Ginzelpreis 70 Heller.

Sozialdemokrat

Zentralorgan 6. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

11. Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

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Dienstag, 8. Geptember 1931

Völkerbundstagung eröffnet.

Titulescu zum Vorsitzenden gewählt.

Genf , 7. September. Die Eröffnungs- Bealngen betreffend die Aufrechterhaltung des fizung der 12. Völkerbundverfam m Friedens und die Annäherung der Nationen I ung hatte im gewohnten Rahmen das bekannte irgendein Monopol befißen. Aber es wäre Treiben eines ersten Tages aufzuweisen. Die ungerecht, nicht anzuerkennen, daß die auf inter­Delegierten sind fast vollzähligerschienen und be- nationalem Gebiete erzielten Ergebnisse nicht die grüßen einander, die neuen Delegierten werden Früchte eines Geistes und der Methoden vorgestellt und bekannt gemacht. Insbesondere des Völkerbandes sind. Und dies zu ver­wird der französische Außenminister, Aristide gessen, wäre Undant. Sprechen wir es heute offen Briand , von allen herzlichst begrüßt. Punkt aus, da die Blicke der ganzen Welt auf uns ge­11 Uhr erklärte der amtierende Vorsitzende, der richtet sind, daß spanische Außenminister er rong, die zwölfte

Genf nicht der Ort ist, wo Wunder geschehen, daß hier nicht das gelobte Land ist, aber beweisen wir durch unsere Taten, daß nirgends glücklichere Ergebnisse eines guten Willens und eines ent­bundes erreichbar sind. schlossenen Geistes als im Rahmen des Völker

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Versammlung als eröffnet, indem er vorher in traditioneller Rede die Arbeit zusammenfaßte, die der Völkerbund in der abgelaufenen Zeitepoche der Mandate geschritten. Vier Staaten sind durch geleistet hatte. Hierauf wurde an die Verifizierung ihre Ministerpräsidenten, 23 durch ihre Außenminister oder sonstigen aktiven Minister vertreten. England hat Lord Robert Cecil, Ungarn sucht um die Hilfe des Italien Grandi, Frankreich Briand , Japan Völkerbundes an. den Botschafter in Paris Yoshivara entsandt. Der Vertreter Desterreichs ist Vizekanzler Dr. Sachverständigen- Ausschuß soll die finanzielle Schober. Die deutschen Hauptdelegierten find Lage untersuchen. Außenminister Dr. Curtius, Botschafter a. D. Budapest , 7. September. Wie dem ungari Graf Bernstorff und Ministerialdirekter Dr. schen Telegraphenkorrespondenzbüro aus Genf Sa 11 s.

Die tschechoslowakische Delegation.

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Nr. 209.

Politische oder unpolitische Gemeindewahlen?

Mit frommem Augenaufschlag predigen

mitgeteilt wird, hat heute vormittags der un­garische Delegierte Pelenyi im Auftrage der ungarischen Regierung dem Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummund eine Note überreicht, in der nach Hinweis darauf, daß durch die wertvolle und erfolgreiche Hilfe, die der Völkerbund gewährte, es Ungarn möglich war, die finanzielle Restaurierung des Landes rasch unsere Christlichsozialen, daß die Gemeinde­und mit sicheren Erfolgen durchzuführen, weiters wahlen unpolitisch seien, daß es sich nur gesagt wird: Die Folgen der schweren Wirt- darum handeln könne, von wem die betref­schaftskrise berühren das wirtschaftliche und fende Gemeinde, in der der Wähler wohnt, finanzielle Leben Ungarns sehr empfindlich. Die verwaltet werden soll. Auch die Landpost". ungarische Regierung wendet sich an den Völker- das Blatt des Bundes der Landwirte, stößt in bund mit der Bitte, im Wege einer Sach ver- dasselbe Horn und sagt, daß die Wahlen in ständigen Enquete die finanzielle Ober- und Niederdorf, genau wie in Schlot­Lage des Landes untersuchen zu lassen. Die ungarische Regierung spricht die stadt" nicht um irgendwelche politische Dinge, aufrichtige Hoffnung aus, daß der Völkerbund , sondern eben einfach um die Verwaltung der der Ungarn in der Vergangenheit eine so erfolg Gemeinden gehen. Es wird so getan, als ob reiche Hilfe hat angedeihen lassen, auch bereit sein wir in einer Zeit lebten, da das Schicksal des wird, dem Lande auch in seiner heutigen Lage Menschen in seiner Wohngemeinde beschlossen seine hilfreiche Hand darzubieten, damit die Kon- war, als ob den Menschen nichts anginge, was tinuität der finanziellen Restaurierungsarbeiten sich außerhalb der Gemeinde in der großen auch weiterhin gesichert werde." Welt begibt.

Die Note der ungarischen Regierung wurde vom Völkerbundsekretariat der heute unter dem Borsiz des spanischen Außenministers zusammen­tretenden Ratstagung vorgelegt. Nach kurzer Be­ratung beschloß der Rat, das Ansuchen an den Finanzausschuß des Völkerbundes weiter zuleiten. *

Das Haager Gutachten angenommen.

3ierhut, Migre Světlit und Gesandter Verlauf nahm.

teilnehmen.

Reine Debatte im Böllerbundrat.

Beneš zur Zollunion.

und

neue

cine Ge=

Wer die letzten Jahre miterlebt hat, wer in den letzten Jahren das Schicksal unserer Gemeinden verfolgt hat, der wird wissen, daß das Wohl und Wehe der Gemeinden, daß das, was die Gemeinde überhaupt leisten kann, a b= bängig ist von den gesetzlichen Grundlagen, auf denen die Ge­meindeverwaltung beruht. Verwal­tungsreform und Finanzgesetz, diese beiden m- Die Tschechoslowakei werden Außenminister Dr. Beneš, Senator Stodola und Abg. Dr. seligen Taten des Bürgerblocks, von denen wir Winter als Hauptdelegierte und Gesandter nicht nur jetzt vor den Gemeindewahlen spre­ierlinger, Abg. Migre Světlit, Abg. chen, von denen wir noch viele Jahre reden Genf, 7. September. Als kurz vor 19 Uhr Verhandlungen zwischen den Vertretern werden, haben die Weiterentwicklung der Ge­3ierhut und Senator Plaminkova als Völkerbundsrat- Borjizende, der spanische der beiden Staaten sicherlich ein Ueberein meinden und die Ausgestaltung ihrer sozialen Erjazdelegierte vertreten. Nach der Wahl des der Völkerbundsrat- Vorsitzende, Vorsitzenden wird die Versammlung zur Kon- Außenminister Zerrour den Vertreter Bel tommen erzielt werden wird. Fürsorge so gehemmt, daß auch der beste Ver­ftituierung der sechs Kommission schreiten. In giens Sy mans, ferner den österreichischen Ver­walter einer Gemeinde nicht über gewisse der Kommission für rganisations und Rechts- treter Dr. Schober und den tschechoslowaki­fragen wird die Tschechsolwakei durch Abg. Tr. schen Vertreter, Außenminister Dr. Benesch Grenzen hinaustam. Wir begreifen es schon, daß Agrarier und Christlichsoziale unpolitische Winter und eLgationsrat Dr. Heidrich ver aufforderte, am Ratstische in Angelegenheit des Paris, 6. Sept. Der Genfer Sonderbricht- Wahlen haben wollen, wir verstehen schon, treten sein, in der finanzwirtschaftlichen Stommif Saager Gutachtens Platz zu nehmen, sion durch Senator Stodola und Gesandten war bereits die definitive Formel vorbereitet, der erstatter des Journal" bringt ein Juterview mit warum die Herrschaften nur über die lokalen Fierlinger, in der Abrüstungskommission die unmittelbar beteiligten Delegierten ihre Zu dem Außenminister Dr. Beneš über das Ver- Verhältnisse von Ober- und Niederdorf und Dr. Benes und Abg. Dr. Winter, in der ſtimmung gaben, so daß die eigentliche Verhand- hältnis der Tschechoslowakei zum deutsch- österrei Schlotstadt" reden wollen, wir wissen schon, Budget- und Verwaltungskommission Abg. lung vor dem Völkerbundrate einen sehr schnellen chischen Zollunionsplan. Dr. Beneš legte zunächst daß diese beiden Parteien die Wähler an Ver­ierlinger, in der Sozialfommission Abg. Der Ratsvorsitzende Lerroux teilte mit, daß Tschechoslowakei aus dem beabsichtigten Unions- waltungsreform und Finanzgesetz, sowie an Světlit und Senator Bla.minfova und in das Guachten des Ständigen Internationalen plan drohten. und sodann die international- poli- alle politischen Dinge nicht erinnern wollen. der politischen Kommission Gesandter Fier- Gerichtshofes im Haag schriftlich bisher noch nicht tischen Gründe dar, warum die Tschechoslowa- Aber gerade darum, weil diese Parteien im linger und Senator Stodola. eingetroffen ist, daß aber der Generalsekretär des tische Republik sich gegen die Zollunion stellte. Wahlkampfe mur von lokalen Dingen reden Es ist das erstemal, daß Mitglieder der Völkerbundes am 5. September telephonisch eine Die Tschechoslowakei habe immer eine den ge- wollen, gerade weil sie sich vor der Aufrollung als Anfrage an den Haager Gerichtshof richtete und amteuropäischen Interessen die politischer Fragen fürchten, werden wir dies Nationalversammlung aktiv Delegierte an den Arbeiten im Plenum und der Schriftführer des Gerichtshofes mitgeteilt nende Politit, die vom Geiste des Völkerbundes um so mehr besorgen, zumal nur eine ne re den Kommission der Völkerbundversammlung babe, daß er ein unterfertigtes und versiegeltes geleitet war, betrieben. Natürlich verteidige ich, Verwaltungsreform Eremplar über das Gutachten des Haager Gejo erklärte der Minister, die Unerläßlichkeit eines endgültige Regelung der richtshofes über die deutsch- österreichische Zoll Wirtschaftsabkommens zwischen den Staaten meinde finanzen die Gemeinden wieder Die Wahl des Präsidenten. union abgefchickt habe. Die Ratsmitglieder sind, so erklärte BorMitteleuropas, aber ich habe niemals eine sepa- zu Bahnbrechern des sozialen Fortschrittes in machen können. Der zweite Delegierte Rumäniens bei der Völkerbundversammlung, der Gesandte in sitzender Lerroug in Kenntnis der am 3. Septem dieser Hinsicht nichts ohne vorhergehende Verein-| Aber die Zeit, in der die Gemeindewahien in der 12. Böllerbundversammlung gebenen Erklärung. Deshalb besteht für den barung mit Berlin, Paris, Rom usw. verwirt- stattfinden, macht es erst recht unmöglich, daß gewählt. Titulescu fonnic 25 Stimmen auf Völkerbundsrat kein Anlaß mehr, die Prüfung licht werden könne. Wir haben den Friedensver- im Wahlkampfe nur lokale Dinge eine Rolle fich vereinigen von einer eGsamizahl von 49 ab der Angelegenheit weiter zu verfolgen. Der Vortrag von St. Germain und das Protokoll vom spielen. Das Schicksal der Menschen gegebenen Stimmen. Der ungarische Delegierte, fibende spricht im Rahmen des Rates dent Ge- Jahre 1922 unterzeichnet. Und diese internatio Graf Albert Apponhi, erhielt 21 Stimmen. richtshof den Dant aus für die rasche und voll- nalen Verpflichtungen. die wir den Buchstaben ist heute nicht mehr in erster Linie davon ab­Der neugewählte Völkerbundpräsident sprach ständige Regelung der ihm aufgetragenen Auf gemäß respektieren, verbieten uns, in irgend eine hängig, wie diese örtlichen Dinge in der Be­in feiner Programmrede den Dank für die ihm gabe. Schließlich schlug der Ratspräsident fol Kombination gesondert einzutreten, Dr. meinde erledigt werden, sondern es ist a 5- Beneš betonte dem Berichterstatter des Jour- hängig vom großen Weltgeiche- zuteil gewordene Ehre aus und versprach, er gende Entschließung vor: Der Böllerbundsrat nimmt von dem Gut- nal" gegenüber, daß dieser sein Standpunkten. Jeder Tag bezeugt es aufs neue, daß werde sich auf seinem Posten bemühen, dazu bei­achten des Haager Gerichtshofes über das Pro- einen Haß oder Bitterteit gegenüber wir uns in einer für die gesamte Menschheit jett einer deutsch- österreichischen Zollunion irgend jemanden enthalte. Ich habe in den beiden außerordentlich schwierigen Zeit befinden, daß Kenntnis. Der Völkerbundrat spricht dem Stän- Außenausschüssen der Nationalversammlung im wir uns an der Wende zweier gesellschaftlicher digen Haager Gerichtshof seinen Tant aus. Mit kritischesten Augenblick, wo die" ffentl ye Mei- Ordnungen befinden, daß die Menschheit eine Rücksicht auf die am 3. September im Europäi- nung ganz Europas erregt war, erklärt: Wir schwere Krise durchmacht, die an ihr Sein und fchen Studienausschuß abgegebene Erklärung hegen Gefühle aufrichtiger Freund an ihre Zukunft greift. stellt der Völkerbungrat fest, daß für ihn keinschaft gegenüber Desterreich und Das furchtbarste Kennzeichen dieser Krise Anlaß mehr besteht, die Prüfung der unsere Beziehungen zu Deutsch ist die Arbeitslosigkeit, die im vorigen Winter Angelegenheit fortzuseßen. land haben den gleichen Charakter." mehr als 20 Millionen arbeitende Menschen, Auf die Frage des Vorsitzenden, ob jemand Jch wiederhole dies heute, wo sich mit ihren Familienangehörgen etwa 50 Mil­zu dieser Angelegenheit das Wort ergreifen wolle, die ganze Angelegenheit der Liquidierung nähert. lionen, unmittelbar ergriff und von deren meldete sich niemand, so daß der Vorsitzende er- Wir brauchen uns niemals zu scheuen unsere An­klären konnte, daß der Resolutionsantrag ein- ficht offen, ohne Haß und mit gutem Willen dar- Rüdgang wir auch in diesem Sommer nicht ftimmig angenommen ist. zulegen. Da jeßt der Konflikt beigelegt ist, möge biel verspürt haben. Millionen von Menschen davon nur nachstehende glückliche Lehre bestehen stehen einem ungewissen Winter gegenüber. bleiben: Wir alle haben zusammen- wissen nicht, wovon sie leben werden, wissen arbeit und Harmonie notwendig. nicht, ob sie imstande sein werden sich und die Nur auf diese Weise wird moralische Beruhigung Kinder vor Hunger und Kälte zu schüßen. in Geist und Herzen einziehen, ohne die kein Tausende von Betrieben stehen still, aus Tau­Friedenswerk verwirklicht werden und dauernd senden von Schloten steigt kein Rauch mehr jein kann. Nähern wir uns gegenseitig, werfen wir ohne jeden Hintergedanken berechtigte Be- empor, weite Fabrikshallen find leer gewor fürchtungen von uns, die uns für eine Zeit be- den, einst blühende Betriebe sind zu Stätten der fallen haben. Falls wir so vorgehen werden, Kirchhofsruhe geworden. Millionen Tonnen werden wir noch um einen Schritt der europäi- von Baumwolle sind im Augenblid unverfäuf schen Konsolidierung uns nähern. lich, da eine neue, große Baumwollernte vor

London, Titulescu, wurde sigenden der

zutragen, daß die Arbeiten des Völkerbundes

wirfiam feien. Er erwähnte dann die

furchtbare Vertrauenstrije,

welche die ganze Welt ergriffen habe. Sievon set vor allem die Finanzwelt betroffen worden und es bestehe die Gefahr, daß die rise allmählich auch auf alle übrigen Wirtschaftszweige über greife. Wenn ich hier von allen Seiten höre", fagte Titulescu, daß das Flämmchen des Ver trauens am Erlöschen ist, dann

würden wir unsere Aufgabe nicht erfüllen, wenn wir nicht durch schnelle und sichtbare Taten den Völkern beweisen wollten, daß das heilige Feuer von Genf feineswegs in Gefahr sei, zu verlöschen

Der Völkerbund stellt vor allem einen wirt

Damit war die heutige Tagung des Rates

beendet.

Der Konflikt Bulgarien- Griechen­land vor dem Nat.

und daß es, wenn es noch nicht mächtig genug ist, um die Welt zu erwärmen, doch stark genug ist, um sie zu erleuchten und zu führen. lich internationalen Geist dar, den wri für uns Genj, 7. September. Die strittige bulga gewinnen, wenn wir uns andauernd an den risch- griechische Angelegenheit nahm heute Genfer Arbeiten beteiligen. Haben wir ihn aber einen breiten Raum in den Beratungen des einmal gewonen, dann nehmen wir ihn als ein Völkerbundrates ein. Sowohl Venizelos als uns. mögen wir gehen, wohin auch Malinow ergriffen einige Male das immer. Wir behaupten nicht, daß wir in allen Wort , Briand fündigte an, daß durch direkte

Kleinod mit