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Samstag, 16. Mai 1931.
Barifer Kolonial- Ausstellung.
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Bon Paul Ruhftrat.
Panorama der Ausstellung.
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[ staurant fiẞt unter echten Palmen ein franzö fischer Kleinbürger beim abendlichen Apéritif. Er liest in der Zeitung, daß der Präsident der Republik am Eröffnungstage von zwanzig Spahis im feuerroten Mantel durch die Ausstellung Auf diese unvermutete Frage hat der Neger begleitet und hier von siamesischen Tänzerinnen feine Antwort gelernt, und so sagt er nach lan - begrüßt wurde. Und dabei übersicht er die kleine ger Bause:„ mmer das Gleiche." Dies Nachricht, daß die Truppen des Generals Basist vielleicht das einzige wahre Wort, das er quier in Annam über hundert gefangene Aufheute gesprochen hat. Und dafür bekommt er ständische erschossen haben und seit Wochen nicht denn auch kein Trinkgeld. ein Tag vergangen ist, ohne daß man hier und in anderen Provinzen Verhaftungen und Er
Diese Ausstellung hatte schon 1914 als schießungen vorgenommen hat. Solonial- Ausstellung der Alliierten stattfinden sollen. Als man nach dem Kriege den Plan wie
der aufnöhm, forderte der Organisator, Mar- Flucht aus dem Teufelsland.
schall Lyautey, daß man ihm das ganze Bois de Vincennes zur Verfügung stellte und. eine Linie der Untergrundbahn vom Opernplat bis hier. heraus baute. Und es wurde die
Rom , Anfang Mai.( Eig. Bericht.) Dieser Tage raf in Bordighera , einem Städtchen an der italienischen Riviera, der italienische fache Geldsumme bewilligt, mit der dann auch: oatsangehörige Blengins in: iner der wenigen ein bewundernswertes Werf geleistet wurde. Siüdlichen, dem die Flucht aus der canzösis ben Dieser Aufwand war inzwischen nötig gewor- Sträflingsfolonie Cayenne, die noch immer zur Ver den , damit eine wirksame Propaganda für die schickung französischer Sträfitage dient, gelungen Solonial Bolitit getrieben werden konnte. Denn ist. Blengino wor im Jahre 1927 wegen Ermor der Glaube an die weißen Herrenmenschen hatte dung seiner Frau und seines Kindes in Monaco zu im Kriege stark gelitten, Kolonialtruppen hatten 20 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er selbst die Entwicklung aus der Nähe beobachten fön- behauptet seine Unschuld. Die Liga der Menschen: ven, auch zu den andern drang die Kunde, daß rechte hat ches Falles angenommen. Sie wirft der eins der stolzesten imperialistischen Länder zu- französischen Regierung vor, einen italienischen sammengebrochen war, und in das entfernteste Staatsangehörigen, der in Monaco verurteilt wurde, Negerdorf war ein Windhauch der russischen von der. Regierung dieses Landes zur Strafvoll. Revolution gedrungen. In Afrika , in den Südstreďung übernommen zu haben, ohne sich um die fee- Inseln und überall gibt es neben der tradi- notwendigen Rechtsgarantien für das Verfahren zu tionellen Kunst, die wir seit langem fennen und kümmern. Blutflecke als Judizien.
lieben, neben Gößenfiguren und Masken jetzt
eine revolutionäre Kunst, in der sich zuerst die Der arme italienische Auswanderer Blenging nene Entwicklung ankündigt. Die Auseinander war in Monte Carlo nach jahrzehntelanger Arbeit setzungen haben schon an einigen Stellen begon- und durch unablässiges Sparen zu einem reichen nen, aber vorläufig sind die Sträfte noch un- Hotelbesizer geworden. Heute wäre ihn lieber, ec
Die schönste Reise um die Welt" wird den leicht sind sie auch wirklich ganz zufrieden, denn gleich verteilt. Auf der einen Seite der Frei- wäre armt geblieben und hätte nicht all das Fürch Besuchern der Ausstellung versprochen, und wer sie werden dafür bezahlt, daß sie hier sitzen, und heitsdrang der erwachenden Völker, auf der an- terliche erlebt, das er im Grunde seinem Reichtum sich für das Leben und die Kultur fremder Völ- außerdem bekommen sie Trinkgelder. Dafür las- dern Seite das Geld, mit dem man bessere schuldet. fer interessiert, kommt hier reichlich auf seine sen sie sich gern als Primitive" betrachten, die Kampfmittel, besser ausgebildete Truppen und Kosten. Man sieht Neger in ihren Hütten, einen Markt um Sudan , die berühmten tunesischen Souts, ein westafrikanisches Dorf und Neger- si feftungen aus roter Erde, und alles ist von Eingeborenen bevölkert, die hier ihrem Handwerk und ihren Geschäften nachgehen. Frankreich zeigi den Tempel von Angfor im grauen Sandstein, Holland einen javanischen Tempel und Italien einen libyschen Bau. Pfahlbauten spiegeln sich im Wasser, und auf dem See fährt ein Neger im flachen Boot und pfeift ,, Sous les toits de Paris".
Das ist alles sehr schön, und man fragt sich nur, was das mit den sogenannten Mutter ländern zu tun hat, die so stolz ,, ihre" Kulturleistungen zeigen. Die Annamiten haben ihren Tempel, von dessen Wundern man in der Nachbildung schon einen starken Eindruck empfängt, zu einer Zeit gebaut, als in Europa noch nicht der geringste Ansatz zu einer Kultur vorhanden war, die Kongoneger entvidelten beim Schnit zen der Totem- Pfähle schon die gleiche Phantasie, als sie die Wirkungen des europäischen Alkohols noch nicht kennengelernt hatten, und der Neger in seinem Boot würde, wenn er das Pariser Boltslied nicht gehört hätte, gewiß ein eigenes, ebenso schönes Lied pfeifen. Und so ist es überall. Der Eindruck, den man von allen Abteilungen der Ausstellung empfängt, geht einzig auf die fremdartigen Lebensgewohnheiten der afrifanischen, australischen und asiatischen Völker und ihre kulturellen Leistungen zurück. Von dem Wirken der Kolonisatoren wird nichts gezeigt, und so bleibt das Bild unvollständig. Es fehlen die Regierungsgebäude und Kirchen, die Banken und Gefängnisse.
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Die Bewohner der Hütten und Kegelbauten führen erotisches Alltagsleben vor. Die Frauen fochen unentwegt, die Männer zeigen ein Handwerk, zu dem sie primitive Instrumente verwenden, obgleich sie zu Hause schon längst die modernen europäischen Hilfsmittel haben. Aber hier soll der Einfluß der Kolonisatoren möglichst verdeckt werden, denn vom Komfort der Zivili sation ist es nicht weit zu den andern Tegenstaten der Kolonisierung, zu Alkohol und Syphilis und in letzter Zeit zur Arbeitslosigkeit. Das Bild, das man vom Leben der Kolonialvölker bekommt, ist idealisiert, also. gefälscht. Und auch sie nicht mehr sind, und sie sagen dem Besucher schließlich auch diese Ausstellung mit ihren durch Gespräche läßt sich dies Bild nicht forrt alles, was er hören will. Nur einmal nicht. Das Prachtbauten bezahlen kann. gieren. Denn die Hüttenbewohner haben aus war bei den ostafrikanischen Negern, von denen Der Tempel von Angkor verschwimmt wendig gelernt, was sie sagen dürfen, und da zwei Deutsche durchaus hören wollten, daß es in der Dunkelheit. Die Neger frieren in ihren bört man kein Wort der Unzufriedenheit. Biel - früher zur deutschen Zeit viel besser gewesen sei. feuchten Hütten. Auf dem Platz vor dent Re
Der Tempel von Angfor.( Architekt Blanche.)
Französ. Ostafrita.( Architekten Olivier& Lambert.)
Maffa- Dorf.( 3entralafrika).
Eines Nachts, es war in November 1926, wurden seine Frau und seine neunjährige Lieblingstochter sterbend im Binte aufgefunden. Der Mann war herbeigeeilt und hatte seine Frau sofort vont Boden aufgehoben. Dabet wurde sein Hemd von Blut befleckt. Diese Blutflede zeugten am meisten gegen ihn, obwohl die Frau feineswegs ihn vor dem Kommissär des Mordes anflagic. Aber der hielt ihn sofort für den Mörder, unterließ jede weitere Untersuchung unter den vielen Gästen des Hauses und jede Nachforschung, ob etwa ein Geliebter oder ein anderer der Mörder sei.
Der Hauptbelastungszeuge in dem Brozez gegen Blengino war der Schwager des Angeklagten, den dieser erst als Portier in feinen Hotel eingestellt hatte. Allgemein hieß es, daß dieser Portier jehr geldgierig war und hoffte, durch die Berurteilung feines Schwagers das Hotel übernehmen zu können. Die traurige Hoffnung hat sich in der Tat erfüllt. Und auf die Aussage des Portiers hin wurde Blen gino des Doppelmordes für schuldig befunden und auf 20 Jahre in die Berbannung geschickt.
Reise mit 700 Mördern.
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So fam Blengino von Paris aus, wohin er zunt Strafvollzug überwiesen war, auf das traurige Sträflingsschiff, das alle paar Monate den Transport seiner lebenden Leichname nach der fernent Insel Cayenne vornimmt. Blengino beschreibt das Schiff: in zwei Riesentäfige ist es eingeteilt, damit niemand von den Verurteilten sich ins Wasser werfen tann. Mit 700 Mördern macht Blenging die lange Fahrt zusammen. Er schildert Bilder Bilder der Verzweiflung und trampfhaften Vergessen wollens unter den Sträflingen, die zudem noch, trotz der geringen Nahrung von zwei Suppen täglich, furchtbar unter der Seekrankheit leiden. In Cayenne an gekommen, werden sie in Trupps zu je 15 r eingeteilt, die unter ständiger scharfer Betwachung stehen. Sie werden zu Straßen- und Ausrodungs arbeiten in den von giftigem Getier und Sumpfsieber erfüllten Wäldern geführt. Blengino erkannte, daß er bei diesent mörderischen Klima bald völlig dahinjiechen müsse. Mit sieben anderen Sträflingen verabredete er die Flucht.
Die Eingeborenen sind manchmal zur Hilfe be reit, wenn sie damit Geld verdienen können. Da Blengino noch über beträchtliches Geld verjitgie und auch die anderen das ihre zusammenlegten, fonnten sie sich ein kleines Boot mit Rudern und einem Segel verschaffen. An einer einsamen Stelle des Strandes sollte es jie erivarten.
Zwischen zwei Höllen.
Die Ausbrecher benutzten einen günstigen Auge blick, sich von der Arbeit zu entfernen und trafen sich an der verabredeten Stelle des Strandes. Ein guter Wind trug sie schnell davon., Aber niemand von ihnen verstand etwas vom Segeln. Unterwegs mußten sie erst die notwendigsten Handgriffe ler nen. Instrumente zur Orientierung fehlten völlig. Lebensmittel hatten sie nur für zehn Tage mit 11 auch die mußten schnell rationiert werden. Wasser gab es wenig. So irrten sie 21 Tage auf dem Ozean herum. Sturm überfiel sie und der Untergang wat nahe. Windstille kam, und ihre Arme waren 3 schwach, ihre Gemüter zu verzweifelt geworden, ut noch die Ruder rühren zu können. Der Hölle glaub ten sie entflohen zu sein in einer neuen Hölle schienen sie verschmachten, verhungern, elend unter gehen zu sollen. Sie hatten sich nach der Küste von Venezuela retten wollen. Aber auch, als sie nach 21 Tagen endlich Land erblickten, wußten sie nicht, ob sie nicht völlig im Streis gefahren waren und wieder auf französisches Besitztum stießen. Es par ober zu ihrem Glüd die unter englischer Oberhoheit stehende Antilleninsel Trinidad . Die Leute, die fie antommen sahen, fürchteten, Ges, enster seien aus Land gestiegen. Als aber der Hafenkommissär sie als Flüchtlinge von der französischen Sträflings insel erkannte, wanderten sie zunächst alle auf Mo nate ins Gefängnis.
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