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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Donnerstag. 25. August 1927.

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Nr. 198.

Bürgerpolitik und Arbeiterpolitit. mehr zu erobern hatte, sondern gegenüber der deutsche Kapitaliſtenklaſſe haben sich ächst einfunft glauben fie die inner.

folutismus.

Ein frecher Fascistenstreich.

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Die Polizeidirektion gibt folgenden amtlichen Bericht aus:

jungen tschechischen Partnerin nur Verluste er- darauf geeinigt, daß die Tschechoslowakei auf itaatlichen Probleme erledigt zu 2. Der Wandel des Bürgertums. warten mußte, darum vor allem blieb ihr na alle Fälle ein fapitalistischer la haben. Daß dies ein arger Fehlschluß ist, Im alten Desterreich hat die jungaufſtre heiten ſteden. Die nationalrevolutionären tionaler Abwehrkampf in jämmerlichen Halben sta at bleiben soll. Wit dieser über werden wir noch aufzeigen. hende tschechische Bourgeoisie eine Ideologen vom Typus Lodgmans traten in den revolutionäre Rolle gespielt. Ihr wirtschaftli- Hintergrund, die Realpolitiker famen obenauf, cher Hauptgegner war die alteingesessene die Aktivisten, die für den kopfhängerischen Deutsche Bourgeoisie. Politisch war der hab3- Groß- und Kleinbürger den Rat wußten, sich burgische Obrigkeitsstaat mit seiner Dynastie, für die verlorenen nationalen Güter durch Bürokratie und Generalität der Sperrblock vor Raubzüge an den arbeitenden Volfsgenossen Ein Beamter des Verteidigungsministeriums in seiner Sommerwohnung bem nationalen Befreiungsziel. Gegen diese zu ertschädigen. mit Revolvern bedroht.- Um die Aften des Gajdaprozesses?- Haus­mächtigen Feinde suchte die tschechische Bour­In den ersten Jahren der Republik war suchungen im Prager Sekretariat der Fafciften. Zwei Berhaftungen. geoisie die Bundesgenossenschaft der breiten das Bürgertum auf beiden Seiten zu sehr mit Volksmassen. Sie gab daher ihren Kämpfen seinem Machtkonflikt beschäftigt, so daß es ge- nahm die Brager Polizei im General- Sekretariat ten ihn sowie seine Frau mit schubereiten Prag, 24. August. Heute vormittags| ministerium Dr. Borel in Sazawa cin, bedroh­einen volkstümlichen sozialen Anstrich, sie trat nötigt war, den Arbeitern manche Konzessionen der Fascistengemeinde in Prag 2 sowie bei ver- Revolvern und verlangten von ihm die Hers politisch für das allgemeine Wahlrecht, für die zu machen. Die tschechische Herrenklasse mußte schiedenen Fascisten Haussuchungen vor. ausgabe der Gajda- Alten, mit deren Ueberprüfung weitgehendste Selbstverwaltung ein. Mit den sich die Arbeiter zum staatlichen Aufbau wil Im fascistischen Generalsekretariat erschien um der Ministerialrat amtlich betraut worden war. Waffen der Demokratie focht sie ihren Stritt lig erhalten, die deutsche Herrenklasse mußte 9 Uhr früh eine starke Abteilung von Geheim- Da der Ministerialrat die Herausgabe verweigerte gegen das Habsburgerreich aus. Die revolu- ihre sozialen Marbtkämpfe ohne die gewohnte polizisten, die unter Führung eines Beamten und erklärte, die geforderten Dokumente überhaupt tionäre tschechische Demokratie besiegte den Ab- unmittelbare Unterſtügung der Staatsgewalt eine zweieinhalbstündige Durchsuchung des ganzen nicht zu besißen, hielten ihn einige der Angreifer in Schach , während die führen. Der nationale Stampf wurde durch Sekretariates sowie der im gleichen Hause befind- mit ihren Revolvern Die deutsche Bourgeoisie spielte feine jahrelange ununterbrochene zauer einlichen Redaktionsräume der kišska Straž andern ſeinen Schreibtisch durchwühlten und der­in Alt- Desterreich seit, 1867, abgesehen von Hemmnis des Klassenkampjes der Bourgeoisie. 3 at or a sowie andere Parteifunktionäre wur- dann schleunigst die Villa, worauf das Auto mit vornahmen. Der anwesende Generalsekretär schiedene Alten entwendeten; alle verließen fo dem Intervall der Regierung Taaffes eine herr- Die brennende Sehnsucht nach reaktionärem den einem scharfen Verhör unterzogen. Das ihnen in rasender Fahrt davonsuhr. ichende Rolle. Sie herrschte in doppeltem Sichausleben setzte sich elementar durch und Haus wurde abgesperrt und niemand hinein noch Die Behörden feßten einen umfangreichen Sinne: sozial über die deutsche Arbeiterklasse, führte deutsche und tschechische Zollparteien zu heraus gelassen. Während der Hausdurchsuchung Apparat in Tätigkeit, um der Täter habhaft zu national über Tſchechen , Slowenen, Italiener, fammen. Nicht der Wunsch nach dauerndem traf der offenbar schleunigst benachrichtigte werden. Bis jetzt wurden zwei Prager Fascisten Kroaten . Die jozial und national Unterdrück- nationalen Frieden, sondern die nüchterne Er- Gajda in feinem neuen Automobil ein und als vermutliche Täter in Haft genommen. ten waren die Mehrheit. So flammerte sich die wägung, daß zur rücksichtslosen Ausnützung des versuchte vergeblich, gegen die Hausdurchsuchung deutsche Bourgeoisie an das Privilegien- Wahl bürgerlichen Wahlsieges vom Jahre 1925 zu zu protestieren. recht in den Reichsrat, in die Landtage und nächst ein Waffen stillst and notwendig 2ist" wurden bei der Hausdurchsuchung zahl­Nach den Mitteilungen des Večerni die Gemeinden. So war sie gegen die Demo- sei, war die Entstehungsursache der Bürgerre reiche Sibungsprotokolle des fascistischen Direk bewaffucte Männer in das Saus Nr. 131 in Am 23. d. um 5 Uhr morgens drangen sechs fratisierung der Verwaltung, für die Vorrechte gierung. Ob nun der bürgerlichen Mehrheits- toriums sowie vertrauliche Weisungen des Di Tazawa an der Sazawa ein und bedrohten mit der Bürokratie und der Dynastie. Mit jedem bildung eine geschriebene oder eine ungeschrie rektoriums und mehrere persönliche Befehle" schußbereiten Revolvern den Ministerialrat des Schritt zur Volfsherrschaft sah sie ihre Macht bene Vereinbarung zu Grunde liegt, jedenfalls Gajdas an die Parteiorganisationen beschlag- Verteidigungsministeriums Dr. Jaroslaus Vo­position bedroht. Darum war und blieb sie lautet sie in ihrem Sinneskern, während der nahmt, ebenso ein Adressenverzeichnis aller Mit- rel aus Zizkow , Bretislavgasse 17, sowie feine eine Stüße des Obrigkeitsstaates. Dauer der Regierungsgemeinschaft allen natio- glieder der fascistischen Partei, die Abonnenten- Gattin, die in Sazawa mit ihren zwei fleinen In den Kämpfen des Weltkrieges unter- nalen Problemen feige auszuweichen und dafür liſten der Kisska Straz" und zahlreiche Manu- Kindern auf Sommerwohnung weilen. Die An­lag das Prinzip des Obrigkeitsstaates gegen umso mutiger loszugehen auf die Lebensinter- ripte. Auch soll ein vollſtändiges Verzeichnis greifer wollten auf diese Weise die Heraus­das Prinziv der nationalen Volksstaaten. Das essen des arbeitenden Volkes. der fascistischen Staatsangestellten gefunden wor- gabe bestimmter amtlicher Doku­den sein. tschechische Volf errang in der Oftober- Revo­mente erzwingen. Als Ergebnis des nationalen Waffenstill­lution seine nationale Freiheit. Aber seinen standes der Bürgerparteien haben wir bisher der Kissta Straž" Dr. Snepp und der Se­Kurz vor Mittag wurden der Chefredakteur Auf Grund eines amtlichen Beschles wurde Staat gestaltete es nicht nach dem revolutionä- Boll, Kongrua- und Steuergeseße empfangen fretär Dostal der Polizeidirektion vorgeführt, auch im hiesigen Rayon nach den Tätern ge­fahndet, wobei am 24. d. mehrere Per­ren Nationalitätsprinzip; es zwang mit Hilfe und zuletzt die Verwaltungsreform. Die Ver- ebenso einige andere fascistische Funktionäre, in jonen zum Verhör vorgeführt wur­der Siegergewalt starfe Bruchteile der Nach- waltungsreform ist der flarste Ausdruck der deren Wohnungen man gleichfalls Hausdurch- den, von denen bisher in Haft genommen barvölker hinein. Die Tichechoslowakische Repu reaktionären Interessengemeinschaft des herr: suchungen vorgenommen hatte. wurden der 29jährige Josef Keller, Echaei­blik entstand als das Ergebnis einer nationalen ichenden Bürgertums. Die tschechische Bour­der aus Žižkow , Lupacgasse 13 und der 19jährige Revolution, als ein bürgerliches Staats- geoisie will nicht nur den Staat beherrschen, Heinrich Zitny, Universitätshörer, wohnhaft wesen. Doch die zur Herrschaft bestimmte sondern so weit es nur geht, auch die unteren in der Studentenkolonie auf dem Belvedere. tschechische Bourgeoisie war ebenso wie die Verwaltungskörper. Also schuf sie sich in den In Zusammenhang damit wurden bei einigen deutsche Bourgeoisie im alten Desterreich eine Ländern Herrschaftsgebiete, in denen die mehr Berbächtigen und bei den verhafteten Personen Minderheit. Sie wollte gleich ihrer Machtvor- sozialistischen Industriegebiete der Uebermacht Polizeidirellion spät abends auch amtlich mitteilt, in Prag II., Jungmannstraße 21 und im Se­narverfahren gegen Gajda zu setzen. Wie die sowie im Generalsekretariat der Fascistengemeinde gängerin herrichen nicht nur über die einverleib- des agrarischen und klerikalen Hinterlandes drangen Dienstag um 5 Uhr früh sechs bewaif- fretariat der Omladina" der Fascistenbewegung fen Fremdvölker, sondern auch über die Arbeiter ausgeliefert sind. Dazu das Ernennungsrecht nete Männer, die im Auto angefahren tamen, in in Prag I., Susgasse 17 Hausdurchsuchungen vor­der eigenen Nation herrschen als eine prials Sorrektiv des Volkswillens und des natio- die Billa des Ministerialrates im Verteidigungs- genommen. D. Untersuchung wird fortgesetzt. vilegierte Minderheit. So wurde die nalen Kräfteverhältnisses. Und schließlich tschechische Bourgeoisie eine Feindin der De- stellte sie die in ihrem Umfang verpfuschten, in mofratic, eine Verfälscherin des aleichen Wahl- ihrer Zusammenseßung verfälschten Störper­rechtes ins Parlament, eine Gegnerin der Selbstverwaltung, die Protektorin einer real tionären Bürokratie und Generalität. Die tsche chische Bourgeoisie hat die Rolle des deutschen Bürgertums aus Alt- Oesterreich übernommen und hat sie in furzer Zeit meisterhaft spielen gelernt.

Der Grund für diese aussehenerregenden Haussuchungen ist in einem frechen Ueber­fall zu suchen, den gestern früh zweifellos Fasci­ſten verübten, um sich in den Besitz der viel­genannten Atten über das militärische Diszipli

Blutige Demonftrationen in Paris .

Barritaden auf den Boulevards. - Paris

, 24. August. Die gestrigen Protest­Lundgebungen in Paris verliesen nicht so ruhig wie erwartet wurde. Die Demonstranten sam melten sich in großer Zahl auf dem großen Boulevards an und gegen 22 Uhr fam es an

schaften unter das Diktat ihrer willfährigen Bürofratie. Das deutsche Bürgertum steht vor der Aussicht, in den Ländervertretungen an die Wand gedrückt, in den Bezirken und Gemein­den von den Bürokraten regiert zu werden. Doch ein süßer Trost ist ihm geblieben, es darf in seinen Stammgebieten wenigstens weiter Die judetendeutiche Bourgeoisie erlitt in über die deutschen Arbeiter herrschen. Bei einer verschiedenen Stellen zu scharfen Zusam den Jahren 1918 und 1919 eine doppelte demokratischen Verwaltungsreform wären die menstößen. Annähernd 200 Personen wur­Niederlage. Sie mußte ihre staatliche großen Siedlungszentren des deutschen Volkes den hiebei verhaftet und eine Reihe von Poli­Vormachtstellung an die tschechische Bourgeoisie Starlsbad, Teplitz , Wussig, Bodenbach , Reichen- zisten verleßt, darunter zehn schwer. abtreten, sie verlor in zahlreichen Gemeinden berg, Jägerndorf usw. unter starken sozialisti- Die ersten Zusammenstöße mit den Poli­und Bezirken die Vorherrschaft über die deutschen Einfluß gekommen. Lieber überließen die zisten spielten sich kurz vor 22 Uhr auf den schen Arbeiter oder mußte in der Selbstver- Aktivisten den Tschechen und ihrer Bürokratie großen Boulevards ab. Die Terrassen der auf den waltung die Macht mit ihnen teilen. Fortan das Oberkommando über Länder und Bezirke plündert und die Manifestanten bewarsen die sie Boulevards befindlichen Kaffehäuser wurden e- wohnten zwei Seelen in ihrer Brust: eine na- als den Arbeitern eine Stätte jozialer Af- plündert verfolgende Polizei mit Gläsern und Geschirr tional- revolutionäre und eine sozial- reaktionäre. bauarbeit einzuräumen. Das tschechische Bür von den Kaffeehaustischen. An verschiedenen Einige Zeit schwankte sie zwischen den zwei gertum fämpfte seinen nationalen Befreiungs- Stellen mußte Bolizei zu Pferde einschreiten. Möglichkeiten, entweder mit Hilfe der deutschen kampf bis zur vollen staatlichen Selbständig- Die Anordnungen traf der Präfekt von Paris, Arbeiter der tschechischen Bourgeoisie die Allein- feit durch. Das sudetendeutsche aktivistische Chiappe, persönlich. herrschaft zu entreißen, oder im Bunde mit ser Bürgertum begnügt sich mit der Aussicht auf Auf dem Boulevard Sebastapol lam es, wie tschechischen Bourgeoisie die deutschen Arbeiter einige ernannte Bezirks- und Landesvertreter. es scheint, zu den ärgsten Schlägereien. Die niederzuwerfen. Und da zeigte sich, daß das Der Wandel des tschechischen Bürgertums Manifestanten versuchten dortselbst Barri­deutsche Bürgertum zu einem Rollentausch mit von der national- revolutionären Tat zur alt- laden zu errichten. Als sie dann vor der dem tschechischen schon zu alt war. E 3 war österreichischen Polizeigesinnung, der Wandel Polizei zurüdwichen, bewarfen sie sie mit den u altum die Waffe des demofra- der deutschen Bourgeoisie vom national- revolu- Schußaittern der Bäume, schlugen die Auslagen tisch revolutionären Kampfes tionären Geschrei zur sozial- reaktionären In- zahlreicher Läden ein und plünderten die in den­zur Errichtung der nationalen ternationalität sind auf die gleiche Wurzel zu Nationalplaß wurden Angriffe auf die Tram selben aufgelegten Warenbestände. Auf dem Gleichberechtigung führen zu kön- rückzuführen: auf das Bestreben, die Klassen way unternommen und sämtliche Scheiben ein­nen, aber noch nicht gebrechlich genug, um herrschaft über das deutsche und tschechische Pro- geschlagen. Nach diesem Zwischenfall wurde der reaktionäre Serrichtsnelüfte zu empfinden. letariat um jeden Preis zu sichern und zu be- acfamte Tramwayverkehr unterbrochen. Auch Weil die deutsche Bourgeoisie materiell nichts festigen. Die junge tschechische und die ältere in den Champs Elysées lam es zu einigen Zu­

Kaffeehäuser und Läden demollert. sammenstößen mit der Polizei. In mehreren

Hotels wurden die Fensterscheiben zertrümmert. Um Mitternacht gelana es schließlich die Ruhe wieder herzustellen. Um ein Uhr wurde die Polizeibereitschaft zurügezogen. Auch aus zahl­ reichen französischen Orten. hauptsächlich aus den Industrieſtädten, wie z. B. Rouen, Le Havre, Toulon, Düntirchen, Brest, Lille , Lyon usw. wer­den Manifestationen gemeldet, bei welchen eine Reihe von Personen verhaftet wurde.

Paris, 24. August. Zu den gestrigen Manife­sonen verhaftet wurden. Die Zahl der verwun stationen in Paris wird mitgeteilt, daß 211 Per­deten Wachleute beträgt 121, darunter erlitten einige ernfiere Berlegungen. Die Polizei schätzt die Zahl der Manifestanten auf 5000 bis 6000 Personen. Die Zahl der verwundeten Manife­stanten läßt sich überhaupt nicht abschäßen, da sic aufsuchten. Der in den Geschäften verursachte aus begreiflichen Gründen private Pehandlung Schaden wird auf einige Millionen Frants ge

schätzt. In Warschau.

Warschau, 24. August. In den Vorstädten Protestdemonstrationen in Verbindung mit der Warschaus fanden gestern abends stürmische Sinrichtung Saccos und Vanzettis statt. Ant den Demonstrationen beteiligten sich hauptsächlich sozialistische Arbeiter und Kommunisten. Die Polizei zerstreute die Demonstranten.