weniger als ständlich, daß das Ausland für die Höhe unserer zwölf Prozent unserer Ausfuhr verloren. Ge- Bolljäße Interesse hat und es ist ebenso selbst nachzudenken beginnen, daß zwischen dem, was feit der Zölle muß erst erwiesen werden. Wahr ist aber, daß die Zölle nur den Großrade das wirtschaftliche Verhältnis zu Ungarn verständlich, daß das Ausland zu Vergeltungs- ihnen die bürgerlichen Parteien vor den Wahzeigt den völligen Zusammenbruch in naßnahmen greifen wird, das heißt, unseren len versprochen haben, und dem, was jetzt ge- agrariern nüßen, und daß nicht einmal die ferer Wirtschaftspolitik. In den Industriewaren ebenso den Eintritt erschweren schicht, ein Unterschied besteht. Wie oft Mittelbauern einen Nutzen davon haben. Wir Strise befindet... acht Jahren des Beſtehens der Republik ist es wird, wie wir der Einfuhr landwirtschaftlicher haben wir während der Wahlkampagne gehört, geben zu, daß die Landwirtschaft sich in einer nicht gelungen, mit Ungarn auch nur einen Produkte in unser Land Schwierigkeiten be- daß die Sozialdemokratie„ versagt" habe, und Genoffe de Witte: Was befindet sich denn daß die Parteien des Bürgertums den Men in diesem Staate nicht im Zustand der Strife?" Sandelsvertrag abzuschließen! Es ist reiten. gar keine Frage, daß wir diesen Handelsvertrag Unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind schen ein geordnetes, friedliches, von sozialen Leibl( fortfahrend):... die Verhältnisse der notwendiger brauchen, als die Ungarn . In den schon jest trostlos. Allein im Kohlenbergbau Erschütterungen freies Leben bringen werden. industriellen Bevölkerung sind aber ersten vier Monaten dieses Jahres haben wir wurden im Laufe des Jahres 1925, wie die Viele Angehörige der Mittelklassen, die zwischen trauriger, als in der Landwirtschaft. Von dus Ungarn Waren für 260 Millionen Kronen Vertreter unserer Bergarbeiter anläßlich einer den Parteien des Proletariats und des Bürger- den Landwirten werden nur die Kleinbauern von eingeführt, aber für 364 Millionen Kronen Vorsprache bei der Regierung angeführt haben, tums immer wieder schwanken, haben sich be- der Krife betroffen, während die Großagrarier, Waren ausgeführt. Unser Ausfuhrüberschuß 15.000 Menschen abgebaut. Ebenso hat der tören lassen und die Reihen der sozialdemokra- die vielfach auch noch industrielle Besißtümer betrug also 100 millionen Kronen. An unserer ehemalige Handelsminister Dr. Hotovec in tischen Wähler, in die sie nach dem Kriege ge- haben, bisher von der Krise wenig verspürAusfuhr nach Ungarn sind insbesondere die einem Vortrage jüngst erzählt, daß die Zahl stoßen sind, verlassen. Sie werden es bitterten und durch die Zölle nur in den Genuß einer Textilindustrie, die in dem eben angeführten der Beschäftigten in der Textilindustrie um büßen. Der kleine Kaufmann und Gewerbe- höheren Profitrente fommen wollen. Als Beweis für die Notlage der Landwirts Beitraum für 183 Millionen Kronen Waren Zehntausende zurückgegangen ist. Seit dem treibende wird Brot und Mehl, Fleisch und nach Ungarn ausgeführt hat, sowie unsere Holz- vorigen Serbst ist die Arbeitslosigkeit im An- Fett teuerer bezahlen müssen und infolge der schaft wird deren beginnende Verschuldung angeführt. Aber auch hier sind es die ganz und Kohlenproduktion, die für 84 Millionen steigen. Während die staatliche Statistik die gesunkenen Kaufkraft der Maſſen weniger kleinen Landwirte, die auf ihrem kleinen Kronen nach Ungarn ausgeführt hat, beteiligt. ja längst nicht die Gesamtzahl der Arbeitslojen verkaufen. Dem christlichsozialen Textilarbeiter Grundbesitz nicht leben können, andererseits als Was es für unsere Textilarbeiter bedeutet, wenn erschöpft im Herbst die Arbeitslosenanzahl wird die Genugtuung zuteil, daß es den Arbeiter in der Induſtrie feine Beschäftigung nach Ungarn allmonatlich für fast 50 Millionen mit 40.000 angegeben hat, werden jetzt bereits Pfaffen besser geht, aber das büßt er durch finden. Diese Leute müssen Hypotheken aufKronen Waren verkauft werden, liegt auf der 70.000 Arbeitslose gezählt. Die Lebenshaltung Teuerung und Arbeitslosigkeit. Die bürger- nehmen, um ihre Familie zu ernähren, das AnHand. Aber das fümmert unsere gewinnsüch- der Arbeiterschaft ist tief unter dem Niveau der lichen Parteien mögen nur so weiter machen. mesen notdürftig im Stande zu halten und auch tigen Grundbefizer und die nach der Kongrua Vorfriegszeit. Aber all das Elend der Sie haben vor dem Kriege um ihrer Profite die rückständigen Steuern zu bezahlen. Großbauern lüsternen Seleritalen sehr wenig: wenn nur Bevölkerung bildet feine Schranke willen eine Politik verfolgt, die die Menschheit haben bis jetzt keine Ursache, verschuldet zu sein, die Landbourgeoisie und die für den Klajsenegoismus des in das Verderben des Krieges geführt hat. Als wenn sie nicht ausnahmsweise von schweren UnPfaffen genug haben, die Textii- Bürgertums. Mit der größten Leiden- dann das Volk erwachte, ging die Welle des glücksfällen betroffen werden. Werden aber die Getreidezölle die verschulde= arbeiter und Bergarbeiter mögenschaft betreiben die bürgerlichen Parteien die Sozialismus über die Parteien des Bürgerarbeitslos jein und hungern! Gesetzwerdung der Zölle, die nicht nur die tums hinweg. Auch das Verbrechen, das" die ten Alcinlandwirte entlasten können? Gewiß nicht, Bekanntmachungen ungarischen Regierung werden, sondern die uns auch in ſch were der Lebenshaltung, der Geſundheit der ar- weil sie das, was sie produzieren, auch selbst Ein tschechisches Blatt macht schon aus der Brot- und Fleischpreise in die Höhe treiben Bürgerparteien an dem Glück, der Wohlfahrt, eine Prestige frage: es behauptet, die un- wirtschaftliche Konflikte mit dem beiten Bevölkerung begehen, wird nicht unge- wie der konsumieren und nicht einmal sogarische Regierung wolle sich in die inneren Ausland treiben und die Ausfuhr unserer fühnt bleiben. Dafür werden wir Soviel erzeugen, als sie im Haushalt brauchen. Eine Verhältnisse der Tschechoslowakei einmischen und Industriewaren erschweren werden. So wird zialdemokraten sorgen!
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Abstimmung unter den Kleinlandwirten würde