lnická akademie

Praha II. Hybernská ul.7.

Gastaldemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI

IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

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( einschließlich 5 Heller Resis

14. Jahrgang

Sonntag, 7. Jänner 1934

Der letzte Wetterschacht geschlossen

Die Zahl der Opfer um zwei gestiegen

Dug. 6. Jänner. Neber den Fortgang der Sicherungsarbeiten auf der Grube Ne I- son" erfahren wir von amtlichen Stellen: Heute um 9 Uhr vormittags wurde mit den Arbei­ten zur Zudeckung des Wetterschachtes Nr. VI, als er bereits frische Wetter einzug, begonnen. Um 10.18 Uhr waren diese Arbeiten abgeschlossen. Nunmehr sind obertags alle Gruben= schächte mit Ausnahme der Schächte VIII und IX, die zum Salesinsrevier gehö ren, geschlossen. Dieses Revier ist untert ags durch einen dreifachen Damm so abgeschlos en, daß die unterirdische Verbindung der Schächte VIII und IX frei ist.

Die Gesamtzahl der Opfer hat sich um zwei Bergarbeiter erhöht, die bei der Einschreibung nach den Marken in der Lam- penkammer übersehen wurden.

Immer noch

Explosionsgefahr

Nr. 5

Entscheidungsjahr

für die

40- Stunden- Wode

1934 wird zum Entscheidungsjahr für die wird der Kohlenstaub mit Wasser berieselt; in 40- Stunden- Woche. Die seit langem geforderte weniger sicheren Gruben werden alle Gruben­und vorbereitete internationale 40- Stunden­wände mit Gesteinsstaub bespritzt, der den Kohlen­Konvention wird der wichtigste Gegenstand der staub isoliert und im Falle einer Entzündung das Feuer dämpft. Außerdem sind in gewiffen Ent diesjährigen Internationalen Arbeitskonferenz fernungen voneinander in den Schachtgängen Ge- sein. Da wir im fünften Krisenjahr leben, wird fäße mit Gesteinsstaub aufgestellt, der im Falle sich jeder vernünftige Mensch mit Recht fragen: einer Explosion zerstäubt wird, die Flamme er weshalb so spät? Nun, alle Gegner der Arbeits. stickt und eine Weiterverbreitung verhindert. zeitverkürzung zu ihnen gehört die ganze Außerdem wird auf den Ostrauer Gruben der ge- Unternehmergruppe hatten es auf die Ver fährliche Kohlenstaub mechanisch gesammelt, so schleppung dieser Frage angelegt und hofften, daß sich größere Massen in den Schächten nicht erst daß bis zum Frühjahr 1934 die Kriſe endlich

ansammeln können. Diese Maßnahmen wurden

Ausbau des Sicherheits nach Aussagen von Fachleuten auf den Brüger vorbei und dann die ganze Konvention über

dienstes

im nordbohmischen Braun­

kohlenrevier

Während der heutigen Nacht hatte der Schacht VI noch starke Rauchschwaden ausgestoßen. Da die Befürchtung bestand, daß es zu neuen Er­Wie das ,, Nár. Osv." meldet, wurde der plosionen kommen könnte, deren Auswirkungen auch obertags zu verspüren gewesen wären, wur- berkommissär des Revierbergamtes in Mährisch den die großze Schachtanlage III und Schacht VII Oftrau, Káňa, telegraphisch nach Dux berufen, in weitem Umkreis von Gendarmerie abgesperrt. um dort bei der Einführung von Sicherheitsvor Glücklicherweise haben die Schachtverdedungen, kehrungen mitzuwirken, wie sie schon lange auf die aus starken Balken, Brettern, Sand und den Gruben des Ostrauer Revieres bestehen. Im Steinbelag bestehen, standgehalten, so daß man die Hoffnung hegen darf, die Gewalt der Ele­mente auf das Schachtinnere eingeschränkt au ha­ben. Bei den einzelnen Schächten sind dauernd Bachposten im Dienste, die jede Veränderung so­fort an die Wertleitung zu berichten haben. Seit gestern abends hat sich kein weiterer Unfall er­eignet. Die Untersuchungsfommission befindet sich weiter am Schacht und setzte ihre Arbeiten fort.

Am Vormittag wurde von der Kommission das allgemeine Projekt des Bergbauunternehmens ge­nehmigt, das vorsicht, daß bei Wiedereröffnung der Grube zunächst die Lüftung sichergestellt werde. Die­ses Projekt beruht in der Aufstellung eines elektrisch betriebenen Saugventilators von einer Leistungsfä­higkeit von ungefähr 500 bis 700 Stubikmetern in einer Entfernung von etwa 6 Metern von der Schachtmündung an der Oberfläche. Der Saugkanal würde unter dem Schachtplatz geführt und die Aus mündung in den Förderschacht würde so tief sein, daß der Sicherungsverschluß dieses Schachtes an der Oberfläche nicht verlegt würde.

Mißglückte kommunistische Propaganda

straner Revier sucht man Explosionen auf dreierlei Art hintanzuhalten. In Gruben, wo die Berhältnisse im großen und ganzen sicher find,

Gruben bisher nicht angewendet.

Belleld der rumänischen Bergarbeiter

flüssig sein werde oder wenigstens zur prafti schen Durchführung gar nicht mehr in Frage komme. In diesem Sinne wurde noch im ver gangenen Jahre die Frage der Dringlichkeit, d. h. des sofortigen Abschlusses einer Sonven­

Bei der Union der Bergarbeiter Tangie fol- tion, verneint! gendes Telegramm ein:

Die Gegner der Arbeitszeitverkürzung ha­Bucaresti. Mit tiefer Erschütterung nehmen ben sich verrechnet. Die Strise ist noc) nicht beho­wir ieil an Ihrer großen Trauer infolge der ben, die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung mit großen Statastrophe bei Osset im Namen der ge- allen überhaupt in Frage kommenden Mitteln samten Bergarbeiterschaft Rumäniens. ist aktueller als je. An der Arbeiterschaft und Eftimie Gherman, Sekretär des an allen Menschen, die für die praktisch wir Bergarbeiterverbandes. Fungsvolle und fofort durchführbare Maßnahme der Arbeitszeitverfürzung find, ist es nun, durch intensivste Propaganda dafür zu sorgen, daß die Arbeitszeitverkürzung doch noch vor dem endgültigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft und der vollständigen Verwilderung aller Sit ten zur Durchführung gelangt.

Für die Opfer der

Grubenkatastrophe in Ossek

Eine Kundgebung des Reichenberger Gewerkschaftsbundes

132 Menschenleben sind im Nelsonschacht in ſet begraben als Opfer einer fürchterlichen Explosion. Nur wenige wurden bisher tot aus dem Schacht zu Tage gebracht und nur vier von der Belegschaft, die am 3. Jänner ihre Todes fahrt unternahm, sind am Leben.

In dieser Stunde trauert mit den Bergarbei tern die gesamte organisierte Arbeiter und An

geftelltenschaft um die toten Kameraden, die im

wahrsten Sinne des Wortes auf dem Schlachtfeld der Arbeit geblieben sind. Sie nehmen tiefften Anteil an dem verzweifelten Schmerze der Wit wen und Waisen.

Auf dem Alexander- Schacht ist am Don nerstag die Belegschaft zur Trauer für ihre ver­Die Größe des Unglücks hat auch die Kreise unglückten Stameraden nicht eingefahren. Als sie Freitag nachmitag zur Einfahrt bereit war, ver- des Bürgertums erfaßt und allgemein sind die Zeichen der Sympathie in diesen Tagen. Ange juchten die Stommunisten, die Belegschaft für cinen allgemeinen Streit zu gesichts dessen erinnern wir daran, daß die Berg winnen, u. zw. unter der Begründung, die arbeiter besonders in den letzten Jahren trois der Grenzschußpfeiler des Alexander- Schachtes zum großen Gefahren ihres Berufes hartnäckige Nelson III- Schacht seien nur 50 Meter start. Reichenberg, 6. Jänner 1934. Von fachkundigen Leuten wurde den Kommuni sten sofort erwidert, daß der Schußpfeiler des Alexander- Schachtes zum Nelson- Schacht 350 Meter start ist. Ein Vertrauensmann der Berg­arbeiter trat den kommunistischen Agenten ent­gegen und ersuchte die Mannschaft, einzufahren und abzuwvarten, was die foalierten Bergarbei terverbände sagen werden. Die Belegschaft fuhr dann ein. Zwei fremde kommunistische Emissäre und einige ihrer Freunde zogen hierauf ab.

Bericht

des Arbeitenministers Im Ausschuss des Abgeordneten­hauses

Prag, 6. Jän. Der Minister für öffent: liche Arbeiten Ing. Dostálek ist in Beglei= tung des Sektionschefs Dr. Durych heute nach­mittags neuerlich an den Ort der Grubenkata­#trophe abgereift.

Der Verkehrstechnische Ausschuß des Abge= vrdnetenhauses wurde für Mittwoch einberufen. Der Arbeitenminister wird dort den Bericht übec die bis dahin vorliegenden Ergebnisse der Nuter­suchung des Unglüde und die getroffenen Maß­nahmen eratten.

Diese Erwägung ist es, die den Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes ver­anlaßt hat, das neue Jahr mit einer inter­Kämpie gegen die Herabsetzung ihrer färglichen nationalen Propagandawoche Löhne, gegen die Verschlechterung der sozialpoliür die 40 Stunden. Woche zu ifchen Einrichtungen und Errungenschaften aus beginnen. Vom 14.- 21. Jänner werden in al­fechten müssen. Möge die furchtbare Statastrophe len Ländern Demonstrationen stattfinden; cs in Offet das Gewissen dafür wach halten, daß werden international Redner ausgetauscht und die Sicherung ausreichender Löhne in der breitesten Oeffentlichkeit alle für diese und der höchste foziale Shu das ge- Forderung mobilisiert werden, die den Glauben ringste Entgelt für diejenigen ist, die unter steter an die Vernunft noch nicht verloren haben. Lebensgefahr ihre Arbeit unter der Erde ver­richten.

Die Arbeiterschaft wird mit neuer Energie

Die Zentralgewerkschaftskommission entbie für diese alte Forderung in den Stampf ziehen, tet im Namen aller im Deutschen Gewerkschafts im Bewußtsein, daß sie für die Verschleppung bund vereinigten Arbeiter und Angestellten den dieser und anderer Fragen nicht verantwortlich) Hinterbliebenen der Todesopfer und Verunglück ist und daß sie mit der Forderung der 10- Stun ten ihren brüderlichen Gruß. Sie wird den Woche ganz gleich wie seinerzeit im sich einvernehmlich mit den angeschlossenen Ber Rampf für die 48 Stunden Woche- nicht nur bänden an dem Unterstütungswerk be teiligen. Für die erste Hilfe übermittelt die Zen- ein materielles, sondern auch ein ethisches und tralgewerkschaftstommiſſion an die Union der soziales Ziel verfolgt. Sie wird in ihrer Aktion für die 40- Stunden- Woche durch die Tatsache Bergarbeiter den Betrag von 5000 Kronen. gestärkt, daß die 48- Stunden- Woche, entgegen allen böswilligen Behauptungen der Unterneh mer und der Reaktion im allgemeinen, eine soziale und moralische Besserstellung der gan zen Menschheit herbeigeführt hat.

Zentralgewerkschaftskommission

des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Tschechoslowakei

Ein Opfer

Gerade in diesem Augenblick muß noch ein. mal auf diese Tatsache aufmerksam gemacht und ausdrücklich auf die unterschiedliche Einstellung unserer Bewegung und der Fascisten hinge­wiesen werden, die sich in neueſter Zeit diese Forderung ebenfalls zu eigen gemacht haben.

Als Italien Ende 1932 die von der Ar­beitergruppe des Internationalen Arbeitsamtes schon vor Jahren befürwortete und bereits im Oftober 1931 in einem praktischen Vorschlag niedergelegte und damals abgelehnte Forderung auf Einberufung einer Dreiparteien­fonferenz( Regierungen, Unternehmer, Arbei­ter) übernommen hatte und die besagte Konfe­renz im Jänner 1933 stattfand, zeigte es sich sofort, daß die italienische Regierung die ganze Frage der Arbeitszeitverkürzung- was für eine fascistische Regierung ganz natürlich ist- vom egoistischen Standpunkt fascistisch- nationa listischer Politif aus betrachtet. Die ursprünglich von der Arbeitergruppe eingebrachte Entschlie.. Bung, in der gesagt wurde, daß die Wochen­löhne und die Monatsgehälter durch die sich