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Sosialdemokrat
Zentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik
12 Jahrgang.
Die 40 Stundenwoche
wird international erörtert.
Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.
Redaktion u. Verwaltung: Prag II, Relájania 18 Telepd.: 26795, 31469, Nachtredakt.( ab 21 Uhr): 33858 Boftihedamt: 57544
Donnerstag, 27. Oftober 1932
Das Kabinett Braun amtiert wieder. Falsche
einen Weg zur
Nr. 254.
Hoffnungen.
Berlin , 26. Oktober. Das preußische Staatsministeriums liegen. Er hoffe, daß auch die Madrid , 26. Oktober. Der Verwal: Staatsministerium trat heute vormittags unter Reichsregierung der Auffassung sein werde, daß So oft die Vertrauensmänner unserer tungsausschuß des Internationalen Ar- dem Vorsiße des Ministerpräsidenten Doktor man einen Ausgleich und beitsamtes beschloß nach ganztägiger De Braun zu einer Kabinettssigung zusammen. Wahrung der Interessen Preußens und des Reiches Partei zu einer Beratung zusammentreten, batte mit 18 Stimmen, die Frage der Sämtliche Staatsminister waren anwesend. Die finden müsse. Dazu sei viel guter Wille zur Sachum in demokratischer Weise über taktische Fravierzigstündigen Arbeitswoche in der In- Vertreter Preußens in dem Leipziger Prozeßlichkeit nötig. Früher sei über den Dualismus gen zu diskutieren und die Richtung der Podustrie in das Programm der vorberei- erstatteten Bericht über die Verhandlung vor dem zwischen Preußen und dem Reich geklagt worden. litik der Partei festzulegen, regt sich die HoffStaatsgerichtshof. Die durch die Entscheidung Durch die dritte Instanz, den Reichskommissar, jei nung unserer bürgerlichen wie kommunistitenden Konferenz für die große inter - des Staatsgerichtshofes geschaffene Lage wurde die Situation nicht leichter geworden und schen Gegner, mun werde endlich das lange nationale Arbeitskonferenz aufzunehmen. eingehend erörtert. die Reichsregierung werde sich deshalb mit der Erwartete eintreten: eine Spaltung, oder Diese vorbereitende Konferenz tritt am Ministerpräsident Braun stellte als einheit Frage beschäftigen müssen, ob sich dieser Zustand wenigstens ein tiefer Riß im ideellen und liche Ansicht des Staatsministeriums fest, daß 10. Jänner 1933 in Genf zusammen. nach Umfang und Zeitdauer aufrechterhalten lasse. organisatorischen Gefüge unserer Partei. Keidas Staatsministerium die Entscheidung des Staatsgerichtshofes als maßgebende und zur Auf Anfragen erklärte Dr. Braun zum ner dieser Gegner kann etwas auch nur anAehnliches unseren Parteitagen Um die Regierungsbildung. Entwirrung der Lage geeignete Grundlage be- Schluß, daß eine Fühlungnahme mit dem nähernd Aehnliches unseren trachtet. Das Staatsministerium hat danach nicht Reichspräsidenten in Aussicht genom gegenüber stellen, eine freie Diskussion, in der Ernennung bereits heute? nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die men worden sei. Von einer Fühlungnahme mit öffentlich und ungezwungen verschiedenartige Befugnisse auszuüben, die ihm noch der Entschei- dem Reichskanzler, von der in einem Abendblatt Meinungen ausgetauscht werden, ist ihnen unPrag, 26. Oktober. Auch heute dauerten die dung weiterhin zustehen. Die Staatsregierung die Rede ist, sei ihm nichts bekannt. vorstellbar. Daher wittern sie bei jeder aufVerhandlungen zwischen dem defignierten Mini- wird diese Befugnisse im Sinne möglich st Wie das Conti- Büro erfährt, hat Ministe- tauchenden Meinung, die von der augenblick sterpräsidenten Malypetr und den einzelnen reibungslosen zusammenarbei- rialdirektor Dr. Brecht im Auftrage des preu- lichen Taktik der Partei abweicht, Morgenluft Koalitionsparteien, vor allem mit den tschechischen tens mit den anderen verantwort hischen Staatsministeriums heute abends eine und prophezeien ihren bevorstehenden Zerfall, Sozialdemokraten, an. Es handelte sich dabei vor- lichen Stellen ausüben. Das Staatsmini- längere Besprechung mit Staatssekretär Mei- nehmlich um die Erörterung des vom Finanz- fterium wird sich hiebei lediglich von den Inter- ner gehabt. Diese Besprechung wird als eine dadurch verratend, daß ihnen nichts willkom minister Dr. Trapl ausgearbeiteten Finanz- essen des Reiches und des Landes leiten lassen. erste Fühlungnahme über die rechtlichen mener wäre, als ein Strach in unseren Reiplanes. Eine Klärung konnte bis zur Stunde Vor dem Wohlfahrtsministerium in der und politischen Fragen bezeichnet, die sich für hen. So weitgespannt sind diesmal die Hoffnicht herbeigeführt werden; die Verhandlungen Leipziger Straße hatte sich während der Anfahrt die Praxis aus dem Leipziger Urteil ergeben. nungen unserer Gegner auf unseren bevorwerden daher morgen fortgesetzt werden. der preußischen Minister eine größere Menschen- Aus dieser Darstellung läßt sich entnehmen, ſtehenden Parteitag allerdings nicht, aber mit menge angesammelt. Ministerpräsident Braun daß die Fühlungnahme in den nächsten Tagen hämischer Freude weisen sie auf einige der wurde bei seinem Erscheinen mit Hochrufen weitergeführt werden wird. In welcher Form von uns veröffentlichten Anträge zum Parteiempfangen. das geschieht, steht wohl noch nicht ganz fest. tage hin, aus denen sie ein offenfundiges Mißtrauen" gegen die Parteiführung herausAuch Papen lesen wollen. Weil ein noch festzustellender eil unserer Parteimitgliedschaft gegen die Fortsetzung der Beteiligung an der Regierung ist, folgern unsere Gegner hocherfreut, die Partei sei auf dem besten Wege, sich gegen die Führer aufzulehnen. Es sei immerhin bemertenswert", daß sich wenigstens ein Teil der deutschen Arbeiter auf sich selbst besinnt und deutschen Arbeiter auf sich selbst besinnt und
Wie die ,, Prager Presse" meldet, hatte Daly petr heute eine anderthalbstündige Unterredung mit dem Präsidenten der Republif, wobei er den Präsidenten über die bisherigen Ergebnisse seiner Verhandlungen mit den Parteien Bericht erstattete.
Das Blatt glaubt, daß froß der angedeuteten Schwierigkeiten die Kabinettsbildung bereits morgen, am Vorabend des Staatsfeiertages, offizielf bollzogen werden wird.
Das„ Česté Slovo" spricht sogar davon, daß Malypetr" dem Präsidenten heute bereits be stimmte Anträge auf Ernennung des neuen Kabinetts gemacht habe, die mit der schon in der Vorwoche bekannt gewordenen Ministerliste identisch sein sollen. Auch das„ České Slovo" stellt die Bildung des neuen Kabinetts für morgen bestimmt in Aussicht.
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Am Nachmittag fand ein Prefseempfang der alten Regierung statt, bei dem Ministerpräsident Braun die erschienenen in- und ausländischen Pressevertreter begrüßte.
zur Verständigung bereit?
In Kreisen, die dem Reichskommissar naye Ministerpräsident Dr. Braun erklärte u. a., stehen, wird erklärt, daß auch bei ihm die Abdaß das Urteil auch beim preußischen Staatsmini ficht zu einer loyalen Zusammenarbeit beſtehe. sterium nicht in allen seinen Teilen volle Befrie Natürlich werde der Reichskommissär die Erekubigung ausgelöst habe, das Interesse des Landes er- tive, die das Leipziger Urteil ihm zuspricht, aus heische es aber, sich jetzt auf seinen Rechts üben, aber das werde sicher in Formen geschehen, boden zu stellen und an seiner Ausführung die teine neuen Schwierigkeiten deutlich macht, wie satt er es hat, am Gänfachlich mitzuarbeiten. Dr. Braun gab dann seiner schaffen. Nach Auffassung dieser Streise komme gelband einer parteipofitischen Taktik zu hänBefriedigung Ausdruck, daß der defamierende Vores zunächst darauf an, die Befugnisse, Rechte und gen, die mit der Vertretung der Interessen wurf, das preußische Staatsministerium habei seine Pflichten für die Praxis abzugrenzen, die durch des deutschen Arbeitsplatzes nichts zu tun Pflichten gegen das Reich verletzt, vom Staats das Reichsgerichtsurteil gegeben sind. Das sei hat". Wer diese letztere Hoffnung ausspricht, gerichtshof als unbegründet bezeichnet worden auch schon mit Rücksicht auf die preußischen Be- ist das Hauptorgan der deutschnationalen Fasei. Damit sei die Atmosphäre gereinigt und der amten auch in den unterstellten Behörden not- brifantenpartei, sicher also eine höchst zustän Boden für die Ausführung des Urteils gegeben. wendig. Man geht wohl nicht fehl, wenn man
Dr. Braun kam dann im einzelnen auf die annimmt, daß die weiteren Besprechungen jetzt dige Instanz, an die deutschen Arbeiter wohlSchwierigkeiten zu sprechen, die in der Abgrenzung erst einmal einer Klärung dieser Fragen dienen meinende Ratschläge auszuteilen. Im übrigen
des Reichskommissars und des sollen.
Devisenverhandlungen mit Oesterreich.
sind die Erwartungen unserer bürger lichen Gegner auf die bevorstehende Auseinandersetzung über die Frage der Koalitionsnische Gesandte beim Bundeskanzler inter- politik, die nicht, wie sie behaupten, hinter veniert und in schärfster Weise Gedicht verschlossenen Türen" vor sich gehen nugtuung verlangt. wird, sehr herabgeschraubte. Am Abend hat dann der Rektor vor der Weit hoffnungsseliger sind die Kom= Wien , 26. Oktober. Heute beginnen in Wien Deutschen Studentenschaft eine Rede gehalten, in muni sten. Immer sind sie darauf aus, zu die neuen Verhandlungen zwischen Desterreich der er mitteilte, er habe von dem Unterrichts- versuchen, ob es nicht doch möglich ist, zwischen und der Tschechoslowakei über den Zahlungsver- minister erfahren, daß der amerikanische Ge- den sozialdemokratischen Arbeitern und ihren sehr und über die Handhabung der Einfuhrver- fandte Genugtuung berlangte, und er( der Ret- freigewählten Vertrauensmännern einen Spalt bote zwischen den beiden Ländern. tor) habe nur mit größter Mühe
Vormilitärische Erziehung usw. Paris , 26. Oktober.„ Quotidien" macht heute einige Angaben über den Inhalt des französischen der Funktionen Sicherheits- und Abrüstungsplanes, soweit er sich auf den Ausbau des französischen Heeres bezieht. Nach dem Blatt soll der Blan die Herabsehung der Militärdienstzeit von 12 auf 9 Monate vor fehen. Gerade gegen diesen Teil des Planes hätten Marschall Betain und General Weygand zahlreiche Einwendungen erhoben. Die Zahl der Divisionen würde von 20 auf 12 herabgefeßt werden. Der Plan würde durch eine Organisa tion von Mitizen und eine Erhöhung der Ausbildungsperiode für die Refer bist en vervollständigt werden. Außerdem sehe man auch eine besonders aktive militärische Vorbereitung der Jugend vor dem Eintritt in das Heer bor . Zur Durchführung diefer neuen Bestimmungen werde eine durchgreifende Reform der Cadres notwendig. Diese lezzien Stadien würden erst nach Annahme des Konstruk tivplanes in Genf studiert und verwirklicht werden.
Die täglichen Krawalle an der Wiener Universität .
Wien , 26. Oktober. Während des heutigen Vortrages des Professors Durigo im philolophi schen Institut der Wiener Universität fam es wiederholt zu Ausschreitungen der nationalfozia listischen Studenten, die die vorzeitige Beendi
Privilegien der Universität unan aufzureißen. Zu diesem Zwed operieren sie getaftet erhalten fönnen. Wenn er immer wieder mit dem Schwindel der„ Einfich nicht persönlich für die Aufrechterhaltung der heitsfront von unten" und mit noch vielen Ruhe und Ordnung verbürgt hätte, hätte er anderen Tricks, mit denen sie wenigstens ein nicht verhindern können, daß Polizei in die paar unklare oder malkontente Mitläufer von Universität fomme. unserer Partei weglocken möchten. Und so
In einer Kundgebung, die zweifellos unter haben auch etliche der Anträge unserer Orgadem Druck der amerikanischen Intervention er- nisationen zum Parteitage es ihnen angetan. folgte, erklärt der Rektor, er sei entschlossen, In der sozialdemokratischen Partei bestehen, ieder wiederholung so schwerer Verlegungen der wie einzelne der Anträge bejagen, geteilte entgegenzutreten und
einen 25.000 Tonnen- Kreuzer gung des Vortrages erzwangen. In der Folge akademischen Ordnung mit äußerster Strenge Meinungen über die Nüßlichkeit der Fortfüh
Paris, 26. Ottober.( Savas.) Der Marine- Juden und Sozialdemokraten und drängten sie aus dem Saal. Die Ausschreitungen dehnten minister beschloß, aus dem Programm für 1931 fich auch auf das anatomische Institut und die den 26,500 Tonnen Panzerkreuzer Dunker- juridische Fakultät aus. Im ganzen wurden fünfque" sofort in Bau zu geben. Diese Entschei- zehn jüdische und sozialdemokratische Studenten dung des Marineministeriums erfolgte, da verletzt. Die Universität sowie alle Nebengebäude wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der Deutschland mit dem Bau von Kreuzern vom Reftor erließ eine Stundmachung, in der er die Typ„ Deutschland " begann. neuen Ausschreitungen scharf verurteilt und die Studentenschaft zur Ordnung auffordert. Einschreiten
"
Abrüstungsaktion
Paris , 26. Oftober. Das sozialistische Blatt Populaire" berichtet, daß alle Deputierten und Senatoren der sozialistischen Partei in der allernächsten Zeit in ganz Frankreich große Kundgebungen und Volfsversammlungen für die Abrüstung und gegen den Krieg veranstalten werden.
sichtig, gegebenenfalls auch mit den schärfsten rung der Koalitionspolitik und schon läßt die Disziplinarmitteln vorzugehen, unabhängig von beflügelte Phantasie der kommunistischen den Konsequenzen, die sich strafrechtlich für die Klopffechter nicht nur schwerwiegende Diffe renzen zwischen Partei und Führung, ja sogar Betroffenen ergeben könnten. eine ,, Rebellion" gegen die Führung vor ihren Bomben gegen eine Druckerei Augen erstehen. Der Widerstand gegen die Theorie und Politik der Führer wächst, so ver Uffenheim ( Bayern ), 26. Oktober. In das künden die kommunistischen Stribenten Druckereigebäude des Uffenheimer Tageblattes" was liegt näher, als der Gedanke, daß alle wurde heute früh um halb 3 Uhr eine Bombe diese Unzufriedenen kein stärkeres Verlanger geworfen, die schweren Schaden an den Maschinen tragen, als dies, so rasch wie möglich zu der und im Gebäude anrichtete. Bei den NachbarBei den Nachbar Kommunisten hinüberzuvoltigieren, wo be häusern wurden die Fensterscheiben zertrümmert. fanntlich nicht die Führer, sondern die Masser Das Uffenheimer Tageblatt" verfolgt eine die Haltung und Politik der Partei bestimme Wie uns aus Wien weiter gemeldet unabhängig- nationale Richtung. Der Verleger und denen anzugehören nach den bisherige wird, wurden bei den heutigen Krawallen soll früher der nationalsozialistischen Partei an- Erfolgen der Partei höchste Glückseligkeit be auch vier ameritanische Studen- gehört haben, jedoch bereits vor einigen Jahren deutet. Sie schöpfen also aus den Anträgen die ten verlegt. Darauf hat der amerika - aus der Partei ausgeschieden sein. Ueberzeugung, daß die Mitglieder unserer Par
des amerikanischen Gesandten gefährdet die Prügelfreiheit der Nazis.
Verletzt wurde niemand.