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10. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Freitag, 26. September 1930.
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Nr. 227.
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Sturm auf das Deutsche Haus"- Blutiger 3ufammenstoß in der Nähe des Deutschen Theaters An vielen Stellen Demolierungen bei deutschen, jüdischen und tschechischen Firmen Gendarmerie greift ein.
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Um elf Uhr. abends war wohl überall eine
Die durch mehrere Tage fortgesetzte planmäßige Hetze der nationaldemokratischen und fascistischen Revolverpresse hat nun die er sehnten Früchte getragen. Prag in Aufruhr! Das heißt, Prag" das sind ein paar hundert junge Leute, die sonst die Fußballplätze
Prag, am 25. September 1930. Schon in den Nachmittagsstunden konnte man gewisse Beruhigung eingetreten, aber immer größerem Maßstab wiederholten, hat Genosse und ihre Weltanschauung durch die Lektüre aus dem regen Leben im Stadtzentrum, das von noch bot um diese Stunde die innere Stadt ein Taub neuerdings beim Polizeipräsidenten in des Sportteiles der Střibrnypresse vervollabenteuerluftigen jungen Menschen und allerdings aufregendes Bild durch die postierten und energischer Form zwecks Wiederherstellung der kommnen. Ein paar hundert dieser Zeitauch vielen Neugierigen wimmelte, schließen, daß patrouillierenden Wachen und die immer wieder Ordnung interveniert. genossen haben am Mittwoch abends unter auch der heutige Abend nicht ruhig verlaufen Gruppen bildenden Demonstrierlustigen. werde. Tatsächlich fanden gegen acht Uhr abends Nach Mitternacht veröffentlicht die Polizei bewährter Führung in die Politik und in das am Wenzelsplaß einzelne Ansammlungen statt. eine Darstellung der Unruhen, wobei festgestellt Kulturleben dieser Stadt, aber auch des Man fonnte beobachten, daß es stets nur ein Wir erhalten noch die Mitteilung, daß wird, daß an einigen Stellen gegen die Demon- Staates mit zwingenden Argumenten einzu Häuflein junger Leute beiderlei Geschlechts war, während des Sturmes gegen das Deutsche Stranten von den Gummiknippeln Gebrauch ge- greifen sich berufen gefühlt und noch etliche die zu demonstrieren versuchten. Sie wußten auch Haus auch Schüsse gefallen seien; an der macht wurde. Im ganzen wurden 60 Personen andere hundert Leute, die eben nichts anderes angehalten. Zwei Gendarmen und mehrere Wach zu tun fanden und die bei einer„ švanda" nicht immer, gegen wen fie demonstrieren sollten, anderes einmal schrien fie„ Nieder mit den Deutschen !", Fassade fand man zwei Einſchüsse von Revolver- leute wurden verlegt, einer mußte ins Kranten - nicht fehlen wollen, schlossen sich ihnen an. ein andermal Nieder mit den Juden!", dann fugeln. haus gebracht werden. Einen ganzen Abend lang, von acht bis Mitternacht, scheute die so eindringlich auf den Plan gerufene Menge keine Mühe, um das
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wieder tobte sich ihre Lungenkraft gegen das Ceste Slovo" aus, schließlich pfiffen und johlten
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Hie zu ihrem Vergnügen. Insbesondere um halb Die Demonstrationen und Gewalttaten am Mittwoch Abend. gefährdete Ansehen des Staates vor dem In
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freien Lauf ließen.
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neun erreichten die Kundgebungen gegen das tschechisch nationalsozialistische Parteihaus einen Der Bericht, den wir gestern über die Vor-| Bericht des Preßbüros verzeichnet, daß vor dem land und insbesondere vor dem Ausland zu gewissen Höhepunkt, die Menge staute sich vor dem fälle am Mittwoch brachten, ist noch durch die Stino Rory ein Polizeiinspektor blu- retten. Es wurde nämlich ,, Reinigungsarbeit" " Ceffe Slovo" und zog dort auf und ab, wobei Verzeichnung folgender weiterer Tatsachen und tig geschlagen worden sei. in großem Stile verrichtet und diese ist des eine rotweiße Fahne getragen wurde und abwech Einzelheiten zu ergänzen: Im übrigen mehrten sich gegen Witternacht Schweißes der Edelsten wert. Eine Anzahl selnd das ,, de domov muj" und andere slawische Die Demonstrationen am Mittwoch Abend immer weitere Berichte von Demonstrationen. Kinos, in denen deutsche Tonfilme gespielt Lieder gesungen wurden. Die Polizei schaute erft hatten wieder bei den Kinos ant Wenzelsplay, So wurde gemeldet, daß etwa 500 Menschen werden, wurden durch die Zertrümmerung ruhig zu und trieb dann mit einer gewissen vor allem bei den Bios„ Avion" und" Paauch vor der Deutschen Gesandschaft ihrer Portale und teilweise auch durch die Schlichternheit die Demonstranten teils gegen basage" ihren Ursprung genommen. sage" ihren Ursprung genommen. Vor dem mit Pfui- Rufen zu demonstrieren suchten, nur Muſeum hinauf, teils den Wenzelsplay hinunter Bio„ Avion" hatten sich, obwohl deffen Diret hatten sie sich in der Adresse geirrt und brachten Demolierung ihrer Inneneinrichtung über das Brückel. Ein Teil der abgedrängten De tor den Entfall der Abendvorstellung hatte an ihre Schmährufe vor einem Haus aus, in dem überzeugt, daß solche Aufführungene monstranten die Menge war inzwischen ange- tündigen lassen, etwa 200 Demonstranten ein- sich die deutsche Gesandtschaft nicht befindet. provokace" sind und die Absetzung de wachsen veranstaltete nun am Graben Kundgebungen, insbesondere gegen das„ Deutsche Haus" gefunden, die nicht eher ruhten, als bis ein Auch vor dem Gebäude des Orbis und der schen Tonfilme erzwungen. Dann eri auf das gegen dreiviertel 9 Uhr ein Steinbombar: Funktionär bes Kinounternehmens erklärte, daß Prager Preise" lamt es zu sehr ernsten sich die Reiniger, daß es in Prag noch dement eröffnet wurde. Die Polizei und auch ein der Unsterbliche Lump" nicht weiter aufgeführt Ausschreitungen. Hier ging die Polizei mit dem ein deutsches Theater gibt und so: würde. Die trawallierende Menge zog dann Summitnüttel vor und verhaftete mehrere De- hin und zerschlugen ein paar Tür- u zelne Gendarmerieabteilungen räumten nun den unter Schmährufen auf die Deut monstranten. Solche Verhaftungen wurden ſterſcheiben. Auf den verschiedenen Graben. Im„ Deutschen Hauſe" zeigen viele zer- fchen und auf die deutschen Filme und mit übrigens im Laufe des Abends mehrere vor durch die Stadt zertrümmerten brochene Fensterscheiben und Hunderte von auf Spiegelscheiben einiger Kaffeehäuser, dem Gehsteiq herumliegenden Steinen, wie die ochrufen auf das tschechische Prag den Wen genommen. Menge dort gewütet hatte. Der Graben wurde selsplatz hinunter. Sie drangen in die Passage, Der angerichtete Schaden. denen sie glaubten, daß dort Deutsche und dann vollständig abgesperrt, niemand wurde durch die zum Stino Passage" führt, ein, zertrüm Ein Rundgang durch die Stadt am Don uden verkehren und schließlich betätigten sic den Polizei- und Gendarmerickordon durchgelassen. merten dort, während die Vorstellung noch im Selbst vom Altstädter Ring fennte man in der Gange war, Plakattafeln und nur mit schwerer nerstag und die Lokalaugenscheine ergaben, daß ihren Reinlichkeitsfinn, wohl weil es gar so Selbst vom Altstädter Ring konnte man in der Mühe wurde innerhalb des Kinos während der allein die bloßen Materialschäden weit größer schön klirrte, auch noch an den AuslageRichtung zum Graben nicht passieren. scheiben verschiedener tschechischer GeschäftsCharakteristisch ist auch, daß in einzelnen Vorstellung eine Panik verhindert. Auch hier sind, als man ursprünglich annahm. Im Deutschen Theater sind nicht leute. Die Pausen während ihrer Arbeit Nebenstraßen Verwüstungen angerichtet wurden. erzwangen die Demonstranten die Erklärung, So wurden in einzelnen, Tschechen gehörigen Ge- daß der Film„ Zwei Herzen im ¼- Takt" abnur große Türscheiben und Gangfenster füllten die, na, sagen wir: Demonstranten, an der linken Seite des Hauses eingeschlagen, füllten also die Demonstranten mit dent schäften, Fensterscheiben und Firmenschilder einge. gesagt würde. Die fascistischen Demonstranten waren in- ſondern es wurden auch nicht weniger Absingen des„ Kde domov můj" aus und an fchlagen, woraus man ersicht, daß viele Demon= stranten durchaus nicht politische Ricle ver- zwischen auf viele hundert Personen als 32 Scheiben allein in der Nähe des Chor- der Spitze des Zuges trugen fic, wie ein folgten, sondern einfach ihrer Zerstörungswnt angewachsen. Mit fascistischen Abzeichen und faals zertrümmert und eine Reihe von Gang nationaldemokratisches Blatt rühmend herStöden ausgestattet, zogen sie zum fleinen Stino fenſtern im rückwärtigen Trakt. Einzelne Steine vorhebt, eine Fahne in den Staatsfarben, was " Olympic" in die Brenntegasse, wo der fielen in die Wohnung des Pförtners, Die Polizei ist schwer mitschuldig daran, Liedtke- Film ,, Delikatessen" lief. Die Vorstellung ja bis in die Betten seiner schlafenden Kinder! beides sicher nicht wenig dazu beigetragen dak die Demonstrationen gestern abends neuerlich dort war schon zu Beginn durch einige Kra Das Theater und übrigens auch alle anderen hat, die Polizei zu ihrer rücksichtsvollen, fast so ernsten Charakter annahmen, denn sie spielte feeler, die Plätze angekauft hatten, durch Pfui- gefährdeten Objekte waren Mittwoch nachts möchte man sagen: wohlwollenden Haltung fich förmlich mit den Demonstranten, ließ die An- Rufe auf Deutsche , Juden und auf den deutschen und gestern tagsüber ständig von Polizei bezu bestimmen. Gewalttäter und Demolierer, welche die Staatshymne singen und eine sammlungen und Kundgebungen immer wieder Tonfilm gestört und unterbrochen worden. Die wacht. Das Café„ Elektra" ist im allgemeinen Fahne in den Staatsfarben tragen, müssen zu und ging nachher immer sanft vor. Dies war Demonstranten draußen durchbrachen im wilden hauptsächlich in der Zeit zwischen acht und neun Kampf das eiserne Gittertor und tobten sich glimpflich davongekommen, dagegen hat das wohl anders behandelt werden, als DemonUhr zu bemerken. Hätte sich die Polizei vom An- auch hier gegen die deutschen Filmplatate aus. Café Nizza " schweren Schaden genommen. Stranten, welche etwa die„ Rote Fabne" oder fang an die eigenen Weiſungen gehalten und die leber den Graben zurück, wo sie vor dem Deut. Mit großen Steinen wurden sämtliche gar deutsche Lieder singen.. Demonstranten energisch zerstreut, dann wären die schen Haus demonstrierten, marschierte der Mob sechs große Scheiben nach der Fochova Dahin sind wir also wieder glüdlich ge. späteren Vorfälle nicht möglich gewefen. Auch die dann in die Langegasse vor das Bio Rory", wo zertrümmert. Der Bächter, ein Tscheche(!), berittene Polizer, die später auftrat, ritt fchr die Tonfilmoperette„ Der Walzertönig" erlitt aber auch sonst schweren Schaden. Geschirr langt, daß politische Parteien, sogar solche, die friedlich hinter den Demonstranten her. Erst das gespielt wurde. Hier nahmen die Ausschreitun wurde zerschlagen im Innern des Kaffee in der Regierung stehen, die Prager Straße Auftreten der Gendarmerie zeigte sich wirksamer. gen besonders ernſten Charakter an, die Fenster- hauses wurden nach der Demonstration zwanzig mobilisieren, die früher, ach, so lebendig war, scheiben der Straßenfront, alle Spiegel im Kino- Steine gefunden, die Gäste waren verängstigt daß ein Druck auf den Knopf gewissermaßen saal wurden zerschlagen und überhaupt alles davongelaufen und vergaßen vielfach, ihre Zeche genügte, um sie in Bewegung zu setzen. Blutiger Zu ammenstoß zu zahlen und gestern war der Mittagstisch in Sollen diese Zeiten wiederkehren? Zehn Die Radauſzenen fanden auf dem Wenzels diesem Lokal verödet, weil sich die Gäfte vor Jahre faſt ſind es her, seitdem den nationa in der Nähe des Deutschen Theaters Nach dem gescheiterten Versuch, gegen das play, vor der Lichtreklame der Prager Redat- neuen Demonstrationen fürchteten. Aehnlich Jahre fast sind es her, seitdem den nationaDeutsche Theater vorzugehen, stieß die doch ab- tion des Brünner Tagesboten"( Ede Heinrichs ergeht es in dieser Hinsicht übrigens auch einer listischen Pogromen, die ein bißchen auch mit gebrängte Gruppe in den Anlagen mit anderen gasse und Wenzelsplatz), vor dem Kino„ Skotva" Reihe anderer Lokale, die viel von Deutschen antisemitischen Pogromen Hand in Hand gingen, Einhalt geboten wurde und die Gruppen zusammen, die vom Wenzelsplaß ab ihre Fortsetzung und erreichten ihren Höhe besucht werden. Eine Pikanterie stellt die Tatsache dar, daß Arrangeure einsehen mochten, daß sie mit der getrieben worden waren. Als die Polizei die punkt vor einigen deutschen Se affeehäubedrohliche Demonstration zerstreuen wollte, ern. So vor dem Café" Nizza ", dessen Fen- auch die Scheiben des tschechischen Or- Veranstaltung solcher„ Volkskundgebungen" sterscheiben zertrümmert wurden, ferner beim bis- Hauses, in dem die die Prager niemandem mehr schaden als dem Ansehen eröffnete die Menge ein Steinbombar- stino dement gegen die Polizei, die dann natürlich Sino„ Maceška", in der Nähe der Wein- Presse" hergestellt wird, start mitgenommen des Staates und des tschechischen Volkes, eine sich zur Wehr seßte. Es gab sowohl welche die Drahtzieher der Weltunter den Demonstranten als auch unter der gleichfalls Fensterscheiben und Reklametafeln ,,, M aceška", an dessen Front und in dessen woch- Strawalle längst wieder eingebüßt haben. auch in der Umgebung des Kinos, durch Umgebung keine Scheibe ganz blieb. Dort haben Polizei, welch leßterer es dann gelang, die ran- Steinwürfe zertrümmerten. Gegen Mitternacht tschechische Geschäftsleute die Wir- Freilich springen einige Unterschiede zwischen dalierende Menge zu zerstreuen. Wie uns mitbekam auch das Hotel„ de Saxe" Steinwürfe ab. tung des tschechischen Chauvinismus deutlich damals und heute in die Augen. In den ersten Jahren nach dem Kriege war die geteilt wird, hatten die Demonstranten dort Ueber die Vorfälle vor dem deutschen am eigenen Gut zu spüren bekommen! sogar den Versuch unternommen, eine Barri Theater haben wir bereits ausführlich be- Das Bild der Zerstörung ist am gründ- Erinnerung an gewisse Bedrückungen, denen tabe zu bauen. lichsten im Bio Roxy". Am Portal und im die Tschechen in Desterreich unter deutschErnste persönliche Zwischen- Sausflur blieb nichts ganz, was nicht niet- und bürgerlicher Mitwirkung ausgesetzt waren, In der Altstadt tam es an verschiedenen Stellen, vor allem in der Melantrichgasse, zufälle wurden gestern morgens insgesamt nagelfeſt iſt. Ja selbst die Lichtleitung und noch frisch, aber heute? Zwölf Jahre nach schweren Ausschreitungen. Eine Menge Aus- zwei berichtet: Das„ Prager Tagblatt" meldet, die Heizanlage wurden demoliert und im dem Kriege? Daß die Tschechen durch Deutsche lagefcheiben und Firmentafeln deutscher und daß einem englischen" Journalisten am Wenzels- Innern zerschlugen die Demonstranten einzelne irgendwie bedrückt werden, wird nicht einmal jüdischer, aber auch tschechischer Firmen wurden play der Hut vom Kopf geriffen und ins Ge- Site, ruinierten das Klavier und warfen mit der verlogenste Stříbrny- Journaliſt behaupten
gertrümmert.
Demoliert.
richtet.
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sicht geschlagen wurde und der offizielle
( Fortschung auf Seite 2.)
fönnen. Eine Provokation? Wenn jetzt nach