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7. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Gegen die Zehn Gebote.
Religiöses und politisches Christentum
im Wahlkampf.
Freitag. 22. April 1927.
Volle Unabhängigkeit nach rechts und links. Paris , 21. April. ( Eigenbericht.) Auf dem unternommen werden könne; aber auch dann' sozialistischen Parteitag in Lyon ist die Resolu- lönne es sich nur um eine vorübergehende tion Paul Faure mit 3311 Stimmen ange 3usammenarbeit handeln. Biromiti erhielt 774, die Entschließung Maurin nommen worden. Die Entschließung Bracke 185 Stimmen.
Es gehe vielmehr einzig und allein darum, die durch die Nachkriegszeit verschärften Probleme der Beziehungen der sozialistischen Partei zu den Nachbarparteien endgültig zu tiären.
Menn ein fatholischer Priester es unternimmt, sein Christentum ernst zu nehmen und es etwa gar wagt, die Zehn Gebote Gottes zur Richtschnur seines öffentlichen Wirkens 3 machen, der wird ein wunderlicher Heiliger". ein„ Narr in Christo" und sogar ein„ Idiot" In der Resolution Faure wird betont, daß genannt. Die offiziellen Vertreter der Kirche es sich nicht darum handle, die Lehren der sozia werfen Steine nach ihm, suchen ihn am Reden listischen Partei zu revidieren, die ihre erneute zu hindern und verbieten ihm jeden Versuch, Bestätigung in den Ereignissen erfahren, noch die feinen Ideen in der Politik Geltung zu ver- allgemeinen Regeln des Kampfes der sozialisti fchaffen. Das alles und noch viel mehr, ist dem schen Partei zu ändern. Grazer Theologieprofessor Ude geschehen, der im Zeichen des vom Prälaten Seipel gegen die Sozialdemokratie aceinigten christlichsozialenjüdischen- hafenkreuzlerischen Bürgertums im Wahlkampf mit einer eigenen Partei die Front Was die radikalsozialistische Barder bürgerlichen Reaktion gestört hat. Ein Aufschrei des Entsetzens geht durch die christlich- tei anlange, so bestehe kein Zweifel, daß diese im Prinzip und in ihrer Zusammensetzung der Erjozial- jüdischen Reihen: Schet den Narren, er haltung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung treibt Propaganda für die Zehn Gebote, an- dienen will. Nach zahlreichen Stapitulationen vor ſtatt auf die gegebenen„ Realitäten" Rücksicht der Reaktion, seien die radikalen Führer endgülzu nehmen, er float uns unerhörter Schweine- tig in das Lager derjenigen übergegangen, gegen reien an, anstatt sich mit uns an den reich ge- die sie bei den Wahlen vom Mai 1924 aufgedeckten Tisch der Korruption zu setzen! Schon treten sind. Die Tatsache des Klassenkampfes, das ständige Wachstum des Kapitalismus und einmal hat die vorgesetzte Kirchenbehörde diesen die sichere Einsicht, daß es sich nicht darum hansonderbaren Schwärmer" zum Verstummen beln könne, die gegenwärtige Gesellschaftsord bringen wollen, indem sie gegen ihn ein Rede- nung den sozialistischen Lehren anzupassen, sonverbot erließ, jetzt hat ihm sein Bischof über dern darum, sie grundsätzlich zu beseitigen, Drängen der christlichsozialen Partei das Kanall das genüge, um der sozialistischen Partei didieren verboten, nachdem man, wie er in ständig ins Gedächtnis zu rufen, daß zwi einer Wiener Versammlung erzählte, ihn verschen ihr und den Radikalsozialisten grundgeblich mit Geld zu bestechen versucht hatte. legende Meinungsverschiedenheiten bestehen. Ohne Zweifel können aber Augenblicke eintre ten, wo mit der radikalsozialistischen Partei auf parlamentarischem Boden eine parallele Aftion
" Man iſt au mich herangetreten und wollte mir Geld geben, wenn ich in die Einheitsfront eintrete", sagte er, und als eine Stimme aus der Versammlung rief:
„ Es ist ein Verbrechen, daß Sie das fogen, das werden Sie büßen", antwortete Ude:„ Regen Sie sich nicht so auf, das ist schließlich nur ein Symptom, es gibt viel, ärgere Sachen. Wenn das das ein=
Bantenfrach in Japan . Große Stüßungsaktion der Staatsbank. Tolio, 21. April. ( Reuter.) Zwei weitere
Auch der kommunistischen Partei gegenüber bestehen grundlegende Meinungsverschiedenheiten, die eine Zusammenarbeit mit ihr absolut ausschließen.
Wenn auch in ihren Zielen die sozialistische und die kommunistische Partei insofern das Gleiche verfolgen, als sie beide die gegenwärtige Gesell schaftsordnung beseitigen wollen, so gehen doch ihre Ansichten über die Methoden, um zu diesem Ziel zu gelangen, grundlegend auseinander. Nach Ansicht der sozialistischen Partei fönne eine so ziale Revolution nur durchgeführt werden, wenn die wirtschaftlichen und moralischen Bedingungen für eine solche erfüllt seien.
Unter diesen Bedingungen wird die sozialistische Partei nicht aufhören, das Proletariat vor den Irrtümern der kommuſtiſchen
Propaganda und Aktion zu warnen. Sie werde nicht zu den traurigen Methoden der Kommunisten greifen, aber sie werde sich jeden falls vor jeder organisatorischen Zusammenarbeit mit dem Kommunismus hüten.
Der Kongreß erklärte schließlich, daß die sozialistische Partei ihr parlamentarisches Handeln mit dem leiner anderen politischen Partei verknüpfen dürfe, und daß sie umsomehr ihre große Aufgabe erfüllen wird, jc eifriger sie versucht, ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Der nächste Kongreß der sozialistischen Partei wird voraussichtlich im Herbst in Tou Louse stattfinden; er wird sich ausschließlich mit der taktischen Vorbereitung der Neuwahlen zum Parlamente zu beschäftigen haben, die im Frühjahr 1928 stattfinden sollen.
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Nr. 93.
Um die Sozialversicherung der Lehrlinge.
Von Karl Kern.
das
Das politische Geschäft, das die deutschbürgerlichen Parteien durch ihren Regierungseinivit machten, hat sich bisher für das jämmerliche Anhängsel des Bundes der Landwirte, für die Gewerbepartei, nicht gelohnt. Die Zölle, die Zuderund Spiritussteuer, die Militärvorlagen find Dinge, für die sich ein Steleingewerbetreiben der, selbst wenn er politisch noch so rückständig ist, beim besten Willen nicht begeistern fann. Die Parlamentavier der Gewerbepartei, die die unpopulä ren Dinge, die ihre Regierungsfreunde machten, ihren Wählern gegenüber verteidigen sollten, haben einen schweren Stand. So ist es nicht ver wunderlich, daß sie sich nach einem Mittel umfehen, das ihren Schäfchen die Regierungsünden vergessen machen läßt. Sie verstanden, gleich ihren Genossen an der Regierungskrippe, den Regie rungseintritt doch so, daß es mun eben jetzt ans Profitmachen geht. Das Wittel, ihre empörten An hänger zu besänftigen, scheinen die gewerbepartei lichen Größen nun gefunden zu haben. Sie ver langen nämlich die Entfernung der Lehrlinge aus der Sozialversicherung. Es soll einmal untersucht werden, welches moralische Recht die Herr schaften zu diesem Verlangen haben.
Der Lehrling von heute führt fein beneidens wertes Leben. Der Achtstundentag ist ihm ein unerfüllbarer Traum, Nur in den seltensten Fällen arbeiten Lehrlinge wirklich nur acht Stunden int Tage, beziehungsweise achtundvierzig Stunden in der Woche. Die Jugendschutzfomitees des Sozia listischen Jugendverbandes haben festgestellt, daß die Lehrlinge durchschnittlich zehn bis zwölf Stun den täglich arbeiten müssen, ja, daß sechzehn und achtzehnständige Arbeitstage durchaus feine Sel tenheit sind. Die Bäder lassen ihre Lehrjungen. auch des Nachts arbeiten.
Die allgemeinen Arbeitsverhältnisse der Lehr finge spotten meistens jeder Beschreibung. Sie sind meistens gezwungen, in ganz unhygienischen Werk stätten zu arbeiten, in denen ununterbrochener
Bank von Japan habe bereits eine Milliarde Yens Aufenthalt bei schyverster Anstrengung fast mit übersteigende Vorschüsse gewährt. London
, 21. April.„ Daily Mail" meldet aus Tokio
vom 20. d.: Weitere Borschüsse der Bank von Japan zur Stüßung anderer Banten haben die für diesen Zweck aufgewandte Gesamt umme cuf über 100 Millionen Pfund Sterling erhöht. Drei fleinere Provinzbauten stellten gestern ihre Bablurgen ein. Sa allgemeinen ist jedoch in der finanziellen Lage eine Erleichterung eingetreten.
zige wäre, jo könnten wir uns gra- Baufen haben ihre Tätigkeit einfuweilen für drei tulieren." Jemand, der jo ins Wespennest sticht, der derart rücksichtslos den Sumpf der Wochen eingestellt. Die Bauf von Japan hat eine christlichsozialen Moral aufrührt, ist freilich bei außerordentliche Sitzung des Vorstandes einbe den Repräsentanten unseres Christentums nicht rufen, um über praktische Maßnahmen zur Stabi gern acſehen, und ihre Anstrengungen, ihn von lisierung der Lage zu beraten. Es bestehen Besorg der Bildfläche zu verjagen, sind nur allzu ver- niffe, daß sie im Falle einer Verschlimmerung der Lage so wie bei dem Erdbeben im Jahre 1923, Tolio, 21. April. Gestern hat in Nobe die beBesonders unsere Knödelchriften, die Sun- zu außerordentlichen Maßnahmen werde greifendentende Jugobank mit etwa 300 Millionen en gerzölle gegen Pfaffengehalte und Sohlenein müssen. Es verlautet, daß die Regierung an die Depositen die Zahlung eingestellt. Weitere 3 fuhrscheine eintauschen, werden für die Be- Bank von Japan den Auftrag ergehen ließ, im fammenbrüche werden als wahrscheinlich ange mühungen Seivels, Ude aus dem Wege zu Bedarfsfalle weitere Vorschüsse zu bewilligen. Die fehen. räumen, volles Verständnis haben. Das fehlte noch, daß ihnen jemand aus dem eigenen Lager
ständlich.
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Sicherheit zu bedeutenden Schädigungen der Gejundheit führt. Es ist nicht unbekannt, daß gerade die Lehrlinge oft zu den schwersten Arbeiten, immer aber zu ganz bedeutenden Anstrengungen ver halten werden. Denn sie haben im Kleingewerbe die teuren Gehilfen zu ersetzen oder müssen diesen die unangenehmsten Arbeiten abnehmen. Die Meister, die so iun, als zahlten sie bei der Eindarüber klar, daß sie heucheln. Wenn ihnen stellun von Lehrlingen darauf, sind sich natürlich die Lehrlinge Schaden bringen: warum hält man sie dann solange in der Werkstatt zurück und gibt ihnen dadurch Gelegenheit, den„ Schaden", den sie durch ihre Arbeit verursachen, noch zu vergrößern? Warum hält man sie, nur um sie in der Werkstatt behalten zu können, in so vielen Fällen von dem Besuch der Fortbildungsschule ab? Gben nur deswegen, weil man sie soviel wie möglich ausbenten will, weil die Lehrlinge so ungemein billige im dritten Lehrjahre sind, also ganz gewiß schon Arbeitsträfie find. Sie bekommen, auch wenn fie vollwertige Arbeit leiſten fönnen, entweder gar nichts oder einen lächerlich geringen Lohn bezahlt.
den Spiegel vorhält und sie zum Christentum Gebote- gut genug für die Kinder, aber sozialen Beziehern von Kohleneinfuhrscheinen der Bergpredigt, das noch nicht mit den Unter- unbequem für das politische Christentum, ein das Kandidieren verbietet? Briefter, die ihr drückern und Wucherern gegen die Armen und Nebel für die streitbare Stirche. Moral- Programm auf die Zehn Gebote Gottes auf Unterdrückten pacelte, zurückruft! Sört nur, das auch noch! Wo käme der nach weltlicher bauen, sind ihnen ein Greuel, Brieſter dagegen, Die verzopften Meister überschreiten in liebewie dieser wunderliche Narr spricht:„ Nicht Macht mit allen Mitteln strebende stleritalis die den Armen das tägliche Brot verfeuern, nach dem Taufschein will ich fragen und muß hin, wenn er sich von derartigen Gefühlen die dem nationalen und kapitaliſtiſchen Im voller Fürsorge für die Gesundheit ihrer Schutzbenicht nach Parteizugehörigkeit, nicht fragen: leiten lassen würde! Stampf gegen stor perialismus die nötigen Mordwerkzeuge be- fohlenen nicht nur den Achistundentas, sondern Wo bist Du organisiert? Jedem armen ruption und Ungerechtigkeit- willigen und mit fapitalistischen Beutejägern haben mit Unterstützung vieler Schulbehörden und Teufel soll geholfen werden! Aus nicht nur Seipel, auch unsere Neuchristen wer- gemeinsame Sache machen, können darauf rech- des Staates auch dafür gesorgt, daß der Fortbil nen, sich ihr Wohlwollen zu bewahren. Der dungs'chulunterricht auf den Sonntagvormittag Gerechtigkeit und aus Mensch I ich den durch solche Worte nur nervös gemacht. feit! Die Zehn Gebote sollen die Grund- Ude ist kein Sozialist, der Sozialdemo- firchliche Terrorismus wird nur gegen jene oder auf die Abendstunden verlegt wurde.- Man Wi lage dieser Hilfsoftion sein, W or al soll wie- fratie steht er, da er ihr Wesen nicht versteht, angewendet, welche die scholen und unsauberen fann sich leicht vorstellen, welchen gesundheitlichen Gefahren die unter solchen Umständen arbeitende der in unsere Wirtschaft hinein, Moral soll jogar feindselig gegenüber. Aber man mag zu Geschäfte der politischen Parteien des Kleri- Jugend ausgesetzt ist. Es ist wohl nicht in viel wieder in die Politif dringen. Das einzig ihm stehen wie man will, fein Steinlichkeitsfalismus zu stören ſuchen. Und wenn Jejus richtig soziale und wirtschaftliche gefühl muß man ebenso bewundernd an- Chriſtus ſelber käme, um den Tempel zu Programm Chri ft i joll wieder zur Gel- erfennen, wie seinen Mut und die konsequente reinigen und die Händler und Pharisäer zu tung fommen.... Mit diesem alten Evan- Verfechtung seiner Ueberzeugung. Nicht weil er verjagen, es ginge ihm schlecht. gelium bin ich vor die Menschen getreten, habe ein schlechter Christ, sondern weil er nach
zu
efagt, wenn wir behaupten, daß gerade während der Lehrzeit die schwachen, in förperlicher Entwick luna befindlichen Menschen Keime zu Krankheiten empfangen oder ihre Widerstandstrafı gegen Strankheiten herabgemindert bekommen. Angesichts der ganz ungeheuerlichen Ausbeutung, der schwer sten gesundheitlichen Schädigung der lernenden Jugend, angesichts der Gefahren, die daraus der
Ein Priester, der gegen die Korruption sie aufgerufen zum Stampf gegen Stor- der Meinung der Klerikalen ein zu guter auftritt, ist ein„ weltfreuder Idealist", der in ruption und Ungerechtigkeit und Christ ist, werden seiner Standidatur Schwie- den Reihen der Christlichsozialen nichts zu schädliche und schändliche Genüsse, zu Selbit- rigkeiten bereitet. Gegen den Herrn Prälaten suchen hat. Ein Priester, der die zu den Kapi- allgemeinen Volksgesundheit drohen, ist es gerade besinnung und ernster Lebensform. Die Men Seipel, der mit den arbeitermordenden Haken- talisten aller Stonfessionen führende Brücke absu frivol, die Entfernung der Lehrling: aus der schen horchten auf, aber sämtliche politischen freuzlern, mit den Wucherern und Börsen- zubrechen sucht, der muß weg, denn das Sozialversicherung zu verlangen. Die GewerbeParteien sind gegen mich aufgetreten, und da jobbern sich verbündet, der Schulter an Schulter christliche Ideal ist heute die Ein- treibenden, die zum großen Teile ihrer Sorge um begann mein Leidensweg." In die mit den stinkendsten Storruptionisten alles he eitsfront der Antimarristen, das geistige der ihnen Ausgelieferten dadurch AusIdiotenanstalt mit ihm, der solche Anschau - vergebend, alles verzeihend, alles deckend die Einheitsfront aller Stüßen die Einheitsfront aller Stüßen druck geben, daß sie ihnen die Zugehörigkeit zu fozialdemokratischen Vereinen unter schweren ungen verkündet! Was sich heute christlich und zum gemeinsamen Kampfe gegen die Arbeiter des ausbeuterischen Kapitalis- Strafen verbieten, finden gar nichts daran, diefe christlichsozial nennt, das will nicht den arschaft antritt, haben die Bischöfe nichts einzu- mus gegen die Arbeiter. Die Ge- Jugend gesundheitlich zugrunde zu richten und sie men Teufeln, sondern den reichen Teufeln wenden, der wird von ihnen als Perle des schichte von Udes Kandidatur ist ein neuer obendrein um einige Karenzjahre in der Sozialhelfen. Gerechtigkeit und Mensch Christentums angesehen. Glaubt jemand, daß Beitrag zur Erforschung der Naturgeschichte versicherung zu bringen. Merger kann die Schamlosigkeit schon fast nicht sein. Wie widerlich lichkeit, welch unmoderne Begriffe! Zehn sich ein Bischof finden ließe, der den christlich des Klerifalismus.