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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Parlamentsbeginn.

Dienstag, 25. Dltober 1927.

Wie nationalsozialistische Wahlsiege erfunden werden.

Zum Bericht des Zag" über den Wahlfieg der Nationalsozialisten im Ausfiger Bezirk.

Also bei der Gemeindewahl im Jahre 1927 um 809 Stimmen, d. i. um 12.97 Prozent weniger als 1925.

Die Siegesnachrichten der deutschen National­Mit Ausnahme von Calesel, wo die Wahl sozialisten stellen sich also überall tein flares Bild gibt, wurde in Auffig in 36 Ge- plumper Schwindet heraus. Zu bedauern meinden gewählt. Nur diese 36 Gemeinden können find nur jene Dümmsten von den Dummen, die also eine Grundlage zu der Gegenüberstellung das Hakenkreuzlerblatt lefen und den unrichtigen der Wahlziffern bilden. Im Jahre 1923 fandi Berichten Glauben schenken.

Der Rechnungsabschluß für 1926. Die Ausgaben um 1.2, die Einnahmen um 3.4

Milliarden überschritten.

Milliarden. Tas Gesamtresultat der Staatswirt fchaft für 1926 ist also um 2.2 Millarden gün­stiger als erwartet wurde.

Prag , 24. Oftober. Morgen wird dem Par- Wahlen in die Ortsvertretung in Prag . In fament gleichzeitig mit dem Voranschlag für 1928 Prag fanden am Sonntag Wahlen in die Orts bereits der Rechnungsabschluß für das Jahr 1926 vertretung ſtatt, das Wahlreſultat iſt folgendes: vorgelegt werden, der nach den Informationen der Zu der Slammer die Mandate im Jahre 1925): Lid. Nov." sehr günstig ist. Die Ausgaben Nationalsozialisten 88( 90), Stommunisten 62( 73), find zwar gegenüber dem Voranschlag um 1.2 Nationaldemokraten 61( 74), Sozialdemokraten Milliarden auf 11.1 Milliarden gestiegen, doch 44( 28), Gewerbepartei 19( 21), Stlerifale 17( 16), ergaben sich statt der präliminierten Einnahmen Deutsch demokraten E, Deutschnationale 1( 1923: von 10.1 Milliarden tatsächlich Einnahmen in der 9 deutschbürgerliche Wandate), Sausherren 3, Söhe von 13.5 Milliarden, also ein Plus gegen Juden 4( 5), tschechische Agrarier 4, Arbeits­über dem Voranschlag um nicht weniger als 3.4 partei 5.

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Nr. 250.

G. B. Shaw und der Fascismus.

Von G. E. Modigliani .

Englands bedeutendster lebender Dichter G. Bernard Shaw ist seit Jahrzehnten in der so­ zialistischen Fabier- Gesellschaft tätig, hat sich immer als Sozialist und als Parteigänger der Labour Party bekannt. War man von dem Dichter Shaw starke Widersprüche und Eigenheiten gewohnt, so glaubte man doch in dem Menschen Shaw einen fompromiß­losen Sumanisten und Sozialisten zu sehen.

Vor einem Jahre etwa überraschte aber Shaw Freund und Feind durch einen poli­tischen Artikel, in dem er zum Fascismus Stel Inng nahm und diesen wie auch die Person Mussolinis gegen die Angriffe zunächst der englisch - liberalen Presse in Schutz nahm. Ge­nosse Frizz Adler antwortete Shaw in einem offenen Brief, auf den Shaw nach ge­raumer Zeit eine Rückantwort erfolgen ließ, die aber sein Abirren von sozialistischer Denk­art noch deutlicher als der erste Brief erkennen ließ. Wieder antwortete Fris Adler und auch eine Reihe von sozialistischen Sozialisten ers griffen das Wort zur Polemik gegen Shaw. Von den vielen Antworten an Shaw bringen wir heute die des bekannten italienischen Ge­nossen Modigliani zum Abdruck, der zu­nächst einige Fälschungen der fascistischen Bresse anprangert, dann gegen Shaw selbst pole­misiert.

Vorausgefchidt muß werden, daß Shaws Argumente im wesentlichen folgende sind: Der Fascismus ist eine vollzogene Tatsache, gegen die man mit Schimpfen und Diskutieren nicht aufkommt; daß der Fascismus mit Mor den arbeitet und durch Terror zur Wacht ge­langte, hat er mit jeder revolutionären Be wegung gemein, vor allem auch mit dem Bolsche­wismus. Die italienischen Sozialisten hätten genau so wie Mussolini die Macht ergreife können, es fehlte ihnen aber die Fagigten zu regieren. Ein Diktator, der regieren tann, ist besser als Sozialisten, die es nicht können. Der Fascismus ist eine revolutionäre, antitapi talistische Bewegung, wie sein Borgeyen gegen die Lireralen beweist. Mussolini ist ebenso wie Napoleon eine außergewöhnliche, revolutionäre Persönlichkeit.-

Heute tritt das Parlament zu seiner ersten Sigung zusammen und die Herbstjejsion, in der die herrschende Reaktion den zweiten Teil ihver volksfeindlichen Pläne verwirklichen will, nimmt ihren Anfang. Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen. In einer wesentlich anderen Stimmung, als er Wir haben in unserer Sonntagsnummer| dierten die Nationalsozialisten nur in 10 von den sie im Juli nach beendetem Beutezug entlassen, den Bericht des Tag" über die national 36 Gemeinden und erhielten in diesen 10 Ge versammelt der Bandenführer Švehla seine Ge- sozialistischen Wahlfiege" etwas unter die Lupe meinden 5129 Stimmen und 42 Mandate. Bei treuen um sich. Ein Jahr ist es her, seitdem genommen und den Nachweis erbracht, daß der der jetzigen Wahl kandidierten die National­der im Juni des Vorjahres gebildete Bürger- Tag", anstatt der richtigen Stimmen und Man- sozialisten in 16 Gemeinden und erhielten 5425 block seine Perfektionierung durch die Konsti- datszahlen, lächerliche Hausnummern angibt. Was Stimmen und 57 Mandate. Trotzdem sie also bei turierung der Bürgerregierung gefunden hat, für die Bezirke Falfenau, Graslip, Gablonz , Rei den diesjährigen Gemeindewahlen in 6 Gemein­aber wie rasch ist er alt, frank und siech ge den Bezirk Auffig zu. Der Tag" meldet einen beträgt der Zuwachs lediglich 296 Stimmen und chenberg, Friedland usw. zutrifft, trifft auch für den mehr als 1923 eigene Kandidaten aufstellten, worden! Ein Jahr ist es her, da Švehla die Sieg der Nationalsozialisten im Bezirk Aussig und 15 Mandate. Wird die Wahlzahl vom Jahre in die Regierung eintretenden Herren Spina weiß zu berichten, daß die nationalsozialistische 1925 zum Vergleich herangezogen, dann ver­und Mayr- Harting frozzelte, sie würden dort Partei bei den Gemeindewahlen im Auffiger Beschwindet nicht nur der Zuwachs, sondern es er­als Gleiche unter Gleichen" behandelt werden, sirf nicht weniger als rund 2000 Stimmen und gibt sich, daß die deutschen Nationalsozialisten m und die so vom Großmeister der Bauerulistig 40 Mandate gewonnen hat; und zwar werden die den 16 Gemeinden, in denen sie am 16. Oktober feit Angeworbenen und Erhöhten reisten unter Wahlziffern für das Jahr 1923 mit 6795 Sim. J. 5425 Stimmen erhielten, bei der Parla­Zulauf der Gedankenlosen und Ahnungslosen men und 56 Mandate, im Jahre 1927 mit 8586 mentswahl vor zwei Jahren, 6234 Stimmen auf von Versammlung zu Versammlung, um be- nicht allein die Oeffentlichkeit, sondern auch die Stimmen und 96 Mandate angegeben. Damit ihre Kandidaten vereinigen konnten. wundern zu lassen, wie prächtig auf ihren Leser des Tag" die richtigen Ziffern erfahren, deutschen Heldenleibern die Ministerfräde sißen. haben wir die genauen Zahlen festgestellt und Im In- und Ausland gab es damals noch fönnen nun das Ergebnis dieser Feststellung nach­Leute, die wirklich glaubten, der deutschbürger- stehend mitteilen: liche Aftivismus habe den Stein der Weisen gefunden, als er sich, ohne Sicherungen, ohne Rettungsring in das Meer der Švehlajchen Gnade stürzte, um das gelobte Land der natio­nalen Gleichberechtigung zu erschwimmen, und die Gutgläubigen raunten einander allerlei Märchen von Kongeisionen an die Deutschen zu, die im Geheimen entweder schon gewährt oder auf dem Wege der Erfüllung wären. Ston­zeffionen tamen, aber die waren solcher Art, daß sich ihrer der deutsche Aktivismus in tiefster Seele zu schämen hatte, denn sie bestanden in Trinkgeldern persönlicher Art, in Reſtgütern und Kohleneinfuhrscheinen. Dafür mußie die deutsche Bevölkerung mit schweren Opfern und mit einer weiteren Verschlechterung ihres na­tionalen Rechtszustandes bezahlen. Nach einem Jahr der deutschaftivistischen Mitregierung haben die nationalen Minderheiten nicht ein einziges Rechtstitelchen gewonnen, dagegen ist durch die Verwaltungsreform, das Gemeinde­finanzgesetz und das Zertifikatistengeset der Grad ihrer Hörigkeit erhöht worden. Der ar trösten sich jetzt damit, es sei nicht gar jo arz nicht abgehen und die politische Entscheidung beitenden Bevölkerung die Lebensmittelzölle gewesen und der Oeffentlichkeit suchen sie vor der Wähler nicht zur Stenntnis nehmen. Es ist und vermehrte politsche Entrechtung, den Be- zuschwindeln, daß es eigentlich ein großer Sieg den Regierungsparteien natürlich alles zuzu­sißenden reiche Steuergeschenke, den Bankkapisiche die österreichischen Generalstabsberichte trauen, auch das, daß sie in der Wählerschaft talisten Millionenpräsente, dem militaristischen aus der Zeit des Weltkrieges!- gewesen sei. effektiv in die Minderheit geraten, als eine Dil­Rüstungswak- n ungeheuere Dotierungen die Auch seien es nur Gemeindewahlen und nicht tatur der Minderheit der Mehrheit weitere Bilanz des deutschbürgerlichen Aktivismus ist Parlamentswahlen gewesen, zudem hätten doch antifoziale Gesetze aufzwingen werden. Aber so wahrhaft erschütternd. In nationaler Beziehung nur fünfzig Prozent der Gemeinden gewählt. leicht ist es ihnen trotz alles Bramarbasierens war ihm nie eine Aufgabe zugewiesen und er Man kann den Bürgerlichen gönnen, daß sie und Austrumpfens, in dem sie sich gefallen, doch war sie zu erfüllen bestrebt: nach außenhin die die häßliche Wahrheit aufschminken, die ihnen nicht gemacht, wie es ohne den Ausfall der Ge­Der Brief von Bernard Shaw an Friedrich Rechtfertigung für den Bestand und die Ver- erteilten Prügel friegen sie doch nicht weg. In meindewahlen gewesen wäre. Wie schen jetzt Adler mußte naturgemäß das lebhaftefte Wohl schärfung der Herrschaft der tschechischnationalen dem Votum der Geineindewähler ein minber Nachrichten besagen, die aus der Geheimkammer gefallen Mussolinis erregen. Und doch war auch Bourgeoisie zu liefern. wertigeres Urteil zu erbliden, ist ebenfalls ein der Stoalition durchsidern, geht es nicht mehr diese Verherrlichung des Fascismus für das Re­Dennoch war der Bürgerblock frohgemut, billiger Trost. Und was den Umstand betrifft, so glatt wie früher, denn jene Parteien, die gime des fascistischen Napoleon" noch zu ge denn er hielt seinen Bestand in der politischen daß nicht alle, sondern nur 50 Prozent der den Zorn der Wähler zu verspüren bekamen, fährlich. Der Brief wurde in der ita­Schwerfälligkeit der Wählerschaft für fest ver Gemeinden gewählt haben, so lag doch darin fürchten die Generalabrechnung. lienischen Bresse gefälscht. Die gewöhnliche Fälschung, daß man weg­antert. Im tschechischklerifalen Lager begehrten die Absicht der Bürgerregierung, das Urteil der die einmal kommen wird. Die Wahlen läßt, was unbequem ist, wird niemanden bei den die Arbeiter wegen des kapitalistischen und an Wähler zu keinem allgemeinen zu machen. Jetzt haben bewiesen, daß die Wählerschaft nicht die Faſciſten überraschen. Und so haben sie die sozialen Charakters der Bürgerblockpolitik auf, aus diesem Verschleierungsverjuch die Behaup- stumpfsinnige Masse ist, für die sie von den Prophezeiung, daß Wussolini einige der roheren bei den Landbündlern gab es die Revolte San- tung abzuleiten, es sei dies Tein endgültiges bürgerlichen Parteien gehalten wurde, sondern ascisten wegen lebereifers wird reich- Mayer, und die magyarische Nationalpar Votum gewesen, ist plump und dumm. Gibt es daß sie immer reifer und mündiger wird und hängen lassen müssen, bevor wieder voll­tei verließ empört und ernüchtert die Koalition Senn jemanden, der glauben fönnte, ausgerech auch zu strafen versteht. Das Parla- ständige Ordnung in Italien herrscht", furzweg aber die Mehrheit stand, wenn sie auch nur 15 net in jenen Geminden, die nach dem Willen ment fritt in einer wesentlich anderen Min: p- in der italienischen Bresse unterschlagen. Aber außer dieser Zensurierung mußten dem Stimmen betzua und sie fonnte schließlich noch der Bürgerregierung nicht wählen durften, wäre sphäre zusammen, als es die reaktionäre Stick Brief, um ihn für italienische Zwecke verwend­immer auf die Mehrheit der Wähler hinweisen, die Wahl für die Regierungsparteien günstiger luft war, die noch im Juli dieses Jahres bar zu machen, Gedanfen eingefügt deren Aufträge sie erfülle. Da fiel ein Steif in ausgefallen? Alles Drehen und Wenden,- herrschte, als insbesondere die deutschen Regie- werden, die Shaw in feiner 93eise ausgesprochen der Frühlingsnacht und versengte die aktivi- gen, Beschönigen und Vertuschen hilft nichts. rungsparteien nach der Devise Uns kann nix oder auch nur angedeutet hat, ja die direkt seiner stisch- kapitalistischen Fluren. Daß die Wähler die Wahlen haben bewiesen, daß bei allgemeinen a'icheh'n", Sünde auf Sünde häuften. Wohl ist These widersprechen. Meinung des Herrn Shaw über die Ermordung bei den Gemeindewahlen ein so scharfes poli- politischen Wahlen die Mehrheit der Wähler noch die alte Regierung und Parlamentsiner Matteottis. Seine Meinung über den Fall ves tisches Verdammungsurteil gegen den Bürger- gegen diese Regierung entscheiden würde. Schon heit am Ruder, aber sie hat ihre Selbstsicherheit Herzogs von Enghien , sein Steptizismus über block sprechen würden, darauf war man irov jetzt wurde der Parlamentsmehrheit moralisch verloren und Nervosität dafür eingetauscht. An die Ausschaltung der Gewalt in den Stämpfen des Unbehagens, das man vor den Wahlen und faktisch der Boden unter den Füßen weg die Wand des Parlamentssaales zwischen Regierung und Anarchie(?!) führen hat der Wählerin Flammenschrift Shaw dazu, in seinem Brief an Adler zu er­empfand, nicht gefaßt. Man glaubte, die Wäh- gezogen. Herr, es will Abend werden! ler würden im großen und ganzen schön brav Troßdem scheinen die Regierungsparicien geschrieben: Mene Tekel Uphar flären, daß es feinen Grund gebe, ganz beson­gegen die fascistischen Gewalttaten und konservativ wählen, denn die bürgerlichen entſchloſſen zu sein, dort forizujeßen, wo sie im in!" Auch wenn die deutschen Regierungspartieren. Und hier verwendet der Brief" Prote Kandidaten waren ja nicht die unmittelbar Juli ihre Tätigkeit unterbrochen haben. Die teien nicht chaldäiſch verstehen wollten, bei dori- der italienischen Uebersetzung Schuldigen an der tschechisch- deutschen Koali- Sozialversicherung, so erklären sie, wiro doch ebung ihrer Verbrechen werden die Wähler es ſtüßung dieser Schlußfolgerungen sozusagen ein tionspolitik. Klar und deutlich aber besagte das novelliert, die Brüderladenversicherung doch ver- ihnen auch auf gut deutsch zu verstehen Argument ad hominem. Wahlergebnis: Weg mit diesem volksschädigen schlechtert werden. Auch von ihren Plänen auf geben, daß sie gezählt, gewogen wurden " Folglich," so lautet der italienische Text, int den Bürgerblock! Die aufs Haupt Geschlagenen die Vernichtung des Mieterschußes wollen sie und gerichtet zu werden reif sind. Corriere della Sera vom 12. Oktober ,,, ist es un­

Alle diese Behauptungen sind zum Teil von Fritz Adler schon widerlegt und gebüh rend beleuchtet worden, zum Teil tritt ihnen im folgenden Modigliani entgegen. Daß der Fascismus revolutionär und antikapitalistisch fci, fann wohl nur jemand behaupten, der ab­sichtlich oder aus altersschwacher Stritif losigkeit über die Tatsache hinwegsieht, daß die wirtschaftlichen Hauptleistungen des Fascismus Beseitigung des Acht­stundentages und der Koalitions freiheit der Arbeiter und die zweimal zwangsweise durchgeführte Reduzierung der Löhne um jedesmal zehn Prozent sind. Modigliani schreibt:

-

nach

zur Unter­