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Sozialdemokrat

Zentralorgan d. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

12. Jahrgang.

Die große Fresse.

Berlin , 23. Juni. Jm Sportpalast fand gestern abend eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung des Gaues Groß- Berlin der NSDAP statt, bei der zum ersten Male wieder die SA­und die SS- Formationen in Uniformen und mit ihren Fahnen und Standarten aufmarschierten. Dr. Goebbels wandte sich mit besonderer Schärfe gegen die Vorgänge in Süddeutsch­ land , indem er erklärte, ein nationalsozialisti I and, indem er erklärte, ein nationalsozialisti sches Kabinett hätte nicht vierzehn Tage ge­braucht, um

diese süddeutsche marristisch- seperatistische

Kanaille

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Samstag, 25. Juni 1932

Bayern bleibt fest:

Scharfe Warnung an die Nazis

*

vor Wiederholung der Demonstrationen. Pressestelle teilt mit: In München sind Gerüchte aber auch erwartet werden, daß sie sich nicht als München , 24. Juni. Die amtliche bayrische wird. Von der friedliebenden Bevölkerung müsse in Umlauf, daß Anhänger der NSDAP . am Mitläufer oder müßige Zuschauer an Demon­nächsten Sonntag wieder in Form eines öffen titrationsversuchen beteiligt. lichen Aufzuges demonstrieren wollen. Aus diesem Anlaß wird festgestellt, daß das Uniform­berbot und das Aufzugsverbot zurecht bestehen und auch am nächsten Sonntag unverändert in Geltung sein werden. Die Polizei wird allen Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften mit Nachdruck entgegentreten. Dies gilt für Demonstrationsversuche nicht nur in München , sondern an allen Orten Bayerns .

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Nr. 150.

Rote Kampffront

gegen Wirtschaftsnot

und Nationalismus

Sonntag sind auf dem großen Jubiläums­böhmens die Turner und Turnerinnen unseres meeting der tschechischen Arbeiter- Turner West­Aussiger Bundes mit wehenden roten Sturm­fahnen aufmarschiert. Auf dem Boden des roten Pilsen , einer der ältesten und stärksten Staatsrat Schäffer, der Vorsitzende der Hochburgen der tschechischen Sozialdemokratie, bayrischen Volkspartei, hielt in München eine manifestierte sich so in eindrucksvoller Weise Rede, in der er u. a. sagte: zu zerbrechen. Man hätte fünf Minuten Be­die feste Kampfgemeinschaft des demokratischen bentzeit gegeben und dann nur entweder ein Wir lassen uns von unserer Aufgabe und Sozialismus in diesem Lande. Die rotleuch­glattes Ja oder ein glattes Nein entgegenge­von unserem Wege nicht abdrängen. Es kann tenden Fahnen der deutschen Arbeiterturner sein, daß der bayrische Staat an die jun brachten fünfzigtausend tschechischen Klassen­Dann hätte man einfach zum Aus nahmezustand gegriffen. Diesem ad müsse gen Söhne des Boltes appellieren genossen, die auf dem Stadion von Bory ver­muh, um die Straße nicht einer Partei über- fammelt waren, die Botschaft brüderlicher So­die Faust unter die Nase gesetzt werden. antworten zu lassen. Wenn der Ruf an uns Weiters erklärte Dr. Goebbels , die Führer der Nationalsozialisten erhielten täglich Dugende geht, wollen wir uns alle zusammenfinden für lidarität und engster Verbundenheit im ge­von Drohbriefen. Sollte aber irgend einem von den Staat, für das Recht und für die Freiheit. meinsamen Befreiungskampfe. ihnen nur ein einziges Haar gefrümmt werden, Heute Regierungserklärung im Landtag. werde die nationalsozialistische Partei in Deutsch­ land ein Strafgericht abhalten, wie es München , 24. Juni. Der bayrische Land| mieren wolle, um so den Oberbefehl über die in der Geschichte noch nicht verzeich net in urbe. Dabei würden aber nicht die tag ift auf morgen Samstag vormittags 9 Uhr bayrische Reichswehr in die Hand zu bekommen, kompetenter Stelle entschieden Verführten, abgeurteilt werden, sondern ihre zur Entgegennahme einer Erklärung der Inerben bon Führer, die sich die Partei schon werde ausfindig machen können.

Aber da find fie zahm: Berlin , 24. Juni. Im weiteren Verlauf der Sigung des preußischen Landtages wurde der tommunistische Antrag auf Wegsteuerung aller Einkommen über 12.000 Mark mit 141 Stim men der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen 45 Stimmen der Deutschnationalen und anderer Rechtsgruppen bei 34 Enthaltungen des Zentrums angenommen.

Die Nationalsozialisten beteiligten sich nicht an der Abstimmung.

Unternormale Saisonbelebung.

Aus dem Berichte der Nationalbant. Prag , 24. Juni. Der Bankrat der Tschecho­flowakischen Nationalbant hielt heute feine ordent liche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Ge­schäftsberichte über den abgelaufenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes:

Die Situation der Weltwirtschaftsdepression

Die friedliebende Bevölkerung fönne ver­fichert sein, daß die Polizei pflichtgemäß für die Beachtung der bestehenden Vorschriften sorgen

Staatsregierung einberufen worden.

dementiert.

Der Ausschluß der 41 Nazis bleibt aufrecht.

Zu den Beratungen des bayrischen Mini­sterrates schreibt die parteioffiziöse Bayrische Volkspartei- Korrespondenz", der Konflikt zwi­schen Bayern und der Reichsregierung, der von der Presse Hitlers und Hugenbergs als bayrische Der bayrische Landtag hat heute mit den Separation und bayrische Reichsfeindlich- Stimmen der Bayrischen Volkspartei, des feit hingestellt werde, beruhe in wesentlichen Bauernbundes, der Sozialdemokraten und der darin, daß die bayrische Staatsregierung mit be- kommunisten die Berufung der Nationalsoziali stem Willen sich nicht den politischen Auffaffun- ften wegen der Ausschließung von 41 Mitgliedern gen der Reichsregierung anschließen könne. der nationalsozialistischen Fraktion auf die Dauer von 20 Sigungstagen abgelehnt.

Man jei in Bayern , wo bis jeßt Ruhe und Ordnung herrschte, voll der ernstesten Besorg­nis, daß die Politik der Reichsregierung mit Eilschritten auf eine bürgerkriegsschwangere Situation hintreibe.

Keine Verhandlungen

In diesen bewegten Tagen, wo ringsum die Wellen des Nationalismus hochschlagen, wächst die Bedeutung solcher Symbolik. Nichts ist leichter als mit dem Strome zu schwimmen und gefühlsbewegten Massen nach dem Munde zu reden. Die Nationalisten in Deutschland und Frankreich , im tschechischen wie im sude­ tendeutschen Lager haben sich die bequemste Aufgabe auf dem Felde politischer Betätigung auserwählt. Es ist keine Kunst, die Schuld an aller Not und allem Unglück der Gegenwart auf den Nachbarn zu wälzen und sich im Glanze der eigenen Unfehlbarkeit zu sonnen. Solch einseitiger, engstirniger Nationalismus ist populär, erfordert feine Denfarbeit, feine Ueberzeugungskraft, sondern als Treibstoff ge­nügt ihm eine tüchtige Portion von Eigen­dünkel und von Vorurteilen. Er zieht auf aus­gefahrenen Wegen dahin, aber er weist feinen Ausweg. Nationale Verständi­gungspolitik dagegen kämpft opfervoll mit tausend Widerständen, marschiert die steinige Straße der Vernunft, watet durch das Sumpf­

mit uniformierten Nazi- Abgeordneten. Dazu komme für die bayrische Staats- Stuttgart , 24. Juni. In der heutigen regierung noch der Rechtsstandpunkt hinzu, der Sigung des württembergischen Landtages kam es es grundsäßlich nicht erlaube, der Reichsregie- abermals zu erregten Szenen, als die national­rung so tief in die Polizeihoheit eingreifende sozialistischen Abgeordneten wieder in Uniform gelände der Lüge, durch die Nebelzonen der Maßnahmen zuzugestehen, die im Deutschen erschienen. Ein Zentrumsantrag auf Verta Dummheit, durch das Kreuzfeuer des Hasses, Reich verfassungsmäßig der Staatsgewalt der gung des Hauses wurde vom Landtags aber sie hat ein großes strahlendes präsidenten nicht zugelassen. Darauf verließen die

Länder zustehe.

Bei dieser tiefgehenden politischen und recht- Zentrumsabgeordneten und die Abgeordneten der 3iel: Die Organisierung des friedlichen bleibt die gleiche wie im Vormonate. lichen Meinungsverschiedenheit zwischen Reichs- Linken den Saal und machten den Landtag be- Wettbewerbes der Völker im Ringen um ein Im Inlande war die Saisonbelebung der freieres, schöneres Menschendasein und um Frühjahrsmonate bisher im allgemeinen ich wäregierung und bayrischer Staatsregierung werde ich lußunfähig. Ein Ausschuß, der sich mit der Frage der höhere Kultur. herals niemand überrascht sein, wenn der bayrische er als in den Vorjahren, der zwischen Ministerrat zu einem durchaus ablehnen- Parteiuniform in Landtag befassen sollte, kam Ueber Mangel an Kritikern brauchen sich staatliche Handelsverkehr wird im Rahmen der zu feinem Resultat, da ein Teil der Mitglieder die Parteien der nationalen Zusammenarbeit Sperrpolitik der einzelnen Staaten durch De- den Standpunkt gekommen ist. hierzulande nicht zu beklagen. Gerade in die­bisen- und handelspolitischen Maßnahmen ge­sem Augenblicke ist die Verständigungspolitik am heißesten umstritten, da sie geradezu eine Lebensnotwendigkeit für das Land und seine Völker geworden ist. Den tschechi­schen Chauvinisten sind die deutschen Minister ein Dorn im Auge, obwohl die Tatsache offen liegt, daß der internationale Kredit und die ,, Die deutsche und die französische Delega wirtschaftliche Behauptungskraft ihres Staates. tion haben heute morgens eine erste Arbeits­fißung abgehalten. Graf Schwerin von Kro- auf seiner breiten parlamentarischen Regie­jigt gab eine eingehende Darlegung der finan- rungsbasis aufgebaut ist, die ohne Mitwirkung ziellen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands ". deutscher Parteien undenkbar wäre. Die deut schen Kritiker hinwiederum verkünden täglich, Bei Schluß der Vormittagsbesprechung gab

Die Gerüchte, als ob die bayrische Regie- ich zu verhandeln weigerte, solange NSDAP bemmt und engt sich ständig ein. Die Erwartung rung von sich aus den Ausnahmszustand profla- Abgeordnete in Uniform anwesend seien. der Arbeitsergebnisse der eben tagenden großen internationalen Konferenzen verursacht allge­meine Zurückhaltung.

Dirckte Aussprache in Genf.

angemessenes Ernteergebnis haben sich dadurch britische Premierminister Macdonald dem Vor- Herriot Pressevertretern eine furze Darstel- daß die eListung der Minderheitsparteien für

schen gegeben hat.

In der Tschechoslowakei bleibt die Entwic lung auf dem erblich herabgedrückten Niveau der Der Wille zur Verständigung vorhanden. Vormonate. Der Geldmarkt kennzeichnet sich bei rerhältnismäßig schwachen Industrieansprüchen Lausanne , 24. Juni. Die heutigen Repara­durch einen bedeutenderen landwirtschaftlichen tionsberatungen in Genf stehen im Zeichen der Bedarf. Die ausgiebigen Niederschläge im ver großen deutsch - französischen Klärung. Reichskanz floffenen Zeitabschnitte förderten die Vegetation, ler von Papen hat seine Abreise nach Berlin auf die infolge der Trockenheit im April und anfangs morgen verschoben, sobald er von dem französisch­Mai starf bedroht war. Die Aussichten auf ein englischen Einvernehmen erfuhr, wonach der im Durchschnitt gebeffert. ſizenden der französischen Regierung Herriot freie lung des Verlaufes, in der er betonte, daß es den Staat nicht genügend honoriert wird, ja Die Arbeitslosigkeit befindet sich band für direkte Verhandlungen mit den Deut sich um eine gute Arbeitszusammenkunft gehan- geradezu einer Selbſtäußerung ohne Gegenlei­infolge der Entfaltung der Saisonarbeiten, ins­delt habe. Er sei zu rieden und er rechne stung gleichkomme. Sie machen sich allerdings besonde ce der Bautätigkeit im Sinten. In der Die für heute geplanten Besprechungen zwi auf den guten Willen, um zu einem Ergebnis feine Gedanken darüber, ob der Tiefpunkt der Sauptstadt ist eine lebhafte Bau- und Renovie- schen der deutschen und der französischen Delegazu gelangen. Die Verhandlungen würden mor- Wirtschaftskrise just der geeignete Moment rungsbewegung zu beobachten. Die für den tion begannen um 10 Uhr, wo sich Reichstanz gen unter Umständen auch in seiner Abwesenheit wäre, das politische Guthaben der deutschen ländischen Markt arbeitende Industrie wiesler von Papen zum französischen Minister weitergehen. Zum Schluß charakteristerte er die Regierungsteilnahme aufzukündigen. Bedarf stellenweise eine Belebung im Rahmen Stimmung mit folgenden Worten: in deutscher es wirklich nur des Abganges der deutschen des unternormalen Saisonbedar­Herriot erklärte nach der Unterredung mit Sprache: Die Luft ist fühl, aber es dunkelt Minister, um eine gesteigerte Fürsorge für die fes auf. Die Grporterzeugung wird weiter dent Reichskanzler dem Lausanner Berichterstat durch die wachsenden Absatzschwierigkeiten einge- ter der Havas - Agentur, man müsse den Eindruck Randgebiete zu erwirken, die deutsche Indu­engt. Der Außenhandel brachte wenn auch fein eines Willens nach Berständigung Nach Abschluß der Nachmittagssigung der strie und Landwirtschaft treibhausartig auf­Umjak sehr niedrig war im Mai wenigstens auf Grund gemeinsamer einsichtiger Erkenntnis deutsch - französischen Konferenz wurde ein zwei- blühen zu lassen und den Kampf um das dabin eine Besserung, daß er mit einem wenn der Lage feststellen. tes Rommuniquee ausgegeben, in dem es heißt: gleiche Recht der Minderheiten im Sturm­auch geringem Ueberschuß abschließt. Die deutsch - französischen Besprechungen schritt zu gewinnen? Wir sind die Letzten, die find heute Nachmittag fortgesetzt worden. An etwa verkennen würden, daß das harte Min­ein Exposee des französischen Finanzministers derheitsschicksal der Sudetendeutschen auch ihre Germain- Martin schloß sich ein Gedankenaus- Krisennöte steigert. Die Schikanierung der tausch mit dem gleichermaßen von beiden Sei- deutschen Staatsangestellten, der Protektio ten betonten Bestrebungen, alle Seiten des nismus bei Staatslieferungen und bei Ar aufgeworfenen Problems gründlich zu prüfen." beitsvergebungen sind Erscheinungen, mit Die nächste Zusammenkunft wird Montag, denen sich auch der internationalste Sozial­den 27. Juni, halb 17 Uhr stattfinden. demokrat niemals abfinden kann. Die ent­

Gehalte in Raten.

präsidenten begab.

Wolff meldet, daß diese Besprechung gutem Vernehmen nach einen günstigen Verlauf genom men habe, der auch weiterhin positive Arbeits­Wien, 24. Juni. ( AN.) Infolge der ungün möglichkeiten aufzeige. Die Unterredung dauerte ftigen Staffentage des Bundes haf ein gestern ab etwa eine halbe Stunde, worauf der Reichstanz­gehaltener, Ministerrat beschlossen, daß am ler und der französische Ministerpräsident an der 1. Juli nur 60 Prozent, der Monatsbezüge der Sitzung der beiden Delegationen Bundesangestellten und Pensionisten auszuzahlen ieilnahmen, die bis 12 Uhr dauerte. Bei ihrem jeien und daß die Restzahlung am 15. Juli zu Abschluß wurde folgendes Rommuniquee aus­gegeben: enfolgen hat.

nicht..."