Ginzelpreis 20

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8. Jahrgang.

p r Hybernse

ziüldemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Der unglückselige Panzer­freuzer.

Parteiausschuß und Reichstagsfraktion der sozialdemokratischen Partei Deutschlands haben in ihrem jamstägigen Beschluß mit gro­Ber Mehrheit ihr Bedauern über die Hal­hung der sozialdemokratischen Minister in der Panzerfreuzer- Frage ausgesprochen, ja sie so­gar durch erklärte Zustimmung zum früheren Beschluß des Partei- und des Fraktionsvor standes in aller Deffentlichkeit getadelt. Da die Minderheit, die gegen die Entschlie­kung stimmte, zweifellos fast durchwegs ihre Zustimmung deswegen versagte, weil ihr die Entschließung zu wenig radikal war, jo fann gesagt werden, daß die gesamte sozial demokratische Partei Deutschlands , daß die fozialdemokratische Arbeiterschaft Deutschlands in ihrer Gesamtheit die Haltung der vier so­zialdemokratischen Ministerpersönlichkeiten verurteilt, mit dem Panzerkreuzer W und mit Panzerfreuzern in aller Ewigkeit nichts zu tun haben will. Ein solches einmütiges, wenn in feiner Gesamtheit auch nur auf ein einzelnes Faktum der Vergangenheit gerichtetes Votum einer ganzen Partei gegen ihre Minister be­weist, gerade weil es ein in der politischen Ge­schichte unerhörtes Kuriojum darstellt, die ab­folute Pvinzipienfestigkeit, den absoluten Ab­rüstungs- und Friedenswillen, den absoluten antimilitaristischen Geist der Sozialdemokratie Deutschlands in der schlagendsten und erfreu lichsten Weise.

Dienstag, 21. August 1928.

Note Festtage in Karlsbad .

35.000 Zeilnehmer am Kreisarbeitertag der deutschen Sozialdemokratie.

Samstag und Sonntag stand die Kurstadt Karlsbad , wo augenblicklich viele Tausende Fremde aus aller Herren Länder sich aufhalten, im Zeichen des reisarbeitertages, den die Kalsbader sozialdemokratische Kreisorganisation gemeinsam mit den Turnern veran staltete. Nach vorsichtigster Schätzung 18.000 Menschen im Festzug, fast doppelt so viel auf dem Festplaß! Diese Zahlen sprechen ganz allein für die beherrschende Stellung, die die So zialdemokratic in Westböhnen einnimmt, und für die Wucht der Demonstration, die gleichzeitig cine glänzend gelungene Generalprobe für den Reichsarbeitertag 1929 in Karlsbad darstellt.

Ueber den Verlauf dieser Riesenkundgebung erhalten wir folgenden Bericht:

Schon Samstag früh kamen die ersten Toller Der Tag des Proletariats" Autos aus Schmiedeberg, Weipert und anderen erklang in die Nacht, aufwühlend und begeisternd. Orten angefahren, dann während des ganzen Dann folgten gymnastische Uebungen der Tur­Tages in bunter Reihenfolge Wandergruppen ner, Vollstänze und Bilder aus dem Turner­on überallher. Nachmittags und abends trafen leben. Das Programm mußte infolge der vorge der weiteren Umgebung ein. Abends zog unter wurde schließlich in später Nachtstunde mit einem die ersten großen Gruppen und Sonderzüge aus schrittenen Zeit eine Einschränkung erfahren; es

Musikbegleitung

ein Fadelzug,

Feuerwert geschlossen.

Am Sonntag famen schon am frühen Mor gen die langen Züge aus der Umgebung herein marschiert; Sonderzüge aus Grasliz, Neudet und Eger folgten. In vielen, vielen Waggons waren Parteigenossen bis aus der Gegend von omo­tau und Görka u; auch aus dem Böhmer­walde kamen Gruppen und selbst die tschechischen Arbeiterturner aus Pilsen hatten eine Dele­

an dem bereits tausende Menschen, darunter sehr viele Turner und Jugendliche teilnahmen, durch die Hauptstraßen der Stadt und der an­grenzenden Orte Fischer und Meierhöfen, um dann schließlich auf dem Festplatz zu münden. Besonders herzlich gestaltete sich die Begrüßung des Zuges in dem roten Meierhöfen. Es gab dort nur wenige Häuser, die kein Reisiggewinde gation entfendet. Zu einem Erlebnis von tiefster, nachhaltig­trugen oder nicht mit Fahnen geschmüdt waren. unzählige Fenster waren mit Serzen hell erster Wirkung gestaltete fich Parteiabzeichen und das Turnerwappen. leuchtet, andere zeigten in Transparenten das

der imposante Feftzug.

Auf dem Festplatze selbst wurde zum ersten Schon der Aufmarsch zu dem Festzug bedeutete Male im Freien ein großer Festabend veranstal ein Ereignis. Die ganze untere Stadt mit allen tet. Eröffnet wurde er durch einen Chor der ihren Straßen stand im Banne des bunt beweg­Arbeiterfänger von Fischern, und zwar Utmanns ten Lebens, das schon von zwölf Uhr aut alle Nacht; anber". Dann ergriff der Kreisver- Straßen und Pläße erfüllte. Immer mehr Stin­trauensmannstellvertreter

Und drum ist mit dieser Entschließung auch alles Gefläff der bürgerlichen und fom­munistischen Gegner in Deutschland wie bei uns und anderväris abgetan, die sich nach Kräften bemühen, den Fehler der vier sozial­demokratischen Minister in eine Gesinnungs das Wort zu einer Begrüßungsansprache. schwäche der Sozialdemokratie überhaupt ni zufügen.

Gleichfalls uns zur Freude und den Geg­nern zu Leide hat die deutsche Partei ihren Beschluß in jener musterhaften Disziplin und Würde gefaßt, die der sinnfälligste Beweis für die unerschütterliche äußere Macht und innere Kraft der reichsdeutschen Sozialdemokratie ist. Mögen auch die sächsischen Genossen und die anderen Ueberstimmten ganz natürlich nun auch weiterhin für ihre radikalere Anschauung und Taktik werben die schwerste, inner­parteiliche Serije scheint mit diesem Beschluß überwunden zu sein- die Geschlossenheit der Partei in den grundsätzlichen Fragen ist damit neuerdings zum Ausdruck gebracht.

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Wo ist die Bürgerpartei, die sich jemals

Genosse Deitler- Eger

der und Jugendliche, Turner und Sportler, Männer und Frauen famen herbei; die für die Aufstellung bestimmten Straßen erwiesen sich bald als zu klein.

Er verwies darauf, daß dieses Fest das erste Um halb 2 1hr setzte sich die Spitze des große Kreisfest ist, das Partei und Turner, geför- Zuges, die von Arbeiterradfahrern gebildet dert von den Gewerkschaften und den übrigen wurde, in Bewegung. Lange vorher schon säumte Seulturorganisationen der Partei, gemeinsam ver- die Straßen, durch die sich der Zug bewegte, ein anstalten und das zeigen soll, wie start wir dichtes, nach vielen Tausen den zäh­sind; das vor allem in der Stadt, in der so viel lendes Spalier. Die Radfahrer fuhren Reichtum sich breit macht, zum Ausdrud bringen schon durch die Fischerner Hauptstraße und die soll, daß die Arbeiterklasse entschlossen ist, ihr Recht Wassen der Turner und der Arbeiterschaft der zu erkämpfen. Unseren Organisationen neue Bezirke Neudek und Karlsbad standen noch immer Kräfte, neue Anhängerfcharen zuzu in der Hans Heilingstraße bei Sparkassengebäude. führen, das ist eine der Aufgaben des Festes, das In der Fischerner Sauptstraße, wo sich der Zug unser Wollen und unsere Bestrebungen zeigen soil! voll entfalten und ohne Aufenthalt in flottem Auf der Tribüne nahm unterdessen der Tempo vorübermarschieren konnte, dauerte der Vorbeimarsch über eine Dreiviertelstunde. Die

Sprechchor der sozialistischen Jugend Menschen gingen in Sechser, sogar in Achter. des Bezirkes Starlsbad Aufstellung und die Hoff- Reihen. Die ersten Radfahrer trafen um drei nung wedkende, tiefgründige Dichtung von Ernst viertel 3 Uhr auf dem Festplatze ein; nahezu

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in so schwerer Strise und nach offener Distuj- tionsvorstand in Hintunft auf die eigene Arbeiter Deutschlands , sondern auch die über­sion einer solchen Geschlossenheit rühmen Faust der sozialdemokratischen Mitglieder des wältigende Mehrheit der Sozialdemokraten fonnie? Von den Stommunisten gar nicht zu Persönlichkeiten- Stabinetts" sich nicht mehr aller übrigen Länder hätte einen solchen reden, die sich trotz der Maulkörbe der Diftatur verlassen wollen und engste Fühlungnahme Stampfruf, eine solche Stampfentschlossenheit nicht einmal über die Frage Revolution oder fordern; das ist erstens eine unabweisbare als stärkere Beruhigung und Gefühlserlösung Nichtrevolution einigen können. Notwendigkeit", die schon vorher hätte in den Tagen empfunden, da die leidige

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Griheint mit Ausnahme des Montag täglich frü

Nr. 198.

halb 5 zeigte die Uhr, als die Letzten des Zuges das Tor paffierten. Im Zuge wurden 22 Weusikkapellen gezählt.

Ucber 1000 Radfahrer, mehr als 1000 in­der und Rote Falten, nahezu 1500 Jugend­liche, darunter auch 30 tschechische Jugend­genossen, über 300 Fußballer und Athleten und 3500 adjustierte Turner marschierten mit. Einige Hundert Turnerinnen und Turner waren noch auf dem Festplat zurückgeblieben, da sich die Uebungen hinausgezogen hatten. Insgesamt haben an Sem Festzug, sehr vorsichtig berechnet, 18.000 Menschen teilgenommen. Als der Festzug auf die Rennbahn ein­marschierte, waren hier schon viele, viele Tausende angesammelt, die die Tribünen dicht besetzt hatten und den riesigen Platz bevölkerten. Wuchtig erflang zur Eröffnung Uthmanns Gaues Karlsbad vorgetragen. Dann begannen eldenberuf", von den Sängern des die Ansprachen.

Abgeordneter Genosse Pohl begrüßte die Massen, die übereinstimmend auf 35.000 geschätzt wurden, im Namen der Kreis­vertretung der Partei.

Er führte aus, daß unseren Festen ein tiefer Sinn zugrunde liegt. Sie sollen neue Kampf­begeisterung, neuen Mut in die Herzen unserer Vertrauensmänner tragen, aber wir wollen mit unseren Festen auch zeigen, wer wir sind. Zeigen allen Machthabern, allen unseren vereinten Gegnern; jenen, die ein gemeinsames Band ver. einigt, der Haß und die Feindschaft gegen das arme, unterdrückte Volf; zeigen aber auch allen, die zu uns gehören und allen, die zu uns gehören foll­ten, daß wir die Partei, daß wir die Bewegung der Arbeitenden, der Schaffenden sind, doß wir der Arbeit ihren vollen Ertrag erkämpfen und nur ihr Rechtsgültig= leit verschaffen wollen.

Genosse Pohl beschäftigt sich dann mit den Anschlägen des tschechisch- deutschen Bürgerblods und sagt, daß wir das Fest dazu benüßen müssen, um es auszusprechen: Genug der Anschläge auf unsere Taschen, auf unsere Gesundheit, unsere Rechte und unsere sozial, politischen Einrichtungen! Redner be­grüßte sodann die Tatsache, daß die ersten Briden zu unseren tschechischen Genossen längst geschlagen sind, und daß wir die neue einzig wahre soziali­stische Einheitsfront in diesem Staate erstehen schen.( Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Mit einem Hoch auf die sozial­demokratische Partei schloß Genosse Pohl seine mitreißende, packende Rede. Zweiter Redner war

Senator Genosse Dr. Heller.

Er überbringt die Grüße des Partei­vorstandes und übermittelt den herzlichsten Glückwunsch der Partei zu diesem Feste. Im poli tischen Teil seiner Rede beschäftigte sich Genosse Dr. Heller ebenfalls mit den Anschlägen des Vir­gertums und führte u. a. aus, daß das Fest cin Tag des Kampfes, der Sammlung und des Zusammenfindens von Zehntausenden Proletariern sein müsse. Er verweist dann auf die bevor= stehenden Wahlen in die Bezirks- und Lan­desvertretungen und betont, daß diesen Wahlen cine Bedeutung zukommt, die weit über das lofnle Interesse hinausgeht. Gelingt es uns, zn siegen, dann werden wir den Bürger­blod zerbrechen und vernichten. Dann haben wir einen Schritt auf dem Wege zu unserem Ziele zurückgelegt. Unser nächstes Bestreben muß; gelten der Vernichtung des Bürgerblods. Wir müssen alle einig sein in dem Ruf: Weg mit dem Bürgerblod, weg mit der Regierung der Reichen, der Satten, denen wir heute in Karls­ bad gezeigt haben, wer die Arbeiterschaft ist! ( Stürmischer Beifall.) Dann kommt Redner auf den Brüsseler Songreß der Sozialistischen Arbeiter Internationale, auf dessen Manifestation zur Verhinderung neuer Kriege zu sprechen und schließt seine Ausführungen mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf die Sozialisti= sche Internationale.

Den Beschluß der deutschen Partei, ihre selbstverständlich sein müssen und zweitens Stoalitionspolitik die große deutsche Partei in Vertreter in der Regierung troß des Drucks ist wohl jetzt auch nicht mehr sehr zu befürch einen fritischen Zuſtend verseßte, don auch wir eines Teiles der sozialdemokratischen Organi- ten, daß die vier Genossen Minister sich noch- Sozialdemokraten des Auslandes mitempfin sationen zu belassen, wird man, wenn auch mals auf ihren politischen Instinkt allein ver- den und miterleiden. Das gilt von den nicht begrüßen, so doch verstehen müssen. Ab- lassen werden. Darum hätte man darüber hin- französischen, englischen, belgischen Genossen, gesehen davon, daß durch einen Rücktritt der aus den Genossen Müller, Hilferding , Seve- bas gift auch von uns. Die internationale sozialdemokratischen Minister Geschehenes ring und Wissel zu verstehen geben müssen, Verbundenheit allen sozialdemokratischen nicht geändert werden könnte, war die Er- daß die sozialdemokratische Partei und Ar- Stampfes wir fühlen sie nicht nur an Fest­wägung maßgebend, daß die Demission des beiterschaft Deutschlands die Scharte durch tagen, sondern und ganz besonders auch in Kanzlers und dreier Minister jeßt eine unab- einen jetzt noch schärferen Stampf gegen Mili- kritischer Zeit. Der siegeszuversichtliche Ab­sehbare Regierungskrise herbeiführen müßte. tarismus und Militaristen auszuweßen ent- vüstungswille von Brüssel gerade in Ver an deren Ende entweder ein reaktionäres schlossen ist, daß sie jeden weiteren Rüstungs- lin hätte er vergangenen Samstag entschie­Bürgerkabinett oder Neuwahlen stünden. Daß versuch ohne Rücksicht auf Soalitionskrisen denen und weithin sichtbaren Ausdruck finden die Partei das von den Ministern verursachte mit aller Schärfe entgegentreten wolle, daß die müssen. Jedoch es kommt uns allen nicht auf das Uebel einfach aus der Welt schaffen könnte, Sozialdemokratie nicht gewillt ist, auch nur war im Hinblick auf die Sachlage billigerweise noch für einen Pfennig weitere Mitverantwor- Wort, ja nicht einmal auf den Willen an. Die nicht zu erwarten; daß die Partei das Uebel tung oder Mitbelastung durch Panzerfreuzer Tat hat zu entscheiden. Und da dürfen wir nicht vergrößere, war Leitgedanke ihrer Bera- oder sonst welche Instrumente des Militarismus wohl hoffen, daß die nun in der deutschen tung und Grundmotiv ihres Beschlusses. zu tragen. Solch geharnischter Ausdruck des Koalition von Seiten der Sozialdemokraten Aber wenn auch ein befriedigender Ab- boch so lebendigen absoluten antimilitaristischen nicht lange auf sich wird warten lassen. Das dann schluß, der Panzerfreuzer- Episode( einer aller- Geistes der deutschen sozialistischen Arbeiter- Stück proletarischen Schicksals, sozialdemokra­dings sehr bedeutsamen und folgenschweren schaft wäre unseres Erachtens notwendig ge- tischer Politif, sozialistischen Aufbauvillens, in Episode) im Augenblick nicht zu erwarten war, wojen wenn man schon kein taugliches das der sozialdemokvarische Reichskanzler und so war dennoch unserer Meinung nach ein Fahrwasser sand, in dem man den Panzerkreu- feine Ministergenossen in Händen halten, ist zu hoffnungsvollerer Ausblick für die Zukunft zu zer A fonnte untergehen lassen, ehe er noch groß, zu weittragend über die Reichsgrenzen fordern und wohl auch zu ermöglichen. Es ist vom Stapel laufen denn. hinaus, als daß wir nicht alle unser Recht dar­auf geltend machen müßten.

sehr wenig, daß Parteiausschuß und Frak- Aber nicht nur die sozialdemokratischen

Von den Massen stürmisch begrüßt, ergriff für die tschechischen Arbeiterturner Genosse Besek- Pilsen

tschechischer Sprache das Wort.

Er überbrachte zunächst die Grüße der tsche­chischen Arbeiterturner und der tschechischen sozial­demokratischen Partei und erklärte dann: Ich habe heute die ungeheuere Demonstration mit erlebt und ich hoffe, daß auch in Zukunft