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Sozialdemokrat

Jentralorgan 6. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tſchechoſlowakischen Republik.

12. Jahrgang.

Die Landbündler

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

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Gonntag, 1. Mai 1932

Nr. 104.

als Wirtschaftspolitiker. Die Kommunisten haben die Bergarbeiter belogen und betrogen!

Widerspruchsvolle Forderungen.

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Wie man in der Landpost" liest, hat der parlamentarische Klub des Bundes der Landwirte wieder einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben und eine Reihe von Forderungen zum Schutz der heimischen Produktion" billiger fut er's nicht aufgestellt. Als weit­blidende Handelspolitiker fordern die Landbünd­ler unverzügliche Unterbrechung der Handelsver­tragsverhandlungen mit Ungarn , die ihnen wahr scheinlich zu rasch fortschreiten. Gegen den Ab­schluß eines Handelsvertrages mit Ungarn wen­den sie sich mit folgender puzigen Begründung:

Da die Frage der Schaffung eines großen Wirtschaftsraumes in Mitteleuropa unter Einbe­ziehung der sogenannten Donaustaaten, zu denen ja auch Ungarn zählt, der malen noch als ungetlärf zu bezeichnen ist, ander feits anscheinend an der Verwirklichung dieses Problems recht intensiv gearbei tet wird, so muß der Abschluß des Handelsvertrags mit Ungarn der zeit abgelehnt werden."

Weil also die Frage mitteleuropäischer Präferenzzölle noch ungeklärt ist, aber daran intensiv gearbeitet wird, darf man vorläufig nicht einmal den ersten Schritt einer handels­politischen Ordnung im Donauraum, nämlich die Beendigung des Zollfrieges mit Ungarn , unternehmen. Konfuser könnte man schon beim besten Willen nicht argumentieren.

Besonders taktvoll nimmt sich angesichts von 600.000 Arbeitslosen die weitere Forderung der Landbündler aus, daß die festen Zölle auf Getreide, Mehl, Mahlprodukte sowie für die tierischen Produkte zu erhöhen sind. Da werden sich aber die südöstlichen Donaustaaten darum reizen, uns Industriepräferenzeit einzu räumen, wenn wir die Agrarpräferenzen von bornherein durch Zollerhöhungen illusorisch machen. Mit einem Wort: der Schutz der agra rischen Produktion kann am besten verwirklicht verben auf dem Grab der heimischen Industrie. Wenn wir eine Million Arbeitsloser haben und wenn auch alle Bauernföhne auf Notstands arbeiten gchen, dann kommt wahrscheinlich das goldene Zeitalter für die Landwirtschaft.

Als mildernder Umstand für die Verfasser folcher Kurioja fommt höchstens in Betracht, daß sie selber die Sinnlosigkeit ihrer Forderungen zugeben, indem sie die Entschließung wie folgt fortseßen:

Sollte die bestehende innerpolitische Situa tion es momentan vielleicht unmöglich niachen, daß die vorgenannten Zollschuhforderungen erfüllt werden können, dann fordert der parlamentarische Rino eine entsprechende gefeßlich: Regelung der Einfuhr, und zwar sowohl der Erzeugnisse der pflanzlichen als auch der tierischen Breduktion dur Schaffung Schaffung eines eines Einfuhra

Gingeständnis des Erfolges der freien Gewerkschaften.- Aufforderung Notmal- Kampimai!

von

an die kommunistischen Funktionäre, die Arbeiter zu belügen!

Das gestrige Abendblatt des Právo Lid u" veröffentlicht ein Dokument, das zu den unerhörtesten Schriftstücken gehört, welche die Geschichte der Arbeiterbewegung überhaupt aufzuweisen hat. Niemals haben sich in der sozialistischen Bewegung Menschen gefunden, die mit einer solchen Unverfrorenheit sich nach außen im Gewande der radikalsten Gesinnung den Arbeitern zeigen und in Wirklichkeit die Arbet fer belügen und betrügen und mit den wichtigsten Lebensinteressen des Proletariats hasardieren!

Das Dokument, um das es sich handelt, und an dessen Echtheit wir gar nicht glauben würden, wenn es nicht unser tschechisches Bruderblatt brächte, ist ein Schreiben des kommut nistischen Bergarbeiterverbandes an einige seiner Bertrauensmänner, das unseren tschechischen Genossen in die Hände gefallen ist. Es begandelt zunächst die Vorgänge im Ostrauer Revier, über die gesagt wird:

Im Hinblick auf die gegebenen Verhältnisse muß man zur Kenntnis nehmen, daß der sozialistische Verband der Bergarbeiter die Situation beherrscht und über seine Kräfte gear= beitet hat. Wir haben bei Einleitung der Aktion nicht geglaubt, daß es dem Verband der Bergarbeiter gelingen werde, die Entlassungen voll: fommen hintanzuhalten. Wir haben damit gerechnet, daß der Verband der Bergarbeiter vor den Unternehmern den Rückzug antreten und die Bedingungen der Bergherren annehmen wird, welche im Verlauf der Verhandlungen den Wechselurlaub um den Preis der Entlassung von 5000 Bergarbeitern zulassen wollten. Die Sozialfascisten aber haben nicht nachgegeben und haben die Wechselurlaube auch bei vollkommener Einstellung der Massenentlassungen durchgesetzt. Das ist zweifellos ein Plus für die Sozialfascisten. Dadurch ist die Propaganda unserer Parole von dem Berrat der Sozialfascisten erschwert. Aber auch bei diesem Stand der Dinge muß die Frage so gestellt werden, daß um jeden Preis in den Massen der Verrat der Sozialfascisten ven tiliert und aufs schärfste diejenigen unserer gewerkschaftlich allzu be= lasteten Funktionäre bekämpft werden müssen, die sich einerseits beeinflussen ließen von den Ergebnissen, die der Verband der Bergarbeiter erzielt hat, andererseits aber schon vorher von der Zwecklosigkeit des Streits in einer für die Grubenherren günstigen Zeit gesprochen haben. Insbesondere müssen diejenigen Genossen entlarvt und organisatorisch zur Verantwor tung gezogen werden, welche der sozialfascistischen Argumentation in dem Grade unterlegen sind, daß fie glauben, eine andere Lösung des Berg­arbeiterkonflikts, als wie sie der Verband der Bergarbeiter herbeigeführt hat, sei in der gegebenen Situation nicht möglich gewesen. Für solche Abweichungen fann in unseren Reihen fein Platz sein. Man bedenke nur die Infamie, mit der da kommunistischer Seite vorgegangen wird.

Es wird zugegeben, daß die freien Ge­werkschaften in Ostrau einen unbezweifelbaren Erfolg erzielt haben, an den die Kommunisten bei Einleitung der Aktion nicht im Traum gedacht haben. Troß diesem Erfolge, der da

Die Kommunisten geben also selbst zu, daß Balfen biegen, nur um eben sagen zu können, monopois oder eines Einfuhriunde, Iügen, wenn sie behaupten, daß die freien daß die Sozialfascisten die Bergarbeiter verraten. Tats. Tiefe Einfuhrregelung hätte zu umfassen: Gewerkschaften den Bergbaubesitzern 124 Mil- Von nicht geringerem Interesse ist auch, Weizen, Roggen, Mais, Mehl und Mahlpredutte einschließlich leic, lebende Tiere, Fleisch, Butter, lionen geschenkt haben, aber das ist kein Grund, was in dem vertraulichen Schreiben über die Vorgänge im Brürer Revier Fette aller Art, Milch usw. Die Regelung der diese Behauptung nicht auch weiter aufrecht zu

Mit befreiten Gemütern und strahlenden Mienen, in Festtagsfreude und Sonntagsge­wand, so sind wir Jahre und Jahrzehnte am 1. Mai aufmarschiert, so hart auch meist die Lage des Proletariats war, so sehr auch alle unsere Nöte und Hindernisse der Arbeiterschaft gerade an diesem Tage zu Bewußtsein kamen. Ja gerade deswegen, weil die Arbeiterklasse jahraus jahrein so namenlos schwer an den Fesseln trägt, die ihr die Hüter und die Nutz­nießer des Kapitals geschmiedet, wollte und will es wenigstens an diesem einen Tage im Jahre Seele und Geist entfesselt zeigen, will ein paar Stunden sich hinüberträumen, will hinüberfeiern in eine Zeit, da alle verhaẞ­ten, ungerechten, empörenden Fesseln gesprengt werden.

So soll und so wird es auch heuer sein; auch an diesent ersten Maiensonntag wird für ein paar Stunden revolutionärer Andacht, er­hebenden Massengefühls des gemeinsamen Schicksals und des gemeinsamen Wollens in Millionen arbeitenden Männern und Frauen, Mädels und Burschen die Empfindung sich aufschwingen über die Not des Alltags, wer­den Millionen proletarische Herzen den Puls­schlag zukünftigen, befreiten Lebens verspüren und jubelnd begrüßen.

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Aber auch in unserem Lande werden viele Zehntausende von denen, die zu uns gehören, heuer auf ihrem Weg unter die roten Fah­nen einen wahrhaft großen Berg zu überwin­den haben, die Felsen der Not, die weiten Fel­der und die tiefen Schluchten der Hoffnungs­losigkeit. Wenn die Mägen leer sind und die Seelen frieren, dann schafft sich Feierlichkeit anerkannt wird, soll aber die Heße gegen die welcher Art immer schwer Raum. Werfen wir, freien Gewerkschaften und die Behauptung, die die wir noch Arbeit, noch Brot, noch eine Eri­Funktionäre der freien Gewerkschaften hätten stenz und also die Möglichkeit eines Mindest­Verrat geübt, weiter aufrecht erhalten werden. maßes von Lebensfreude haben werfen wir, In dem angeführten Dokument, das die ehe wir unseren Maigang zu den sozialdemo­Schändlichkeit der kommunistischen Partei in alle fratischen Demonstrationen, Bannern und Welt hinausschreit, heißt es dann weiter: Redefanzeln antreten, einen Blick in die Mai­Einige Funktionäre der Roten Gewerkschaften müssen deswegen auf morgenstube des Arbeitslosen! Lassen wir un alle Einwendungen dagegen verzichten, wenn wir mit der Ziffer von seren Blick ruhen auf dem gebeugten Rücken 124 Millionen Kronen vor der Bergarbeitern den Betrag abschätzen, des Mannes, der monatelang, jahrelang nicht welchen die Sozialfascisten den Bergbaubesitzern in den Rachen warfen. schaffen darf, auf dem vergrämten Gesicht der Selbst wenn diese Ziffer nicht richtig ist, dürfen wir sie nicht widerrufen; im Gegenteil, wir müssen auf ihr beharren, in die Frau, die ihre und ihres Mannes seelische Reihen der sozialfascistischen Verbände Verwirrung tragen und so die Sorgen schwer, aber immer wieder geduldig Neigung zu roten Wahlen in die Revierräte steigern. trägt und dabei in die hungernden Augen, auf die eingefallenen Wangen, auf die schwachen | Körper der Kinder schauen muß, auf die arm. herrichtet, auf die blassen Münder, die nur seligen Fetzen, die sie ihnen wieder und wieder mehr Brot und Kartoffeln verlangen, weil es ja etwas anderes schon lange gar nicht mehr gibt! Ermessen wir die Unsummen seelischer und physischer Belastungsproben, die diese Menschen ein, zwei Winter hindurch bestanden haben, fühlen wir nach dieses Meer von Un­freude, von Abstumpfung und Wiederaufrütte­lung, von Verzweiflung und Trostfinden, von Empörung und Abgekämpftsein, von Erbitte­rung und Resignation, von Sehnsucht und grausamem Verzichtensollen und wir wer­den es leichter verstehen, wenn diese grau­same Not vielleicht Bedenken trägt, auf die Straße zu gehen, werden verstehen, daß also müden Leibern und Geistern auch der selbst­Streit nach einer Woche mit demselben Erfolg verständlichste Entschluß, auch das bescheidenste hätte abgebrochen werden können, wie es dann Sichaufraffen, ja selbst der Aufschwung zu geschehen ist. Aber das alles dürfen die kommu- Freudigent nicht immer möglich ist; daß sie nistischen Arbeiter nicht erfahren, das alles sagt und gerade sie des besonderen Appells bedür man nur ein paar kommunistischen Rädels führern, denen man direkt aufträgt, die fen, um sich ihres- unveräußerlichen Rechts meinsamen Aufschrei der Not mit der mitlei­lassen zu belügen und weiter von dem Verrat" bewußt zu werden, des Rechts auf den ge­der Sozialfascisten zu reden. Auf solche Lumpereien gibt es nur eine denden Masse, des Rechts auf Forderung, Protest und Kampf.

Einfuhr dieser Produkte hätte durch Jeparate erhalten, kein Grund zu lügen, daß sich die gesagt wird: Organisationen zu erfolgen."

Neber diese Lösung ließe jich eher reden, denn sie wäre die entscheidende Vorausseßung für die Teilnahme der Tschechoslowakei au eitem mitteleuropäischen Präferenzsystem. Freilich fann sie nicht durch einseitiges agrarisches Diftat lommen die Landbündler fordern. schon jetzt die Hälfte aller Verwaltungsstellen in den Monopolanstalten für die Agrarparteien - sondern durch eine Verständigung der wichtigsten Interessentengruppen. Mit der Zeit werden sich auch die Agrarparteien und beson ders die Landbündler, an die zwar fatale, aber unabänderliche Tetsache gewöhnen müssen, daß fie nicht allein auf der Welt sind.

6000 ausge'perrte dänische Arbeiter.

Genau so dürfen wir nichts von unserem Standpunkt über den Brürer Streif widerrufen, auch wenn wir wissen, daß dieser Streik in der ersten Woche seiner Daner beendigt werden fonnte, da es den Sozialfascisten gelang, den Anlaß zu diesem Streif ( die Kündigungen auf der Grube Humboldt) durch ihr Einschreiten au beseitigen. Mit der Verantwortung für den Mißerfolg des Streiks muß genau so verfahren werden. Unabhängig von der Tatsache, daß unsere eigenen Leute uns enttäuscht und versagt und so den Streit auf den Gruben untergraben haben, muß vor den Massen die Frage der Verant wortung erläutert werden mit dem Verrat und Streifbruch der Sozial­fascisten. Diese müssen für den Mißerfolg des Streiks verantwortlich ge­macht werden, denn nur so wird uns die Mobilisierung der Massen zu den roten Wahlen in die Betriebsräte gelingen. Hier haben wir es schwarz auf weiß. Die Kommunisten geben zu, daß eine Woche nach dem Ausbruch des Streifs die Streif­ursache beseitigt war,

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dadurch, daß die Entlassungen am Humboldt Kopenhagen, 29. April. ( Eig. Drahtb.) Am schacht zurückgenommen wurden, sie geben zu, Freitag abends find 6000 Arbeiter der daß dieser Erfolg durch die freien Ge­dänischen Schweineschlächtereien ausgesperrt wertschaften, vor allem durch die Union worden. Die Aussperrung erfolgte, nachdemt die der Bergarbeiter erzielt wurde, daß also der Antwort: Arbeiter die von den Arbeitgebern geforderte Den kommunistischen Funktionären, die derart die Arbeiterschaft belügen, Herabsetzung der Löhne um 20 Prozent ab­Z?

Tehnten.

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den wohlverdienten Fußtritt zu geben!

Aber gerade sie, gerade die bedrängtesten und gequältesten Opfer des fapitalistischen Systems und seines Zusammenbruchs, gerade