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6. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Mittwoch, 27. Oftober 1926.
Da aber in Südslawien der Zusammen
Die südslawische Arbeiter- bruch der Gewerkschaften in die gleiche Zeit
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Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Nr. 252.
Udržal über die Gajda- Affäre.
ditsch, das ist: zwischen Serben und Kroaten Dr. Bouček sandte dem Verteidigungsmini
fiel wie das Abwelfen der fünstlichen Wirtschaftsblüte, jahen sich die Arbeiter schutzlos Das Disziplinarver'ahren gegen Gajda noch nicht beendet. Die allen Unbilden der ökonomischen Strije ausBerdachtsmomente gegen Gajda verstärken sich. gefeßt. Wie eine schleichende Krankheit zehrt Vor dem Weltkrieg war in den durch seit Jahr und Tag Massenarbeitslo- Prag, 26. Oktober. In der heutigen und verzögert wurde. In dem Verlauf der heubunte Grenzpfähle voneinander getrennten igfeit an den Kräften des Proletariats, Senatssigung, über deren Verlauf wir des Proletariats, Senatsjigung, über deren Verlauf wir an tigen Untersuchung kann und will ich nicht einTeilen des slawischen Südens, aus denen sich aber auch die Lage der noch in Lohn und Brot anderer Stelle berichten, ergriff der Verteidi greifen, ich will furz die Lage andeuten, wie sie jezt das Königreich der Serben, Kroaten und stehenden Arbeiter ist erbärmlich. Während, gungsminister Udržal das Wort, um auf die fich nach Beendigung des Administrativverfahrens Interpellationen des Genossen Dr. Heller ergeben hat. Slowenen zusammensetzt, dem vorwiegend nach Papierdinar gerechnet, die Kosten der über die Gajda- Affäre und des Genossen Jokl agrarischen Gepräge des Landes entsprechend, notwendigsten Lebensbedürfnisse 24mal höher über die Häufung der militärischen Unglüdsfälle Die Kommission prüfte, ob die vorgebrach die moderne Gewerkschaftbewegung zahlenmä- sind als 1914, sind die Löhne im Durchschnitt und namentlich der Fliegerabstürze zu antworten. ten Beschuldigungen den Tatbestand einer ge Big nicht start, aber in sich gefestigt und zu- noch nicht um das Vierzehnfache gestiegen: bei Die Ausführungen des Ministers waren in richtlich strafbaren Tat beinhalten. Die Frage funftsreich: Organisierte zählte man in Slowe- sechs Hauptgruppen, den Arbeitern im Me- feiner Weise befriedigend; das einzig Neue zur war, ob und wie weit der Verdacht begründet nien 4600, in Sroatien 5188, in der Wojwo- tall-, Holz-, Leder-, Bau- und Nahrungsmit- Gajda- Affäre war die Mitteilung, daß gegen den sei, daß General Gajda das Verbrechen des mi dina 5000, in Bosnien 5500 und in Serbien telgewerbe und in der graphischen Industrie, General am 7. Oktober die Disziplinarlitärischen Verrats begangen habe. Gerichtlich wo der Balkankrieg bereits Lücken gerissen erreicht der Reallohn nur 68 Prozent des Vor- untersuchung eingeleitet worden sei, da strafbar ist, wer einer ausländischen Macht ethatte, 4227, insgesamt also auf der Fläche des friegslohnes. Hand in Hand, damit geht das Spionage an einem anderen Staate als der was verrät, was für die Verteidigung der jüdslawischen Staates von heute 24.515. Die Bestreben der Unternehmerschaft, die sozialpo- Zschechoslowakei bei uns nicht gerichtlich belangt werden könne, während der Disziplinarausschuß Tschechoslowakischen Republik geheim bleiben soll. nationale Einigung des Jahres 1918 brachte litische Gejezgebung, die es auf dem Papier auch für solche Fälle zuständig sei. Im übrigen anfangs einen allerdings etwas gewaltsamen mit den einschlägigen Bestimmungen westlicher müsse man das Ergebnis dieser DisziplinarunterDie französiche Republik genießt und fünstlichen Aufschwung des Wirtschaftsle- Länder aufnimmt, außer Straft zu jezen. juchung abwarten. nicht den Schuh unseres Gesezes. bens mit sich, da neue Industrien aus dem 3war gehört es zu den unrichtigen Angaben Im einzelnen führte der Minister zur GajdaEin Zusammenhang mit irgendeiner alliierten Boden gestampft wurden, aber das rasche in Henri Barbusses Buch„ Die Henter", Affäre folgendes aus: Militärmaßnahme, die vielleicht zugleich zum Wachstum der Gewerkschaften in daß das Ministerium für Sozialpolitik in Der Major der russischen Legionen Jaros Schutz unserer Republik dient, war nicht geder, gleichen Spanne war weniger eine Folge Belgrad abgeschafft worden sei, aber Bemühun- laus Stratochvil, Beamter der Direktion der geben. Nach Feststellung und Neberprüfung der Hochkonjunktur als des Elends, in das gen zielen in dieser Richtung, und die Ar- Staatsgüter, und der Monteur Jwan Solow= aller Aussagen und Indizien beendete die AdStrieg und Striegsnachwirkungen die Arbeiter beitszeit wird froß der gesetzlichen Festlegung iem haben in einem Informaionsprotokoll, das ministrativkommission ihr Verfahren und ergeschleudert hatten. Verzweiflung und Hoff- auf acht, in Ausnahmefällen auf neun und von Dr. Wenzel Bouček am 20. Juni d. J. in stattete Bericht, daß gegen Gajda ein Genung stieß die Proletarier aus ihrer Verein- zehn Stunden, ungescheut auf zwölf, vierzehn, Vschenor verfaßt wurde, angezeigt, daß sich Generichtsverfahren eingeleitet werden könne. zelung unwiderstehlich in die Fachorganisatio- ja, in abgelegenen Winkeln auf jechzehn Stun- ral Gajda nach seiner Rüdfehr aus Rußland im Jahre 1920 durch Vermittlung des russischen nen, und die Gewerkschaften erlebten eine Zeit, den täglich ausgestreckt. Eine weitere Frage war, welche außergericht da breit alle Schleusen aufgezogen schienen, die Die Erkenntnis, daß die jüdslawische Ar- Obersten Arkadij Strakowieckij, um den Mili- liche Maßnahme nötig wäre. Die gegen General tärdienst in der Sowjet- Armee be- Gajda erhobenen Beschuldigungen erscheinen, auch jie bislang von der Hauptmasse der Arbeiter beiterklasse im Zeichen der Zersplitterung worben habe, daß er sich verpflichtet habe, aus menn sie gerichtlich nicht verfolgbar sind, bei einem getrennt hatten: die Zahl 200.000 für die ge- ganz unter den Schlitten komme, beflügelte in der Marschallschule in Paris den tschechoslowakischen Offizier als Berlehung mertschaftlich Organisierten war 1920 nicht Spätsommer vergangenen Jahres die Eini Sowjets vertrauliches Material zu der Standespflichten, wodurch der gute allzu hoch gegriffen. Das entsprach ungefähr gungstendenzen einfichtiger Köpfe hüben und liefern, und daß er tatsächlich irgendein für Ruf des tschechoslowakischen Soldaten bedroht oder einem Fünftel aller Lohnarbeiter, deren man brüben; gerade bei den Anhängern Moskaus die Sowjets wichtiges, inhaltlich jedoch nicht geschädigt wurde. Zur Verfolgung eines solchen 600.000 in Industrie und Gewerbe, 300.000 trug dazu die Ueberlegung bei, daß die Ver- näher bezeichnetes Material für 5000 K geliefert Deliftes ist in der Landwirtschaft und 100.000 im Berg- ständigung zwischen Paschitsch und Ra- bat. der Disziplinarausschuß zuständig. bau und Verkehrswejen annimmt. Aber nicht umsonst betrachtete Moskau die letzte Hoffnung der 3. Internationale auf ster Anfangs Juli diese Informationsprotokolle Während der Vorbereitungen für das Verfahren lange den Balkan als archimedischen Bunft, revolutionäre Wirren in Südslawien zuschanzt weiteren Maßnahmen. General Gajda war vor dem Disziplinarausschuß überreichte General zu Europa aus den Angeln zu heben. So eifrig den mache. Natürlich fehlte es gleichwohl nicht u. diefer Zeit mit der provisorischen Führung Gajda am 7. August ein Gesuch um Einleitung Es ist des Superarbiirierungsverfahrens. wie nirgends rollte im Südosten unseres Erd- an Quertreibereien solcher Elemente, die sich des Amtes des Generalstabes betraut. teils der Rubel und die Lehre der Sowjets, vorher die Kehle nach der„ Einheitsfroni" hei- selbstverständlich, daß es mit Rücksicht auf eine Dem Gesuch wurde willfahrt und General Gajda fo bedeutsame Stellung in der Armee sowie miß nach durchgeführter Superarbitrierung am 14. und als Folge wurde die sozialistische Partei jer geschrieen hatten, und Unbelehrbare und Rücksicht auf eine so schwere Beschuldigung im Auguſt pensioniert. Dadurch war die dienstSüdslawiens, deren Kern, die serbische Sozial- unverföhnliche blieben abseits stehen, aber der Intereffe der Armee und ihres Prestiges, ja im liche Personalfrage gelöst und der normale Zudemokratic, früher mit der deutschen Partei Einigungskongreß, der vom 10. bis Interesse des guten Rufes unseres Staates lag, stand in der Führung des Generalstabes wieder hergestellt. Diese Entscheidung präjudiziert theoretisch und praktisch in Schritt und Tritt 12. Oftober 1925 in Belgrad stattfand, mit äußerster Vorsicht vorzugehen. marschiert war, immer mehr nach links abge- brachte das Werk des Zusammenschlusses unier Die Beschuldiouna bezog sich auf eine bereits aber feineswegs der weiteren Lösung der drängt, bis es 1920 zur Spaltung fam, und Dach und Fach, indem er den Grundsatz der ziemlich fernliegende Zeit auf das Jahr 1920 Angelegenheit des Generals Gajda. Die Militärdie Kommunisten unter der weder politisch politischen Neutralität, Unabhängigkeit wie der Inhalt der erwähnten französischen Bü- gagisten unterliegen nämlich auch in Pension dem noch gewerkschaftlich geschulten Arbeiterschaft bom Kommunismus so von der Sozialdemo- cher, begiv. des geheimen französischen Materiales militärischen Disziplinarverfahren und zwar nicht nur wegen Uebertretungen von Dienst- und eines unentwidelten Landes reiche Ernte hiel- fratie, für die Gewertschaftsbewegung verfün- war nicht näher bezeichnet. Zu Bräventivma- Standespflichten, die sie vor dem Austritt aus nahmen gab es feinen Anlaß, Gefahr im Verzug dem attiven Dienst begangen haben, sondern auch ten: welche Grotesfe, als im Mittelalter stek- bete. fende Gebiete wie Makedonien und Monte- Schon bald erwies sich die Anziehungs war feineswegs gegeben und daher war es nicht dem attiven Dienst begangen haben, sondern auch negro, in denen nie ein Fabritsschornstein ge- fraft des Geeinten Arbeitergemert- affant, sofort den Militärprokuvator zum Ein- wegen solcher, die sie nach diesem Austritt be fchreiten gegen einen tschechoslowakischen General gangen haben. raucht hatte und in denen es von Analphabe- chaftsverbandes Südflawien 8. und den provisorischen Generalstabschef der Wehr Das gesamte Material, das sich allmähten wimmelte,„ klassenbewußte" Stommuni- Seiner Tätigkeit gelang es im Frühling die macht aufzurufen. Es war nicht einmal flar, ob lich ansammelte, verstärkte einerseits den iten in die Stupschfina entsandten! Mit der ses Jahres, zum erstenmal wieder zu Protest überhaupt meritorisch die Zuständigkeit des Miursprünglich gegen General Gajda ausgespro Variei zerbrach auch die Gewerkschaftsbewe- versammlungen gegen den Abbau der Sozial- litärgerichtes gegeben sei. Im Sinne der Vorchenen Verdacht und brachte andererseits gung und wurde um jo unheilvoller zerrüttet, politit Arbeitermassen aus ihrer Schlaffheit schrift des§ 47 des Dienstreglements, 1. Teil, neue Beschuldigungen wegen neuer als ein Ausnahmegesetz den Kommunisten, die und Teilnahmslosigkeit aufzurütteln und nicht ordnete der damalige Verteidigungsminister die Administrativuntersuchung an, die Disziplinar delikte. Da alle Faktoren, zu revolutionären" Schießübungen auf Herr- lange, so begann auch neuer Zustrom zu den nach Lage der Dinge notwendig war, und bee aus denen sich in der Oeffentlichkeit die soge scher und Minister übergegangen waren, offi- Fachverbänden. Beispiele sind der Eisenbah- traute damit eine besondere Kommission von drei nannte Affäre des Generals Gajda gebildet hat, ziell den Garaus machte, und die Jünger nerverband, der am 1. Jänner 1926: 2678, Generalen des Verteidigungsministeriums. Diese inzwischen zu einer einheitlichen Lösung ge Moskaus sich jetzt in den Fachverbänden ver- am 1. September 5165 Mitglieder aufwies commission sollte feststellen, ob der Verdacht bediehen sind, bleibt nichts anderes übrig, als schanzten. Da ihr Zentral- Arbeiter und der Verband der Privatangestellten, der gründet sei, daß General Gajda solche Taten beGemertschaftsausschuß den der Am- seit Oktober letzten Jahres 1940 Mitglieder gangen habe, die gerichtlich verfolgt werden müßdiese Affäre auf möglichst kurzem Wege auf ein sterdamer Internationale zugehörigen Argewonnen hat und ihrer heute rund 5000 ten, oder ob andere außergerichtliche Maßnahmen mal zu lösen. Daher wurde schon am 7 Of beiter Hauptverband Südjla zählt. Aehnlich wird sich die Bewegung in den erforderlich seien. Das einzige nötige Einschreiten im Hinblick auf die Wichtigkeit der Beschuldigun tober gegen General Gajda das Diszipli wiens auf Tod und Teufel bekämpfte, be- anderen Gewerkschaffen gestaltet haben, narverfahren angeordnet. Aus diegann bald eine Masienflucht der ange- denen bis zur Stunde Zahlenangaben nicht gen war zu dieser Zeit die Maßnahme, daß General Gajda aus der Dienstsphäre vorläufig ent- jem Grunde kann ich mich nur auf diese Mitekelten Arbeiter aus den Gewerkschaf- vorliegen. Vor allem aber hat, die erste Wie- fernt wurde, damit die Kommission ungestört und teilung beschränken und muß die Ergebnisse ten überhaupt. In dem sehr wichtigen slowe- derkehr des Einigungstages praftisch zu bege- ohne Beeinflussuno arbeiten könne. Es lag in den nischen Kohlenbergbau etwa waren 1920: hen, der Gewerkschaftsverband für das ganze Intentionen der Militärverwaltung, die ganze des angeordneten Verfahrens vor dem militärischen Disziplinarausschuß abwarten. 11.230, 1924 nur mehr 723 Arbeiter organi- Land eine große Werbewoche im Ofto- Angelegenheit in voller Vertraulichkeit fiert, und 1923 gehörten von 100.000 Solzarber angesezt, deren Ergebnissen er voller Ver- durchzuführen, hiebei soweit nur möglich den guten Ruf der Armee und auch die Person des Ge- des Generals Gajda nach den geltenden Gesetzen Die Militärverwaltung wird in der Sache beitern nur mehr 2900, von 30.000 Lederar- trauen entgegensteht. beitern nur mehr 400 der Gewerkschaft an! Ohne Zweifel befindet sich die Gewerk- nerals Gajda zu schonen. Daher lud ihn Gene- entscheiden. Wiederholt sind aus dem Munde Ohne Zweifel befindet sich die Gewerk: Wenn in dem gleichen Jahr 1923 die Gesamt- schaftsbewegung in Südslawien wieder auf al Syrovy zu sich ein, teilte ihm kurz mit, worum von Männern dieses gesebgebenden Körpers warzahl der Gewerkschaftsmitglieder auf 28.000 aufsteigendem Afte und bietet damit, trog al- läufigen Urlaub bis zu der Klärung der nende Stimmen gegen das Hineintragen von zusammengeschrumpft war. io zeigte sich Aehnler parteipolitischen Neutralität, ein Unter- ganzen Angelegenheit. Diese guten Intentionen Politik in die Armee laut geworden. Die Militärliches, rascher Aufschwung und jäher Absturz pfand, daß über kurz und lang auch die So- wurden vom General Gajda nicht anerkannt und in den anderen jüdosteuropäischen Ländern: zialdemokratie den unheilvollen Echwä- die ganze Affäre wurde
von
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es sich handle, und erteilte ihm einen vor
auf dem Gebiet, das heute Südslawien. Grie- chezustand, der sie lähmt wie nie zuvor, über- auf Winkelwegen in unverantwortlicher Weise chenland, Bulgarien und Rumänien einneh- munden haben wird.
men, gab es 1912: 35.000 gewerkschaftlich Dr.
ganisierte, 1920: 744,000, 1923: 139.000!
der Deffentlichkeit preisgegeben, wodurch die Gesamtlösung nicht wenig erschwert
verwaltung beachtet und wird gemäß ihrer Pflicht diese ernsten Winke stets beachten. Der Soldat muß immer im Dienste seines Staates stehen und darf nicht nach den Wünschen einzelner politischer Parteien blicken. Je höher die Charge, desto größer die Verantwortung und gegebenenfalls die Strafbarkeit in jedem disziplinierten Heere.