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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Sonntag, 16. Ditober 1927.

Eine Gesinnungsprobe. artern. Zu der ganzen

Die Bedeutung des 16. Oktober. Heute schreiten die Wähler und Wählerinnen hunderter fleinerer und mittlerer Gemeinden umb zweier Landeshauptstädte der Republik zur Urne. Sie wählen zwar zwischen den verschie densten Kandidatenliſten, aber im wesentlichen stehen doch nur zwei Möglichkeiten zur Ent­scheidung: Ob die Gemeindewahlen gemäß der Lojung des Regierungsbürgertums nur örtliche und wirtschaftliche Bedeutung haben, oder ob ihnen den Parolen der Sozialisten entsprechend gesamtpolitische Bedeutung zufallen soll.

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Nr. 243.

Arbeiter und Arbeiterinnen!

ihrer schwarzen, grünen und gelben Gemeinde-| männer und Wahlhelfer den Schweiß von der Selbstbestimmungsrecht gegen Helotenschicksal wirtſchaft vorzuführen. In der ganzen Welt Stirne trocknen und sagen: Wir haben unseren eintauschen will, wieviel arbeitende Menschen versagen die geistigen Waffen des Bürgertums Teil besorgt. noch so verblendet sind, ihre großkapitalistischen gegen die Sozialdemokratie, aber unser judeten= Die Sozialdemokratie hat im Kampje gegen Todfeinde zu stärfen und wieviel Mütter ver­deutsches Spießbürgertum hat wieder einmal das internationale Ausbeuterregime in der brecherisch genug, ihre Kinder der Kriegsbeſtie bewiesen, daß man im politischen Kampfe auf Tschechoslowakei ihre Pflicht getan. A mauszuliefern. Und wir Sozialdemokraten wer­geistige Waffen auch ganz verzichten kann. Wahltage hat die Bevölkerung den an den Wahlergebnissen ablejen, wo unsere In weltenweitem Abstand von den Niedrig ihre Pflicht zu tun. Das ist der Sinn Aufklärungsarbeit schon ihre Früchte getragen keiten und Plattheiten ihrer Feinde kämpfte die des 16. Oktober für das judetendeutsche Volf: hat und wo das Werk der geistigen und politi­Sozialdemokratie. Ihre ganze Agitation war daß er von den tschechischen Nationalstaatspoli- schen Befreiung der Arbeitsmenschen noch zu durchtränkt von dem Willen, die sozialen und tifern, vom Auslande und von der Geschichte leisten ist. Im Interesse desgede mü­nationalen Schicksalsfragen der Gegenwart aus als eine Gesinnungsprobe gewertet tigten, leidenden und darbenden dem Wust von Kleinlichkeiten und Erbärmlich werden wird. Die Stimmenzahlen, die den Ver- Arbeitervolkes der Tschechoslo­feiten der Tagespolitik herauszuarbeiten und fechtern und den Bekämpfern des Aktivismus. w akei wünschen wir aus tiefst em sie dem Volfe zur Entscheidung vorzulegen. Der den Feinden oder den Bahnbrechen des sozia- Herzen, daß der 16. Oktober ein Die Regierungsparteien waren sich von große Verteidigungsfeldzug für die Selbstver- len Fortschrittes zufallen werden, werden eine glüdlicher Anfang seines neuen Anbeginn ihrer ungünstigen Lage bewußt, in waltung, den wir im Stampfe gegen die Ver- laute Sprache reden. Sie werden aussagen, wie lufstieges und des Niederganges die sie durch ihre über alle Maßen volksfeind- waltungsreform mit einem halb Tausend Volks- groß der Teil der Bevölkerung ist, der das seiner Feinde sei. liche Politik geraten sind. Um sich der befürch- versammlungen einleiteten, fand in der Ge­teten Abrechnung zu entziehen, führten sie bei meindewahlkampagne seinen Höhepunkt. In der Festsetzung des Wahltermins ein widerliches zahllosen Flugblättern und Broschüren, in ber Täuschungsmanöver auf, in der bewußten Ab- Presse und in Versammlungen wurde den ar­ficht, die Oppositionsparteien irrezuführen und beitenden Massen vor Augen geführt, welch kost­ihre Kräfte nicht zur Entfaltung kommen zu bares Kleinod die freie Gemeinde, welch frucht lassen. Der Wahlkampf wurde auf die denkbar barer Boden sozialen und kulturellen Fort­kürzeste Frist zusammengedrängt, und der schritts die demokratische Lokalverwaltung ist. Wahltag schließlich auf einen Sonntag verlegt, Dem bürgerlchen Schacher mit den Volksrechten der seit undentlichen Zeiten als wirklich un- wurde das Jedeal eines freien Ausgleichs von politischer Volksfeiertag gilt. Mit Kirchweih- Volk zu Volk entgegengestellt. Gegen das tapi stimmung wollten sie das Denken umnebeln und talistische Weitrüsten erhoben wir tausendfach das Gewissen der Wählerschaft einschläfern. den Ruf nach Frieden und Völferverständigung. Man muß es den Regierungsparteien lassen, wir unter Beugenschaft von Millionen die Den Räubern des sozialen Fortschrittes riffen daß sie den ganzen staatlichen Machtapparat zu scheinheilige Maste vom Gesicht, stellten sie als ihrer Rettung mobilisiert haben. Sie rechneten Stapitalsknechte und Arbeiterfeinde an damit, daß sich in den vielen Dörfern und Pranger. Auf den übermütigen Frevel der Kleinstädten die politische Umorientierung der Herrschenden antwortete die froßige Anklege Bevölkerung nur langsam vollzieht. Dort hoffen der unterdrüdten Klasse. Laut gellten den tapi­sie vor allem ihre Positionen, so gut und totalistischen Machthabern die Forderungen des schlecht es gehen mag. zu wahren. Dagegen hat flaffenbewußten Proletariats in die Ohren und man die größeren Siedlungen mit Ausnahme verkündeten ihnen die Gewißheit, daß eher die von Prag und Preßburg , von der Wahlentschei- ganze Ausbeuterwelt zum Teufel gehen wird, dung ausgeschaltet, damit nicht das raschere bevor das Volk der Arbeit ein Jota joiner An­politische Denken der städtisch industriellen Besprüche auf Freiheit, Brot und Menschenwürde völkerung in den Ergebnissen zum Ausdrud preisgibt. Bis in Angestellten- und Beamten­fomme. Es ist also von dieser Seite nichts un versucht geblieben, um den Sinn des Wahl­kampfes zu verfälschen und eine klare Wider spiegelung des Volkswillens in den Resultaten zu verhindern.

familie hinein und hinaus in das entlegen ste Land- oder Gebirgsdorf wurde das entscheidende Ringen unseres Jahrhunderts zwischen sozia­liftischer und bürgerlicher Weltanschauung ge­

tragen.

Zur Stunde, da diese Zeilen die meisten von Euch erreichen, liegt ein großer Teil des entscheidenden Stampstages schon hinter Euch. Wir brauchen Euch nicht zu sagen, daß es gilt, bis zum leßten Augenblid, der uns noch eine Stimme, noch einen Wittämpfer bringen lann, alle Kräfte einzufchen für den Sieg unserer Sache. Ihr habt mit Hingebung und in alter Treue zur Partei einen wochen langen Kampf gegen politische Gegner geführt, denen lein Mittel zu schlecht ist, um aus Ziel zu gelangen. Aber der Kampf hat die Partei, hat Euch alle, die Ihr unter ihrem Banner agitiert und kämpft, nach Jahren zum erstenmai wieder im Angriff gesehen. Was diesem Wahlkampf fein Gepräge gab, war der ewigjunge, zündende Offensivgeist der Sozialdemokratic.

Im Jahre 1923 hatten wir uns, durch die Spaltung schwer getroffen, von der nach der siegreichen europäischen Konterrevolution übermütigen Bourgeoisie aufs schwerste bedrängt, unserer Haut zu wehren. Man haite uns totgefagt und ging in einer ganzen Reihe europäi scher Länder eben damals daran, die Soz aldemokratic, die nicht gutwillig sterben wollte, mit Revolver und Maschinengewehren auszurotten. Wenige Wochen vor dem Hitlerputsch, noch vor den österreichischen Oktoberwahlen, die der allgemeinen Realtion den ersten Damm entgegen­den Wählern bere ten Bourgeoisie zu mejjent.

fetten, hatten wir zum Kampje anzutreten und uns mit einer gehäffigen, zu jedem Betrug an

Im Herbste 1925 gelang es dem Bürgertum noch einmal, mit der Parole der ,, natio­nalen Einheitsfront" große Massen von haibproletarischen und profetarischen Wählern zu födern. Der von den Kommunisien entfesselte Bruderkampf im proletarischen Leger hatte uns die Kraft zum großen Angriff gehemmt, die innerpolitische Entwicklung noch nicht die Voraus jeßung zur erfolgreichen Auseinandersehung mit dem Bürgertum geschaffen.

Anders find wir in diesen Kampf gezogen. Strasser, als wir es je vorausgefagt, ist die verräterische Rolle der Bürgerparteien in Gricheinung getreten. Als Feinde des arbeiten den Bolles und der Konsumenten haben sie zunächst jene Zoll- und Steuergeseße ge­schaffen, die den Arbeiter, Festbefoldelen, den kleinen Handwerfer und Rieinbauern in tieffles Elend stürzen, seine Lebenshaltung aufs äußerste drücken, den Großbauern und Agrarkapita­listen aber Milliarden in die Taschen bringen mußten.

Der bedingungslose Eintritt der deutschen Besitbürgerparteien in die Reierung bewies dem Wolke, daß es den Afvsten ucht um die Rechte der deutschen Minderheit, son­dern cinzia und allein um ihre Klaffenintereifen ging. Sie belasteten das Wolf mit den unge­heuren Ristungsausgaben, ohne ein ugeständnis dafür heimzubringen. Sie bewilligten die 18 monatige Dienstzeit, um de Söhne der Großbauern das Privileg der zwei­monatigen Erfahreserve herauszuschlagen. Sic vernichteten durch die Berwalin ng sa reform und das Gemeindefinanzgefeß die Selbstverwaltung der Gemeinden und Bezirke, um den Arbeitern ein für allema! die Gelegenhe's zu sozialreformatorischer Tätigkeit auf dem Boden der autonomen Gemeinwesen zu verschlechtern und luden den Arbeitern unge­heure Steuerlasten auf.

Gegen dieses Schandregiment zu fämpfen, war uns allen feit langem sehnlichster Wunsch. Wir konnten den Bürgerblock nicht zu allgemeinen Wahlen zwingen, feige verfriecht er sich hinter Verfassungsparagrafen, um der Auseinanderseßung mit den Wählern auszuweichen. Ihr alle aber tennt die großze historische Bedeutung des Vorpostengefechts, das wir heute schlagen. Ihr wißt, daß den Erfolgen dieses Mampjes, größere, bedeutendere folgen werden, aber ihr wißt auch, daß diese um so cher unser sein werden, je stärker wir heute den Würgerblock auss Haupt schlagen.

Nieder mit dem Bürgerblock!

Es lebe die in der Sozialdemokratie verwirklichte Ein­heitsfront des Proletariats!

Der Zag muk unser sein!

Im Wahlkampfe selbst haben die Regie- Zehntausende Sozialdemokraten und So­rungsparteien und vor allem die deutichen zialdemokratinnen haben in diesem Wahlkampje Kramarparteien politische Auseinanderiebungen ihre Aufgabe als Preisfechter gegen die Real­ängstlich gemieden. Sie, die sich bei ihrer Nar- tion begriffen, haben durch Wochen die freien renpolitik prahlerisch auf die Zustimmung der Stunden des Abends, die Rost des Sonntags, Volksmehrheit berufen, sind der Berührung mit den Schlaf der Nächte aeopfert, alles zu dem den Massen dieses Volkes in weitem Bogen Zwecke, durch unermüdliche Aufklärung die ausgewichen. In fleinen Besprechungen und Nackel der Menschheitsbefreiung wieder ein Paragraph 2- Versammlungen verfrochen sich die Stück in die finsteren Kerferzellen des Kapita­aktivistischen Helden vor der eigenen Wähler- lismus vorwärts zutragen. Das geschah guien schaft, die Herrschaften hielten in manchen Wutes und in der Ueberzeugung, daß, so wie Gegenden jogar an Werktagen nachmittags ihre überall, auch bei uns die Zeit zu neuem Vor­ Wählerversammlungen" ab, als ob sie wie marich der Arbeiterklasse angebrochen ist. Wer jeinerzeit die Sozialisten von Gendarmerie aber meint, daß wir alle Soffnungen in den und Polizei verfolat würden. Alles Zeichen der Ausfall der heutigen Teilwahlen, in die Ge­unüberwindlichen Abneigung dieser verstockten meindeſtuben gejekt hätten, der kennt uns Sünder vor einer offenen Rechenschaftslegung schlecht. Die Geschichte der proletarischen Be­gegenüber der gesamten Wählerschaft. wegung lehrt, daß Wahlkämpfe, gehe es um den Auch sonst war nicht der leisefte Versuch der Einfluß in Staat oder Gemeinde, nur Etapven Regierungsparteien wahrzunehmen, sich mit in der historischen Auseinanderießung zwischen den Gegnern ihrer Politik sachlich und grund- Kopitol und Arbeit find. Soweit mon die Ver­sätzlich auseinanderzusehen. Die sozialdemokra hältnie überblicken kann, ist die Zeit für einen, tischen Wahlplafate, die von unangenehmen( sozialistischen Durchbruchssica gegen die reef­Dingen, wie Hungerzöllen, Prügelpatent und Itionäre Front noch nicht reif. Dazu ist die Soldatenratswahlen in Desterreich Chriftlichsozialen vielfach, obwohl sie viel weni­ger Stimmen haben als der freigewerkschaftliche Volfsverrat erzäften, ließen sie einfach in aerregieruna noch nicht fonae genug am Ruder. Militärverband, troßdem mehr Mandate Bausch und Bogen fonfiszteren. In der Presse daß vor allem die ungeschulten und unpolitisch bekommen konnten als dieser. So hat in Wien suchten sie einträchtig das Niveau der Sozia- denfenden Massen ihr volksverderberisches Zun Wien, 15. Oktober .( Eigenbericht.) Heute der freigewertschaftliche Militärverband 3197 listenheze in den Neunzigerjahren zu unter- voll durchschaut hätten. Und die Grenzschichten haben in ganz Desterreich die Wahlen der Sol- Stimmen und 39 Mandate erhalten, der christ bieten. Eine unwahre Strankentassengeschichte der Wählerschaft, die jeder politischen Sonjunt Seeresministerium hat schon seit Monaten alle men 46 Mandate, also gerade doppelt ss= Datenvertrauensmänner stattgefunden. Das lichsoziale Wehrbund aber bei nur 1868 Stim machte troß zehnmaliger Widerlegung durch alle tur folgen, und die von dem Versagen des Mittel des Terrors und der Korruption spielen viel, als er nach dem Stimmenver. chriftlichsozialen, hafenfreuzferischen, landbünd Aktivismus ichmerzlich enttäuscht wurden, ver- lassen und namentlich auch durch Transferie- hältnis erhalten sollte! Hier hat der lerischen und deutschdemokratischen Blätter die harren vielfach noch in Aswartestellung, um zu- rung der Soldaten von einer Kompagnie zur an Militärverband seit dem Vorjahre 200 Stint Runde, in Ermangelung eines wirklichen Volks- erst den Ausgang des Experiments zu sehen deren eine unverschämte Wahlgeometrie betrie- men verloren, der Wehrbund 700 gewonnen. verrates der deutschen Sozialdemokratie wurde und dann neuen politischen Anschluß zu suchen. ben. Troydem ist die Zahl der Stimmen des Auch im übrigen Desterreich hat die Wahl­die in Prag erfolgte Liſtenkoppelung mit den Ein grundlegender Gesinnungswandel läßt sich freigewerkschaftlichen Militärverbandes gegen geometrie des Herrn Vaugoin, der die Wehr­tschechischen Sozialdemokraten zum Verbrechen durch intensive Agitation wohl beschleunigen, über dem Vorjahr zwar etwas zurückgegangen, bündler in ganz schwache, die Militärverbändler an der deutschen Nation umgedichtet, gegen die fedoch nicht befehlen. An unserem heißen Be- aber durchaus nicht in dem Ausmaß, wie dagegen in überfüllte Unterabteilungen zusam es die Gegner erwartet hatten. Wohl menzog, die ohne Rücksicht auf die Stärke je sint rote Gemeindewirtschaft" ergingen sich die mühen, das Rad der Zeit wieder vorwärts zu aber zeigt sich in der Verteilung der Mandate. Vertrauensmann zu wählen hatten, gut abge­Gegner in unbestimmten Anschuldigungen und lenken. hat es nicht gefehlt. Wenn heute der wie unerhört die Wahlgeometrie des Herrn Bauschnitten. So erhielten in Graz 1115 Militär­allgemeinen Behauptungen, ohne daß es ihnen letzte Stimmzettel in die Urne gefallen ist, goin iſt. Der chriftlichsoziale Wahlſchwindel verbändler 14 Mandate. 677 Chriftichsoziale da­eingefallen wäre, den Wählern Musterstücke können sich die sozialdemokratischen Vertrauens- wird dadurch am besten charakterisiert, daß die gegen nicht weniger als 15 Mandate.

Schamlose Wahlgeometrie Vaugoins.