Ginzelpreis 70 Heller.

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Sozialdemokrat

Zentralorgan d. Deutſchen ſozialdemokratiſchen Arbeiterpartei i.d.Tſchechoſlowakischen Republik.

13. Jahrgang.

Der Golddollar wird abgeschafft.

Alle Zahlungen in Papierdollars.

Washington , 26. Mai. ( Reuter.) Im Repräsentantenhaus wurde ein Gefehentwurf eine gebracht, der die formale Abschaffung des Goldstandards vorsicht uns dessen Annahme man als gefiajert betrachtet.

Im Weißen Haus wird erklärt, der Antrag bezwecke de jure die Klarstellung des bisherigen Tatbestandes, nämlich daß nicht mehr in Gold gezahlt werde. Dies betrifft in erster Linie die offiziellen auf Gold, lautenden Schaß­anweisungen der Vereinigten Staaten , bezieht sich aber auch auf alle privaten auf Gold lauten den Wertpapiere jolie auf ausländische Goldvers

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Gonntag, 28. Mai 1933

Nr. 125.

Deutschland sperrt Reisen nach Oesterreich . Um den deutschen Sender.

1000 Mark Ausreisegebühr.

Berlin , 27. Mai. ( Wolff.) Die gegen die nationalsozialistische Bewegung in Defter reich auf dem Rotberordnungswege erlassenen Maßnahmen der öftereichischen Bundesregie rung, die in dem absoluten Verbot aller Unijormen, Fahnen, Abzeichen und sonstigen Embleme der nationalsozialistischen Bewegung gipfeln, haben den Reichsinnenminister veranlaßt, eine den Reiseverkehr nach Desterreich betreffende Verordnung zu erlassen, wonach ab 1. Juni 1933 die Ansreise von Reichsdeutschen nach Desterreich von ser Erteilung eines Ausreiſeficht­vermerkes abhängig gemacht wird, der gegen Zahlung einer Gebühr von 1000 Reichsmart er­teilt wird. Ausnahmen hiezu werden nur gewährt für den ordnungsmäßigen Geschäftsver­tehr zwischen beiden Ländern und für den sogenannten Kleinen Grenzverkehr im Sinne der Zollgefeßgebung, nicht dagegen für den Ausflugsverkehr. Die Verordnung wird am Montag, den 29. Mai, erlassen werden.

pflichtungen, die entweder an die amerikanische Oesterreichische Oesterreichische Gegenmaßnahmen.

Regierung oder an private amerikanische Gläu biger zu zahlen sind.

Präsident Roosevelt erklärte, daß die Reso­lution, die er dem Sena e und dem Repräsen­tantenhaus zum Aufgeben des Goldstandards vor­legte, nur die Bestätigung des bestehenden fot tischen Zustandes darstelle. Diese Maßnahme be deute bloß, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Verpflichtungen in Papiergeld er füllen wird. Der amerikanische Präsident ist der Ansicht, daß diese Entscheidung einen Einfluß auf die bevorstehende Wir schaftstonjer; haben wird

Ratstagung

der Kleinen Entente

vom 30. Mai bis 1. Juni in Prag . Prag , 27. Mat. In den Tagen vom 30. Mai bis 1. Juni findet in Prag die erste ordentliche Jahressession des erst fürzlich gegründeten Stän digen Rates der Kleinen Entente statt, auf der zunächst die Ratifikationsurkunden des amt 16. Feber d. J. in Genf unterzeichneten Organija tionspaktes der Kleinen Entente ausgetauscht werden.

Der Berliner Gesandte abberufen?

Wien , 27. Mai. Mit der Drosselung des deutsch - österreichischen Fremdenverkehrs wird sich der nächste Ministerrat beschäftigen. Wie verlautet, werden sofort handelspolitische Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Vorläufig wurde der österreichische Gesandte in Berlin , Ingenieur Tauschiß, zur Bericht erstattung nach Wien berufen. Er wird, wie bezlautet, vorläufig nicht nach Berlin zurüdlehren.

Von Paul Fürstenau( Reichenberg ).

Vor einiger Zeit hat Minister Spinain einer Rundfunkrede angedeutet, daß die Zeit reif sei, den Deutschen in unserer Republik einen eigenen Sender einzurichten. Prompt erschienen die Nationaldemokraten auf dem Plan, erhoben Einspruch dagegen im Namen und zum Schuße des Nationalstaats und ließen sich vom Postminister Franke bestätigen, daß die Errichtung eines deutschen Senders in der Tschechoslowakischen Republik überhaupt nicht beabsichtigt sei.

So eigenartig der Vorgang ist, daß ein Minister der Koalition von dem andern demen= tiert wird, so betrüblich ist die Sache an sich. Jmmer, wenn deutscherseits eine Vermehring der deutschen Sendungen in der Republik ver­langt wurde, war das Hauptargument dagegen der Hinweis auf die vielen reichsdeutschen Sender, durch die wir viel besser versorgt seien, als es die Tschechen mit ihren Sendern je sein fönnten, auch wenn sie nicht eine Minute an deutsche Inlandsendungen abgäben. Das war schon inter furzsichtig, denn um die Deut­ schen der Republik hevanzuziehen, um deutsche Deutschtum der Republit sich entwickeln zu lassen, mußte man das ungeheuer wirkungs­volle Erziehungsmittel des Rundfunks mög­lichst ausgiebig im eigenen Sinne verwenden. Statt dessen verwies man die Deutschen auf das deutsche Ausland und wunderte sich her nach, daß sie sich daran gewöht hatten, ihre Empfangsapparate auf reichsdeutsche Wellen

Ueber 400.000 Parteimitglieder in Wien.fi aut bilden, arm ein ſpezifiſches

Wien , 27. Mai. ( Eigenbericht.) In Wien | riots ersehen sollen. Wir dürfen uns nicht un wurde heute die sozialdemokratische Wiener Par- tätig an den Absolutismus dieses Fascismus ge­teitonjerenz abgehalten. Aus dem Jahresbericht wöhnen; es gilt, die Waffen ständig in Bewegung geht hervor, daß tros den großen politischen zu halten, um im gegebenen Augenblid sunt Schwierigleiten dieser Zeit die Mitgliederzahl der Kampf bereit zu sein. Wiener Partei neuerlich gestiegen ist und 400.000 bereits überschritten hat.

atte

Das Schlußwort zur Debatte hielt Otto Bauer , der erflärte: Wir haben jest nicht zu diskutieren, wie einmal die Welt den Uebergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesell­fchaft vollziehen wird, sondern wir müssen uns fragen, ob wir gegenwärtig in Desterreich die Parole der Demokratie aufgeben oder zurückstellen und durch die Parole der Diktatur des Proleta­

Bei der Abstimmung wurde dann eine Re­folution angenommen, in der es heißt:

Die österreichische Demokratic darf nicht

tampflos in fascistischer Barbarci untergehen. Die Wiener Vertrauensmänner erneuern den

einzustellen.

Seute aber ist der reichsdeutsche Rund­Schwur, die Rechte des Proletariats mit allen funk für die deutschen Bürger der Tschechoslo­Kampfmitteln, die geeignet sind, zu verteidigen. wakischen Republik zum allergrößten Teile Sie fordern die österreichische Arbeitertlaffe unbrauchbar geworden. Nicht nur in den Pro­auf, fich durch höchste Aftivität auf den pagandareden der Führer, sondern auch in den entscheidenden Kampf vorzubereiten. ,, neutralen" Sendungen betätigt er sich als nationalsozialistischer Parteifunt, vom mili­tärischen Wedruf am Morgen bis zum Abend­

Auf der Tagesordnung steht eine Debatte über die allgemeine politische Lage, namentlich über Viererpati, Revision, Abrü stungskonferenz und Weltwirtschaftskonferenz; weitere Punkte der Tagesordnung betreffen Or­ganisationsfragen( Sekretariat, Stoordi nierung der Tätigkeit der diplomatischen Vertre­ter in dritten Staaten und der internationalen Propaganda), endlich die Durchführung der wirtschaftlichen Bestimmungen des Battes( Organisation des Wirtschaftsrates, An- Wiener Universität tam es heute bei Zusammen- geschlossen werden. bahnung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.) Im Prager Außenministerium eröffnet. Die Studenten zu großen Standalszenen, bei denen Die Tagung wird Dienstag um 11 Uhr 15 ſtößen zwischen Hakenkreuzlern und katholischen Die Tagung wird Dienstag um 11 Uhr 15 rumänische Delegation mit Außenminister i- zum erstenmal ſeit Bestand der Universität tulescu und die jugoslawische unter Führung Polizei die Universität beseßte und mit des Außenministers Jevtic treffen im Laufe gezüdtem Säbel die Aula räumte. des Montag in Prag ein.

Nazi- Wirbel an der Wiener Universität .

Polizei räumt nach einem Handgemenge die Aula.- Schließung der Universität auf unbestimmte Zeit.

Montag um 9 Uhr früh wird im Gebäude des Tschechoslowakischen Pressebüros die Jahres­fonferenz der Kleinen Presse- Entente eröffnet.

Aussöhnung Stalins mit Sinowiew und Trotzki?

-

gebet und Deutschlandlied zur Nacht ammet er

Wien , 27. Mai. ( Eigenbericht.) An der und alle Institute auf unbestimmte Zeit choslowakei nun ihren deutschen Bürgern die

Nach dem Polizeibericht wurden bei den Ausschreitungen fünf katholische Stu­denten verlegt und eine größere Anzahl nationalsozialistischer Studenten verhaftet. Die Nachrichten der nationalsozialistischen Blätter, daß bei den Zusammenstößen auf der Universität zwei nationalsozialistische Studenten getötet wurden, find völlig erfunden.

Nazi erschlagen einen christlichsozialen Arbeiter.

den Ungeist, der das Bücherverbrennen zum Boltsfest macht und die Autorität des Gummi­fnüppels über einem Volt des 20. Jahrhun­derts aufrichtet. Mehr denn je müßte die Tiche= Sinneigung zur Republik ermöglichen. Demo­fratic, Glaubensfreiheit, Humanität im höch sten und weitesten Sinne des Wortes fönnten auf den Wellen des deutſchen Senders in aber­tausend Herzen strömen und die demokratische Republik auf einen festeren Grund stellen, esls auf Gesetze und Strafandrohungen: auf ein demokratisches Volk.

Südosten

Die katholischen Studenten hatten für heute Darüber hinaus aber stellt sich einem eine Gedenkfeier für die im Weltkriege gefalle deutschen Sender in Prag eine Kulturaufgabe nen fatholischen Studenten angesetzt, zu der auch von größter Bedeutung für den Fortschritt der der Bundeskanzler Dollfuß und Justizmini­ganzen Menschheit. Erkennen wir es: die Rul= ster Schuschnigg ihr Erscheinen zugesagt hat­tur Europas hat durch den Sieg Hitlers einen ten. Die Hakenkreuzstudenten stürmten aber Rückschlag erlitten, wie zunt letztenmal viel­die Aula und verhinderten die Anfahrt des Klagenfurt , 27. Mai. In der Gemeinde leicht in der Gegenreformation des 17. Jahr­Paris, 27. Mai. Journal" meldet Bundeskanzlers, der wieder umkehrte, Treffen bei Klagenfurt fam es gestern abends hunderts. Damals wurden der aus Moskau , daß sich Stalin nach den letzten als er sah, was vorging. Der Justizminister ließ nach einer Versammlung des lokalen christlich- Deutschlands und die böhmischen Länder vom Ereignissen mit seinen politischen Gegnern aus­föhnen wird. So 3. B. sei bereits seine Differenz sich jedoch durch die Demonstrationen nicht ab- sozialen Lucger- Verbandes zu scharfen Zusam- geistigen Leben Westeuropas losgelöst und so­mit Sinowjet und Kamenew beseitigt worden, schrecken, sondern ordnete an, daß die Polizei die menstößen zwischen Christlichsozialen und Natio- weit zurückgeworfen, daß der Vorsprung der nalsozialisten. Die christlichsozialen Versamm anderen nach 200 Jahren noch nicht ganz ein­und man erwarte auch eine Unterwerfung Tom- Aula besetzen und das Haus räumen solle. lungsteilnehmer waren beim Verlassen des Ver- geholt war. Heute umgibt sich Hitlerdeutschland tis und Sirzows. Stalin denkt auch an eine Etwa 200 Polizisten drangen daraufhin in fammlungslokals überfallen worden. Bei den mit einer Quarantainezone gegen die Gefahr, Aussöhnung mit seinem größten Gegner Leo die Aula ein und räumten zunächst die philoso hiebei entstandenen Schlägereien wurden ein mit freiem Geist angesteckt zu werden. Die Fol­Troßli und hat zu diesem Zwede bereits einen phische Fakultät. Im Traft der juridischen Fatul Christlichsozialer , der Arbeiter Josef Steiner, Emiffär nach Ronstantinopel, wo Troßti lebt, tät erbauten die Safenkreuzter Barrikaden tödlich und einige andere Christlichsoziale leicht gen müssen, bei einiger Dauer des Fascismus, entfendet. und warfen die Polizei mit Tintenfäffern und verletzt. Die Gendarmerie stellte mit aufgepflanz­Einrichtungsgegenständen. Dabei gingen zahlten Bajonetten nach längeren Bemühungen die Frankreich für die deutschen reiche Fenster und Glastüren in Trümmer. Die Rube wieder her. Flüchtlinge. Telephonautomaten in der Umgebung der Uni­versität waren von Gesinnungsgenossen der Er­zedenten unbrauchbar gemacht worden, damit man die Polizei nicht verständigen könne.

Baris, 27. Mai. Scute fand unter dem Vor­fibe des Juſtizministers und unter Beteiligung

Tiroler Schutzbundführer enthaftet.

einiger Minister die erste Sigung der intermini- Nach einem ungeheueren Wirbel, der länger Innsbrud. 27. Mai. Gestern abend wurde steriellen Beratungskörperschaft statt, die über als eine Stunde dauerte, und bei dem die Voli- der Landesführer des aufgelösten republikani­die Lage der deutschen Flüchtlinge, vor allem der ei auch zum Säbel greifen mußte, gelang es der Juden in Frankreich , verhandelte. Es wird Polizei ſchließlich, die Nazis hinauszuwerfen. Die schen Schußbundes, Gustav Stuprian, aus deren Unterbringung auf dem flachen Lande und Fatholische Feier wurde dann zu Ende geführt. der Untersuchungshaft entlassen, die im März die Organisierung einer Hilfeaktion vorbereitet. Am mittog erfich der Rektor der Uni- wegen Verdachtes des Hochverrates" über ihn Die Beratungen werden in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

verjität eine Rundgebung, daß die Universität verhängt worden war.

furchtbar sein. Generationen junger Deutscher werden nationalsozialistisch erzogen und für den wahren Fortschritt der Menschheit verloren sein. Das ergibt einen verhängnisvollen Aus­fall geistiger Antriebe und Anregungen für Gesamteuropa.

Desto notwendiger ist es, die jetzt noch lebendigen Kräfte Kulturdeutschlands nicht versiegen zu lassen. Begreift man, was es für die Menschheit bedeutet, wenn alles, was in Deutschland für Völkerversöhnung, Frieden, für die neue Schule; für Sexualreform, für neue Formen des Gesellschafts- und Wirt­schaftslebens gearbeitet hat, nun ausgeschaltet