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Sozialdemokrat

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9. Jahrgang,

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Mittwoch. 9. Oktober 1929.

Der Kampf um die Wohnung.

Christlichfoziale wollen, daß wieder in Elendshöhlen die Tuber ulofe foüitet,

Rosches Mittelstandspartei foil, daß Beamte das 3ing­tapital mäßten,

Gute

Bezugs Bebingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post

monatlich... 16.­vierteljährlich

halbjährig

ganzjährig.

48.­

98.­

192.­

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Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich

Nr. 236.

Vorzeichen für den 27. Oktober!

Wieder ein erfolgreicher Wahlgang.

( im Reichenberger Gebiet) erlangte am Sonntag Bei den Gemeindewahlen in Harzdory unsere Partei, die dort seit der Spaltung durch die Kommunisten nicht fandidiert hatte, wei Mandate( 141 Stimmen gegen 128 bei den ben Berlust eines Mandats zu verzeich Landeswahlen), während die Kommunist en nen haben. Die Landbündler büßten zwei Mandate ein( von denen eines den Christlichsozialen zugute fam), desgleiche it die Deutsch nationalen; ihr Verlust und ein verlorenes Mandat der Deutschsozialen dürfte den Gewinn der Nationalsozialisten ausmachen. Ein Mandat verlieren die vereinigten Tschechen, eines gewinnt die Gewerbepartei.

sein, sondern dem Schuße der Gesetze, der Son trolle der Allgemeinheit unterliegen. Darum wollen wir Ausbau und Erweiterung des Mietrecht gegen Willtür- Volkswohl gegen Wucher! Mietrechtes: begrenzte Mieten auch in neuen Säusern, Verbot unge= Sehr gegen den Willen der bürgerlichen| Mieterfragen! Auch wir wollen es nicht. jeglicher Verträge, ffentlichen Vor kurzem meldeten wir den schönen Wahl­Parteien tritt in dem beginnenden Wahlkampf Auch wir wollen ein Definitivum, nur wollen Wohnbau aus Steuererträcnissen. Für die erfolg unserer Partei in der schlesischen Ge­eine Frage immer mehr in den Vordergrund, wir es anders als der Bürgerblock. Nicht mehr ses Ziel mobilisieren wir die Wassen der Wie- meinde Wockendorf, gestern den freigewerk­zu deren Lösung sich der Bürgerblock eben Wiederherstellung der ungeschmälerten Haus- ter, für dieses Stück Menschenrecht wollen wir schaftlichen Sieg und die kommunistische Nieder­durch die vorzeitigen Neuwahlen erst die Vor- herrnrente, die den Bejißern alter Häuser, die die Hunderttausende in den Stampf führen, lage in der Glasfabrik Meierhöfen. Und ausseßungen schaffen wollte, die Frage des ihre Hypotheken mit entwertetem Gelde be- denen die Einigung der Bourgeoisie mit dem heute können wir wiederum über einen ausge­Mieterschutzes und der Wohnbauförderung. zahlt haben, nun eine zehn- und mehrprozen wucherischen Sausbesiß die Augen geöffnet hat. zeichneten Wahlausfall berichten: Zuerst haben die Mieter Klarheit geschaffen tice Verzinsung garantiert. Kein Zurüd zu Zweifel gibt es in diesem Wahlkampf nicht und von den Parteien Rede und Antwort ge- dem Wohnungselend der Vorkriegszeit, da der mehr. Die Gegner des Volkes haben sich ent heischt. Er zeigte sich, was jeder Mieter längst Bau unhygienischer Zinshäuser als beste aichlossen, das Visier zu öffnen. Der Mieter, hätte wissen fönnen, daß nur eine Partei pitalsanlage" galt. Obdach und Lebensraum der ihnen die Stimme gibt, wählt sehenden die Interessen der Mieter schüßt, daß nur das der Menschen sollen nicht Spekulationsobjekt Auges feinen eigenen Metzger. jozialdemokratische Programm eines Mietrede Bebenten find vor nacktem Befißintereffe zurückgetreten: tes und öffentlicher Wohnbauförderung sich mit dem der Mieter deckt. Es ist im Interejse Deutschnationale wollen ihren Volksgenoffen das Dach der reinlichen Scheidung sehr nüßlich, daß nun über dem Kopfe rauben, auch die Hausherren noch ihr Programm ent­wickelt und den politischen Parteien unterbrei tet haben. Auch sie erhielten flare Antwort: die christlichsoziale Partei, der Bund der Land­wirte, die Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft und die Deutschnationalen erklärten sich grund­Wie sehr auch immer dieses Wahlresultat, fäßlich für die Beseitigung des Mieterschutzes was die Verschiebung im bürgerlichen Lager an und bekannten sich zum Programm restloser langt, durch die besonderen lokalen Verhältnisse Wiederherstellung der Hausherrenrente. Nun Unsummen sollen aus den arbeitenden rung der Einkommen fordern. Glaubi jemand, bestimmt sein mag- unzweifelhaft und sind die Lager streng geschieden und was zwi- Massen gepreßt und nicht vielleicht dem Ston- jein Einfommen werde im gleichen Tempo und symptomatisch ist der Vormarsch der dents schen ihnen noch railos steht die national- fum zugeführt, sondern der Wirtschaft entze- Maß mit der Miete steigen? Mehrhundertpro- schen Sozialdemokratic, zumal ihr fozialistische Partei kann man nach den gen werden. Glaubt ihr, Landwirte und Gezentige Mietenerhöhung soll durch wachsende Wiederaufstieg im bolschewistisch verseuchten Aeußerungen von Karg und Wenzel ruhig dem werbetreibende, daß die reichen Hausbejißer, Löhne ausgeglichen werden? Reichenberger Kreis, in dem die Kommunis Hausherrnlager noch zuzählen. die ganze Häuserblocks in den Großstädten ihr Hinter der Kampagne gegen den Mieter- sten, wie auch diese Gemeindewahl zeigt, unauf­Eigen nennen und die in Wahrheit die Nuzschutz, zu der sich alle Bürgerparteien von den haltsam im Abwirtschaften begriffen sind. nießer des Mietenwuchers sind, daß diese Sed- Negativisten" bis zu den Regierungsmame pitalisten Euch Milch und Eier und Vich ab- lucken zusammengefunden haben, steckt das Auch diese Wahl in Harzdorf faufen werden, wie es der Arbeiter faufte?! große Kapital, stecken die Banken, die an Bau­nehmen wir als gutes Zeichen ritte Nein ſie werden für ihr Geld Luruswaren Anleihen und Bodenspekulationen, stecken die für den 27. Oktober: faufen, während zu gleicher Zeit die Stauffrafi Säuferschieber und Besitzer ganzer Straßen- Sozialdemokraten siegreich im Zweifronten­des kleinen Mannes um Hunderte Millionen züge, die an der Not der obdachlosen Masse lampf im Jahr sinkt. Die sofortige Aufhebung des profitieren wollen. Heute auf den Mieter­Mieterschutzes für alle Werkstätten und Geschutz verzichten, das heißt auf ein Menschen­schäftslokale fordert der Bürgerblock. Seht ihr alter hinaus auf jedes Mietrecht, auf jede Men­nicht, daß hier mit einem Schlage Zehntausende schenwürde, auf jedes gesunde Wohnen verzich Existenz vernichtet, das Kleingewerbe und ver ten, das heißt die werdende Generation verjeu­Kleinhandel dem Moloch Kapital geopfert wer- chen und verkrüppeln lassen, heißt dem wuche­den sollen?! Die patentierten Gewerbereiter rischen Privatkapital die Gesundheit und Kraft sind es, die Euere Vernichtung planen. des Volkes zum Opfer bringen.

Nun weiß jeder Wähler, wie er daran ist. Er fann eine der bürgerlichen Parteien wählen, wenn ihm daran liegt, binnen drei Jahren ein Drittel feines Einkommens und

mehr für eine elende Wohnung zu bezahlen, der Willkür des Hausherrn ausge= liefert zu sein. Er muß sozial­demokratisch wählen, wenn er die Umwandlung des Mieterschutzes in Soziales Mietrecht, wenn er das Recht auf Obdach und Lebensraum fordert!

Landbündler stimmen für die Intereffen von Boden- und Häuferfpetulanten.

Pfaffen und Banfiers, Industrielle und Großagrarier, Liberale und Nationale, Bürger aller Sorten und Weltanschauungen sind sich darin cinig, daß die Mieter, daß die große Mehrheit des Volkes, daß die arbei tenden Schichten die Riesenspekula­tion des Mapitals bezahlen sollen. Wer fchüßt Euch?

gegen Bürgertum und Kommunisten!

Das London - Washingtoner Programm der See- Abrüstung.

Denn längst hat der Kampf um den Mieterschuß aufgehört, ein Kampf um das Man sehe sich nur das Programm der löcherige Notgefeß, um die Reste gejeßlichen Hausbesizer an, auf das jetzt alle deutschbür­Schußes zu sein, die wir noch vor dem Zugriff gerlichen Parteien den feierlichen Schwur ge= des Bürgerblocks bewahrt haben. Längst ist er leistet haben! Wenn diese zehn Punkte. ein Kampf um ein neues Mietrecht, un verwirklicht werden, so bedeutet das den sofor ein neues System der Wohnungswirt tigen radikalen Abbau jedes Mieterschutzes, so schaft geworden. Einen phantastischen Unsinn" bedeutet das Chaos und Willkür im Woh­hat der Hausherrnführer Maresch das Pro- nungswesen. Der Hausherr soll nach Belieben grainm der Mieter genannt. Durch die freie Fündigen. Dich alle Quartale hinauswerfen, Wohnungswirtschaft, das heißt durch schranken- mit Abgaben belasten, zu den Reparaturtosten loje Ausbeutung der Wieter, durch die Willkür heranziehen und mit willkürlichem Zins bele­herrschaft und den Terror der großen städtigen können. Man hoffe nur nicht auf Neubau­schen Hausbesizer will er die. Wohnungswirt- ten! Ift erst die Spekulationswut des Privat Euere Feinde haben den Schleier gelüftet schaft sanieren. Es ist noch nicht so lange her. fapitals entfejjelt, dann werden die Boden und sich offen zu ihrem verbrecherischen Pro da hat man mancherlei für einen phontasti preise, wird der Bantzins so sprung gramm bekannt. Es gibt nur noch zwei Lager, fchen Unsinn" gehalten, was heute zur Selbsthaft steigen, daß die Mieten in den neuen nur noch ein Für und Wider. Wer menschlich. verständlichkeit geworden ist. Verstaatlichung Häusern vollends unerschwinglich werden, ind menschenwürdig wohnen, wer fein Verbrechen der Dominien beraten, und es verlautet der der Verkehrsmittel, Stommunalisierung der laßt Euch nicht narren von der jesuitischen an seinen Stindern, seinem Volf, der mensch Waffer- und Gasversorgung, das haben die Demagogie der Christlichsozialen, die Steine lichen Stultur begehen will, der

liberalen Bürger der 80er Jahre noch für utopischen Sozialismus gehalten. Erinnert sich nicht der eine oder andere christlichsoziale Füh= rer, der ießt für die freie Wohnunaswirt­schaft" ficht, der Luegerzeit, dn die Christlich­sozialen geçen den erbitterten Widerstand der Liberalen in Wien die Kommuroliñezung der Stadtbahn, der Wasser- und Lichtversorgung durchsetzten?!

.

Heute erscheint es uns als selbstver ständlich, daß wir mit Licht und Gas. Waffer und Str: fenbahn von der Gemeinde versorgt werden. In cinem Menschenalter wird es kein " phantastischer Unknn" mehr sein, daß auch die Wohnungen tommunal bewirtschaftet

werden.

Die Hausbesizer haben die politischen Parteien auf das Schlagwort vom Definitivum festgelegt. Se in Provisorium mehr in]

wählt fozialdemokratisch!

Rücktritt der slowakischen Miniſter.

Supplierung der Refforts durch Sramet und Stefánet. London

, 8. Oktober. Ueber die an die Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Japan ergangenen Einladungen zu einer Sccab rüstungskonferenz meldet Times": Das Dolu­ment enthält ungefähr 1000 Worte. Zu Beginn werden die Punkte aufgezählt, in denen die Regierungen Großbritanniens und der Vereinig= ten Staaten im Laufe der Besprechungen zwi schen Macdonald und General Dawes zu einer vorläufigen Verständigung gelangt sind. Danach besteht Einigkeit darüber, 1. daß die gegenwär tigen Verhandlungen das Ergebnis und die direkte Fortseßung des Kriegsverzichtspaltes( Stellogg­Balt) find, 2. daß der Grundjaß der Parität der Flottenstärken für alle Schiffstlassen akzeptiert wird, die nicht durch den Washingtoner Bertrag erfaßt werden, und daß diese Parität am 31. De zember 1936 erreicht sein soll. Die britische Regie­rung hat über diese Puntte mit den Regierungen Times" zufolge über die Definition der Parität, mensch- baß sämtliche Marinestreitkräfte des britischen Reiches in Rechnung gestellt werden sollen. 3. daß es wünschenswert ist, auch die Frage einer Revision der Dienstzeit von Schlachtschiffen auf­zuwerfen, um die Durchführung des vollen Erfaßprogramms zu vermeiden, das im Washing­toner Vertrag von 1922 vorgesehen ist. 4. daß beide Regierungen der Ansicht sind, daß U- Beote völlig abgeschafft werden sollten, daß aber diese Maßnahme nicht ohne die Zustimmung aller be=

Prag, 8. Oktober. Der Präsident der Republik der Leitung des Minifteriums für öffentliches teiligten Mächte durchgeführt werden kann.

sandte dem Vorsißenden der Regierung Franz Udržal Gesundheitswesen und Körpererziehung. folgende Handschreiben: Topolčianky

, den 8. Oktober 1929. Herrn Dr. Josef Tiso, Minister für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung in Prag. Herr Minister Dr. Tiso, auf Ihr Ansuchen enthebe ich Sie vom Amte des Ministeriums| Gesundheitswesen und Körper­für öffentliches Gesundheitswesen erziehung. öl bi

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Herrn Migr. Dr. Johann Šrámek, Minister für soziale Fürsorge.

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Herrn Dr. Ludovit Labaj, Minister für Gesetzesunifizierung und Organisierung der Verwaltung in Prag. Herr Minister Dr. Labaj, ich enthebe Sie vom Amte des Ministers für Gefeßesunifizierung und Organisierung der Verwaltung.

Herrn Dr. Anton Stefánet, Minister für Schulwesen und Voltsaufklärung in Prag. Herr Minister Dr. Stefanet, ich betraue Sie mit der Leitung des Ministeriums für Gesetzes­unifizierung und Organisierung der Verwaltung. T. G. Majaryt m. p.

Herr Minister Dr. Šrámek, ich betraue Sie mit Udržal m. p.

"

Die Times"-Meldung besagt weiter: Im allgemeinen wird anerkannt, daß eine endgültige Bereinbarung nur durch eine Konferenz mit den anderen Sec.nächten erreicht werden kann. In­folgedessen lädt die britische Regierung die vier anderen Regierungen zu einer Konferenz ein. Man hofft, daß die eingeladenen Regierungen sofort zu einem Meinungsaustausch über die aufgeworfenen Fragen schreiten werden. In der Note wird ausdrücklich erklärt, es sei nicht ge= plant, einen neuen Mechanismus zur Behand lung der Seerüstung zu schaffen, im Gegenteil hoffe man, die Arbeit der Konferenz derart zu gestalten, daß dadurch die Aufgabe des Möller­bundes, der das gesamte Abrüftungsproblem zu behandeln hat, erleichtert wird.