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7. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Sie plaidieren
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Samstag, 26. Feber 1927.
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Nr. 48.
für Milderungsgründe. unbeißbar kompromittiert haben, juchen ſie der Angeſtellten die Notwendigkeit der Ab- unschuldig find, und daß ihre Aufſchnung gegen
Die Schuldigen geht das Grausen an. Bom blinden Haß gegen die Sozialdemokratie und von der raffgierigen Selbstfucht getrieben, haben sie sich mit der tschechischen Bourgeoiste und den slowakischen Finsterlingen gegen das
durch ihre Dummheit, ihre Feigheit und Feil- ersichtlich, daß Material" gesammelt werden| Vorbereitungen getroffen. Jetzt allerdings, da heit den Gedanken des Aktivismus und den sollte, um an der Hand der zu hohen" Aus- sie die Folgen ihrer schurkischen Tat zu erkennen Gedanken der nationalen Verständigung schier lagen für Zwecke der sozialen Fürsorge oder beginnen, möchten sie glauben machen, daß sie wenigstens Verständnis dafür hervorzurufen, fragelung der Selbstverwaltung zu begründen? Švehlas Blan feinen Erfolg hätte. Sie irren, daß fie eben feine rühmlichere Rolle in der Die deutschen Aktivisten waren schon längst in wenn sie meinen, durch solche liftig sein sollenRegierung spielen können, als die Rolle von Kenninis darüber, was vorbereitet wurde und den Manöver Schonung für ihre ErbärmlichRakaien und Schleppträgeun.
Unter anderem beröffentlicht, der christlichfoziale Abgeordnete Erwin 3ajičet im
arbeitende Bolt verbündet. Ohne sich einen deutschdemokratischen Brünner Lagesbote" Achtzehn Monate sollst Du dienen!
gegen
und den Deutschbürgerlichen dankbar fein.
Trumpf in der Hand zu sichern, lieferten sie so fämpfen die Deutschdemokraten sich um schäbiger materieller Vorteile willen Švehlas Verwaltungsreform! einen Artikel, Herrn Švehla aus, der sie als„ Gleiche unter der die Prügelreform zu rechtfertigen und die Gleichen" zu seinem Stimmvieh und millen- aktivistischen Parteien zu entschuldigen sucht. denselben Grundsägen werden wir uns bei der Die Knödel des Herrn Svehla sind so verBehandlung der Berwaltungsreform leiten Taffent." lojen Werkzeug machte. Anfangs fuchten sie aller Bum Schlusse seines jesuitischen Geschmujes lodend fett und groß, daß den deutschen Minister Dazu ist folger des zu sagen: Die vormili Welt einzureden, der deutschbürgerliche Aftivis muß sogar dieser Zajiček zugeben, daß die parteien vor feiner Zuspeis zu dem Mahle graust. mus habe die Festungen des tschechischen Chau- aktivistischen Parteien vor der Geschichte eine Sie haben vor lauter regier nach den tärische Erziehung war von allem Anfang Knödeln die Suppe der Verwal- als Erfaz der 18- monatigen Dienstzeit in Aussicht vinismus im Sturm genommen. Nur noch ein große Verantwortung übernehmen, wenn sie wenn sie tungsreform gelöffelt, Die ihnen der genommen; es hieß, daß eine oder das andere. wenig Geduld und die letzten würden fallen. für die Vorlage stimmen. Wozu zu sagen ist: era mař eingebrodt hat, sie schluckten den Daß wir nun nur den einen Segen bekommen, ist Allerlei Stimmen raunten von geheimen Zu- nicht nur vor der Geschichte, welche den Rüstungsfonds als bittere Tunke zu den es daher kein Verdienst der Christlich ' ozialen. geständnissen, und aktivistische Reklamefromm- verräterischen deutschbürgerlichen Parteien ja Kohlen- Einfuhr- Knödeln und als Dessert wür- Obendrein hat der Udržal ganz offen erklärt, daß fer verkündeten, daß nunmehr alles ganz anders doch nichts mehr anhaben kann, sondern vor gen sie ohne Widerspruch Udržals 18 monatige nur die Widerstände in der Bevölkerung und die geworden sei, denn zwei deutsche Minister fäßen de mheute lebenden Geschlecht! Wie Dienstzeit hinunter. An dieser 18monatigen Undurchführbarkeit der ganzen vormilitärischen in der Regierung, die ängstlich darüber wachen, glaubt nun Zajiček, daß die Aktivisten dieser Dienstzeit drohte vor einem Jahr die allnationale Erziehung ihn zum vorläufigen Verzicht bedaß dem deutschen Volke nichts geschehe. Und Verantwortung entrinnen fönnen? Er stellt Koalition zu zerschellen, wäre sie nicht an den wie spottete der zum Minister avancierte Bro- fich naib und fragt:" Ist die Verantwortung chischen Linksparteien nicht zu haben war, das Zöllen zuschanden geworden. Was von den tschefessor Spina über die Herbstzeit- fleiner, wenn wir dagegen stimmen? Täten Io fen", die nicht den Gang der Zeit verstehen wir dieses, müßten wir aus der Re- haben die unentwegten Kämpfer für Pazifismus und Abrüstung int deutschbürgerlichen Lager dem und nicht entschlossen zugreifen, wenn die gierung austreten, und es würden sich udržal bewilligt. Die 18monatige Dienstzeit ist Situation da ist. Er tröstete alle, die noch sicher tschechische Parteien finden, die das Gejez perfekt und auf eine bisher nicht absehbare Zeit, zweifelten, daß es zumindest nicht schlechter ermöglichen und die dann dafür sorgen würden, wahrscheinlich bis zur Beseitigung des Bürgerdaß es gegen uns, rücksichtslos durchgeführt regimes werden Tschechen und Deutsche den Solwird." Aehnlich wie dieses Zajicek- Plaidoyer datenrock weiter volle 18 Monate tragen können. für Milderungsgründe, klingen andere aftivis stische Rechtfertigungsversuche, die man in legier Beit öfters zu hören bekommt.
werden kann.
Eineinhalb Jahre Eures Lebens, eineinhalb oftbare Jahre, werdet Ihr, junge Arbeiter, in den Rafernen verbringen, weil die Kohleneinfuhrscheine des Švehla den Agrariern, Chriftlichozialen und Gewerbeparteilern wichtiger waren, als alle demokratischen und nationalen Belange". Ihr jungen Menschen, die Ihr Euch in den Militär lagern der Slowotei zurückfehnt nach Heimat und Arbeit und Freiheit, Ihr jüngeren, die Ihr vor der Affentierung bangt. Ihr greifen Eltern, die Ihr die Ernährer in die Kaserne schicken müßt, macht durch Eure Hoffnungen einen dicken Strich; die„ chriftlich oziale" Partei hat es für gut befunden, daß die Soldaten 18 Monate dienen.
bie
-
wegten.
zeit! Das war noch anfangs dieser Woche der große Die Befristung der 18- monatigen DienstSchlager der Knödelaktivisten. Ihr Sprachrohr in Prag schrie den großen Erfolg in die Welt: nur auf zwei Jahre wird die 18- monatige Dienstzeit beibehalten. Was ist daraus geworden? Sobald genug Unteroffiziere da sein werden das kann nach Anficht des Udržal, der sichs ja richten kann, ebenfogut in zehn, wie in zwei Jahren sein man über die Einführung der gefeßlichen 14- monaligen Dienger reden fönnen.
wird
Die Erjabreserve! Das ist der große Knödel für die Banernföhne. Ausdrücklich heißt es an verschiedenen Stellen, die Erfahreserve foll Diensterleichterungen für die Bauernsöhne und die Söhne der Gewerbetreibenden schaffen. Das ist wie bei der Bodenreform, die auch für das Stift Offset, den Grafen Hartig, den Grafen Ledebur und das Prager Erzbistum erleichtert wurde. Ueber Intervention agrarischer und pfäffischer Politiker werden die Söhne der Großbauern eine Art Einjährigenrecht erhalten.
reserve.
Da waren die Aktivisten andere Kerle als die„ Herbstzeitlosen ", sie griffen entschloffen zu, aber heute sind seit dem Anfang des Zugreifens volle acht Monate verflossen und die mit VerAuf Bajičets Entschuldigung kann man sprechungen und Lobreden auf die zu erwartenden Erfolge der aktivistischen Parteien reichlich nur jagen: Weit habt ihr es gebracht! Wo sind gefütterten Zeitgenossen sind von wachsender eure stolzen Tiraden über die Gleichberechtigung Unruhe befallen und fragen, mit welchen posi- geblieben, die ihr in der Regierung genießt tiven Errungenschaften die deutschen Regie- och gestern habt ihr der Welt einzureden ver rungsparteien endlich aufwarten tönnen. In sucht, daß eure Hände mit am Steuerruder den Händen der Aktivisten sehen sie als Frucht des Staates sind, und heute müßt ihr stamihres waderen„ Zugreifens" nur Lebensmittel- melnd eingestehen, daß ihr aus der Regierung zölle, erhöhte Pfaffengehalte, die achtzehn- glatt hinausfliegt, wenn ihr nicht ie cut, wie Udržal hat seinen Willen: er hat die 18- monamonatige Dienstzeit, Kohleneinfuhrscheine als euch der Svehla befiehlt! Ihr müßt zugeben, Aber damit nicht genug! the sollt auch ,, Ver- tige Dienstzeit für eine von ihm willkürlich zu bePräsent sowie andere große Knödel für ein taß die tschechischen Machthaber euch die ungepaar ehemals adelige christlichsoziale Groß- heuerliche Zumutung stellen, teilzunehmen an gelts Go't!" jagen, wenn man euch einen Fußtritt stimmende Frist erhalten. Er hat auf die vormiligrundbefizer und für reiche Klöster, ohne daß einem geradezu vernichtenden Schlage gegen die versetzt. Seht Ihr nicht, welches Glud Euch be- tärische Erziehung nicht grundsätzlich verzichtet. Er ſich ſonſt für die deutſche Bevölkerung etwas persönliche Freiheit und die politischen Bettfalen und agrarischen Rüstungspolitiker schien? Betracht kommen, iſt ohnehin fraglich) die ErſasBauernsöhne( wie weit da Deutsche überhaupt in sich sonst für die deutsche Bevölkerung envas persönliche Freiheit und die politischen Red te reitet wird, seid Thr undankbar genug, die Kleri hat seinen Rüstungsfonds. Er schafft für die der Staatsbürger, aber auch gegen das Sudeten zu sprechen, da sie Euch solche erwiesen? zum Besseren gewendet hätte. Aber die Ungeduld und Unzufriedenheit deutschtum überhaupt, aber ihr müßt gehorchen man höre nur, wie die Klerifalen sich ihrer Ver- Die Proletarier können länger dienen. Die droht in Empörung und Zorn umzuschlagen, und den Vernichtungsschlag noch vor der Be dienste rühmen, man höre, was der Herr 3aji- müssen froh sein, daß sie nicht schon mit 14 Jahren denn die Bevölkerung erkennt, daß die Parteien bölferung rechtfertigen, sonst wird euch der er schreibt: Gewehrgriffe zu flopfen brauchen. Die können sich ,, Dieser Bolitik verbanten wir es, daß damit trösten, daß des reichen Nachbars Sohn nur Spinas und Mayr- Hartings bei dem un Stuhl vor die Türe gejezt. Die Peitsche, fie übrigens befristete achtzehn ein paar Monate dienen wird. Und können nun sinnigen aktivistischen Experiment weniger ihre euch, nein, die euer Wolf schlägt, müßt ihr monatige Dienstzeit nur unter sei den Ministerparteien noch ,, Dank schön" sagen, eigene Haut, als die Haut ihres Volfes zu demütig füssen, sonst müßt ihr den Platz an Bedingungen Gefeß wird: Schaffung einer weil alles so gut ausgefallen und dem Bezug von Martie getragen haben. Spinos Vorausjage, der Strippe räumen. Was ist aus euren stolzen Ersaßreserve, Berzicht auf die vor- Rohleneinfuhrscheinen durch die Knödelaktivisten es tönne nicht schlechter werden, haben die Ankündigungen geworden. militärische Jugenderziehung. Nach kein Eintrag geschehen ist. Mit Zajičefs Argumenten läßt sich natür deutschen Regierungsmamelucken vom Beginn ihrer Tätigkeit Lügen gestraft, aber seitdem lich jede Lumperei der Regierungsdeutschen Švehla der Selbstverwaltung mit seiner Prügel- rechtfertigen. Die Voilage würde auch ohne die reform den Strid gedreht hat und die deut- Zustimmung der Deutschbürgerlichen Gejeb ichen Minister mit ihrer Unterschrift den Hin werden! Abgesehen davon, daß es schon etwas richtungsbefehl janktioniert haben, wird es auch wesentlich anderes ist, ob ein Anschlag auf die dem blödesten Auge flar, wessen Dienste die deutsche Bevölkerung gegen die Deutschen oder Partei gegen die schändliche Aktion der BürgerRegierungsdeutschen eigentlich verrichten und mit Zustimmung und Gutheizung eines Teiles parteien einberufen hat, verliefen bisher bon ihnen erfolgt, muß man fragen: woher größte Teil der Kundgebungen steht noch ausEs wird nicht lange dauern und die deut- hat Bajiček jeine Kenntnisse? Bo sind die besonders die westböhmischen Versammlungen unter massenhafter Beteiligung äußerst gut. In schen Stiefelpuzzer Švehlas werden die Empö- tschechischen Parteien, die zahlenmäßig die Liebauthal rung und Verachtung des ganzen Volkes wie Stimmen der deutschen Aktivisten zu ersetzen eine Mauer gegen fich stehen sehen. Schon imftande wären, besonders bei diesem Entwurf, fand am 23. d. mittags im Speisesaal der großen jetzt hat die Aussicht, seiner Rechte unter Mit dem die heute außerhalb der Mehrheit stehen Textilfabrik eine Versammlung statt, an wirkung deutscher Parteien beraubt und unter den Parteien in seiner jetzigen Form wohl faum der 1100 Personen teilnahmen. Abgeordneter die Willkürherrschaft einer fremdnationalen zustimmen würden, denn er richtet sich auch ge- Genosse a sprach über den schamlosen VerBürokratie gestellt zu werden, draußen im gen die von diesen Parteien vertretenen Wähler rat der Deutschbürgerlichen an Lande aufklärend und aufrüitelnd gewirtt; schichten. Es ist auch durchaus fraglich, ob Der ungeheuerliche Verrat der Vertreter Svehla eine ähnlich große Gruppe als Erja des deutschen Bürger und Großbauern auftreiben fönnte, die so zu jeder Charatier tums läßt die Betrogenen erwartungslosigkeit bereit wäre, wie es die Deutschbürger dem sie Ver- lichen sind. voll des Tages harren, an Der Bund der Landwirte hat übrigens geltung werden üben können. Das fühlen die aftivistischen Gaufler selbst und sie schlagen an- schon mehr als vor einem Monat an alle jeine dere Töne an, um wenigstens Mitgefühl mit Bezirksleitungen ein Zirkular verschickt. Das fand Mittwoch abends nach Betriebsschluß eine ihrer traurig- kläglichen Lage zu erwecken. Die von unserem Karlsbader Parteiblatt abgedruckt große Versammlung statt, in der die Genossen pompösen Lobreden auf die Erfolge des deutsch wurde, in dem um Erhebung darüber ersuchtopf und Sacher sprachen. Die massenhaft hürgerlichen Aktivismus bleiben ihnen in der wurde, welche Gemeinden und Bezirksverwal- besuchte Versammlung nahm einstimmig eine Stehle stecken, wie ihnen dereinst die großen tungskommissionen einerseits bei den Umlagen, Resolution an, in der es heißt: Knödel steden bleiber werden, die man ihnen andererseits bei ihrer Ausgabenwirtschaft Mißzur Belohnung vorgelegt hat und jetzt, da sie brauch" getrieben haben. Wacht dies nicht flar
um welchen Preis.
Mallentund ebungen gegen die Schandpolitit des Bürgerblods. Von den vielen Versammlungen, die unsere
der
wehrstellung zu treten und eingutreben in einen großen Kampf für Freiheit und Recht. Sie begrüßen die große Attion der sozialdemokratischen Arbeiterpartei gegen die Schuldigen und für die Beseitigung dieser arbeiter- und volksfeindlichen Pläne der Regierung und fordern die Arbeiter der übrigen Betriebe des Bezirkes Karlsbad auf, in gleicher Weise und geschlossen zur. Situation Stellung zu nehmen und den entschiedensten Abwehrkampf zu organisieren." Eine Konferenz der sozialdemokratischen Ver
statt. Sie befaßte sich ausführlich mit den realden Volks- tionären Anschlägen und unseren Abwehrmaßintereffen und rief die Arbeiter zum Stampfe ge- nahmen und kam zu eine Entschließung, in der gen den geplanten Raub der demokratischen es heißt: Grundrechte auf. Stürmischer Beifall folgte dem Aufruf des Redners und des Vorsitzenden Genossen Stöhr, zum Kampfe für Demokratic und Sozialismus zusammenzustehen. In Birkenhammer
,, Die Versammelten sind entschlossen, mit dem Aufgebote ihrer ganzen Kraft in entschiedene Ab
Alle hier versammelten Bertrouensleute, die in alter Treue zur sozialdemokratischen Partei stehen, erklären feierlichst und entschieden, die Bartei in diesem Kampfe für das primitivste Recht eines Volkes u. seine Seltstverwaltung auf das tatfräftigste zu unterstützen und die Arbeiterschaft zum energifchen Abwehrkampfe gegen die Pläne der deutsch - tschechischen Reaktion aufzurufen, damit das geplante Schandgesetz zunichte werde. Es lebe der Abwehrkampf der Arbeiterschaft! Hoch die deutsche sozialdemokratische
Arbeiterpartei!