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9. Jahrgang.

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Sozialdemokrat 1

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit.

Wieder eine erfolgreiche Betriebs. ausschußwahl in Bürbenthal! Christlichsoziale Niederlage!

In der Jutespinnerei und Weberei in Bürbenthal fanden am Montag, den 14. Oktober 1. J. die heurigen Betriebsausschuswahlen statt, welche der Union der Textilarbeiter" wieder einen schönen Erfolg brachten! Das Ergebnis ist folgendes: Die Union erhielt 261 Stimmen, 6 Mandate( 1928 5 Mand.), Christlichsoziale 80 Stimmen, 1 Mandat( 1928 2 Mand.). Die Na­tionalsozialisten erhielten 1928 34 Stimmen und tein Mandat, daher hielten sie es heuer für angezeigter, überhaupt nicht mehr zu fandidieren, damit ihre Schwäche nicht offenbar wird. Die Union der Textilarbeiter" gewinnt somit 29 Stimmen und ein Mandat, welches die Christ­lichsozialen verlieren. Daß es gerade in diesem Gebiet gelungen ist, den Christlichsozialen ein Mandat abzunehmen, ist sehr bezeichnend für de Stimmung, welche die chriftlichen Arbeiter­wähler ihrer bisherigen Partet entgegenbringen. Auch für den 27. Oftober möge dieses Ergebnis als Vorbild dienen!

Fine Maffenversammlung in Sanz.

Die am Samstag abgehaltene Wählerver­fammlung war von ungefähr 500 Wählern be­jucht. Die Stimmung war ausgezeichnet und wurde das Referat des Gen. Dr. Czech mit reis chem Beifall aufgenommen. Die Kommunisten versuchten, getreu den Reimannweisungen, sich unangenehm bemerkbar zu machen. Gleich bei Beginn der Versammlung verlangte der neue Bezirkshäuptling Pred volle Redefreiheit, welche unsererseits unter der Bedingung zuge fichert wurde, daß sich ihr Redner im Rahmen bes Anstandes halte. Nach dem Refer te des Gen. Dr. Czech kam dann Herr Vetten­hansel zu Worte. Sein Geftammel zu erwäh­nen, ist Raumverschwendung. Der erste, ihm von einer Frau gemachte Zwischenruf, brachte ihn aus dem Konzept und er begann ruspig zu werden. Da war aber auch die Geduld der Ver sammlungsteilnehmer, die mit Widerwillen Veitenhansel zuhörten, zu Ende und nach fünf Minuten wurde spontan die Forderung laut, er habe aufzuhören. Die Ruje nach Abzug werden immer lauter. Schließlich waren die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht mehr zu halten. Innerhalb weniger Minuten war Veitenhansel famt einigen Rädelsführern unter tofendem Beifallflatschen aus dem Saale expebiert. Unsere Ordner hatten alle Hände voll zu tun, um zu verhindern, daß die Moskowiter von den embor ten Arbeitern einmal die richtige Linie wirkam eingebläut bekommen. Bezeichnend ist, dak es gerade jene Arbeiter, die zur Reit, als die kom munistische Welle das Saazer Land überflutete, unfere Redner attadierten, waren, welche als erste das Verschwinden Veitenhansels forderten

Gen. Dr. Czech nagelte dann in seinem Schlußworte die Demagogic der Kommunisten gebührend an. Unter dem stürmischen Beifall der Bersammelten forderte er die Wähler auf, den Kommunisten, die behaupten, daß Wohlen nichts helfen und ein Unsinn seien, feine Stimme zu geben und so ihrem eigenen Wunsche Rechnung zu tragen.

So endete der kommunistische Vorstoß mit einer furchtbaren Blamage. Es wäre hoch an der Zeit, wenn die Serrichaften einsehen würden, daß ihr Weisen auf Saazer Boden aufgehört hat zu blühen. Wir werden dafür Sorge tragen, daß sich bei den Herren das nächstemal auch der Hinauswurf erübrigt.

Die Blamage wächst.

1

Dienstag, 22. Oftober 1929.

Die neue Linie der Stalinplatte:

Das Polbüro fordert zum Totschlag auf!

Wozu sie die Bergarbeiter aufputschen wollen.

Jm Brüger Revier tagte gestern die Konferenz der Bergarbeiter, die zu dem Putsch der Polbürokraten Stellung zu nehmen hatte. Auf der Konferenz und im Revier wurden bon der kommunistischen Partei Flugblätter verbreitet, die alles bisher Dagewesene Schmähungen gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft, aber auch an Aufforderungen zu Gewalttaten übertreffen. Die Kommunisten führen diesen Wahlkampf ja mit der unverkennbaren Absicht, Gewalttaten, bewaffnete Zusammenstöße und Blutvergießen herbeizuführen, um so die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf sich zu lenken, da alle anderen Mittel versagt haben. Was sie aber in dem Brucher Flugblatt zu­wegebringen, übersteigt alles, was man ihnen antrauen konnte. Es heißt in diesem Flug­blatt..:

Organisiert proletaris.he Abwehrformationen! Tod Den fascistischen Lataien der Bourgeoisie, Tod Fascisten, schlagt die Sozialfascisten und Fascisten, wo Ihr sie trefft. Die Bourgeoisie bereitet den imperali­stischen Arieg gegen die Sowjetunion , die Auflösung der kom munistischen Parteien und die Proklamierung der sozialfascisti: schen Diftatur vor. Das mobilisierte Proletariat kann sich nur wehren durch den bewaffneten ampf."

Das ist nicht vielleicht der Aufruf einer Revierleitung, sondern das offizielle, von der Zentrale der APC unterzeichnete Parteiflugblatt! Das Polbüro forbert ganz offiziell zu Gewalt und Totschlag auf. Denn man verfenne nicht, welche praktische Wirkung Rebensarten wie Iob den fascistischen Lakaien..." oder Schlagt die Sozial­fafciften, ihr fie trefft!" unter den halbanarchistischen Parteigängern der APC im Bracher Gebiet andlösen önnen. Bruch ist seit brei Jahrzehnten der Siß einer anarchis Rif- fyrbitalistischen, feder Disziplin und Organisation widerstrebenden, dabei auch noch mit tschechischem Nationalismus genährten Betvegung, die lange vor dem Kriege schon in brudermörderischen Gewalttaten gegen freigewerkschaftliche und sozialdemokratische Berg­arbeiter ben vornehmsten Ausdrud ihres Klaffenkampfes" sah. Unter den härtesten Bedin­gungen arbeiten in Bruch und dessen unmittelbarer Umgebung die Vertrauensleute der Union und der Sozialdemokratie für die sozialistische Sache gegen die alten Omladinisten und Anar­chiften, die von Brbensty zur APC gekommen find. Unter diesen Lenten wird die bildliche und natürlich bewußt zweideutig gehaltene Aufforderung zum Töten und Rieberslagen nicht anders als wörtlich verstanden und praktiziert werden. Die Folgen, die fich aus der Mordheße des Polbüros ergeben, find leicht vorans­zusehen, die kommunistischen Führer trifft die volle Verantwortung für ihre Anstifterei, die wahrhaft fafciftisch ift.

Arbeiter antwortet den Morddrohungen mit dem Bekenntnis zur Einheit!

Protestiert gegen die verbrecherische Schändung des prele­tarischen Namens durch die Stalinplatte! Schließt Euch zusammen im Zeichen der Sozialdemokratie!

Pflaſterſteine als einzige kommuniſtiſche Argumente

Minglückte Störungsversuche bel der Teplitzer Wähler­versammlung des Genossen Dr. Czech.

monatlich. vierteljährli halbjährig janzjährig.

48.

96.­

192.­

Radftellung von Manu tripten erfolgt aur bel Ein fendung der Retourmarten

Erimeint mit Ausnahm bes Montag täglich früh.

Nr. 247.

Schobers Angriff auf die Republit.

Der Bundeskanzler Johann Schober hot dem österreichischen Nationalrat Freitag den Entwurf einer Verfassungsreform vorgelegt; die christlichsoziale Presse begleitet die parla­mentarische Aktion der Regierung mit einer wüsten Heße und mit ultimativen Forderun gen; die bürgerliche Presse, wo sie am zahm­sten und relativ anständig ist, rät zu Verhand­lungen. Die österreichische Sozialdemokratie konnte angesichts des Entwurfes nur erklären: Erst besiegt uns, dann könnt ihr diktieren!" Denn es kann nach diesem Verfassungsentwurf fein Zweifel mehr darüber bestchen, daß Schober kein Kompromiß, feine Verständi­gung, nicht die Beruhigung des Landes sucht, sondern den Fascismus auf faltem Wege verwirklichen will. Schobers Angriff gilt nicht nur dem roten Wien - das hatte man ja erwartet er richtet sich unmittelbar ,, voll und ganz" gegen die Republit. Wenn diese Verfassung jemals in Kraft tritt, dann hat Desterreich aufgehört, eine Republik zu fein. Es ist dann nur noch, wie Ungarn , eine halbfeudale Monarchie, an deren Spitze ein diktatorischer Platzhalter der Habsburger steht.

Die Gedanken aller Arbeiter, aller So­zialisten gelten heute dem Kampfe der öster­reichischen Bruderpartei und auch bei uns ver­mögen Wahlarbeit und Wahlstimmung aus Herzen und Köpfen der judetendeutschen Ar beiter die Gedanken an Wien , die Sorge tm Wien nicht zu verdrängen. Jeder Ar­beiter versteht: Jetzt ist es Ernst; jeder weiß, ohne verfassungsrechtliche Untersuchungen an­stellen zu müssen: es geht um das Schicksal der relativ stärksten Sozialdemokratie der Welt, es geht um die demokratischeste Ver­fassung Europas , es geht um das rote Wien, die Stadt der Verheißung ,, die Bastion des Sozialismus. Wenn über dem Lande, in dem 43 Prozent der Bevölkerung sozialdemokratisch wählen, wenn über der Stadt mit dem roten Rathaus, von Italien und Ungarn , von Jugo­ slawien und der Slowakei her die Wogen der feindlichen Invasion und des Fascismus zu­sammenschlagen, dann bedeutet das eine Niederlage des Weltproletariats., dann werden wir alle um ein Menschenalter zurüdgeworfen.

Wir im Staate des vernewerten und ver­böserten Prügelpatents, des geschmälerten Wahlrechts, der zu einem Drittel ernannten Landtage, der bürokratischen Vorherrschaft in Bezirken und Ländern, der rücksichtslojen Mehrheitsdiftatur im Parlament, wir tschecho­slowakischen Staatsbürger sind sicher Schlim­meres gewohnt, als drei Viertel der Schober­schen Vorlage an reaktionären Reformen be= inhalten. Dennoch begreift jeder Arbeiter: in Oesterreich ist das etwas anderes; es ist ein Unterschied zwischen einem Staat, der sich von allem Anfang auf ein Polizei- und Bürokra­

Teplis, 21. Oftober. Heute abends fand in Auch auf tommunistischer Seite gab es emige tenregime cinrichtete und dem Staate, Teplit eine von etwa 800 Personen besuchte Verleßte. Als dann später die Polizei erschien, bisher die demokratischeste Verfassung, die Bersammlung unserer Partei statt, in der lange hatten alle Kommunisten schon das Weite lebendigste Demokratie in Verwaltung und vor Beginn etwa 50 bis 60 Kommunisten unter Stadtrates gesucht. Später versuchten sie allerdings noch Gesetzgebung hatte. Dennoch versteht jeder Führung des kommunistischen anslicet erschienen. Die Kommunisten, die im öfters, in fleinen Gruppen in den Saal ein- Prolet: die drei oder vier gefährlichsten Pa­Brüyer Revier in Flugzetteln ihre Anhänger zudringen, was ihnen aber nicht mehr gelang. agraphen der Schoberschen Schandvorlage gehen weit über das hinaus, was bei uns die aufgefordert hatten, jeden Sozialdemokraten, wo Die Versammlung verlief dann in voller Reaktion durchzuführen wagte. Freilich würde intmer sie ihn treffen, niederzuschlagen, famen offensichtlich in die Versamm'ung zu dem Ruhe und beſter Stimmung. Unter gespannter Desterreich auch nach der Schoberreform zu­Berlin, 21. Otober.( Eigenbericht.) Immer 3wved, fie zu sprengen. Sie begehrten volle Rede- Aufmerksamkeit der Versammlung hielt Genosse nächst dem Namen nach eine Republik , jocar ficherer wird es, daß das deutschnational- bölkische freiheit, was jedoch mit Rücksicht auf die Flug- Dr. Czech mit den bürgerlichen Parteien uno Roltsbegehren, für das die Eintragungsfrist am blätter und die Gefahren, die durch eine kommu- den Kommunisten eine scharfe Abrechnung. Seine eine mit starker fozialistischer Minorität blei­Genoffen Dr. Heller wurden mit stürmischem stischen Verfassung zu funktionieren begänne, 29. ds. abläuft, mit einem schlimmen nistische Versammlungsstörung entstehen könnten, Rede sowie die späteren Ausführungen des ben; aber sobald der Mechanismus der fasci­Beifall entgegengenommen. Genoffe Lorenz sobald Bundespräsident und Polizei mit Not­Fiasto enden wird. Es scheint, als ob die Win- abgelehnt wurde. schloß die Versammlung mit dem Appell, mit verordnungen, Ausnahmezustand und Zensur, destziffer von rund 4.5 Millionen nicht erreicht den Gegnern von rechts und links energisch ab- parlamentslos zu wirtschafter anfingen, würde werden wird. Nur auf dem flachen kande der zurechnen. Er zeigte der Versamm'ung einen sich Desterreich von Ungarn oder Litauen in ostpreußischen Provinzen, wo der Drud des Groß­Pflasterstein, den eine kommunistische Hand in nichts mehr unterscheiden. Und neben dieser grundbesitzes besonders start ist. ist eine regere die Versammlung hereingeworfen hatte und Teilnahme der Bevölkerung zu beobachten. Da­gegen berricht in den Stäben eine auffallende Gleichoulioleit gerener diefer Aktion. So wur den in den ersten fünf Tagen in Berlin nur 93.000 in Fannover 2700 in München 9500. in Breslau 5000, in Frontfurt 2300. in Sön 1700 Einzeichnungen erreicht. Die Rechtsvreffe ift an gesichts diefer niedrigen Ziffern auch bereits fehr Meinlaut geworden.

Daraufhin begannen die Kommunisten einen Tumult und versuchten die Versamm­( ung zu fprengen. Unsere Ordner sorgten aber binnen wenigen Minuten für Rüh, indem sie alle Kommunisten aus dem Saal entfernten. Die Herausgeworfenen sammel­ten sich draußen vor dem Lokal und be gonnen mit Pflastersteinen und anderen Wurfgegenständen, die Scheiben der Ein­gangstür einzuwerfen, wobi fie mehrere Ordner verlekten. darunter einen durch einen Pflasterstein am Kopf und einen anderen am Bein.

durch den zwei Ordner verlegt worden waren. Möglichkeit droht die andere eines Bürger­Stürmische Empörung über den feigen fommu- frieges, an dessen Ausgang vielleicht die Offu= nistischen Ueberfall bemächtigte sich daraufhin bation Oesterreichs durch fascistische Nachbarn aller Versammelten.

Einen ausführlichen Bericht über die Refe rate tragen wir in der nächsten Nummer nach.

ftünde.

Die österreichische Sozialdemokratie ist die einzige Bartei, die in diesem ganzen Kampfe um die Republik nicht ausschließlich