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9. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralog. oer Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit.

Dienstag, 3. Dezember 1929

Parteitag der deutschen Sozialdemokratie.

371 Delegierte. Dr. Czech über politische Situation und Regierungsbilding. 30 Redner Sprechen in der Debatte. der Debatte. Die Die Beschlüsse.

Bezugs Bebingungen:

Bel Juftellung ins Haus oder bei Bezag durch die Bost:

atonatlich... vierteljährli

albjährig

anzjährig..

.. 16.­

48.­

98.­

192.

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Erigheint mil A bes Montag täglich früb.

Nr. 282.

Unser Parteitag.

ein seelenloser Mechanismus, durch sie wird Volkshaussaal, vor ujjige Pohl und Taub, sowie für jede Kreisorgani arbeiten für ihn getroffen werden, ehe nicht die

die Organisation, wird die Partei zu einem wunderbaren Instrument, das alle Regungen des Arbeiterlebens empfindet, alles Wollen der Arbeiter zusammenfaßt, sie wird geformt durch den Willen der Klasje.

Wie lebendig unsere Partei ist, wie die Arbeiter ringen mit den Problemen der Poli­tit, mit den ganz besonderen politischen Proble­

men, die bent Arbeiterkampf im Rationalità Die politische Situation und die

Arbeiterklaffe

Besondere Verhältnisse, vor die die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslo wakischen Republik bisher noch nie gestellt jan. Umstände, wie sie durch den Ausfall der letzten Parlamentswahlen sich gestaltet hoben. Bro Am Donnerstag wurde der Parteitag ein- den tschechischen Arbeitern eine immer engere men der Parteivertretung die Delegierten herz ferer Politik und Taktif einer Entscheidung zu­bleme, die in bezug auf die Bestimmung berufen, Samstag nachmittag trat er zu werde diesem Wunsche, diesem drängenden - diesem Wunsche, diesem drängenden lich willkommen heißt. Es wird beschlossen, am jammen, verjammelten sich dreihunderteinund- Verlangen verlieh fast jeder Redner Worte. Er Samstag bis abends und Sonntag ab 8 1hr drängten, hatten die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages fiebzig Delegierte. So wunderbar funktioniert war auch mitentscheidend bei der Beschlußfaj früh zu verhandeln. Die Majchinerie unjeres Organisationsappara- jung des Parteitages. Für das Präsidium schlägt Gen. Taub die notwendig gemacht und diejer Parteitag wurde tes, daß fast über Nacht die gesamten Ver­folgenden Genossen vor, die auch einstimmig ge- am Samstag und Sonntag in Auffig: abce­trauensleute der Partei zu mobilisieren sind! Bei jedem ihrer Schritte, bei jeder Ent- wählt werden: Als Vorsitzende Dr. Czech, halten. Alle Delegierten. welche diese beiden Und so stark ist das Verantwortungsbewußtsein scheidung, die sie faffen wird, begleitet, stüßt remser, de Witte und Beutel, als Tage der ernsten und würdigen Verhandlun unserer Genossen, daß ein Signal der Partei das Vertrauen der gesamten Partei unsere nossen Schloßnice! und Paul. Als Ge- hocherfreulichen Eindruck von der ganz unge­Schriftführer Genosjin Kirpai, und die Gegen miterlebten, haben gewiß als ersten den genügt, um die Abgesandten aller Organija- führer. Ihre Politik iſt im Einklang mit dem schäftsordnung wird die bei den Parteitagen wöhnlichen Beweglichkeit und Lebendigkeit un fionen zu weiter nächtlicher Fahrt, zu beschwer- Wollen der Masse, zu ihnen, hinter ihnen übliche beſtimmt, mit der Ausnahme, daß dem feres Parteiapparates und was noch weit ſapve­licher Reise, zu anstrengender Beratung, zu steht die gesamte Partei das ist das herr- Referenten eine längere Redezeit als eine Stunde bielftiindiger, alle Nerven anspannender Wechliche Ergebnis unieres außerordentlichen Bar- und den Debattenrednern eine Viertelimunde rer wiegt: von der Aktionsfähigkeit und Diszi­plin unseres Parteiförpers im allgemeinen, wie jelrede, zu entscheidungsvoller Beschlußfaffung teitages. idsugebilligt wird. Hierauf wird zur Wahl einer Antrags unserer Vertrauensmänner im besonderen er Au rufen! prüfungsfommission, die zugleich als halten. Wenn auch schon Tage früher mit der Die Liebe zur Partei und zur Idee, der Der außerordentliche Parteitag der deutschen Mandatprüfungsfommission zu fungieren hat, Möglichkeit der Einberufung des Parteitages fie dient, die Treue der Mitgliedschaft machen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tsche geschritten. In diese werden gewählt: Für die in manchen Parteikreisen gerechnet wurde, so allein ein solches Funktionieren der Organisa- choslowakischen Republik trat Samstag nachmit Parteivertretung Dr. Czech, Dr. Heller, fonnten doch früher feine entscheidenden Vor­tion möglich. Ohne sie wäre die Der latschrift das proletarische Freundschaft" grüßt, bach Kögler. Brünn Wellan, Karlsbad Stirnwand in fation je ein Vertreter, und zwar für Ein­ist von der großen Zahl der erschienenen Dede Witte, Piljen- Budweis Ruplent, Teplit berufung für gegeben erachtete und so kam zu Legierten aus allen Teilen des Organisations rcmfer, Trantenan Krejci, Reidenberg dem außerordentlichen Verhandlungsgegenstand brei Uhr nachmittags wird der Parteitag eröff Bischko, Troppau Heeger, Preßburg& al den Parteitag binnen der wohl denkbar fürze­gebietes der Partei vollkommen bejeßt. Pünktlich Vorbach , Landstron Tremi, Sternberg auch noch die außerordentliche Aufgabe hinzu, net. Zunächst singen die Sänger des Aussiger, mar und Prag Dr. Strauß. sten Frist einzuberufen und abzuhalten. Diese Singvereines den Chor, Brüder zur Sonne zur iHerauf ergreift zum einzigen Burk: der Aufgabe wurde im Zusammenwirken unseres Freiheit", worauf Genosse remser im Na- Tagesordnung Vertrauensmännerapparates man darf es ohne Uebertreibung sagen glänzend gelöst. Am Mittwoch vormittag hejchloß die Par tenstaat gestellt sind, wie schr also die vielge­teivertretung, den Parteitag einzuberufen, am staltige Organisation des judetendeutschen Pro­Samstag waren über dreihundert Delegierte letariats durch den Geist regiert wird, das aus allen deutschen Gebieten des Staates in politischerstartende Bourgeoisie zeigte der Berlauf unseres anßerordentlichen Parteitages. Dreißig Redner sprachen. Arbei­gegenüber. Gleichzeitig schwächen sich auch die Aufig verjammelt, feine zur Delegierung be­Intereffengegensäge innerhalb der Bourgeoisie ab, rechtigte Körperschaft war unvertreten und in ter aus den Betrieben und beamtete Vertrau besonders wenn es um den Kampf gegen den dieser kurzen Zeitspanne war nicht nur die Be­ensleute. Geübte Redner und Männer, die Sozialismus geht. Aus dieser Entvidlung müj ftimmung der Delegierien durch die zuständigen fuchend mit dem Worte ringen. Genossen aus sen sich gegen die Koalitionspoliti! Organisationen erfolgt, fast überall war es allen Teilen des Landes. Kämpfer, die sei! Bedenken ergeben, zumal die Regierung, die auch noch möglich, den Mitgliedern unserer Jahrzehnten in den vordersten Reihen stehen, bedeutend wird. In den vergangenen vier v regierung ist, an der auch solche Parteien teilneh- ben, zu der Frage, die den Parteitag zu bejchaj­uns hier präsentiert wird, eine Stonzentrations politischen Organisationen Gelegenheit zu ge­und junge Genossen. Männer und Frauen. chen hat sich ein schwerer Wachtkampf zwischen men, mit denen man schwer Sozialpolitik machen Vertreter der verschiedensten Organisations: der kapitalistischen Bourgeoisie und dem Sozialann. Siezu kommt noch, daß das Bürgertum, tigen hatte, in ausführlichen Debatten Stel­zweige. Befürworter der Teilnahme der Partei lismus abgespielt. Es wurde allen Ernstes der wenn es auch nicht einheitlich ist, in der Regie- lung zu nehmen. Die Berechtigung des von an einer Regierungsfoalition u. Gegner eines Verfuch gemacht, den geschlagenen Bürgerblock rung dennoch die Mehrheit besigen wird. Ange- einem der Redner auf dem Parteitag geipro­solchen politischen Schrittes. Und jede der drei wieder aufzurichten. Jetzt steht nach dem Scheissichts der Agrarkrise und der drohenden Wirt chenen Wortes: Das soll uns eine andere Par­kig Reden war Ausdruck der gleichen heißen tern verschiedener anderer Kombinationen ein fchaftsfrise ergeben sich in einer solchen Stoalition tei nachmachen", wird angesichts dieser bewun= Liebe zur Partei, der Sorge um das Wohl der Konzentrationskabinett im Vorder- nur begrenzte Wirkungsmöglichkeiten. dernswerten Organisationsleituna fidher nie Aber auf der anderen Seite müssen wir auf mand bestreiten können. Arbeiterklasse, um die Zukunft der Bewegung. grunde, das aus tschechischen und deutschen agra­rischen, flerifalen und kapitalistischen Gruppen die internationale Lage Rücksicht Selbstverständlich gab es Meinungsper- einerseits und dem sozialistischen Block anderer­Der zweite und noch nachhaltigere Ein­schiedenheiten. Wir sind froh darüber, wir sind seits bestehen soll. Wir wurden vor die Frage genehmen und begreifen, daß wir gerade jest, da brud, den gewiß jeder einzelne Teilnehmer an das Friedensproblem im Vordergrunde der inter­ſtolz darauf. Denn was wär' die deutsche So- stellt, ob wir bereit sind, gemeinsam mit den nationalen Bolitik steht, von rein fapitaliſtiſchen der Auſſiger Tagung mit nachhause getragen sialdemokratie, wenn es in ihren Reihen feine tschechischen Genossen in dieser Regierung mutzu- und imperialistischen Regierungen keine Friedens hat, war ein nicht minder erfreulicher. Er be­Meinungsverschiedenheiten gäbe, fein sorgliches arbeiten. Wir haben erklärt, daß diese Entschei- politif, feine Abrüftungspolitit erwarten fönnen. trifft den Verlauf der Verhandlun Erwägen des Für und Wider, teine geistigen dung nur von unserer höchsten Parteiinstanz. dem Wir müssen aber auch wie dies die internatio- gen. Nicht als ob alles wie am Schnürchen" Strömungen! Daß in ernſter Stunde io heiß Parteitage, gefällt werden kann, daß wir nale Entwicklung zeigt- mit dem Um sich ging, alles was an Meinungen zum Ausdruc gerungen wurde, welchen Weg die Partei zu aber die Voraussetzungen für die Stoalitionspoli greifen fascistischer Gefahren rechnen. gehen habe, das war herrliches Zeugnis der tit prüfen wollen. Wir haber: schließlich, unter gehen habe, das war herrliches Zeugnis der Vorbehalt der Zustimmung des Parteitages, uns hohen politischen Reife unserer Vertrauens­leute, aber auch ihres hohen Verantwortungsbezur Verhandlung bereit gefunden. Ueber.ie Frage der Koalitionspolitik an sich Ueber.ie Frage der Koalitionspolitik an sich wußtseins. Und daß die Auseinandersetzungen sind sich alle Barteien der sozialistischen Arbeiter. über eine Frage, an der so oft sich die Geister internationale einig. Für sie ist das Stoalitions. in den sozialistischen Parteien erhißt haben, problem fein grundsägliches Problem, geführt wurden im Geiste brüderlichster Ge- sondern nur eine Frage der Zweckmäßigkeit, meinschaft, das war mehr noch als ein Beweis, daß das Grußwort, das von der Stirnwand des Beratungssaales leuchtete, levendig ist in aller Herzen: Freundschaft!

Genojie Dr. Czech das Wort.

Dr. Czech

( mit lebhaftem Beifall begrüßt: Der Parteitag steht vor einer verantwortungsvollen Entschei dung, die wahrscheinlich einen

Wendepunkt in der Politi. des Landes

eine Frage der Taktik. Auch der Beschluß unseres Karlsbader Parter tages vom Jahre 1920 schließt die Stoalitionspo litif nicht grundsäßlich aus und schon im Jahre Wenn Freundschaft uns alle verbindet 1921 auf unserem Teischener Parteitage haben im Verhältnis zwischen der Mitgliedschaft und wir ausdrücklich festgestellt, daß gewisse dem Kader der Vertrauensleute und zwischen Situationen uns zur koalitionspo Mitgliedern, Vertrauensmännern und Parteiitit zwingen fönnen.

feitung ist diese Freundschaft gesteigert zu lie­bendem Vertrauen. Wie echt, wie wahr, wie aus begeisterten Herzen aufrauschend war der Beifall, der den Parteivorsißenden Genossen Dr. Czech empfing, der seinen Reden folgte! Ein Stampfheer, in dem die Streiter mit dem Führer durch so schönes Vertrauen, durch so aufrichtige Liebe verbunden sind, ist unüber­mindlich!

Wir stehen nicht vor der Frage, ob Koali: tionspolitik überhaupt zulässig, sondern ob jie im gegebenen alle möglich ist. Hier aber ist es notwendig, einerseits die internationale Lage und die wirtschaftliche und innerpolitische Situation zu analysieren und andererseits die Verhältnisse innerhalb der Arbeiterbewegung des Landes und vor allem das Stärkeverhältnis und die Wir­fungsmöglichkeiten des Sozialismus einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.

Freundschaft, dauernde Freundschaft will das iudetendeutsche Proletariat auch mit sei- Es unterliegt feinem Zweifel, daß in letzter nen tichechischen Band, das in Smichov acfnüpft wurde, nie gung zu verzeichnen ist. Aber der Arbeiterbewe­mehr zerreiße, daß die Kampfgenossenschaft mit gung steht auch eine wirtschaftlich und

? enossen. Daß das Zeit eine wesentliche Stärkung der Arbeiterbewe­

schlaggebenden Tatsachen ist es aber vor allem Bei Prüfung der für die Entscheidung aus anderen unsere Pflicht, den überaus schwierigen Berhältnissen in der Arbeiterbewegung unseres Landes Rechnung zu tragen.

Die Entwicklung, die in Smichov angebahnt wurde, muf weitergeführt werden. Das Wahlergebnis des Jahres 1925 war vor allem darauf zurüdzuführen, daß die Arbeiter damals an der Internationale verzweifelten.

fam, gleichartig, uniform war, in einer und ten gehütet hätten, etwa aus mißverstande derselben Richtung verlief und sich die Delegier­ner- Disziplin, Bedenken vorzubringen, Ein­wände zu erheben und alles an Gründen und Gegengründen ins Treffen zu führen, was für und insbesondere gegen zu sprechen den betref. fenden Rednern geeignet erschien. Wäre es so gewesen, jo hätte der Parteitag jeine Aufgabe nicht erfüllt, es wäre dies ein Zeichen einer den mangeinden geistigen Regsamkeit in Stadres unserer Partei gewesen, einer Gleich förmigkeit des Denkens, die für einen lebenden Körper, wie es der einer Partei ist, ein schlim­mes Beichen gewesen wäre. Wie niemand in einer demokratisch aufgebauten Partei auch vor Hier ist zu bedenken, daß die tschechischen Sozial- dem trefflichsten und richtigsten Argument be demokraten auf dem Standpunkte stehen, daß sie, dingungslosen Respekt heischen kann, so beden­da sie den Staat mit aufgebaut haben, sich für tet natürlich auch nicht, daß jede vorgetragene ihn verantwortlich fühlen und daß eine faliche Ansicht Anspruch darauf hat, mit Ehr­ernste politische Sonstellation ohne und gegen sie furcht hingenommen zu werden, keinen Ein­gar nicht möglich ist.

Wir glauben, daß es die sudetendeutsche Arbeiterschaft nicht ertragen würde, wenn es jeßt infolge einer neuen politischen und par. lamentarischen Konstellation zu neuen Aus einanderseßungen zwischen den beiden sozial­demokratischen Parteien wieder fäme.

Siezu kommt aber auch noch die weitere Erspruch und Widerspruch gegen sie zu erheben. wägung, daß unsere Partei verpflichtet ist So kam es, daß mitunter lebhaft die Klingen -wenn es nur halbwegs geht ein etwaigekreuzi wurden, aber in jedem Augenblick des ges reaktionäres Regime zu ver- vom Anfang bis zum Schlusse unter der ge­hindern.

Aus all diesen Gründen schlagen wir Ihner vor, uns zur Fortführung der bereits begon nenen Verhandlungen zu ermächtigen. ( Fortsegung auf Seite 2.)

spanntesten Aufmerksamkeit aller Teilnehmer stehenden Parteitags die Sorge und die Rüd­sicht auf die Partei und die Interessen der Arbeiterschaft die treibende Kraft aller Reden und aller Redner war. Um die Vorausseßung