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Zentralorgan d. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik
13. Jahrgang.
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Dienstag, 29. Auguft 1933
Лr 201.
Freiheitsflammen an der Grenze
Eine Riesenkundgebung der nordböhmischen Sozialdemokraten
,, Und wenn die Sozialdemokratic einst sterben wird, so geschicht dies in abgeschiedener Einsamkeit." ,, Nordböhm. Tagblatt."
Schon zu tausenden Malen marschierten die sudetendeutschen Sozialdemokraten, wenn die Führer sie riefen. Selten aber, vielleicht noch niemals hat im judetendeutschen Gebiet eine sozialdemokratische Kundgebung stattgefunden, die sich an Wucht und Eindringlichkeit mit dem Antifascistischen Jugend- und Arbeitertag messen kann, der am vergangenen Sonntag die Schwesterstädte Tetichen und Bodenbach in Bann schlug.
Die Veranstalter erlebten das gleiche wie drei Wochen vorher die Organisatoren des Spiel- und Sporttages in Aussig : die Kundgebung wuchs über den ihr anfänglich geſtedten Rahmen weit hinaus; in der Mitte der vergangenen Woche waren bereits dreimal mehr Teilnehmerabzeichen verfauft als man ursprünglich bestellt hatte. So rajch ist der Prozeß unseres Sterbens, so eindringlich sind die Trauerbotschaften der bürgerlichen Presse, daß sich immer alle Sozialdemo faten schleunigft aufmachen, um dabei zu sein.
Aber es war fein Begräbnis der verhaßten Profetenpartei, jondern ein Begräbnis aller Hoffnungen, die sich die gleichgeschalteten Dummköpfe über den Zusammenbruch der Sozialdemokratie machen. Es war eine Rundgebung, die alte Gepflogenheiten und Aeußerlichkeiten sozialdemokratischer Veranstaltungen nicht wiederholte, jedoch eben dadurch den Beweis lieferte, wie lebendig unsere Bewegung ist, wie sehr sie sich ihren neuen Aufgaben anzupassen versteht.
Es ist klar, daß der Kampf gegen den Fascismus anderer Voraussetzungen bedarf als die Kämpfe, die wir bisher führten. Der neue Stampf bedarf stärkster Entschlossenheit und Disziplin, stärkster Opferbereitschaft und Tatfraft, er bedarf militanter Formen und des halb vor allem der Jugend. Da hat sich ein vergreistes und durch eine alberne Lügenpreffe verdummtes Bürgertum darauf gefaßt gemacht, bei unserem großen Antifascistischen Tag müde Männer und Frauen zu sehn, die von den jüdischen Führern" gegen ihr inneres Widerstreben durch die Straßen geschleift werden. Und hinter hunderten blutroten Fahnen zog neben den stolzen, tapferen Alten, die trop Not und Entbehrungen gar nicht müde und entjagungsvoll dreinsahen, herrliche, tropige Jugend Jugend im blauen Kleid der SJ, in der Tracht der wehrhaften SIS und der Wehrsportler, im schmudlosen Rock der RW, Jugend, die im Gleichschritt marschierte und Jugend zu Rad, aber immer wieder Jugend, Jugend, Jugend. Eine der sudeten deutschen Parteien sollte verjuchen, ihre Kraft durch solche Jugend zu beweisen, die nicht stumpf und gleichgeschaltet dem Kommando irgendeines Betermichel gehorcht, sondern selbsts bewußt und opferbereit ihrer eigenen Ueberzeugung! Aber solche Versuche schlügen fehl. Die Jugend, auf die es ankommt, die Jugend, die allein ein Garant der Zukunft ist, nämlich die denkende, überzeugte Jugend sie marschiert in unseren Reihen.
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Kolonne um Stolonne zog am Sonntag bor den jubelnden, die langen Straßenzüge um säumenden Genossen und an den in verbissener Wut dreinsehenden Gleichgeschalteten vorüber, die sich ein Leichenbegängnis der verhaßten Sozialdemokratie so ganz anders vorgestellt batten. Junge und Alte haben bei der Kundgebung auf dem Tetschener Marktplate, mitten in der Stadt, deren Bürgerliche eben erst eine Bloßstellung erster Ordnung bei der Bürgermeisterwahl hatten auf sich nehmen müssent, ihren Willen zum Ausdrud gebracht, vor dem ,, Sterben" der Sozialdemokratie abzurechnen mit allen edlen Seelen, die Arbeitermord, Ronzentrationslager und Verleumdung als die
Oben: Einmarsch der Fahnengruppe.
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vornehmsten Mittel ihrer Politif betrachten und eine Welt zu bauen die das Vorhandensein solcher Kreaturen der Unkultur und Unfreihei ebenso ausschließt wie den Hunger. Beide, Gleichschaltungsbürger uni Hunger, sind unentbehrliche Bestandteile der kapitalistischen Ordnung Die Massen in Tetschen haben gelobt, für die Ueberwindung dieser fapitalistischen Ordnung alle Kräfte einzufeßen. So wuchs die Tet schener Versammlung, die im Mittelpunkt des Antifascistischen Tages stand, über eine Kundgebung des Vergeltungswillens hinaus, wici sie in erhabener Wucht und Größe in eine neue Welt, die diese Jugen in fampfbereiten Händen trägt.
Hier schlagen die Herzen der deutschen Arbeiter in Freiheit; hier fnapp neben der Grenze der hunnischen Barbarei, schiug der Kampf wille, der in ihnen lebt und sich an dem Unglück der deutschen Arbeiter klasse und der Niedertracht des Bürgertums erst recht entzündet hat zur lodernden Flamme empor. Hier hat die judetendeutsche Arbeiter schaft das Symbol der Freiheit, die rote Fahne, aus den Händen des deutschen Arbeiter übernommen, die sie unter unjäglicher Gefahr aus den Blutkrallen der Hunnen retteten. Hier wird diese Fahne behüte jein und den eigenen Rämpfen voranflattern, bis sie drüben einem freien Volfe leuchten fann. Das war der Gruß unserer Genosser hinüber in das Reich der Konzentrationslager, das war ihr heilige Gelöbnis, Was hilft den Profitjägern auf die Dauer selbst ein Gpering! Unsere Jugend ist lebensfräftige als alle Blutgeseye; sie wird das Urteil eines freien Volkes an den fascistischen Henters vollstrecken.
Mitte: Ausschnitt aus
dem Ordner Viereck Links: Genosse Grünzner nimmt das Gelöbnis ab. Blick auf die Tribune inmitten des Massen- Vierecks.
Rechts:„ Wir geloben!"
Das Erlebnis diejes Kampftages wiri Gestalt annehmen in hunderten Versammlun gen, die ihm folgen. Die Kraft, die er au& strömte, wird sich in der unermüdlichen Arbeit des Tages vervielfältigen, in die graue Gegen wart des Einzelnen wird das Leuchten der roten Fahnen strahlen, werden die trosiger Kampfgcjänge der Jugend tönen, wird er die fommende Arbeit mitgestalten, neue Erfolge neue Siege vorbereitend.
Nicht nur eine Kundgebung des Kampf willens der Arbeiterschaft var der Antifasci stische Tag in Nordböhmen , sondern ebenso ein Bekenntnis zur deutschen, zur europäischer Kultur. Sie steht in schlech: em Kurs orüber im Reich; früher einmal hat es geheißen, daj die soziale Frage bei Bodenbach aufhöre. Jew verläuft dort die Grenze der Zivilisation Deutsche Kultur, die in ihrer Seimet ver brannt und gleichgeschaltet wird, temicheś Geistesleben, dessen Großerung für die Arbei ter unsere Aufgabe war und ist sie haber hierzulande eine Heimstätte gefunden, sie mer den verteidigt von den Fäusten der Proletarier verteidigt gegen dieselben Leute, die sich ,, notion nat" schimpfen und Kultur und Konzentra tionslager in einem Atem nennen. Die üh rung der Nation, die Wahrung ihrer geistigen Güter ist an die sozialistische Arbeiterschaft übergegangen. Sie ist unter ihren Fäusten und in ihren armseligen Stuben besser aufgehoben als unter den feinen Nehme- und Hentershänden neudeutscher Konzentrations. und Verbrennungsminister. Die Freunde der Reichs Henter, die Betermichels, standen dies. mal feige abjeits, selbst die Abzeichen ihrer Sunnengesinnung verbergend. Die Aasgeier, dieses trefflichste Sinnbild des neuen Deutsch land sie waren für einen Tag aus Bodenbach und Tetschen verschwunden. Wenn sich ihre Träger von der Gewalt unseres Aufmar sches erholt haben werden, werden sie sich wieder ans Tageslicht wagen. Aber wir wer den dafür sorgen, daß das Licht eines neuen Tages auch in die Köpfe der Leichtgläubigen fällt, die heute in den Petermichels die Vertreter der Nation erblicken.
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Bis dahin mögen sie uns mit Hilfe ihrer Druderschwärze weitersterben lassen. Unser Hohn und unsere Fäuste werden sie bei diesem Geschäfte begleiten.
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