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6. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Seipels Hausjud.
Sonntag, 21. November 1926.
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Nr. 272.
den Bosel als Sozialdemokraten hinzustellen, Zeitung" zu diesem Wandel der Dinge:„ Das jüber die Arbeit des Volkes. Und wird sich was ungefähr genau so logisch ist, wie die An- ist der Kapitalismus! So sammelt sich in den so lange sammeln, bis die Völker all das nicht nahme, die Frau, die auf dem Markte Eier Händen einer immer kleineren Zahl größter mehr ertragend, die Expropriateurs expropiSigmund Bosel, Präsident der öfter einkauft, müsse nun agrarisch wählen. Bojel Kapitalsmagnaten aller Reichtum, alle Macht lieren." reichischen Unionbank, Besißer der Beiticher hatte Desterreich in der Tasche; die christlichsoMagnesitwerke und der oberschlesischen Laura- zialen Volksfreunde, die täglich dreimal den hütte, war viel mehr, in einem größeren Sinne großen Kirchenbann über Breitner ausspraTeil errafften
der Sansjude des Prälaten Dr. Seipel, als then, weil er ihnen einen Zell, des eDie Forderungen der tschechoslowakischen Bergarbelter.
dem Herrn Bojel. Der wollte größer und immer größer werden. Mazedonien , in diesem Falle also Oesterreich, ward zu klein für ihn, er suchte ein anderes Reich.
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Mittwoch Beratung der Grubenbefizer.
Aus der Kanzlei der koalierten Bergarbei-| rung einer Teuerungszulage zu den Bergarbeiterterverbände wird mitgeteilt: löhnen in einer Vorstandssigung des Grubenbewoch, den 24. November stattfindet; die Antwort siperverbandes verhandelt werden wird, die Mittauf die Forderung. der Bergarbeiter wird nach diesem Tage erfolgen.
dem Sanierer Seipel zur Verfügung stellte, die Buresch, Stöckler, Butte, Prisching und Ueberzeugende Dokumente für Gajdas Schuld.
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gesetzt.
Präzise Aussagen des Generals Cečet vor Gericht.
Als erster Zeuge wurde General Seček,
Ich habe im Ministerium für Aeußeres über zeugende Dokumente darüber gesehen, daß Gajda 1921 in unerlaubten Beziehungen zu den Sowjets stand. Das Verteidigungsministerium befitt Dokumente, aus denen zu ersehen ist, daß Gajda der Sowjetregierung militärische Berichte gegeben hat und daß er dafür bezahlt wurde. Diese Berichte beziehen sich auf einen fremden Staat. Die bezüglichen Protokolle find amtliche Dokumente und wollte ich darüber Details aussagen, müßte ich von meiner vorgefeßten Behörde hiezu die Erlaubnis
allen Russen eine Hausdurchsuchung vorgenom men würde, für Gajda belastende Briefe Solow jews an ihren Mann verbrannt, worüber sich ihr Mann angeblich nachträglich ärgerte. Meiter erklärt die Zeugin, sie habe in ihrer Wohnung ein Gespräch zwischen ihrem Gatten und einen ruffider Sowjets gemeldet habe. Derfelbe Offizier habe schen Offizier gehört, daß sich Gajda zum Dienst auch einmal erklärt,
,, Wir haben einen tschechoslowakischen General gekauft und zwar sehr billig." Die Zeugin hatte dabei den Eindruck, daß Gaida ganteint war. Ferner habe ihr die Frau des Chersten Krakowieckij einmal erzählt, sie hätte zu Cause mit ihrem Gatten und einigen anderen Russen -die ganze Nacht an dem Abschreiben eines militärischen Buches gearbeitet, das Gajda geliefert hatte.
Der Minister Dr. Girsa, der ebenfalls als Zeuge vorgeladen war, hat dem Gericht ein ärztliches Zeugnis eingesendet und sein Nichterscheinen durch Krankheit begründet.
etwa Jesaias Aberbach der Hausjud des christ- Mehrwertes wegsteuert, um tuberkulöje Kinder lichsozialen Landeshauptmannes Burejch war, zu heilen und Wohnungen zu bauen, dieselben oder die vielen ostgalizischen Spekulanten die Süter des Mittelstandes zinsten bereitwillig Mittelsmänner und Helfersheifer der christlich deutschnationalen Paladine Seipels von Gat termayer bis Prisching und von Wutte bis Maten Bergarbeiterverbänden eine Zuschrift des BerSamstag, den 20. d. M. wurde den koaliertaja waren. Im Wahlkampf von 1923 hat es bandes der Grubenbesißer übermittelt, in der die Seipel verstanden, den Namen Bosel in mannigfacher Weise seinen Interessen dienstbar zu In Frankreich , das ihm vielmehr Grubenbesitzer mitteilen, daß über die Forderung machen. Warf man den Christlichsozialen ihr als Franken Reich erschien, glaubte er der loalierten Bergarbeiterverbände auf Gewäh Bündnis mit dem jüdischen Finanzkapital vor, es gefunden zu haben. Er spekulierte und das ihre Wahlfonds speiste und seine Presse selbstverständlich in größerem Maßstabe als dann zitierte die christlichsoziale Sudelpresse Jesaias Aberbach. Die Postipartajie, Wiens unfehlbar den„ Genossen" Bosel, der einst der Stolz und wirklich die einzige ordentangeblich und allen Richtigstellungen zum Troßlich funktionierende Einrichtung des alten Prag, 20. November. Heute wurde vor dem es zu scharfen Differenzen zwischen dem eingeschriebenes Mitglied der sozialdemokrati- Desterreich, jetzt christlichsozialen Demagogen schen Partei war. Die Beweise, die Seipels ausgeliefert, lieh bereinwillig dem ungekrön- Bezirksgericht Prag II. unter dem Vorsitz des Verteidiger Dr. Bouček und Gajda. die Schandpresse für ihre Lügen ins Treffen führte, ten Stönig des Seipelschen seelensanierten Rei- D.- L.- G.- R. Dr. Cizek die Verhandlung in der einander unwahrheiten vorwerfen. Die Frau des Majors Kratochvil waren mehr als löcherig. Bojel habe dem Ver- ches ihre Milliarden. Die Frankenspekulation Ehrenbeleidigungsklage des Generals Gajda ein„ Volksheim" Spenden überwiesen und sein mißglückte. Bojels Konkurrent und Partner, gegen den ehemaligen Major Stratochvil und Blatt, der„ Ta g" schreibe sozialistenfreundlich. Camillo Castiglione stürzte von steiler gegen Gajdas früheren Diener Solo jew fort bat aus Angst, da man ihr gejagi batte, daß bei Nun hatte Bosel, der in seinem Kampf gegen Höhe herab. Die Wiener Banken krachten und das Wehgeschrei von Christ und Jud hallte in die alten Finanzmächte, in seinem Frondeurtum gegen die Rothschild und Sieghart, die den Spalten der kapitalistischen Blätter wieder, Sympathien der Massen erobern wollte, auch daß die Sozialdemokratie Oesterreich ruiniere, der Vorstand der Militärkanzlei des Präsidenten, in seiner politischen Haltung seine eigene Note. weil das Rote Wien keine Geschäfte mit den einbernommen. Er erklärte, vom Verteidigungs Dem alttestamentarischen Haz, den die Lippo- Banken mache, sondern das Finanzkapital enthoben zu sein, so daß er über die Gajdaaffäre ministerium der Wahrung des Amtsgeheimnisses witz, Benedikt und Sieghart dem roten Wien rücksichtslos zugrundegehen lasse. Hatte man in allem Auskunft geben könne, was nicht gegen entgegenbringen, stellte er nicht weniger Castiglione fallen laffen, fo bielt man doch die Interessen des Staafes verstöße Auf die bürgerlich als sie- doch eine andere Taftit Bofel. Die Poftsparkasse mußte ihn sanieren Frage des Richters, was er über die Beschuldigun entachen. Er wollte seinen Liberalismus, seine und erhielt als Pfand für die geliehenen Mil- gen gegen Gajda wisse, erklärt Ceeef nachBolfsfreundlichkeit zeigen und sein Blatt liarden die Aktienpakete des Schiebers. Die drücklich: schrieb als einziges der Wiener Bank- und Ju- Riesensumme von rund 1400 Milliarden Krodenblätter bürgerlich oppositionell, während die nen, das sind also 700 Millionen tiche= alten Widerparte Luegers, die Presse, das Tag- chische Kronen( man fönnte mindestens blatt und das Journal mit tönenden Fanfaren 10.000 Wohnungen für das Geld bauen!) hat Seipels Ruhm verkündeten und die Bauten des die österreichische Postsparkasse an Herrn Bosel neuen Wien am liebsten ähnlich in den Staub verloren. Dazu kommen noch lumpige 13 M i I- trompetet hätten wie ihre Vorfahren einst die lionen Ke, die Bojel dem Staate di Mauern Jerichos. Bojel liebte es, neutrale eft schuldet. Der große Zusammenbruch der Volksbildungsinstitute, die man dann als so- christlichsozialen Mißwirtschaft hat auch den zialdemokratisch verschreien konnte, zu dotie- Hausjuden des Altbundeskanzlers und Seelenren, er hatte eine offene Sand für humane faniers erfaßt. Als die christlichsozialen ProZwecke und weil er vielleicht auch im Herzen binzpolitiker, die Bauerngelder verspielt und den Čeček, daß er aus eigener Erfahrung über die eine Tochter des Admirals Koltschat, gibt als als einer, der selbst noch flein angefangen Staatsgelder verlumpf hatten, von hatte, nicht so harigejotten war wie die Roth- Boſtamenten stürzten, da war auch Bosel, nicht Gajda- Affäre feine Stenntnis habe, sondern alles zeugin an, daß sich Solowjew nach der Abreise schild und Meinl, die Dreher und Sieghart, mehr zu halten. Der Untersuchungsausschuß, den erwähnten Urkunden entnahm. Der Richter Gajdas nach Paris gegen sie anmaßend be= war er für die christlichsozialen Hausherrn ein den die Sozialdemokraten erzwungen haben stellt dann an den Zeugen die Frage, was er übernommen habe. Er hätte einige Male derart Sozi. und den sie leiten, hat zu tief in die Dunkel- die Tätigkeit Gajdas und Kratochvils in Sibirien wisse. Gajdas Vertreter ergänzt diefe Frage fammern christlichsozialer Politik geleuchtet. dahin, Das war Seipels eine Walze. Wenn aber die Sozialdemokratie die Geschäfte des Unter den Trauermärschen der kapitalistischen christlichsozialen Bundeskanzlers mit dem Ser- Preſſe, in die sich stellenweise Triumph und ren Präsidenten Bojel störten, wenn sie ver- Freude des alten Reichtums mischen, der nun hinderten, daß er neben dem Außenministerium wieder obenauf ist, schließt sich Bojel dem lanjein Schieberpalais errichtete, dann wußte Sei- gen Zug derer an, die in der Nacht Seipel- Der Zeuge erwidert darauf, daß er nach den pel Bosels Lob zu singen. Er sei den alten röcher Sanierung der Banken and der Seelen historischen Dokumenten, die ihm zur Kenntnis mischen Senatoren zu vergleichen, er sei ein die großen Orgien der Plusmacherei feiern Förderer der Wissenschaften und Künste, ein fonnten und die der Morgenwind, der aus dem neuer Macenas, der sogar angeboten habe, proletarischem Lager her sich stärker hebt, verSie sind Alle bankroft, ge die Wiener Universität aus privaten Mitteln scheucht. zu fanieren. Da fanden die Nachkommen des worden: Castiglione und seine steierischen darunter auch den russischen Oberst Krafom Bankenstürmers Lueger, die Streiter für christ- Freunde, der Rintelen, der Ramet, der iecti. Gajda erklärt aufgeregt, daß Čeček bewußt lich- solide Geschäftsgrundsäge nichts daran, Ahrer, die Buresch, Stöckler, Jessaias wenn Desterreich seine Hochschulen einem judi- berbach und Wutte, die Kollmann, die unwahrheit spreche, und muß vom Richter beschwichtigt werden. Auch über die Frage, ob schen Banfier und Spekulanten verkauft hätte. Mataja und Prishing. Was die christ Cecek felbst Gajdas Aktion durch Lieferung von Es war die Zeit des höchsten Glanzes und lichsoziale Partei an Führern und Parlamen- Waffen unterstützt habe, kommt es zu einer lebRuhmes Boselscher Macht. In einem knappen tariern hatte, stedt bis an den Hals im Dred haften Auseinandersetzung zwischen Gajda, čečet Jahrzehnt war aus dem Kommis ein Schieber Sogar der Bekessy mußte Wien verlassen und dem Verteidiger Dr. Bouček. und der reichste Mann Oesterreichs geworden. und einjam bleibt Seipel auf dem TrümEr raffte, die Vermögen der kleinen Leute zu- merfeld zurück, das keine Ernte mehr verfammen und aus den zehntausenden in der In- spricht, sorbern des roten Pflügers gewärtig flation zerronnenen Sparkreuzern der Pfründ- it, der das Unterste zu oberst fehren wird. Das politische Kapital der Christner und Sparer, aus dem blutig zusammengeschundenen Begräbnisgeld armer Wäscherinnen lichsozialen ist zerronnen. Das finanzielle und aus den mühjam erworbenen Ausstattun- Erbe Bosels tritt Herr John Pierpont gen fleiner Beamtentöchter häufte Sigmund Morgan an, der große Herr der amerikaniBosel ein Vermögen, das bald das der Roth- schen Banken und des Stahltrustes. Nicht auf schilds in den Schatten stellte. Er wurde Prä- Rasse und Konfession, nicht auf Kniffe und fident der Unionbant, er hatte seine große Zei- Finten kommt es an, sondern auf das stärfere tung, er kaufte Industrien auf und als er sich Kapital. Größer als Bosel und Rothschild ist erklärt, so viel er sich in Rußland überzeugt habe, des Gerichtes lärmend umringten und ihm die als einziger Käufer für die sozialdemokratischen der Vollblut- Angelsachje Pierpont Morgan, in hätte Gajda dort seinen Dienst als Soldat tadellos Hammerbrotwerke einstellte, da hatten Ver- dessen Händen die Reichtümer der Erde zusam- erfüllt. Ob Gajda mit den Bolschewiken in Ver- üblichen fascistischen Ovationen darbrachten. leumder und Hohlköpfe wiederum einen Anlaß, menfließen. Treffend schrieb die Arbeiter- bindung stand, wisse er nicht. Auch hier kommt
erwirken."
Auf die weitere Frage des Richters betont
famen,
Als Dr. Bouček den Zeugen fragt, ob es wahr sei, daß Gajda Ende 1920 mit der Sowjetregierung über einen höheren Posten im Dienste der Sowjets verhandelt habe, erklärt Čečef, er habe bereits erwähnt, daß er dies aus der Tokumenten des Außenministeriums erfahren habe. Es handle sich um amtliche Dokumente, deren Echtheit und Wahrheit er nicht bezweifeln könne.
Der nächste Zeuge
General Syrovy
Die Frau Gajdas,
belästigt, daß sie sich bei ihrem Manne für die sofortige Entlassung Solowjews einsette. Einmal hätte sie sich seiner Angriffe nur durch Schläge ins Gesicht erwehren können. Solowjew sei immer als gewöhnlicher Diener betrachtet worden und war nie bei vertraulichen Gesprächen anwesend. Er habe in der Studentenkolonie Radešovic verkehrt, wo auch
Bolschewifen waren.
Solowjem bestreitet dies alles und er flärt, es sei Frau Gajda gewesen, die mit den Monarchisten in der Radešovicer Studentenkolonie verkehrt habe.
Der Bürgermeister Polak aus Radešovie Gajdas immer als Diener behandelt wurde. gibt gleichfalls an, daß Solowjew von der Familie
Nach diesen Zeugeneinvernahmen beantragt der Verteidiger Dr. Bouček die Einholung der von General čeček erwähnten Dokumente aus dem Außen- sowie dem Verteidigungsministe rium.
Gajda schloß sich diesem Antrage an und er flärte, er tenne diese Dokumente, wisse, woher sie stammen, und glaube auch, daß aus deren Einholung dem Staate teine Gefahr erwachsen
werde.
Der Richter gab diesen Anträgen statt und be schloß, die angeführten Dokumente von den beiden Ministerien anzufordern. Zu diesem Zwede wurde die Verhandlung wiederum auf unbestimmte Zeit vertagt.
Das Gerichtsgebäude war von etwa 100 halbreifen Burschen belagert, die Gajda beim Verlassen