Emelpreis 70 Seller.
Telephone: Sages redattion: 26795, 31469. Tachtredattion: 26797.
Poftfcheckamt: 57544
Jaferate werden laut Tarif billigt berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.
7. Jahrgang.
Math. Nach der Beschlagnahme 2. Auflage.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Entchriftlichte Kirche.
Katholikentage da und dort. Bischöfe, Prälaten und ganze Scharen von Geistlichen marschieren auf. Und viel Volf! Denn ein Katholikentag wäre nichts ohne viel Volk. Katholikentage sind ja Kampf und Demonstrationstage der streitbaren Kirche. Sie sollen der Welt zeigen: Seht her, jo start ist die Kirche! Und so start ist, was gleichbedeutend ist, die christlichsoziale Partei.
Viel Volk! Nicht nur Frauen! Auch Männer! Bürger, die in ihren Jugendtagen Los von Rom!" schrien, Bürger natürlich auch, die immer treue Söhne der christlich jozialen Kirche waren. Kleinbürger und gewejene Adelige, devotest von Arrangeuren, Afteuren und Statisten als Grafen und Fürsten begrüßt. Und Arbeiter. Es gibt noch viele Arbeiter, die sich über ihr Erdenleid durch Jenseitsverheißungen hinwegtrösten lassen.
Triumphierend konnte einer der Redner auf dem Teplißer Katholikentage verkünden: „ Christus lebt! Christus siegt! Christus herrscht!" Und es mag schon sein, daß hunderte Heiner Leute, Arbeiter und Arbeiterinnen,
aljo siegt Christus.
Dienstag, 30. August 1927.
Imposante Totenfeier.
400.000 Teilnehmer bei der Einäscherung der Leichen Saccos und Vanzettis.
New York , 29. August. Wie aus Boston gemeldet wird, nahmen 400.000 Personen in vollkommenem Schweigen an einem Umzuge teil, in welchem die Leichen Saccos und Vanzettis zur Einäscherung nach dem Friedhofe ge= bracht wurden. Die Polizei teilte den Zug in zwei Teile, doch gelang es deu Manifestanten, sich wiederum zusammenzuschließen. Nach einigen Minuten war die Polizei vollkommen machtlos. Zwei Personen wurden verhaftet, jedoch wieder entlassen.
Nur etwa 200 Personen gelang es, in den Raum zu gelangen, in welchem die Einäscherung erfolgte. Miß Donovan, ein Mitglied des Ausschusses für die Verteidigung Saccos und Vanzettis, schilderte das Leben der beiden Märtyrer, deren Namen in der Geschichte fortleben werden, und bezeichnete sie als die Opfer der frassesten Plutokratic, die die Welt seit den Zeiten des alten Rome gekannt habe.
Die Leichen wurden hierauf ohne jede religiöse Zeremonic eingeäschert.
.
Bezugs Bedingungen:
Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bast:
..
monatlich
... Ke 16.
.
vierteljährlich
48.
96.
192.
halbjährig yanzjährig.
Rüdedung von Manu stripten erfolgt nur bei E fendung der Retourmarker
Ericheint mit Ausnahme Des Montag täglich( rüh
Nr. 202.
Andreas Scheu
Zürich, 29. August.( Eigenbericht.) Andreas Scheu, der Nestor der internationalen Arbeiterbewegung, der seit dem Kriege in völliger Zurüdgezogenheit in Rapperswill bei Zürich lebte, ist heute früh gestorben. Scheu ist im Jahre 1844 in Wien geboren, wurde also 83 Jahre alt. Er war bis in sein hohes Alter außerordentlich rüftig; vor einigen Tagen erlitt er jedoch durch Herabfallen von einer Treppe einen Unfall, an dessen Folgen er nun nach dreitägiger Bewußt lojigkeit gestorben ist. Er hinterläßt eine Gattin und mehrere Töchter. Die Einäscherung wird. Mittwoch in Zürich stattfinden.
Schen war der letzte der drei Brüder Heinrich, Andreas und Josef Scheu , die in der GeDelegierten fönne der Frieden nicht auf Kanonen schichte der österreichischen Arbeiterbewegung eine und Gewehren beruhen, sondern nur auf dem bedeutende Rolle gespielt haben. Im Jahre 1875 entschlossenen Willen der Völker selbst. Das ging er nach England und wirkte dort gleichfalls deutsche Volk habe diesen Willen und er hoffe,
daß auch das französische Volk von der gleichen am Aufbau der Arbeiterbewegung mit. Entschlossenheit, den Frieden zu bewahren, be- 0000000000000000000000000000cca sei. Auch er betonte, daß die Worte Jou
Die belgische Delegation brachte zu den vorgeschlagenen Resolutionen Abänderungsverwahrte. Diesen Abänderungsanträgen schlof anträge ein, durch die sie sich gegen die Kritik am Abrüstungswerk des Völkerbundes fen sich auch die belgische, die polnische und Konvention als ersten Schritt zur Abrüstung eine tschechoslowakische Delegation an, in Erhöhung der jetzigen Verteidigungsmittel undeutschen Mitglieder- Senator Dr. deren Namen mit Ausnahme ihrer Karas erflärte, die tschechische Delegation könne möglich zu machen. sich nicht ganz dem Text der Resolutionen anschließen, da die in der Resolution zitierten Beſtimmungen der Friedensverträge über die allgemeine Abrüstung an die vorhergehende Gi füllung der anderen Artikel gebunden seien. Die Delegation könne auch der Stritif au dem Verhalten des Wölferbundes in der Abrüstungsfrage nicht voll zustimmen.
von ehrfürchtigem Schauer erfaßt wurden, da ständig unter dem Eindruce des Duells Joubenelg nicht dem Geiſte entsprechen, auf dem die Sollmann, daß neun Jahre nach Beendigung fie des Priesters triumphierende Worte hörten. benel- oebe, welches seine Fortsetzung in Die christlichsoziale Partei ist stärker geworden, den Reden des belgischen Senators Magnette Union beruht. Seinen Ausführungen folgte stür des Krieges die den Völkern gegebenen pazifiund des Vorsitzenden der deutschen Gruppe Prof. mischer Beifall. Die Debatte wurde hierauf abstischen Versprechen noch nicht ver Christus lebt? Christus herrscht? Wo? Dr. Walter Schüding fand." gebrochen und wird gelegentlich fortgesetzt werden. wirklicht wurden. Er verwirft den chemischen, In der Kirche? In der christlichsozialen Par- Der erstere erinnerte an das Schicksal Bel- Am Nachmittag erstattete Dr. Brabec den den Luft- und Unterſeebootkrieg und erklärt, daß tei? Wo ist das Christentum in der Kirde? giens im Striege, den Bruch der Neutralität durch Bericht über den Kampf gegen das Opium und die gewaltige Mehrheit der deutschen Nation vom Wo Christus? Deutschland , die Kriegsgreuel und die Deporta- die schädlichen Betäubungsmittel. An der Debatte pazififtischen Willen durchdrungen ist. Wit großem Beifall wurde seine Erklärung an die Man nenne uns eine christliche Tat der diesen Tatsachen folgert er die Schwierigkeiten, tion belgischer Arbeiter nach Deutschland . Aus beteiligten sich einige Delegierte. belgische Delegation aufgenommen, worin er die Kirche! Ein christliches Wort der Kirchen- die sich dem Friedensgedanken und der Aufhebung Art verwarf, wie Belgien in den Krieg gewor fürsten! Eine christliche Handlung der christ- der Besetzung des Rheinlandes entgegenstellen. Bewegte Abrüstungsdebatte. fen wurde, und der belgischen Delegation für ihre lichjozialen Politiker! In überaus wirkungsvoller Weise trat Professor Paris , 28. August. Den Gegenstand der Mitarbeit am Werke der allgemeinen Annäherung Die Kirche schweigt zu allem Unrecht un- Schücking den Ausführungen Jouvenels entgegen. heutigen Diskussion der Interparlamentarischen dankte. jerer Zeit. Christliche Politiker stimmen in Er verwies auf die vollständige. Entwaffung Konferenz bildete die Abrüstungsfrage. allen Bändern für die Heereskredite und helfen Deutschlands , den Vertrag von Locarno und die Die Grundlage für die Debatte war durch den so neue Kriege vorbereiten. Die Kirche und die täuscht werden dürfen, wenn der Gedanke des schen Abrüstungsplan gegeben, dessen Hauptforde an dieſen geknüpften Soffnungen, die nicht ent- von der Unterkommission ausgearbeiteten technichristlichen Politifer stellen sich allüberall Friedens nicht schweren Schaden erleiden soll. Er schützend vor den Kapitalismus . Sie schweigen verwies darauf, daß das entwaffnete Deutschland rungen darauf abzielen, durch eine allgemeine nicht nur zu seinen Greueln, sondern be- es unbedingt vermeiden will, zum Kriegsschauplatz schönigen und unterstützen sie. Noch wieder zu werden, und daß dem diesbezüglichen Vor holen die Priester die Worte von der Nächsten- behalte schon durch das Genfer Protokoll Rech liebe, aber es sind nur Worte, denen der In- nung getragen wurde. Diesem Gedanken entsprang der mit Rußland abgeschlossene Berliner Vertrag, Nach der Rede des Berichterstatters gab der halt fehlt. Das Herz spricht nicht mit; was von dem alle Staaten anerkannten, daß er sich ungarische Delegierte Werzeviczy der Meinung die Lippen im Gebet oder in der Predigt im Rahmen des Vertrages von Locarno halte. Ausdruck, daß sich die Welt immer mehr von der murmeln, hat nichts mit Gesinnung und nichts Schließlich erklärte Prof. Schücking, daß die Worte Abrüstung entferne. Er erhebt den Vorwurf, daß mit dem Wollen zu tun. Jouvenels, die Besayung des Rheinlandes sei die die Friedensverträge von den Siegerstaaten nicht Millionen haben sich in heiligster sitt beste Sicherheit für die Erhaltung des Friedens respektiert und die Minderheitskonflikte dem Völ licher Empörung über die Schändung des im Osten, schwere Enttäuschung und Bedenken ferbund nicht zur Lösung vorgelegt werden. Rechts aufgebäumt, als Saccos und Vanzettis hervorrufen müssen. Nach Ansicht der deutschen Desgleichen betont der deutsche Delegierte Mordung durch die amerikanische Klaſſen------------- ➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖--==== ➖➖➖➖ṇ= ➖➖➖➖➖➖➖▪▪▪▪▪ justiz bevorstand- die Kirche hat ge- ihren Angehörigen befiehlt seinem Feinde, Schweiz die Kunde über den Kampf der Ka-| Rechtsbewußtseins ist, die um Befreiung schwiegen! Kein Papst hat gesprochen, kein dem Häfcher, dem einer der Apostel ein Ohr tholiken für die Wiedereinführung der Todesringende, um ihr Recht lämpfende Arbeiter Bischof, kein christlicher Politifer! Ja, weit abgehauen hatte, die Wunde wieder heilte? strafe tam. Zur selben Zeit ungefähr brachte flasse, die in der Verletzung des Rechts, wo schlimmer: Zeitungen, die sich christlichsozial Mag sein, daß auch die Führer der Kirche Renaudel im Namen der sozialistischen Fraf überall sie geschiert. Verlegung ihres Rechies nennen, haben die Hinrichtung der beiden recht skeptisch diesen Sagen gegenüberstehen-tion in der französischen Kammer den Antrag sieht. Die Stirche hat sich in ihrer Angst um Märinrer zu rechtfertigen versucht! aber es sind doch Sagen, die sie zu glauben auf Abschaffung der Todesstrafe ein. Nichts ist Erhaltung der Macht mit dem Kapitalismus Als nach dem blutigen 15. Juli in Wien, vorschreiben sie müßten doch wenigstens jo selbstverständlicher, als daß die französischen verbunden. So muß sie Verbündete, Verteidinach dem furchtbaren Wüten der Polizei tun, als würden sie die große Lehre der Nachlerifalen gegen diesen Antrag stimmen wer- gerin des kapitalistischen Unrechts sein. So gegen empörte Menschenmassen, deren Ein- sten- und Feindesliebe ernst nehmen! Aber sie den. Würden sie es nicht tun, dann wären sie müssen Arbeiter und Kirche gegeneinander pörung doch auch einem tiefen sittlichen Emp fönnen es nicht mehr denn wer sich dem sonderbare Silerikale. stehen. finden entsprang, der Entrüstung über den Sapitalismus verbündet hat, in dessen Herzen Zwei Weltanschauungen zwei Welten Noch lebt das Lehrgebäude der Kirche. Freispruch von Mördern, der Bundeskanzler erstirbt die Menschlichkeit, denn sie ist dem Ka- zwei Zeiten! Die Klerikalen, die den Tod Noch lebt das Wort vom Christentum. Noch Seipel zum ersten Male sprach, da war es kein pitalismus fremd. Weil die Kirche zum Ver- fordern die Sozialisten, die das Leben ver- betört es Hunderttausende. Ja, dieses Wort mildes Wort, fein Wort des Verstehens, fein bündeten des Kapitalismus wurde, mußte in teidigen. ist zur Fessel geworden, die gewaltige Scharen Wort des Mitleids, das von seinen Lippen ihr das Christentum sterben. Und die Todesfordernden, die Grausamen, an die entchriftlichte Kirche und damit an den fam. Es war ein Priester der katholischen O ja, sie gebärden sich als Schützer des die Herzlosen, die Gewaltverehrer, sie verkün- Stapitalismus bindet. Gleichzeitig aber ist die Entchristlichung der Kirche Erwederin unzähKirche, der die entsetzlichen Worte sprach: Ver- Lebens, die frommen Herren, dann, wenn den: Christus triumphiert! langen Sie i wita von mir, was nach Milde dies mit den Wünschen der favitalistischen Welt Christus triumphiert? Christus lebt? figer aus gläubigem Vertrauen. Es sind die gegenüber den Opfern oder den Schuldigen übereinstimat. Sie verteidigen zäh und be Christus regiert? Ach nein, die Kirche regiert, Besten. Die Feinfühliasten, die zuerst stuzia aussicht!" Entießliches Priesterwort! Keine harrlich das feimende Leben, sie wehren sich die Kirche Herrscht, aber es ist eine Kirche, die werden, zuerst von der entchriftlichtet Stirche Milde! Keine Barmherzigfeit! Seipel triun- gegen jede Reform des mörderischen Para- mit Christus nichts zu tun hat und die des scheiden. aber Christus? Christus herrscht? graphen 144 aber das ist ein grausamer halb triumphiert, weil sie mit Christus nichts Im Herzen jenes Seipels, der täglich zu ihm. Stampf für das keimende Leben, denn er ist zu tun hat. Christus hat, so verkünden die Evangelien, Tote erivedt- seine Priester. diejenigen, die behaupten, seine Priester zu sein und seine Stellvertreter, lohnen die guten dem liebelosen, dem christusfremden Wesen der Aber aus dem gleichen Grunde wird sie unter derten zuerst der Kirche zuströmten- dic
phierte
Octet?
-
Schüßen, die fast hundert Menschen töteten- und weigern den Opfern sogar die Milde, das Mitleid Was ist in diesen Priestern, was ist in dieser Stirche noch lebendig von den Lehren, om Wollen dessen, der nach der Lehre jener Evangelien, an die zu glauben die Kirche
-
Furchtbar wird es die Kirche zu fühlen befommen, wie wahr das Wort ist, daß man nicht zugleich zweien Herren dienen kann- und wär' es auch nur Gottesdienst mit deia Worte und Kapitalistendienst durch die Tat! Die Armen waren es, die vor Jahrhur
ein Kampf gegen das mirkliche Leben, Sie hat seit Jahrhunderten, so oft fie auch ein Kampf. der tausendfachen Kindermord ver- besiegt schien, immer wieder aus dem gleichen ursacht, Siechtum von Müttern und Kindern Grunde triumphiert, denn fast die ganze Ge- aber ein Kampf, der so recht dem fühlen, schichte der Kirche ist mit Blut geschrieben. Kirche von heute entspricht. liegen. Außerhalb der Kirche, neben der Kirche, Armen find es, die sie verlassen, nachdem sie erim Gegensaße zur Kirche hat sich ein Rechts fannt, daß Religion und Kirche Verschiedenes bewußtsein entwidelt, eine Menschlichkeitsauf- find. Die Kirche hat sich verbündet mit der faffung gebildet. Sie immer größere Maffen in thren Bann zieht. Es ist die Arbeiterklasse, die heute herrschenden Macht, mit dem Stapitalis. Trägerin dieser Menschlichkeitsidee und dieses mus. So wird sie vergehen mit dieser Macht.
In allen Ländern sind es die christlichen Parteien, die sich der Abschaffung der Todesstrafe widerfeßen oder die Wiedereinführung des gesetzlichen Mordes anstreben.
Ein paar Tage sind es her, daß aus der