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10. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Dienstag, 7. Ottober 1930.
Das größte Luftschiff der Welt explodiert
,, R 101" auf seiner ersten Indienfahrt über Frankreich verunglüdt.- 51 Zote, darunter Luftfahrtminister Thomion.
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Paris , 5. Oftober. Das englische Luftschiff„ R 101", das größte Luftschiff der Welt, das am Samstag vom Londoner Flugplatz zu seiner ersten Reise nach Aegypten und Indien aufgestiegen war, ist in der Nacht auf Sonntag um 2 Uhr 10 früh bei der französischen Stadt Beauvais von einem Sturm wiederholt gegen den Boden geschleudert worden, wobei es explodierte und in Flammen aufging.
An Bord des Luftschiffes befanden sich 58 Personen, darunter der englische Luftfahrtminister Thomson und mehrere hohe Funktionäre des britischen Reichsluftdienstes. Alle Paffagiere bis auf acht, die mit schweren Brandwunden geborgen werden konnten, find mit dem Luftschiff verbrannt, darunter auch Lord Thomson. Aus den Trümmern des Luftschiffes, deffen Delbehälter bis Sonntag nachts brannten, wurden bisher 47 verkohlte Leichen geborgen, drei befinden sich noch unter den Trümmern. Von den acht Ueberlebenden ist einer im Spital seinen Verletzungen erlegen.
Nach der letzten Funknachricht von dem Luftschiff, die Sonntag um 1 1hr 50 abgegeben wurde, hatten sich die Passagiere, nachdem fic glänzend genachtmahlt und viele Zigarren geraucht" hatten, zur Ruhe begeben. Von der Besatzung hatten im Augenblick der Katastrophe zwölf Mann Dienst, die anderen schliefen.
Die Nachricht hat Trauer in ganz England verbreitet. In seinem Tele: gramm an den Lordmajor spricht der König von einem nationalen in: glüd." teber den öffentlichen Gebäuden und Privathäusern wehen die Flaggen auf Halbmast und in fast allen Kirchen nehmen die Geistlichen in ihren Predigten auf das furchtbare Unglück Bezug.
Aus dem gesamten britischen Reich und der übrigen Welt laufen Berichte über die tiefe Anteilnahme an der Katastrophe und Kondolenzdepeschen der Staatsoberhäupter und Regierungen ein.
Wie das Unglück geschah.
Beauvais , 6. Oktober. Die Ratastrophe] Schließlich wurden die Opfer in die herbeispielte sich in dem Moment ab, als alle Passa- geschafften Särge gebettet und in das Rathaus giere an Bord außer den Piloten und der regu- der Stadt Allonne überführt. lären Wache schliefen.
Wie der Pilot mitteilte, fungierten die Mo- Die Bevölkerung fand vom Luftschiff stamtoren des Luftschiffes normal, aber der Regen mende Aluminiumstücke, die bei der Explosion und der Wind drückten dreimal das Luftschiff nieder und ein starker Windstoß stieß das Schiff auf die Erde, worauf die Explosion erfolgte. Sos fort schlugen Flammen aus dem Luftschiff.
Die Bevölkerung von Beauvais eilte schleu nigft zu der Unglüdsstelle, doch lonnte man sich dem Luftschiffe, das hell lodernd brannte, infolge der allzugroßen Hiße nicht nähern. 3wi schen den Flammen fonnte man nur einige Personen sehen, die gespensterhaft hin und her
rannten.
Die 47 bisher aufgefundenen Leichen sind Montag vormittags aus den einfachen Holzfärgen, in denen sie bisher aufgebahrt waren, in schwere Eichenfärge umgebettet worden. Die Beischungsfeierlichkeiten werden am Dienstag in der Kathedrale von Beauvais stattfinden. Nach der Feier werden die Särge durch ein Spalier von Truppen der Garnisonen Beauvais , Compiegne und Sen lis mit militärischen Ehren bis zum Bahnhof ge führt und dort aufgebahrt werden. Um 11 Uhr iverden sie mit einem Sonderzuge nach Calais weiter befördert werden.
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48.
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Nr. 236.
Blutwelle über Sowjetrußland.
Von Peter Garwy.
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Achtundvierzig.... Verleumdet als Schädlinge", als Organisatoren des Hungers". Gefoltert denn sonst wären die von ihnen abgelegten Geständnisse" einfach unbegreiflich, unmöglich. Ohne gerichtlichem Verfahren zur Todesstrafe verurteilt!
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Achtundvierzig... in einer Nacht er schossen. Wer kann, wer iſt imstande, fch diesen letzten Totengang durch die Keller der GPU, diese Massenabschlachtung von zitterit den Menschen achtundvierzig! zu vers gegenwärtigen?
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Wo, in welchen Spelunken hat man die Bestien aufgefunden? Sind es überhaupt Menschen, die Henker, die in einer Vacht achtundvierzig Mitmenschen im Dunkel abge
Ursache?
Todesstrafe gesetzlich nicht abgeschafft, aber praktisch besteht sie nicht, da seit Dußenden Beim Zerreißen der Drähte infolge des Aufpralls. von Jahren sich) tein Mensch dert mehr findet, London , 5. Oktober .( AR.) Die gestern der den bestialischen Henfersbecaf auszuüben zeitlich früh von London abgeflogene Kommission gewillt ist. Aber in Sowjetrußland gibt es zur Untersuchung der Ursache der Luftschifflata- Henfer in Ueberfülle. strophe jeßt sich aus neun Personen zusammen, Aber diese Bestien sind nur gehorsame unter denen sich Marschall Salmond, Commo- Werkzeuge. Die richtigen Senfer jiten im dore Holt und Kapitän Booth von der Be
faßung des Luftschiffes ,, 100" befinden. Die Politbüro der herrschenden boljchewistischen Vorbesprechung der Experten fand noch gestern Partei, die sich plasphemisch Arbeiterpartei" abends an der Unglüidsstätte statt. nennt. Saltblütig und mit Ueberlegung haben Amtlich wurde hiezu mitgeteilt, daß die Ur- Stalin und seine Handlanger die Massenfache des Unglücks erst nach Erfassung aller Zeu- hinrichtungen befohlen. Aber die Terrorristen, genaussagen und Daten festgestellt werden kann. Die jich sakrilegisch Stommanfien nennen, Es wird die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß handelten dabei wie Feiglinge. Das bolschedurch den Anprall auf den Erdboden die Drähte für die elektrische Beleuchtung rissen und durch iſtiſche Politbüro hat ſich nämlich hinter dem den Kurzschluß die für den Start der Maschinen Zentralerfutivkomitee der Sowjets und hinter dienenden Petroleumvorräte in Brand dem Rat der Volkskommissare gestellt. Auch gerieten. Es ist aber auch möglich, daß die durch diese höchsten, wenn auch machlojen n den Kurzschluß entstandenen unten auf die stanzen der Sowjetmacht haben sich feige und
Das Unglüdsgefeß der Serie:
, 6. Oktober. Das Flugzeug D 1930", das sich auf dem Fluge Berlin - Wien befand und fahrplanmäßig um 9 Uhr 15 Minuten in Dresden landen sollte, ist heute vormittags über einem Reichswehrschießstand in der Dresdener Heide abgestürzt. Es war mit einem Piloten, einem Monteur und sechs Passagieren bescht. Sieben Personen waren sofort tot, die achte ist auf dem Transport ins Krankenhaus ihren Verlegungen erlegen.
Ueber die Ursache läßt sich im Augenblid noch nichts sagen. Im Wetter kann sie jedoch nicht zu suchen sein, da die Sicht 10 Kilometer und die Wolkenhöhe 600 Meter betrug. Dic Maschine ist vom Aufprall völlig zerstört, cinc Explosion erfolgte jedoch nicht.
heuchlerisch hinter der GPU gestellt, in dem fie die ganze Angelegenheit dem Kollegium der GPU zur Prüfung" überwiesen haben. Die Prüfung" war kurz und bestand in sofortigem Erschießen sämtlicher Angeklagten, aber nicht Abgeurteilten. Sogar die Gerichtsfomödie wie im Schachtyprozeß wurde unterlassen!
Achtundvierzig in einer Nachi! Was nüßt die Entrüftung? Das Weltgewissen? Nun ist es nach dem Kriege zum leeren Laut, zur überflüssigen Sentimentalität geworder. Die öffentliche Meinung der Welt? Sic ift aber mit wichtigeren" Sachen beschäftigt. Schließlich handelt es sich um ein„, asiatisches Land", wo die grausamsten Methoden des Regierens üblich und vielleicht am Playe find". Sowjet- Dumping. Sandelsfonkur ren; das ist etwas anderes! Aber Menschen abschlachtung... letzten Endes ist es doch eine ,, innere Angelegenheit".
Gleich nach dem Sturz des Flugschiffes er folgte eine Explosion des Wasserstof= fes, bon dem sich auf dem Luftschiffe etwa 172.000 Rubikmeter befanden; auch der Betriebsstoff, von dem sich etwa 25 Tonnen an Bord befanden, geriet in Brand. Der heftige Regenguß, der die ganze Nacht und auch heute früh über der Gegend niederging, konnte die hochaufschlagenden Flammen nicht löschen. Die Liste der Toten: Pilot Bust, Flug gestellter der Lufthansa), ferner Frau Graefe, An der Unglüdstelle trafen sofort die Orts- eugmaschinistenfunfer ange; Bladwell( auf die Gattin des Flugleiters der Luftharia in Sofia , behörden sowie die Mannschaften und die Offi- der Reife nach Prag , Foeldes( Reiseziel Wien ), und Fräulein Blümel( Reiseziel Dresden ). ziere der nahen Garnisonen, Feuerwehr und Dr. Kühnelt( Reiseziel Wien ), stnittel( AnGendarmeriemannschaften ein, welche mit den Kann sein, darf sich aber die vesteurovaische Rettungsarbeiten begannen. Es gelang, acht Arbeiterschaft diese verwilderte und Mann lebend zu retten, doch weisen diese schwere bis zu einer Entfernung von mehr als zehn tität von mehr als 15 Leichen festzustellen. Der übernommene Gleichgültigkeit der bürgerBrandverlegungen auf. Kilometern umhergeschleudert worden waren." britische Militärattaché in Paris versuchte lichen Welt zu eigen machen? Auf keinen Fall! wenigstens die Leiche des Ministers Lord Der Kommandant der Gendarmeriestation Die Trümmer, die in Laversine, zehn Thomson festzustellen, doch ist ihm dies nicht Es ist nicht nur eine morolische Gefühlsvon Dise war als erster an der Unfallstelle er: Rilometer nordöstlich von Beauvais ausgelesen gelungen. frage. Obwohl bereits Marg und Engels schienen, tonnte sich aber dem Luftschiff nicht wurden, sind bereits von der Kommission unter: Wasserstoffgas- Mischung über die einfachen Grundsätze des Rechtes und der nähern. Er sah vor sich ein schreckliches Schau- fucht worden. Nicht gelöst ist die Frage, ob es sprangen, die dann explodierte. Noch eine Sittlichkeit" zum Gebot des kämpfenden Proiespiel, er hörte Stöhnen und fah, wie die ich hierbei um Gegenstände handelt, die während andere Wöglichkeit wird schließlich als Ursache tariats erklärt haben. Das Blutvergießen von Flammen empor züngelten; die größten Flam- der Fahrt des Luftschiffes abgestürzt seien. Die der Katastrophe zugelassen. Als das Luftschiff auf unschuldigen Menschen ohne gerichtliches men schossen aus dem Reservoir des schweren Gendarmerie ist im Begriff festzustellen, ob den Erdboden anstich, wurden die arbeitenden Verfahren verletzt das Rechtsgefühl und BeDels heraus. Die Feuerwehr richtete die Was längs der von R 101" über dem Departement Maschinen mit den Gasbehältern in Verbindung ferstrahlen aus den Schläuchen an jene Stellen, Dife zuriidgelegten Strede sich nicht noch andere gebracht, worauf sich das Gas infolge der vußtsein der europäischen Arbeiter, die zu wo sie einen fich windenden mensch- Bestandteile des Luftschiffes finden. Die Bevöl- Wärmeentwidlung entzündete. Der lange gegen die eigene Rechtsiosigkeit gekämpft lichen Körper sahen. terung soll durch die Presse aufgefordert werden, so entstandene Brand konnte allerdings in weni- haben, um die Rechtslosigkeit in einem an der Gendarmerie sämtliche derartige Funde zu gen Sekunden das ganze Luftschiff ergreifen, da geblichen Arbeiterstaat" zehn Jahre nech übergeben. Dieses insgesamt 5,650.000 Stubitfuß Wasserstoff- dem Ende des Bürgerkrieges!- gleichgültig gas mitführte. anschen zu können.... Es ist aber für die Arbeiterschaft nicht nur eine Gefühls-, sondern eine Vernunft
Die Trümmer des Flugzeuges bilden eine unförmige Masse, aus welcher nur die Bestand teile der Metallkonstruktion hervorragen.
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Aussagen der Geretteten.
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Die Rettungsarbeiten wurden bei Anbruch der Morgendämmerung aufgenommen. Die Gen- Bertolte Leichen.. darmerie und Feuerwehren drangen in den Trümmerhaufen ein und begannen die verlohl- Bis auf einige wenige Ausnahmen sind die Aus den Aussagen der wenigen Augenzeu- frage, nämlich eine Frage der politischen ten und schrecklich verstümmelten Leichen aus Leichen aller Opfer vollständig verkohlt. den Trümmern zu ziehen. Die Leichen wurden Einige Leichen sind infolge der size derart zu gen, die das Flugzeug in dem waldigen Gelände Bernunft. Engels hat einstens den Terror ale auf Tragbahren gelegt und verhüllt und die ſammengeschrumpft, daß fie in Kinderfärge ge- abstürzen sahen, läßt sich vorerst nur entnehmen, Sandlungsweise der erschrockenen Kleinbürger Tragbahren längs eines in der Nähe befindlichen legt werden lönnten. Bis jeßt scheint es volltom- daß das Flugzeug sich in geringer Höhe befand gestempelt. In Rußland gibt es nämlich keine Baunes aufgestellt. Ihre Reihe wuchs rasch. Als men unmöglich die Identität der Zeichen festzu- und fast fentrecht zwischen den Bäumen cb- Diftatur des Proletariats, sondern eine Diftaalle geborgenen Opfer aufgebahrt waren, ent stellen. Nach der Meinung an der Unglüds- stürzte. Einige Augenzeugen wollen noch bemerkt tur einer Schicht der fleinbürgerlichen revo haben, daß furz vor dem Absturz der Motor nicht lutionären Intelligen; über das Proletariat. blößten alle Anwesenden die Häupter und die stätte anwesender englischer Persönlichkeiten Gendarmerie leistete die Ehrenbezeugung. bürfte es überhaupt nicht gelingen, die Jden( Schluß auf Seite 2.) Die Herrschaft der Arbeiterklasse in einem