á akademie

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demokrat

Zentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

12 Jahrgang.

USA . außerordentlich

befriedigt.

Washington , 8. Juli. ( Wolff.) Im Staatsdepartement äußert man sich überaus

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Samstag, 9. Juli 1932

Einigung in Lausanne .

befriedigt über die in Lausanne erzielte Deutschlands Erfolg: Einigung und begrüßt diese endlich gefundene Lösung des komplizierten Reparationsproblems als den Beginn einer neuen Epoche besserer Be­

Schlußzahlung von nur 3 Milliarden Mark.

Kriegsschuld- und Entwaffnungsklausel bleibt.

ziehungen zwischen den europäischen Staaten. Frankreichs Erfolg: Nach Ratifizierung des Reparationsabkom­mens ist man bereit, mit den Regierungen der sinzelnen alliierten Schuldnerländer über eine Neuregelung ihrer Verpflichtun gen in Verhandlungen einzutreten, falls diese Regierungen es wünschten. Man hofft jedoch. daß diese Verhandlungen bis nach den Wahlen im November verschoben werden, damit die Frage der Neuregelung möglichst aus dem Wahl­Kampf herausgehalten wird.

Rundfunkrede Papens.

Der Reichsfanzler von Papen sprach am Abend von Lausanne aus in den deutschen Rundfunk über die Ergebnisse der Konferenz, wo bei er die Gefahren, die Deutschland aus dem Scheitern der Konferenz erwachsen wären, in den schwärzesten Farben schildert und schließlich feſtſtellt:

Das Ziel der Lausanner Konferenz, die böl lige Beseitigung der Reparationen sei erreicht. In feiner wie immer gearteten Form werde Deutsch­ land vom 1. Juli 1932 ab Reparationen aufzu= bringen haben. Der Youngplan ist gefallen. Zah lungen von über 33 Milliarden Mark mit Jahresleistungen von rund 2 Milliarden Mark sind beseitigt. Die endgültige Beseitigung der Reparationen stelle die Unabhängigkeit Deutsch­ lands in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht vollkommen wieder her. Sie beseitige alle Vedin­gungen, die bisher noch aus dem Youngplan bc­standen. Das Reich gewinne die volle Souveräni­tät über Reichsbahn und Reichsbank zurück. In wirtschaftlicher Hinsicht werde durch diese Lösung der deutsche Kredit neu fundiert werden.

Seinen Mizerfolg in der Frage der Kriegsschuld und der Entwaffnungs­bestimmungen sucht Papen durch ein paar allgemeine Phrasen zu verschleiern,

daß die äußerste Straftanstrengung. die Deutsch­ land bei dieser Konferenz gemacht habe, nur dann ihren Sinn und Wert haben werde, wenn die Auswirkungen der Lausanner Abmachungen zu ciner Klärung derjenigen politischen Fragen füh­ren, welche die Rechte des deutschen Volkes heute noch einengen. Im Namen Deutschlands melde er heute schon den Anspruch vor der ganzen Welt an, als Volk mit gleichen Rechten und Pflichten behandelt zu werden. Dies betreffe u. a. die Frage der Kriegsschuld und der Wehr freiheit. Die wiederhergestellte wirtschaftliche Freiheit und die Unabhängigkeit von anderen Ländern werden es der deutschen Regierung er­möglichen, nun auch die politische Freiheit zu er­tämpfen.

Ablehnung durch die deutsche Rechtspresse.

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Lausanne , 8. Juli. Während die gestrigen Konferenzen Macdonalds mit Herriot und von Papen, die bis in die ersten Morgenstunden andauerten, nur eine geringe Hoffnung auf einen Erfolg boten, ist es in den heute vormittags fortgeseßten Besprechungen der drei Staatsmänner doch zu einer Einigung gefommen. Um zwei Uhr nachmittags gab Herriot in bester Laune den Journalisten die vollzogene Einigung bekannt: Ca y est", Alles ist fertig! Wir rufen nicht Sieg, aber wir sind zufrieden!

Die Abmachungen beschränken sich allerdings nur auf die reinen Repara tionsfragen, in denen Frankreich ziemliche finanzielle Zugeständnisse gemacht und sich mit einer deutschen Schlußzahlung von 2.7 Milliarden Mark, auf viele Jahre verteilt, begnügt hat. Dagegen hat die deutsche Delegation ihren Versuch, einzelne politische Klauseln des Ver­sailler Friedensvertrages, vor allem das Kriegsschuldbekenntnis und die Diskri­mination" Deutschlands hinsichtlich der Rüstungsbeschränkungen durch den neuen Vertrag außer Kraft zu sehen, angesichts des hartnäckigen Widerstandes der Franzosen aufgeben müss sen. Der neue Vertrag von Lausanne stellt also ein ausschließliches Reparationsabkommen unter Ausschluß alles politischen Beiwerkes dar.

Die französischen Kreise in Lausanne spre chen, ohne das heutige Abkommen für einen eigenen Sieg oder für eine Niederlage Deutschlands zu erklären, ihre Befriedigung darüber aus, daß der Vorsißende der franzöfifchen Re gierung den diplomatischen Kampf um die Auf­rechterhaltung des Versailler Vertrages chreub oll bestanden hat. Es scheint, daß die Franzosen von ihrem moralischen Erfolg in Lausanne ha uptsächlich hervorheben, daß der Versailler Ver­trag, hauptsächlich aber der Artikel 231, der von der Verantwortlichkeit für den Krieg han­delt, unberührt bleibt.

Die Einzelheiten des Vertrages sollen heute abends in einer vertraulichen Vollsißung der Konferenz bekannt gegeben werden. Die feierliche Schlußfißung der Konferenz und die Unterzeichnung des Vertrages ist für morgen vormittags zehn Uhr angefeßt. Der Vertrag soll eine Präambel, eine politische Erflärung sowie elf Artikel enthalten.

Deutschlands künftige Leistungen.

Ueber den konkreten Inhalt der finanziellen Abmachungen wird folgendes bekannt: Die letzten Reparationszahlungen Deutschlands betragen drei Milliarden Goldmark, die nach einem dreijährigen Moratorium in 37 Jahren amortisiert werden.

Außerdem soll Deutschland auch weiterhin den Tilgungsdienst der Young- und Dawesanleihe fortseßen. Ferner sollen die sogenannten belgischen Mart aus der deut­ schen Okkupationszeit zurückerstattet werden. Weiter wird Deutschland für die amerikanischen Besaßungskosten aufkommen.

Nr. 161.

Soziale Arbeit

gegen

soziale Not.

Ueber aller Wirrnis, aller Qual, allen. Hunger, allen Ungerechtigkeiten dieser Zeit, erhebt sich die soziale Arbeit, die jene leisten, die mit Ruhe und Verstand die Brüde zu einer neuen Welt schlagen. Was wäre die Welt ohne diese Arbeit, die oft nur das Resul tat erbitterten Kampfes ist, denn nicht alle wissen, daß soziale Fürsorge letzten Endes Selbstschuß ist. Leider aber stehen Hundert­tausende, da sie sehen, daß die halbe Mensch­heit zu verhungern droht, aller Fürsorge heute genau so verständnislos gegenüber, wie sie dieser Kulturarbeit vor dreißig und mehr Jahren gegenübergestanden sind. Glücklicher­weise können diese Ewiggestrigen den Fort­schritt nur hemmen, ihn aufhalten können sie ebensowenig auf diesem Gebiete wie wo anders.

Wohl fehlt der Fürsorgearbeit, die jetzt von einzelnen Körperschaften geleistet wird. ein Plan, der die Arbeit wirksamer macht, die Mittel sorgsamer ausnüßt, doch ungeachtet dessen wird gegenwärtig auf sozialem Gebiete sehr Wesentliches geleistet.

Der Mieterschutz bildet die erste bedeutende Tat, die vollbracht wurde, ent­gegen aller Feindschaft der besitzenden Klasse und ein Rettungswerk für breite Schichten in furchtbarer Zeit. Wer wagt heute zu bestrei­ten, daß der Mieterschutz eine Kulturtat ersten Ranges ist! 3u ihm kommen die gesetzlichen Bestimmungen zur Bauförderung, so das Gesetz für den Bau von Kleinstwohnun gen. Durch Staatsgesetze wurde weiter die produktive Arbeitslosen für- sorge in den Vordergrund der Fürsorge­arbeit gestellt, wurde die Ernährungs= aktion eingeführt, kam das sogenannte Genter System zur Geltung, das es jedem Arbeiter möglich machte, sich wenigstens für eine bestimmte Zeit vor den Folgen der Arbeitslosigkeit zu sichern, das seit dem Wir­fen des Gen. Dr. Czech im Fürsorgeministe­Das Wolfsbüro bemerkt hiezu, daß die für die Bons dem inneren Wert der 1.9 mil rium wesentlich verbessert wurde, also eine, Franzosen von ihrer Forderung von 4.2 Milliarden entspricht, die aus dem Hooverjahr liarden auf 3 Milliarden heruntergegangen find. noch zu zahlen sind. An die Ausgabe der Bons wenn auch bei dem Stande der heutigen Ar­Dafür werden Bons zu einem Kurs von 90 ist vorläufig überhaupt nicht zu denken, da ein beitslosigkeit unbefriedigende, so doch immer­Prozent ausgegeben, so daß die tatsächliche Seurs von 90 Prozent nicht zu erzielen ist, solange hin bedeutende Hilfe für die Arbeitslosen dar Summe sich auf 2.7 Milliarden, also ungefähr die Younganleihe noch so niedrig steht.( Sie stellt und objektiv betrachtet ein großer Er­den Betrag beläuft, den die Engländer vermit wurde gestern mit 64 Prozent notiert.) Ein folg für die Arbeiterklasse ist. telnd vorgeschlagen haben. Die Sachverständigen weiteres Hindernis für die Ausgabe ist der Zu alldem wissen wir, daß aus staat­haben ausgerechnet, daß diese Summe bei Be- niedrige Zinssa ß, der 5 Prozent beträgt, lichen Mitteln eine Reihe anderer Aktionen rücksichtigung der besonderen Ausgabebedingungen gegenüber 6 Prozent der Younganleihe. ins Leben gerufen oder daß durch Staatssub­ventionen solche privater Störperschaften geför­schaftsausschusses betreffend die Weltwirtschaftsdert wurden, wie die Milch, die Kartof­fonferenz. fel, die Bekleidungsaktion usw.

Nach drei Jahren werden 5prozentige Obligationen in der Gesamtsumme von 2 Mil­lionen 700.000 Goldmark zum Kurse von 90 Prozent ausgegeben. Die Obligationen, die innerhalb 15 Jahren feinen Abfah finden, werden( zugunsten Deutschlands ) ungültig.( Die Young- und Dawes- Anleihe, die übrigens nicht unter die Reparationen fallen, erfordern 50 Millionen Goldmark jährlich.)

Neuordnung der Welt."

*

Das Abkommen von Lausanne , dessen Unter­Berlin, 8. Juli. Das in Lausanne er lich erfolgen wird, enthält nach einer Wolff zeichnung morgen vormittag um 10 Uhr feier erlich erfolgen wird, enthält nach einer Wolff zielte Abkommen findet in der deutschen Presse Meldung in seiner Bräambel eine politische Er­feine günstige Aufnahme. Sowohl die der Re- flärung. Diese betont, daß es sich um eine gierung nahestehenden als auch die oppositionellen de uordnung der Welt handle, in der Blätter fommentieren das Abkommen sehr step das Vertrauen zwischen den Völkern, ihre völlige tiſch und vielfach ablehnend. Insbeson- Wiederversöhnung und fünftige Zusammenarbeit dere wird dem Kanzler Papen der Vorwurf ge- eingeleitet wird, und die ein völliges Ende macht, daß er unter dem französischen Druck der deutschen Reparationen bringt, auf die politischen Forderungen daß aber diese Regelung noch nicht hinreicht, um berzichtet habe und sich für den Abschluß das Ziel vollständiger Befriedung zu erreichen, eines Abkommens bloß auf finanzieller Grund die eine wirtschaftliche und politische sein muß, und daß zu diesem Zwecke auch neuerdings die Verpflichtung bekräftigt wird, niemals an die Waffen zu appellieren.

lage gewinnen ließ. Die agrarische Deutsche Tageszeitung" schreibt, daß man das Ergebnis von Lausanne nicht mit Zustimmung aufnehmen könne. Das soeben abgeschlossene Abkommen bedeute die Fortsetzung

*

Nach der erwähnten politischen Einleitung Saager Abkommen vollständig regelt. folgt ein Vertragstext, der in eft Artikeln die Frage der Schuldenverhältnisse aus und seit dem aager Abkommen vollständig regelt.

Das alles mag als verständlich erschei­nen, denn schließlich hat der Staat die Auf­gabe, für die Opfer der Wirtschaftskrise und Es wird festgestellt, daß das Haager Ab- einer verfehlten Wirtschaftspolitik zu sorgen, tommen beendet und vollkommen ersetzt wird wenn er geordnete Verhältnisse im Lande durch den Lausanner Vertrag, haben will. Daß trotzdem ein geradezu heroi­und das wird im einzelnen ausgeführt. Die scher Kampf um alle Fürsorgemaßnahmen Sonderbestimmungen in bezug auf die Young des Staates geführt werden mußte, das be­und Dawes Anleihe usw.. so it sie aufsonders aufzuzeigen ersparen wir uns an die rechterhalten werden müssen, werden aufgeführt. fer Stelle. Dagegen werden alle übrigen unter dem Was neben dieser staatlichen Fürsorge­Young- Abkommen und dem Hoover- Moratorium: arbeit geleistet wurde, verdient einmal eine eingegangenen Verpflichtungen rückgängig ge­macht. So wird das General- Zertifikat zurüd- eingehende Würdigung, wurde das doch alles gegeben, das unter dem Hoover- Moratorium nur möglich gegen eine Welt des Unverstan überreicht wurde, und es wird die deutsche Gold- des, des frassesten Egoismus, der verderblich Nach dieser Präambel folgt das Vertragseinlage bei der BIZ zurückgegeben; es werden sten Feindschaft wider die hungernden Arbei

lungen ohne der politischen 3ah- werk, das aus fünf Teilen besteht. In diesen auch die Verpflichtungen der Reichsbahn und der ter. Allem voranzustellen ist bei einer solchen:

ohne Erfüllung jener politischen Voraussetzun­gen, die deutscherseits mit Recht als notwendig angesehen wurden.

Die nationale Deutsche Zeitung" bezeich­net das Lausanner Abkommen als unmög

liche ängstliche Lösung. Für Deutsch ) land müsse auch weiterhin das einzige Ziel die Streichung der Reparationszahlungen) sein, durch die Deutschland bereits bis zu einem un­möglichen Stand verblutete. C)

1. das Abkommen mit Deutschland ,

2. Uebergangsmaßnahmen zu diesem Ab­

tommen,

Weiter ist festzustellen, daß in dem Ab- dende Jugend. Auf diesem Gebiete wurde kommen neuerdings ein absolutes Mora- Anerkennenswertes geleistet und es scheint, torium, das heißt eine Frist, innerhalb deren als ob in der nächsten Zeit noch mehr geleistet auch unter dem vorgesehenen Kautelen des 90prozentigen Kurses dieselben Reichsbons nicht werden wird. Wenn seit Jahren großzügige begeben werden dürfen, auf drei Jahre feſtgefekt Ferienaktionen für die blassen Arbei wurde. Nach deren Ablauf tritt eine 12jährige tertinder durchgeführt werden, so ist dies allein Schußfrist ein, nach deren Beendigung die nicht schon der öffentlichen Beachtung wert Tau­bedingungsgemäß begebenen Stücke zugunsten des sende der unterernährten Jungen und Mäd­5. eine Resolution des Lausanner Wirt- Reiches verfallen. chen sind in den letzten Jahren durch Wochen

3. die Frage der Oſt reparationen, zu deren Regelung ein Komitee eingefeßt und das Moratorium bis 15. Dezember verlängert wird, 4. eine Resolution betreffend Mittel- und Osteuropa,

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