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8. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit.
Die Zuckerkomödie.
Um die Haut der Zuckerfonsumenten wird gewürfelt, das heißt mit anderen Worten: die, Vertreter der Regierungsparteien verhandeln mit den Zuckerbavonen über den Zuckerpreis. Was dabei herauskommen wird, kann man jeist schon mit voller Sicherheit vorausjagen. Die Zuderborone werden ihr Ziel, die Verteuerung des Zuckers, erreichen, die Regierung und ihre Barteien werden vor ihnen fapitulieren und ihnen aus Staatsmitteln also wieder auf Kosten der Gesamtheit so viel an Millionen zuschanzen, als sie scheinbar an der von ihnen diftatorisch festgesetzten Zuderpreiserhöhung nachzulassen geneigt sein werden. Schon heißt cs:„ Der Finanzminister zu Opfern bereit..", das heißt, die Zuckerindustriellen werden gnä digst sich mit einer Preiserhöhung von etwa 30 Hellern für das Kilogramm Zucker begnü gen und, was sie mehr verlangten, zum großen Teil in anderer Form aus der Staatsfajje erhalten. Die Handvoll Zuckermagnaten wird ihren Willen haben, die Bevölkerung wird die gelämmerte sein und sowohl direkt wie indirekt geschröpft werden, die Regierungspar teien aber werden ihr„ Niemals" zurücknehmen und dem Kuhhandel der Regierung mit den Zuderhhänen ihre Santtion geben, die nicht befürchten müssen, daß ihnen durch den regie renden Bürgerblod ein Saar gekrümmt werde. Das Ganze wird dann die deutsche wie die tichechische Regierungspresse zu einem„ Erfolg" der Regierungsparteien umlügen..
Freitag, 14. September 1928.
Das System ist schuld!
Parlamentsdebatte über Gaiz. Najmans Ausreden.
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- Genosse Grünzner antwortet auf Der Redner der Bürgerkoalition verhöhnt die Eisenbahner!
Im Plenum des Abgeordnetenhauses kam gestern die jurchtbare Katastrophe von Saiß. die heute noch alle Gemüter in Erregung hält, zur Sprache. Das in jedem anderen Parlament Selbstverständliche, die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommijjton, stößt bei uns natürlich auf den Widerstand der Regierung und ihrer Mehrheit. Und Stes, obwohl der Eisenbahnminister Najman in seiner Rede" nichts zur Entschuldigung des Systems vorbringen konnte, das da auf der Anifagebank faß und dem Genosse Grünzner in einer großen Rede seine Sünden vorhielt. Minister Najman fuchte in seiner Rede den Schein zu eriveden, als ob auf unseren Bahnen alles auf das Modernste und Best: eingerichtet wäre. Er fonnte dabei allerdings nicht verschweigen, daß eine Reihe von Hauptstreden der tschechoslowakischen Bahnen längst schon das zweite Geleise dringend brauchten, daß die Umbauten auf den Schnellzugsfireden zu langsam vor sich gehen, daß in der Station Saiß während der Zeit dichtesten Verkehres( des Agrariertages in Brünn ) die Weichen in einem provisorischen Stande waren. Eine ganze Reihe von Irrtümern und Entstellungen fonnie Genojie Grünzner in seiner Antwort dem Minister nachweisen, vor allem, was die Beschuldigung der beiden Eisenbahner betrifft, die nun die alleinigen Sündenböcke abgeben sollen. Ein Teil der Ausführungen Najmans Itef darauf hinaus, das alte Oesterreich für die Schäden unserer Bahnen verantwortlich zu machen. Die Staaten, die heute das alte Sesterreich in jeder Hinsicht zu kopteren suchen, reden jich mit Vorliebe auf Sesterreich aus. Wenn in Jugoslawien eine Hungersnot ausbricht, wenn in Rumänien Mißstände herrschen, wenn unsere Bahnen nicht in Ordnung sind schuld ist das alte Oesterreich. Es sei zugegebenniemand wird das bestretten daß die österreichischen Bahnen im Vergleich etwa mit den reichsdeutschen schlecht waren. Aber die neuen wacht haber hätten zehn Jahre 3eit gehabt, die Mißstände abzusteller. Sie haben dafür leine nennenswerten Mittel aufgewandt. Die Hauptforge des Eisenbahnmt nifteriums war durch Jahre hindurch die Entfernung der Deutschen aus dem Bahndienst, unier Najman vor allem die Schifanierung der Eisenbahner. Für militärische Zwede hatic man Milliarden übrig, für die Bahnen ein paar schäbige Millionen. Mit dem Rüstungsfonds könnte man unsere Bahnen technisch sanieren; so aber blieben die alten Misstände bestehen und in zehn Jahren einer unerhörten technischen Entwidlung geschah obendrein nichts, um mit dem anderwärts sichtbaren Fortschritt gleiches Tempo zu halten. Mit jeder Ausrede legic Najman nur ein Geständnis ab und mit der Erflärung, es werde immer Eisenbahntata strophen geben, erklärte er schließlich den ganzen Bankerott feines Systems, das auf der Unfähigkeit, die Probleme zu meistern, begründet ist.
Immerhin fann Najmans Rede gemagigt genannt werden, wenn man ſi: mit der des tschechischen Agrariers March a vergleicht. Dieser Herr sprach als einziger Koalitionsredner, also im Namen der Mehrheit.
Wir machen für das unqualifizierbare Benehmen Marchas alle Bürgerblodparteien verantwortlich!
Herr Marcha erklärte, cin Weichensteller b: fomme monatlich 1200 K( was nicht richtig ist, wie Brodecky nachher feststellte), ruhe sich 24 Stunden aus, mache dann 30 Handgriffe und damit sei sein Dienst erledigt. Der Aufseher bekomme ebensoviel, habe ebenfalls 24 Stunden frei und habe nichts zu tun, als aus die 30 Handgriffe des Weichenstellers acht zu geben. Der Bahnhof von Saiz se: deutsch und die Eisenbahner seien den ganzen Tag damit beschäftigt, darüber zu streiten, ob sie rechts oder links vom Bahnhof ins Wirtshaus gehen sollten. Zu untersuchen sei nicht notwendig, da der Schuldige ja selbst das Urteil an sich habe vollstreden wollen.
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Nr. 219.
Vor Eingang in die Tagesordnung gab der Eisenbahnminister Najman seine Erklärung ab, über welche auf Antrag der sozialistischen Oppositionsparteien, für welchen auch die Wiehrheit stimmte, die Debatte sofort eröffnet wurde.
Genosse Brodecky( tschech. Soz.- Dem.) protestiert gegen die Schreibweise des agrarisch: n ,, Venfov", welcher in seinem geitartikel in ha erfüllter Weise die Eisenbahner angegriffen hatte. Er bespricht weiters das System der Eisenbahnverwaltung, welche ungenügend Personal eint stellt und den Eisenbahnbetrieb bürokratisiert. Der Redner verlangt Auflösung des Ver. waltungsrates und Bildung eines nenent.
Auch die folgenden Redner, Juran( Kommunist) und Burival( tschech. Nat. Soz.), cr heben schwere Angriffe gegen das System, welches heute auf den Eisenbahnen herrscht. Nach dem Genossen Grünzner, dessen Rede wir an anderer Stelle bringen, kam der tschechische Agrarier Marcha zu Worte, dessen Rede vont gehässigen Ausfällen gegen die Eisenbahner strobte und welcher sich be mühte, die Eisenbahner als die einzig Schuldigen an der Katastrophe hinzustellen. Der Nationaldemokrat Na vratil hingegen gesteht die technischen Mängel unserer Bahnen ein und wirft auch dem Eisenbahnministerium vor, daß es sich zu sehr in die Tätigkeit der untergebenen Behörden mische. Die Verantwortung dafür, daß die Behebung der technischen Mängel uur langsamt vorwärts schreite, trage das Finanzministerium, welches fein Geld hergeben wolle.
Es sprachen sedann noch die Abgeordneten Bergmann( tschech. Nat. So;.), Burian. Gati uns Sedorja( Komm.), worauf die Erklärung des Ministers von der Mehrheit zur Senntnis genommen wurde.
Von der übrigen Tagesordnung wurde nur die Vorlage betreffend das Dekorateur. gewerbe in erster Lesung erledigt, und die Sigung hierauf geschlossen. Nächste Sitzung findet am Montag, den 17. September, 3 1hr nachmittags, statt. Auf der Tagesordnung stehen neben der Sozialversicherungsnovelle der Handelsvertrag mit Persien und einige Immunitätsangelegenheiten.
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Die Rede des Genossen Grünzner.
Genosse Grünzner führte in seiner Rede aus:
Es wäre zu viel behauptet, wollte man jagen, daß die Regierungsporicien an der ZufTerpreiserhöhung citel Freude empfinden, aber fie bringen weder den Mut noch den Willen auf, den Zuckermagnaten bei ihrem Raubzug auf die Sonsumenten in den Arm zu fallen. In faum drei Monaten werden diese Parteien vor das Gericht der Wähler treten müssen und fic hätten gerne gesehen, wenn die Sache wenig ftens bis dahin aufgeschoben worden wäre. Als die Absicht der Zuckerindustriellen, den Zuderpreis zu erhöhen, ruchbar wurde, verfündeten die Vertreter der Mehrheitsparteien in der Demička der Oeffentlichkeit, daß sie jedwede „ Die ganze Oeffentlichkeit und nicht nur Preiserhöhung verwerfen, wobei sie hofften. jene in der Tschechoslowakei , sondern auch weit die Zuckerbarone würden ihnen doch nicht die über die Grenzen unseres Staates hinaus, steht politische Verlegenheit bereiten, noch vor den noch unter dem erschütternden Eindruck des un Wahlen den angefündigten Schritt zu untergeheuern Unglücs, das sich am Montag in Sain ereignet hat. Die Oeffentlichkeit verlangt nach nehmen, späterhin hätten sie dann schon mit einer gründlichen Aufklärung, die nur auf Grund fich reden lassen. Das Difiat der Zuckerindu einer Untersuchung gegeben werden kann, und strie fam ihnen also unzeitgemäß, aber ihr die nicht, wie uns das heute vom Herrn Eisen Respekt vor dem heiligen Profit ist ebenso groß, bahnminister vorgetragen wurde, durch die Eisen wie ihre Besoranis tief sitt, es sich mit den bahnverwaltung, sondern durch das Parlament mächtigen Haifischen des Zuderkartells und geführt werden muß. Ich fündige namens meider an ihm verdienenden Banken zu verderben. nes Klubs einen Antrag auf Einsetzung Darum hüteten sie sich, auch nur den kleinsten Der Vorsitzende Malypeir eröffncte die anhörte. Sodann leistete der Nachfolger Dr. eines parlamentarischen Untersu ernsthaften Schritt gegen die Zudervucherer, Sigung mit einem Nachruf für die Opfer Rosches, der Glasmaler Rudolf Schnei- chungsausschusses an und wir erwarten, daß die Mehrheit, die heute für die Eröffnung der der sie zur Nachgiebigkeit zwingen tönnie, zu der Statastrophe, welchen das Haus stehend der, den Abgeordneteneid. unternehmen. Im Abgeordnetenhause zu re
Herr Marcha beschimpft also die Eisenbahner, indem er sie der Faulheit zeiht, er beschimpft die deutschen Eisenbahner im besonderen als Säu fer und Wirtshausgeher und er schämt sich nicht, den Eisenbahner, der in der Verzweiflung über sein Versehen zum Strte griff, von der Parlamentstribüne herab zu ver= höhnen! Wahrhaftig, ein feiner Volfeverir eter, der da im Namen des Bürgerblods spricht und das moralische Niveau der Bürgerparteien so glänzend charakterisiert! Die Eisenbahner werden hoffentlich bald Gelegenheit haben, mit den Herren vom Bürgerblock über deren Leistungen zu reden und sie fönnen der Unterstüßung der gesamten anständigen Oeffentlichkeit getvis fein, wenn sie den tschechischen und denischen Kumpanen dieses Marcha den verdienten Fußtritt geben!
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ben gezwungen, erklärte der uns nach chriſt- dens. Finanzminister Englis , der erfolgreiche eine solche nicht in ihren verwegenſten Träu-| Zuckerverteuerung jogar Protestversammlungen, fatholischen Grundsäßen regierende Monsignore Envürger der sozialpolitischen und humanitä men erhofft hatten. Die Erhöhung des Zucker aber zu gleicher Zeit jetzt sich der fleine MonSramer, die Regierung sei mit der Zuderpreis ren Fürsorge der Gemeinden, war auch bereit, preises soll von 60 Sellern auf 30 Seller ab ignore mit den Zudeibaronen an den Vererhöhung nicht einverstanden, sie sei bereit, die den Zuderindustriellen durch Nachläffe bei den gebaut werden, doch nur in dem Falle, daß der handlungstisch, nicht um diesen den Daumen Konsumenten zu schützen, sie werde weitere Handelssteuern ein Präsent von vierzig Weil- von der Regierung gewährte Ersatz ausrei- aufs Auge zu setzen, sondern um mit ihnen n Schritte erwägen, fur; was so unverbindliche fionen Stronen zu machen, aber das erschien der chend" ist, und nach allem, was über die einge- beraten, wie man die Bevölkerung am besten Redensarten mehr sind, aber nicht ein Wort. Unersättlichkeit der Zuckerbarone als zu wenig. leiteten Unterhandlungen bisher in die Def betölpeln könnte, das heißt, wie man es annicht eine Drohung, die den Zuckerbaronen Dazu kam, daß die Agrarier die Steuererleichfentlichkeit gedrungen ist, sind die Regierungsstellen solle, daß die Zuckergewaltigen ihren imponiert hätte. Diese verloren denn auch nicht terungen für sich verlangten oder doch auf ihre parteien bereit, sehr tief in den Staatssädel zu Fischzug vollenden, der noch reicher und auseinen Augenblick die Fassung und verließen sich Verteilung zwischen Zuderindustriellen und greifen, was im Grunde genommen doch nur giebiger sein soll, als sie selber erwartet haben, darauf, daß die Regierung und ihre Parteien Rübenbauern bestimmenden Einfluß haben wieder einem Griff in die Taschen der Bevöl- und über die von ihnen bemessene Schadens. schön brav zu Streuze friechen werden, was wollten. Da beschlossen nun die Zuderindu ferung gleichkommen wird. Nachdem die Zuk summe weit hinausgehen würde, und die Be denn auch durch die eingeleiteten Stompro- striellen, auf eigene Faust vorzugehen, und sie fermagnaten erkannt haben, daß sie von dieser völkerung dabei doch glaubt, daß die Bürgermiz"-Verhandlungen geschah.„ Kompromiß“ proklamierten eine Verteuerung des Zuckerprei Regierung und diejen Mehrheitsparteien nichts blockregierung das Interesse der Konjumenten wird es genannt, aber es ist nur das Suchen es um 60 Heller. Das Zuderfartell erhoffte zu fürchten haben, auch wenn sie ihre Dreistig gewahrt habe. Ein nicht minder verlogenes nach einer Formel, die der Zuckerindustrie nicht, daß es bei dieser unerhörten Preisve feit bis zum Noußzeiſten treiben, so wollen sie und infames Spiel führen die deutschen Chrift ihren Roub beläßt und den Eindruck cravedt, esstimmung bleiben werde, jie war lodiglich als nichts von ihrem Raube zurückgeben. lichsozialen auf. Es soll nicht unvergolten blei fei der Regierung geglückt, die Zudergewaltigen Pression gedacht und ins Werf gesetzt worden, Die Komödie, die gegenwärtig von den ben. Bald kommt die Zeit, da die zum Nachgeben zu zwingen. denn der Mehrprofit aus dieser Erhöhung hätte Regierungsparteien aufgeführt wird, ist gut Bevölkerung politische Macht zu Allem Anicheine nach werden die Zuder rund 240 Millionen Stronen betragen, was inszeniert, aber sie wird doch von der Bevölke- vergeben haben wird und Verge! magnaten bei den„ Mompromiß"-Verhandlun- ungefähr sechsmal so viel ist, als die von der rung durchschaut werden. Der Vollzugsaus- tung üben fann. Sie wird dann gen mehr herausschinden, als sie je erhofft hat- Regierung in Aussicht gestellten Steuererleichschuß der tschechisch- klerikalen Bariei, also der wohl den Helfern des Lebensmit ten. Es heißt, daß die tschechoslowakische Zutterungen betragen sollten. Nun knickt die Ne Partei des Monsignore Sramet, hat vor einigen te l wuchers jenen Denkzettel ge ferindustrie durch gewisse Zollmaßnahmen der gierung vor dem Diktat des Zuderkartells nicht Tagen eine Resolution beschlossen, in der geben, auf den sie durch ihr jündenenglischen Regierung zu Schaden gekommen fei, nur zusammen, ſie legt auch ein Enigegenkom aen die Zuckerpreiserhöhung gewettert und der beladenes Leben längst schon volund sie stellie der Regierung die Forderung men den Erpresjern gegenüber an den Tag, das Abbau des Zuckerzolles verlangt wird, und die len Anspruch befißen. nach Hilfe, nach Ersatz des ihr zugefügten Scha ihnen eine Beute zu sichern verspricht, wie sie Tschechischklerikalen veranstalten gegen die