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( Einschließlich 5 Heller Borto)

Jentralorgan 6. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.6.Tschechoslowakischen Republik

12 Jahrgang.

Mißstimmung in Paris

gegen die österreichische Anleihe.

Paris , 28. Dezember. Heute abends ist unter dem Vorsiz Paul- Boncours der Kabi­netisrat zusammengetreten. Nach Schluß der Sigung erklärte der Ministerpräsident den Four­nalisten, daß die Regierung bisher nicht ent­schlossen ist, ob sie in der Angelegenheit der öfter­reichischen Anleihe die Vertrauensfrage stellen werde. Er fügte hinzu, daß er daran zweifle; die Regierung würde dies nur im Falle der äußersten Notwendigkeit tun.

In den Couloirs der Kammer herrichte abends der Eindruck, daß die Regierung einige Stimmen Mehrheit erhalten könnte, wenn sie in der Frage der österreichischen Anleihe die Ver­trauensfrage stellen würde. Es ist aber nicht aus geschlossen, daß die Vorlage vertagt oder sogar abgelehnt werden wird.

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Die Frage der Gewährung der Anleihe an Desterreich begegnet auch in der Presse sehr ge­ringen Sympathien und ruft erhebliche ruft erhebliche Vor­behalte nicht nur in fonservativen Kreisen, son­dern auch rei der Linken hervor. Die radikalen Blätter bezweifeln, daß die geplante Anleihe die Letzte fein würde. Uebereinstimmend mit dev Rechtspresse geben sie der Meinung Ausdruck, daß es besser wäre, wenn Desterreich zu wirklichen

Etteichungen und Einsparungen im Budget greifen würde.

Deutsch - französisches Wirtschaftsabkommen.

Paris , 28. Dezember.( Savas.) Tas heute bormittags in Berlin unterzeichnete Zusabab fommen zum französisch deutschen Handelsver trage aus dem Jahre 1927 wird heute abends beröffentlicht werden. Das Ziel dieses Zujak abkommens ist, ein gewisses Gleichgewicht in Handel zwischen den beiden Staaten herzustellen, und zwar dadurch, daß in der Meistbegünsti­gungsklausel Ausnahmen zugelassen sind und 72 fonfolidierte Zollposten aufgehoben wurden, wo bei aber der Zolltarif selbst nicht abgeändert ist. Außerdem wird das französisch- deutsche Ab­fommen betreffend den Devisentransfer veröf­fentlicht werden. In der nächsten Zeit wird ein Abkommen abgeschlossen werden, dessen Ziel die Sebung des Touristenverkehres givi­schen Frankreich und Deutschland sein wird. Ehemaliger Reichsgerichts­präsident

gegen die Notverordnungspraxis.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Donnerstag, 29. Dezember 1932

Nr. 306.

Der Nazi- Fememord bei Dresden . Sittensprüche

Erschossen, in einen Sack gehüllt und in den Talsperrensee versenkt. Drei mordverdächtige Hakenkreuzier flüchtig. Der Tag' versucht den ,, parteipolitischen Mord in einen Rotmord" umzulügen. Und Hitler schweigt!

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Auch der Tag", das Hauptblatt der sude­ tendeutschen Hakenkreuzler, muß die Auffindung der Leiche des erschossenen SA - Man­nes Hentsch melden. Aber die Schriftleitung eines nationalsozialistischen Blattes kann damit rechnen, daß getreue Pg." eine andere als die parteiamtlich vorgeschriebene Zeitung nicht lesen, man hnen also erzählen kann was man will, also nicht so leicht eine Lüge als solche erkennen, die erkannte aber noch als besonders feine ,, par­teigenössische" Leistung bewundern werden. Der Tag" fann es deshalb wagen, im Titel die Schandtat seiner eigenen Barteigenossen als Ein scheußliches Rotmordverbrechen" zu bezeichnen und im Anschluß an die Meldung zu sagen:

,, Nach den sofort angestellten Erhebungen er­scheint es glaubhaft, daß die Mörder, vermutlich Marristen, Hentsch bis zur Talsperre geschleift und ihn dann von der 15 Meter hohen Brüde ins Wasser geworfen haben."

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Das hat sich der Tag" melden lassen, daß die Mörder vermutlich Marriſtent" waren? Ach nein, das hat vermutlich" ein findiger Hafen­kreuzschädel in Dur entdeckt, daß das eine beson ders feine Sache ist, etnen parteiamtlichen Word den Roten anzuhängen"! Für die Hakenkreuz Redaktion gibt es keine, bona fides! Denn nein, nicht einen Augenblid lang seit dem 4. Novem­ber, dem Tage des Verschwindens des SA Man nes Hentsch, war die Polizei, war irgend eine Behörde der Meinung, Marristen fönnten ihn verschleppt und ermordet haben, denn

Hentsch ist an jenem Abend von drei SA­,, Kameraden" angerufen und zu einer Be­sprechung bestellt worden und seither verschwunden!

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gegen den

Wucher.

,, Das Bank- und Kredinvesen mit dem Ihnen genügend bekannt, so daß ich auf die ein- Börsenspiel ist zu einem Giftbaum geworden. zelnen Phasen nicht einzugehen brauche. Mein Es dient den Finanzinächten, die Völker zu Sohn hat in dienstlicher Angelegenheit bewuchern, den Fleißigen fast alle Ersparnisse in voller Dienstuniform im Auftrage wegzustehlen und immer weitere Kreise durch feines Borgesezten, des später verschwun- die Verarmung in gänzliche Abhängigkeit und denen Sturmführers Schenk, die elterliche in eine wahre Sklaverei zu bringen." Das sind Wohnung vor fünf Wochen verlassen, in der Tat kräftige Worte. Sie sind einer von abends gegen halb elf Uhr. Er ist seitdem nicht den österreichischen Bischöfen auf ihrer letzten wieder zurückgekehrt! Sie werden sich mein großes Konferenz beschlossenen und in der Weih­Herzeleid, meinen Kummer vorstellen können,

wenn ich als Mutter einen sechsundzwanzigjähri- nachtswoche veröffentlichten Kundgebung ent­gen guterzogenen Sohn plöglich verliere! Mein nommen, die von der christlichsozialen ,, Reichs­Sohn hat als Zugehöriger der Dresdner Nach post" mit der Ueberschrift Aktuelle Gebote richten- Abteilung jahrelang der Partei treu seinen der Wirtschaftsmoral" versehen wurde. Man Dienst geleistet! Aus diesem Grunde hätte ich glaubt, eine Predigt Abraham a Santa erwartet, daß einmal irgendeiner der Vorgeseßten Claras zu lesen. Die Herren Bischöfe Klagen meines Sohnes zu mir gelommen wäre, um mir über den Zins- und den Preiswucher und sie Trost und irgendeinen Hoffnungsstrahl in mein fonstatieren, daß ein die ganze Wirtschaft Herz zu legen! Nichts ist von seiten der großen beherrschender Zinswucher diese nicht aufleben läßt", daß ,, steigende Not, Arbeitslosigkeit und Die Mutter sagt noch, sie habe geglaubt, es be- Hunger auf den Wucher in den verschiedenen stünde Kameradschaft in der Partei und sie Formen", vor allem auf den die ganze Wirt­meint nun, in Dresden funktioniere der Apparat ichaft beherrschenden Zinswucher" zurückzu irgendwo nicht richtig, es sei etivas nicht in Ord führen seien. Und die Kundgebung mendet nung.( 3u gut, allzu gut hat der Apparat funführen tioniert!) Aber dann bricht sie in die verzweifel- sich auch gegen das Treiben der Kartelle und ten Worte aus: Konzerne, welche die Preise in wucherischer Weise emportreiben.

Bartei geschehen!"

denn niemand in der großen Par Die ungewöhnlich träftige Sprache dieser tei, der ein fühlend Herz für meinen Jammer bischöflichen Enunziation könnte Leichtgläubige und meinen Schmerz hat? Sollte denn in der dazu verleiten, anzunehmen, auch die Kirche Partei alles Herzensgefühl erstorben sein?" jei mumehr entschlossen, mit dem fapitalisti­schen System, das die Massen verelendet und Es ist erstorben! Mitgefühl mit einem wun den Sumpsboden bildet, auf dem die Gift­den Mutterherzen? Den rauhen Krieger Röhmt rühren doch Weibertränen überhaupt nicht, höch- pflanze des Wuchers gedeiht, zu brechen, auf­Daß vom ersten Tage an der Verdachtsofern stens das Geflenne eines Buhlouben. Und den zuhören, sich als Stüße dieses fluchwürdigen die Polizei, die in deutschen Landen ein merk großen Adolf interessieren nur die die eigenen Systems zu betätigen. Heute, da jeder, der nicht blind ist für das Geschehen in der Welt, würdiges Wohlgefallen an völkischen Mördern Tränen. bat, Berdacht gelten lassen wollte sich aus­Daß Hitler den Brief unbeantwortet ließ, erkennen muß, daß die kapitalistische Wirt­schließlich gegen drei namentlich bekannte Bg." ist selbstverständlich. Der weiche und verweich- schaft am Rande ihrer Weisheit angelangt iſt, richtete, wurde oft genug gemeldet, und daß sie lichte Mann, der seine Minderwertigkeitskom- daß sie in Agonie liegt und alle Versuche, deit regelmäßig Zeitungen lesen, muß man sogar plexe abreagiert durch schäumende Schwärme- toffvanken Patienten zu heilen, fehlschlagen, nationalsozialistischen Redakteuren zufrauenreien für Wassengemezel, die er reien für Massengemezzel, die er für heldisch kann auch die Kirche diesen Erscheinungen

Am zweiten Weihnachtsfeiertage hatte sich hält, wird doch nicht einer weinenden Mutter gegenüber nicht schweigen, an denen sie mit durch die Eisbildung der Wasserspiegel der Tal telegraphieren! Was anderes wäre es, wenn die Schuld insoferne trägt, als sie niemals an sperre Malter so gesenkt, daß die Leiche des Pg. Mörder schon im Gefängnis fäßen! Dann deres war, als der Wächter der großen Geld­Hentsch, nach der früher einmal schon vielleicht! Ja, dann käme vielleicht zu ihnen,

Berlin , 28. Dezember. ( Tich. P.-B.) In der den konnte. Sie war in einen Sad gehüllt, der nicht zur Mutter des Opfers, ein Telegramm: Technisierung der Wirtschaft sind in den fapi­

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Werden dann auch die Führer der deutschen Hakenkreuzler telegraphieren?

Deutschen Juristenzeitung" beschäftigt sich mit schweren Steinen belastet war. Hentsch war talistischen Ländern dreißig Millionen Men­judeten- schen aus dem Produktionsprozeß ausgeschal­Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons mit durch einen Brustschuß getötet und dann in den tet, herrschen ungeheuerlichstes Elend, schred­dem jeit geraumer Zeit hervorgetretenen Wandel Talsperrensee versenkt worden. Also gewiß ein lichster Hunger und alle Vollkommenheit der in der Stellung des Reichspräsidenten . Aus dem scheußliches Verbrechen. Wird es für die Leute Zwei Verhaftungen. Technik vermag unter der Aera des unkon­,, Hüter der Verfassung", als der er neuerdings vom Tag" weniger scheußlich, weil Partei­gern bezeichnet werde, sei er zum Neuformer der genossen Adolf Hitlers , also Gesinnungsgenossen Dresden , 28. Dezember. Gegenüber Ans- trollierten Kapitalisms fricht einmal die Berfaffung geworden. Man brauche nur den der Jung und Krebs und Knirsch, sie verübten? Man kann auch die Namen dieser Pg." lassungen einiger jächsischer Blätter im Falle primitivsten Bedürfnisse großer Massen zu Schriftenwechsel zwischen Hitler und dem Staats­fefretár Dr. Meißner aufmerksam zu lesen, um nennen: Schent, ein siebenundzwanzigjähriger Haensch wird von zuständiger Stelle u. a. mit- erfüllen. Da durchforscht denn auch die Kirche die Richtung zu erkennen, in der die Präsidial. Funker, Friedrich Fränfel, ein zweiundzwan- geteilt: Die Staatsanwaltschaft hat ihre Apotheke nach Seilmitteln, um dem gewalt des Reiches fich heute von der Weimarer sig Jahre alter Telegraphenbauarbeiter, Walter unmittelbar nachdem ihr die Aften zugegangen drohenden Verderben, das ist dem Verenden Konstruktion zu entfernen strebe. Die im Namen oicit, berufslos, alle drei stramme SA waren, mit Nachdruck die Ermittlungen betrieben, des Kapitalismus, vorzubeugen und ihre scheit um die Haftbefehl gegen die mutmaßlichen Täter des Reichspräsidenten aufgestellten Forderungen Männer, wie der Kamerad", den sie erwirft und Sted briefe erlassen. Sie hat in werdenden Schäflein, die sich das Märchen gehen über die Verfassung hinaus. Das ganze Ede brachten. Selbstverständlich sind die drei Helden Erfahrung gebracht, daß die Beschuldigten bald von der sozialen Mission der Kirche einreden Stabinett soll aus Männern seines persönlichen nach der Tat ins Ausland geflüchtet ließen, an der Leine festzuhalten. Aber ach, geflüchtet! Bertrauens bestehen; kraft seiner Vertretung des waren und weiß seit längerer Zeit, wo diese was die Bischöfe an Rezepten aufbringen, das Reiches nach Außen( Art. 45) will er den Augen­sich im Ausland aufhalten. Seit der sind die alten Halbheiten und Unzulänglichkei­minister, fraft seiner Eigenschaft als Oberbefehls­Auffindung der Leiche ist außer dem beschuldigten ten; Mixturen, mit denen sie an der Ober­haber der Wehrmacht( Art. 47) den Reichswehr­Bormann noch ein Bruder der Braut des fläche des torkranken Organismus der kapita­minister ohne Rücksicht auf den Reichstag ernen­flüchtigen Schent, der 21 Jahre alte Maschinen- listischen Wirtschaft herumfurieren möchten, nen und halten. Das ist aus den Bestimmungen schlosser Eugen Beyer in Coßmannsdorf feſt­der Verfassungsartikel nicht herzuleiten. Die in dem sie sagte: genommen worden. Die Sektion der Leiche findet ohne den Siz der Krankheit erkennen zu Leitung der auswärtigen Politik und die Behand­ist heute statt." Immerhin wäre ein ernsthafter Kampf lung und Verwendung der Reichswehr hat in den Grundlinien weder der Reichspräsident noch der Fachminister, sondern der Reichstanzler zu be­Mesko auf sein Führerehrenwort(!) versichert, gegen den Wucher anerkennenswert, allerdings daß er die Krebs bei dem Parteiblatte anstellen müßten die Bischöfe in ihrer nächsten Nähe stimmen( Art. 56). Ich halte die heutige Aus­und sie dadurch für den Entgang ihres Gehaltes damit anfangen. Doch damit hat es seine guten legung und Anwendung des Art. 48 nicht für Budapest , 28. Dezember,( Tsch. P.-B.) Die schadlos halten werde. Dieses Versprechen hat Wege. In Desterreich ist wie auch anderswo verfassungsmäßig." der Bankzinsfuß so hoch, daß er einem an den Angestellten der Ungarischen nationalsozialisti- aber Zoltan Mesto nicht eingehalten. vom Reichstagsabgeordneten Aehnlich sagten auch die übrigen Stläger Darlehensnehmern geübten Wucher gleich Authebung der Goldwährung schen Partei, die Der Rechtshörer Stephan Marffy hat tommt, doch siehe da, Präsident der österrei Zoltan Mesto gegründet wurde, haben gegen aus. in Südafrika . Mesto die Klage auf Bezahlung ihrer rüdstän am 24. November 1932 mit seiner Gattin gechischen Nationalbant, welcher eben diesen Pretoria , 28. Dezember. ( Tsch. P.-B.) Die digen Bezüge angestrengt. So sagte die Beamtin meinsam Selbstmord verübt, weil die Partei Bankzinsfuß auf seiner Höhe festhält, ist nie Reservebank ist der Verpflichtung zur Einlösung Krebs bei der gestrigen Gerichtsverhandlung das ihm verbindlich gegebene Zahlungsverspre- mand anderer als von Noten in Gold enthoben worden mit der aus, Abgeordneter Mesko habe ihr Monatschen nicht eingehalten hatte. Dadurch war er zu­

Die Mutter des Ermordeten hat am 8. Dezember an die Herren Hitler und Röhm einen Brief geschrieben,

des

Das rätselhajte Verschwinden meines Sohnes, SA.- Truppenführers Herbert Hentsch, Nationalsozialistische Pleite in Ungarn .

wollen.

anderer als Herr Dr. Kienböd, ein Christlichsozialer! Preiswucher der Begründung, daß infolge der politischen Unbezüge von 300 bis 400 Bengö zugesagt, bezahlte fammen mit feiner Frau in bitterste Not ge Sartelle und Konzerne, Schön. Aber wie ist es

ficherheit ungewöhnlich große Anfäufe von De- jedoch in der ersten Zeit bloß 50 Bengo im rate. visen und die Zurüdzichung von Goldmünzen Monat. Als im Monate August 1. J. die Bezüge

Tas Gericht vertagie nach dem Zeugenver damit, daß es die den Bischöfen unzweifelbai nahestehenden Christlichsozialen bisher unter­zu Hamsterzwecken vorgenommen worden seien. überhaupt nicht mehr ausbezahlt wurden, habe hör die Verhandlung auf unbestimmte Zeit.