Einzelpreis 70 Seller.
Telephone: Sagesrebattion: 26795, 31469.
Vachtrebattion: 26707.
Poftichedamt: 57544.
Juferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlah.
7. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Die Handelspolitik der Reaktion.
Zum Zollkampf mit Oesterreich .
Es hat jahrelang gedauert, bevor die Tschechoslowakei zu Handelstarifverträgen mit einigen ihrer Nadybarn gekommen ist. Die Festjeßung und möglichste Hinauffeßung der Zölle der vornehmste
crichien ant als Musdruck
der jungen Staatssouveränität. Erst die furchtbare Krise von 1921 bis 1923 hat die Leiter unserer Wirtschaftspolitik dazu gebracht, regelrechte Handelsverträge mit Deutschland und Desterreich abzuschließen. Kaum aber war die
Freitag, 15. April 1927.
Sapan droht.
Für den Fall, daß Ruhland Truppen in die Mandhurei[ chitt.
Paris , 14. April. Wie ,, Daily Mail" aus Tolio erfährt, beschloß das japanische Kabinett, unverzüglich für die japanischen Missionen in Tientsin und in Beling Verstärkungen zu entsenden. Auch Artillerie werde abgehen. Im Hafen Dairen( früher Dalny) find zwei Kriegsschiffe eingetroffen.
Baron Schibchara erklärte, er glaube nicht, daß die Soviets Truppen in die Mandschurei senden werden. Der Sowjetbotschafter habe ihn dessen versichert. Baron Schidchara fügte hinzu, es liege für die Sowjets hiezu auch kein Grund vor, den sie misten in diesem Falle mit einem Zerwürfnisse mit Japan rechnen.
Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post:
monatlich.... Kč 16.vierteljährlich
halbjährig
ganzjährig.
48.
96.192.
Rüdstellung von Manustripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.
Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich rüh
Nr. 89.
Katholisches und sozialistisches Erziehungsideal.
Die Deutsche Presse" ist das Hauptblatt der christlichsozialen Volkspartei, u. zw. der deute schen, wie der„ Ce ch" das Zentralblatt der tsche chischen Selerifalen ist. Daran wäre weiter nichts verwunderlich, daß deutsche und tschechische Stlerifale ihre besonderen Blätter haben. Verwunderlicher allerdings ist bercits, daß sie, die Nierifalen, so absichtlich das nationale Moment Deutsche Presse" und„ Ce ch" betonen; denn ihre Anhän gerschaft setzt sich doch durchwegs aus- katho lifen zusammen, aus Leuten also, die vielleicht täglich wiederholt bekennen: Ich glaube an die heilige, allgemeine fatholische Stirche"; denn alle Menschen umfassend. In dem allzu absicht das Wort katholisch bedeutet doch allgemein, und den Nordtruppen cine gemeinsame gegen lichen Betonen des Völkisch- Besonderen liegt eine Torio, 14. April .( Reuter.) Man erwartet, den Kommunismus abzielende Vereinbarung Verlegung jenes zitierten Glaubensartikels, ein erzielt worden sei.
allzu bereitwilliges Zugeständnis an die Gegentwart und ihre nationalistischen Bestrebungen. Shanghai , 14. April .( Savas.) Die anti- Aber die heilige allgemeine, d. i. katholisme tommunistische Action macht Fortschritte. Die Kirche, hat ihre Meinung immer der jeweiligen Truppen Tichanglaischels legen große Energie an hauptet Herr E. Reichenberger, einer ber eitſtrömung anzupassen verstanden. 3. B. bea den Tag. Für morgen ist in Nanking ein öffentligsten und gewandtesten Apostel des„ ,, deutschen " liches Manifest geplant, auf der eine Resolution angenommen werden soll, die sich für die gemäßigte Politik Tschangkaischels ausspricht.
schwere Krisis von 1923, die uns fast eine halbe Berdoppelung der japanischen Truppen auf daß zwischen dem General Tschanglaischer Million Arbeitsloser gebracht hat, überwunden, trat eine abermalige Versteifung unserer Handelspolitik ein, die Schußzöllner erhielten wie- baß die japanischen Truppen in der Mandschurei der Oberwasser, der autonome Zolltarif wurde gegenüber dem gegenwärtigen Effettivstande wer1926 in einer Reihe von Sätzen erhöht. Un die Stelle der 10. treten, deren Ueberseedienst damit den verdoppelt werden. Die 14. Division wird an sere Handelspolitik ist in einer endet. Im Hinblid auf die momentan gespannte Sackgasse: mit Deutschland und Ungarn Lage bleibt aber die 10. Division vorübergehend wird seit Monaten verhandelt, ohne daß ein noch in der Mandschurci. Vertragsabschluß erzielt werden kann- Handelsverträge mit Kanada , der Türkei und Finn land, das sind so die Erfolge unserer Unterhändler, vermögen uns das Fehlen von Verträgen mit unseren Nachbarn nicht zu ersetzen. Der ärgste Mißerfolg unserer Handelspolitik in den letzten Jahren ist aber das Außerkrafttreten des Tarifvertrages mit Oesterreich, was am 22. April eintritt.
*
Die Nordtruppen haben bisher den Yangise nicht überschritten.
Ein Gewerkschaftsführer hingerichtet.
Stillstand der Operationen. London , 14. April. Der Korrespondent der Times" in Schanghai meldet, daß in den und in militärischen Operationen in Puten. General schinliang ein Stillstand eingetreten ist. General Suntschuanfang habe sich Tschinliangs noch nicht London , 14. April. Nach Meldungen aus Nach der Meinung unserer staatlichen Wirt- teilweise schon verlassen hätten. Auch in Paten beitergewerkschaft Wong, der am Montag in Demächtigt, wiewohl die Südtruppen diese Stadt Schanghai ist der Vorsitzende der dortigen Arschaftspolitiker ist dies min durchaus fein Un- haben die Nordtruppen bisher noch nicht den glüd. So wenigstens behauptet es die„ Prager Bersuch unternommen, den Fluß zu übersetzen. der französischen Konzeſſion verhaftet worden Presse", das Blatt, dessen einziger Grundsah Der Korrespondent der„ Times" klärt dies damit darin besteht, jeder Regierung zu dienen und jede Regierungsmaßnahme unter reichlicher Verwendung von Fremdworten zu verteidigen. Das Blatt hat den Mut, folgendes seinen Lesern. vorzusetzen:
will die Rüftungsausgaben
nicht herablegen.
war, von den Nationalisten hingerichtet worden.
chriftlichen"" Sozialismus“ in der„ Deutschent Presse", daß Religion nur in bestimmten Son fessionen bestehe, selbst die Konfessions osigfeit ist eine bestimmte Ros fession". Diese Auffassung erinnert lebhaft an jene Darlegungen des Herrn Hilgenreiner, ,, seleinen Schulgesetzes" im Frühjahre 1922 int Senate erläuterte, er fönne sich lebhaft vorstellen, wind; er sei darum nicht religionslos. Aber wie daß ein Mann, dessen Urteil und Verstand gereift ist, sich von der Kirche iossant und konfessionslos be Frau, deren Urteil und Verstand nicht so gereift soie, dürfe nicht fonfessionslos werden; und für die Kinder seien Religion und Stirche identisch. Wie fein der Herr Senator zu unterscheiden wußte,
Der gelegentlich der Beratung des fogenannten
wie jesuitisch schlau der Herr Sekretär Reichen weshalb dann aber der Herr Sefretär Reichen berger Religion und Konfessionslosigkeit gleichsetzt!
aus der Lage in China uns Aegypten sowie an der indischen Grenze, wo jest wieder eine große, möglicherweise gefährlich werdende militärische chloß die allgemeine Aussprache im Unterhaus über Großbritannien nicht gerechnet worden sei, da die erfindlich. Die Simultanschule, in welcher Stinder London , 13. Aprii. Schatzkanzler Churchill Wacht heranivachse, mit der 20 Jahre lang von berger so furchtbares Entsetzen fühlt und die Si mutanschule als unmöglich erklärt, ist un den Staatshaushalt mit einer Rede, in der er be- europäische Lage Feindseligkeiten an dieser Front verschiedener Konfessionen und auch konfessions abnehmen müßte. tonte, daß es infolge der notwendigen Ausgaben un chädlich cemacht habe. Die Regierung hoffe, cine lofe Kinder unterrichtet werden, ist den Seleritaten für foriale Reformen sowie für die Armee, die sehr große Verminderung im Flottenbau zu erfeit je ein höllischer Greuel gewesen. Die„ Deutsche Flotte und die Luftstreitfräfte schwierig sei, Erreichen, aber es feien feine umfangreichen Er Breffe" begeht ganz bewußt einen Denkfehler, sparnisse zu erzielen. Man sei sich darüber sparnisse in den Ausgaben für die Flotte möglich, wenn sie schreibt, es sei unmöglich, tschechische, einig, daß das Land größere Luftstreitkräfte haben wenn nicht irgend ein Abrüstungsübereinkommen deutsche, magyarische deinder, wenn sie in einer müsse, und die Notwendigkeit der Aufrechterhalerzielt werde. Die Debatte wurde darauf ohne Ab- Stlasse vereinigt wären, zu guten Deutschen zu tung der gegenwärtigen Heeresstärke ergebe sich stimmung geschlossen. erziehen. Also sei es auch unmöglich, Kinder ver
tschechoslowakische Export nach Desterreich eine Verlang'amung erfahren und der Handel mit Desterreich an Volumen(!)
Aber die Tschechoslowakei fann auch
einen solchen Schlag aushalten." „ Mich und den Metternich halt's noch aus", hat Kaiser Franz gesagt. Der„ Prager Bresse" wird der Rollkrieg mit Desterreich nicht schaden. Wie aber wird die tschechoslowakische Wirtschaft und wie werden die Arbeiter davon betroffen werden?
e Ebenso steht im Widerspruche mit der Wirklichkeit eine zweite Behauptung des Regierungsblattes:
richtet..."
Im Jahre 1926 betrug die Einfuh" aus Desterreich 1125 Millionen Kronen, d. j. 7.3 Prozent unserer Gesamteinfuhr, unsere Ausfuhr nach Desterreich aber 2901 Millionen, d. s. 16 Brozent unserer Gesamtausfuhr. Dank der trefflichen Handelspolitik der Brotgeber der„ Prager Presse" ist unsere Ausfuhr nach Desterreich von 1924 auf 1925 von 3.5 auf 3.25, von 1925 auf 1926 von 3.25 auf 2.9 Milliarden zurückgegangen. Durch die BeseitiGerade umgekehrt wird ein Schuh daraus! gung des Vertragstarifes werden die österreichi- Der Wiener Großhandel, der eine gute Berschen Zölle auf unsere Ausfuhrartikel vielfach faufsorganisation hat, wird sich die Textil, das Doppelte der jetzigen betragen, was uns Glas- und Porzellanwaren oben anderswo be hunderte von Millionen an Ausfuhrwerten schaffen, wenn er sie aus der Tschechoslowakei kosten, die chronische Krise unserer Industrie wegen der hohen Zölle nicht beziehen kann. Wie verschärfen, die Arbeitslosigkeit vergrößern wird. war es denn unmittelbar nach dem Kriege? Bedroht i vor allem uniere Textilindustrie, die Nachdem die Tschechoslowakei auf den„ Sieg" im Vorjahre für 1327 Millionen Kronen nach im Weltkriege pochend, ihre Zölle um 200 ProDesterreich ausgeführt hat, unser Sohlenbergbau zent erhöht hatte, erhöhten die Desterreicher die ( 344 Millionen), die Ausfuhr von Zuder( 229 ihren um 350 Prozent und die Wiener Groß Millionen), von Eisen und Eisenwaren( 143 händler, die ihre Textilien nicht aus den alten, Millionen), von Glas und Porzellan( 100 in Böhmen und Mähren gelegenen Erzeugunas und Porzellan( tädten Millionen). Die„ Prager Presse" fann es aus- städten beziehen konnten, verkauften italienische Die größte Vervenenheit aber bedeutet es, halten, die Regierung zahlt, und wenn der Erzeugnisse und unsere Tertilarbeiter wurden wenn das Organ der übermütigen BürgerreakFehlbetrag noch so arojz ist, aber Tausende von arbeitslos. Genau so wird es jetzt kommen, und tion davon spricht, daß in Desterreich gegen Arbeitern, die von Kurzarbeit und Arbeitslosig- unsere Textilarbeiter werden die Sochnäßigkeit wärtia„ die angesichts der Kapazität der öfterkeit bedroht sind, werden ein anderes Urteil und Einfalt derer, die so denken wie das Prager reichischen Wirtschaft eivas überdimenſionalen haben über die bodenlos leichtsinnige Handels- Regierungsblatt büßen müssen. Der Wiener sozialen Lasten wirksam zu werden beginnen", politik, welche einen Staat, der ohne die Aus- Großhandel wird Geschäfte ma chen, deren Folge die Hochschutzzollpolitik sei, denn fuhr seiner Industricerzeugnisse nicht leben aber unsere Fabriken werden still angesichts der hohen sozialen Lasten kann sich die terreichische Industrie nur mittels hoher fann, in einen schweren Wirtschaftskonflikt mit stehen. cinem Lande treibt, das uns für drei Milliarden Die gesamie Regierungspresse möchte die Zölle erhalten. Dem Regierungsblatt scheint es Waren abnimmt und von dem wir nur für eine alleinige Schuld daran, daß es soweit gekommen nicht genug zu sein, daß sich die sozialpolitische Milliarde laufen, so daß unsere Handelsbilanz ist. Desterreich zuschreiben. Gewiß hat Defter- Reaktion bei uns zu Lande immer mehr ausmit diesem Lande mit fast zwei Milliarden reich seine autonomen Zölle erhöht, aber ist breitet, daß bei uns ein konzentrischer Angriff attiv ist. denn die Tschechoslowakei das klassische Land auf die Sozialversicherung im Gange ist, es vill
des Freihandels? Ist die tschechoslowakische Re-! womöglich noch die österreichischen Christlichpublif nicht vielmehr der Bahnbrecher des Hoch- sozialen anfeuern, die Altersversicherung nur ja schutzzolles in Mitteleuropa gewesen? Die Zoll- nicht einzuführen. Vielleicht kommen wir, wenn " Su emem nicht unbeträchtlichen Teile wird politik der ersten Jahre nach dem Kriege hat die bürgerliche Regierung noch lange am Ruder unser Export nach Lesterreich zu Reexportweden in nichts anderem bestanden, als in der Er- ist, soweit, daß unsere Unterhändler Desterreid) verwendet und eine Erschwerung nach dieser Rich höhung der Zölle, die Valutakoeffizienten be- Bollermäßigungen gewähren, unter der Bedintung kann nur zur Folge haben, daß fid untragen bei vielen Waren das 15, 20, 25, ja gung, daß Seipel die Strankenversicherungsbeisere Industrie auf direkte Beliefe 30fache des alten österreichisch- ungarischen Zoll- fräge der Unternehmer herabsetzt! Die Bürgerrung der Abnehmer tschechoslowatt tarifs von 1906, obzwar das Verhältnis der regierung fühlt sich mit der Reaktion in allen scher Waren in anderen Ländern einschechoslowakischen zur Goldfrone wie. 1: 7 ist. Ländern solidarisch, sie strebt dahin, daß die An dem Bewilligungsverfahren hat niemand in sozialpolitischen Errungenschaften der Arbeiter Mitteleuropa so festgehalten, wie die Tschecho- nicht nur bei uns, sondern in allen Ländern abjlowakei und nur weil Deutschland unseren gebaut werden. Unterhändlern förmlich den Revolver auf die Die parlamentarische Gesetzgebung des letzBrust gefeßt hat, ist der Abbau des Systems ien Jahres hat erwiesen, daß die Kosten der der Einfuhrverbote, die an die Wirtschaftspolitik innern Wirtschaftspolitik der gegenwärtigen des Vormärz erinnern, erreicht worden. Wie Regierung die arbeitenden Selassen zahlen. Man darf man vom„ überspannten Proteftionismus" Desterreichs reden, wenn die letzte Zolltarifnovelle durchweas Zollerhöhungen und nicht eine Rollherabjetzung vorjah, und wenn die Vorlage eines neuen Bolltarifes jahrelang auf sich war ten läßt, weil man auch nicht eine einzige Zollposition herobjekten will!
dente nur an das Klassenbudget, das den Militarismus und die Geiftlichkeit reichlich füttert und für Sozialpolitik und Gesundhe wesen nur wenig übrig hat. Man denke an Banförderung, Erhöhung der Zuckerſteuer, Rüstungsfonds, Reform der direkten Steuern. Der hendelspolitische Konflikt mit Oesterreich lehrt wieder, daß auch die auswärtige Wirtschaftspolitik bürgerlich- reaktionär ist und all. Laſten den arbeitenden Klaffen aufbürdet. Das furzfichtige Profitinteresse der agrarischen und industriellen Besißer treibt zu einer Politik des Sochschußzolies, welche die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen stört und die Arbeiter der Exportinduſtrien aus Pflaster wirft. We't Sturzarbeit. Arbeitslosiakeit, Unsicherheit der Griftens, Hunger und Elend muß die arbeitende Bevölkerung das Werk jener Gleichgültigen büken, die den Bürgerparteien zur Macht verholfen haben!