on

11.

0%

ob

3.

Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI

IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077." ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

Dic

is

he

ic

Lig

di

Lig

ag

Bit

ag

Cip

b=

14. Jahrgang

ent

13

ch

ie

11­

ng

b.

Mittwoch, 11. April 1934

Einzelpreis 70 Heller

( einschließlich 5 Heller Porto)

Nr. 84

in

Cr

23

f

nt

de

255

ht

a

is

ent

en

111

18

is

cif

er

B.

bc

11

od

i"

it

i

ic

# 11

T.

5.

D:

7.

13

It

i=

זו­

t

te

13

ic

4.

Komplott in Bukarest Anschlag auf einen

halbamtlich zugegeben

Bukarest , 10. April. In den letzten Tagen tauchten während der orthodoxen Osterfeiertage, zu einer Zeit, wo die öffentliche Tätigkeit einge­stellt war, in der Presse übertriebene und aufrei­zende Meldungen auf, die von der Aufdedung cines ernsten Stomplotts( von Offizieren gegen den König!) sprachen und die zahlreiche Verhaftun gen unter den höheren Offizieren meldeten. Diese Gerüchte sind nach einer halbamtlichen Darstellung ,, nur" insofern richtig, als gegen einige unver­antwortliche Elemente, zu denen sich anscheinend" auch einige Subalternoffiziere ge= sellt hatten, die Untersuchung eingeleitet wurde. Ueber die Einzelheiten dieser Angelegenheiten wird ein offizieller Bericht nach Beendigung der ersten Untersuchung ausgegeben werden. Es müsse jedoch schon im vorhinein betont werden, daß die Angelegenheit feineswegs ernst und daß deren Wichtigkeit in den Pressemeldungen übertrieben worden sei.( Gestern waren derartige Berichte von amtlicher Stelle noch als völlig grundlos über­haupt dementiert worden! D. Red.).

Berlin unangenehm überrascht

über die englische Antrage wegen des Wehrbudgets

Berlin , 10. April. Die gestrige Mittei lung des englischen Außenministers, daß er bei der deutschen Regierung Erkundigungen über ihre Rüstungen einziehen lassen werde, hat in Berlin unangenehm überrascht.

Der Angriff" schreibt, daß etwas derarti­ges eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber dem deutschen Volte sei. Die deutsche Regierung werde dem englischen Außenminister schon die rich tige Antwort geben können. Dieser werde dann vielleicht einschen, daß in Deutschland eine Regierung am Ruder sei, welche die Würde

Deutſchlands zu wahren verſtehe.. Schließlich iſt

das Blatt der Ansicht, daß auch die deutsche Re­gierung das Recht habe, in London offiziell um Aufklärungen über die Zunahme der engli= schen Militärausgaben zu ersuchen.

Die Börsenzeitung " führt aus, die deut­ schen Ausgaben seien nur für die primitivsten Er­fordernisse der Sicherheit erhöht worden und die deutsche Regierung würde unmoralisch" handeln, wenn sie nicht für ein minimales Maß von Sicher­heit vor einem Ueberfall deutschen Gebietes Sorge tragen würde.

Reichswehr­

Gleichschaltung

macht schnelle Fortschritte

Berlin , 10. April. Reichswehrminister Gene­raloberst von Blomberg hat, wie der Völ­fische Beobachter" meldet, eine Verfügung er lassen, in der es u. a. heißt, daß das zweite Jahr der nationalsozialistischen Staatsführung

die Notwendigkeit der geistigen Durchdringung der Nation mit den Leitgedanken des national­fozialistischen Staates

in den Vordergrund stelle. Eine entsprechende Schulung sei darum auch für die Wehrmacht wich tig, die der Hüter und Schüßer des national­sozialistischen Deutschland und seines Lebensrau­mes nach außen sei.

Der Minister ordnet daher an, daß fünftig dem Unterricht über politische Tagesfragen in der Wehrmacht von allen Dienststellen erhöhte Bedeu­tung beigemeffen und gesteigerte Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Um eine einheitliche Durchführung. des Unterrichtes über politische Tagesfragen zu gewährleisten, werde das Reichswehrministerium fünftig gedruckte Richtlinien für den Unterricht über politische Tagesfragen" als An­halt herausgeben.

Österreichischen Expreßzug

Zwel Tote, vierzehn Verwundete

-

Suche nach den Tätern

Wien , 10. April. ( AN.) Der gestern um 22 Uhr 55 vom Wiener Westbahnhof ab­gefertigte D- Zug Nr. 117, der einen Zugsteil Salzburg- München und einen Zugsteil Passau Frankfurt a. M.- Holland führte, iſt

entgleist. Die Lokomotive,

Verbesserung der Demokratic?

Kaum jemals in einer anderen Zeit wur den die politischen Systeme einer Reihe von Ländern einer so grundlegenden Reform unter­zogen und in ihr gerades Gegenteil verkehrt, wie in den letzten Jahren. Ueberhaupt gibt es kaum ein Land, in dem nicht gewisse Gruppen bestrebt wären, die Frage der Abänderung der Formen des politischen Lebens und mehrfach sogar der Verfassung auf die Tagesordnung zu setzen. Das geschicht inmitten der schwersten Wirtschaftskrise, von der das kapitalistische System seit seinem Bestande heimgesucht wird und die die Inter­essenten dieses Systems eigentlich veranlassen müßte, ihre Kräfte statt auf die Durchführung politischer Reformen auf Versuche zur Besei­maßnahmen auf große Schwierigkeiten. Infolge der Dunkelheit stießen die Hilfe- tigung oder doch Milderung der Krise zu konzen­Der trieren. von den abrutschenden Kohlenmassen erdrückt und Heizer des Zuges wurde nach der Entgleisung erstickte unter dem Kohlenberg. Der Lokomotiv­führer ist so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte.

Marchtrent bei der altestelle Ofterinen den Bahnhöfen Hörfing und der Dienstwagen und zwei Post wagen sind umgestürzt. Der anschließende Schlafwagen und die beiden Kurswagen nach Paris sind entgleist. Der Lokomotivhei­zer und ein Beamter wurde getötet, 14 Personen, alle Desterreicher, darunter sechs Postbedienstete, wurden verletzt. Sie wurden in die Spitäler nach Wels und Linz überführt. Oftering , 10. April. Die Generaldirektion der österreichischen Bundesbahnen hat eine Prä mie von 5000 Schilling für die Feststellung der Attentäter des Eisenbahnunglücks bei Oftering festgesetzt. Obgleich die polizeilichen Ermittlun gen noch nicht abgeschlossen sind, wird jetzt auch von den amtlichen Stellen mitgeteilt, daß mit dem Vorliegen eines Anschlage's gerechnet werden müsse. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Auch das Reuterbüro meldet, daß der Un­fall des Erpreßzuges auf einen Sabotageaft zu rüdzuführen ist.

erst mit dem Tender um. Die nachfolgenden wurden ineinandergeschoben, Eisenteile geriplit tert, die Holzwände eingedrückt. Nur drei Wagen des Fernzuges blieben auf dem Geleiſe ſtehen.

Es ist längst fein Rätsel, warum gerade in einer Zeit der Wirtschaftsnot und des größten Massenelends politische Systemänderungen aktuell zu machen versucht werden. Die großzen Massen sind unzufrieden, vielfach verzweifelt. jie suchen nach dem Schuldigen der zerstörten oder erschütterten Grundlagen ihrer Eristenz. Es gilt, sie von dem wahrhaft und einzig Schul­digen, dem Kapitalismus abzulenken, darum werden sie mit allen Mitteln einer gerissenen Reklame auf die Demokratie und den Parlamen

Ein größeres Unglüd ist nach Auffassung der Behörden nur dadurch verhindert worden, daß die schwere Lokomotive und die beiden fol­Das Denische Nachrichtenbüro bringt genden Postivagen an der Spitze des Zuges so Einzelheiten über das Eiſenbahnunglüd. Es fort entgleiſten und dadurch der Zug zum Still handelte sich um einen D- Zug Wien - Paris . stand tam. Während der Entgleisung waren in Das Unglück geschah dadurch, daß die den beiden Poſtwagen 16 Postbeamte tätig. Eisenbahnschienen auf einer län= Es ist festgestellt, daß an der Unglüdsjtätte tarismus als Urheber ihres Unglücks hingelenkt. geren Strecke abgeschraubt und schon zweimal Anschläge auf die Alle Versuche, die Wirtschaftskrise zu überwin­über den Bahngraben geworfen 2e it bahnstre de vorgekommen den, sind gescheitert und auch für die Zukunft worden waren. Der D- Zug fuhr in der sind, die bisher nur dank der überaus großen wird man ihnen kaum eine bessere Prognose Dunkelheit mit ungeheurer Wucht über die Wachsamkeit der dort tätigen Weichenwärter ver- stellen, vorläufig glaubt der Kapitalismus das Stelle hinweg, so daß die Lokomotive und zwei hütet werden konnten. einzige Mittel seiner Errettung in der Rechtlos. Personenwagen vollständig zertrüm- machung und Unterdrückung der Volksmassen mert wurden und drei weitere Personenwagen erblicken zu können. entgleisten.

Die Lokomotive liegt auf dem Bahntörper, die Räder ragen in die Luft. Der Mitropa­Schlafwagen, der stark beschädigt ist, hängt am Bahndamm. Kurz vorher hatte noch ein Zug die Strede durchfahren. Die Lokomotive stürzte zu

Eine Verhaftung

Die Polizei hat nun den Hilfsarbeiter Baumgartner verhaftet, der im Verdachte steht, an dem Anschlage beteiligt zu sein. Baumgartner soll auch mit den Anschlägen, die im Herbst 1932 und im Frühjahr 1933 auf Eisenbahnzüge ver übt worden waren, im Zusammenhang stehen.

Die Fahne der Internationale

Ein neues Bravourstück der illegalen Sozialdemokratie Wiens

gerettet

Prag , 10. April. Das teuerste Symbol der Wiener und österreichischen Arbeiterschaft, die Fahne der Internationale, ist unter abenteuerlichen Umständen den Klauen des siegreichen Heimwehr- Fascismus entrissen worden. Auf wochenlangen gefahrvollen Umwegen ist sie nun wohlbehalten bei der Auslandsvertretung der österreichischen Sozialdemokraten in Brünn ein­getroffen.

Ebensowenig wie anderswo ist auch bei uns bereits alles geschehen, um die durch die Krise in das Nichts geschleuderten Menschen in den Ar beitsprozeß zurückzuführen und die Arbeitslosen vor dem ärgsten Hunger zu schützen, aber doch halten manche Leute dafür, es gäbe nichts dring­licheres zu tun, als eine Aenderung der Struf tur unseres bisherigen politischen Lebens, das ist eine Abänderung der Wahlordnung. Es gibt nichts Vollkommenes in der Welt, auch die Wahlordnung des tschechoslowakischen Staates mag ihre Mängel haben, doch wird niemand leugnen, daß die Formen unserer Demokratic nicht dazu beigetragen haben, dem Staate größere Schwierigkeiten zu bereiten, daß; er vor Erschütterungen gewahrt geblieben ist und das; die Regierungen, die sich auf dieses System stügen, eine Stabilität aufweisen konnten, die sich mit jener vieler anderer Staaten wohl messen

Die Fahne war im Jahre 1924 von Ver- ter der Entschluß, dieses teuere Kleinod um jeden tretern der Internationale anläßlich einer großen Preis den Händen der Sieger zu entreißen. Durch fann. Die politische Geschichte des bald sechzehn­Massenfundgebung auf dem Sportplatz Hohe Einsatz von List und Verivegenheit ist es dann tat- jährigen Bestandes der Tschechoslowakischen Re­Warte wo in den blutigen Febertagen die fächlich gelungen, aus dem besetzten Gepublik läßt einen Wechsel oder eine Storrektur Artillerie postiert war, welche den Karl Marrhof bände heraus das Banner der In der politischen Formen keineswegs als eine bombardierte der Wiener Arbeiterbewegung als ter nationale zu bergen und auf den Lebensfrage des Staates oder Volkes erscheinen. Ehrenzeichen anvertraut worden. Seither stand Boden eines freien Landes in Sicherheit zu brin= dieses Banner bei vielen internationalen Kund- gen. Soweit die Details dieses waghalsigen Strei­gebungen, zuletzt anläßlich des Aufmarsches der ches heute schon preisgegeben werden dürfen, wird proletarischen Weltolympiade vor dem Wiener darüber noch ausführlich berichtet werden. Sozialistentongreß 1931, im Mittelpunkte begei sterter Sundgebungen.

Seitdem sich unsere Demokratie gegen ihre Widersacher entschieden zur Wehr gesetzt hat, wagen sich offene fascistische Bestrebungen nicht Die Fahne der Internationale befindet sich mehr unverhüllt ans Tageslicht. Die deutschbür derzeit in Obhut der Auslandsvertretung des gerlichen Parteien haben darum ihre eine zeit­Bei den Feberkämpfen verblieb die Fahne in republikanischen Schutzbundes und sie wird anläß lang eifrig betätigte heiße Liebe für den Fascis­einem von Polizei und Militär geſtürmten Arbei- lich der bevorstehenden Maifeiern Gegenstand be- mus irgendeiner Couleur noch nicht aufgegeben terheim zurück. Unmittelbar nach den Kampftagen fonderer Huldigungen der sozialdemokratischen und jede Annäherung an fascistische politische Entrechtungsmethoden erschiene ihnen willfom­reifte bei einer Gruppe sozialdemokratischer Arbei- Arbeiter der Tschechoslowakei sein. men, ohne Rücksicht darauf, ob dabei die natio nalen Interessen des sudetendeutschen Volkes in schwere Gefahr gerieten. Auch auf tschechischbür gerlicher Seite fehlt es nicht an Bewunderern der italienischen, deutschen und österreichischen Methoden, ohne Rücksicht auf das Bedenken, welches Ende einstens diese Systeme, die heute allerdings jedem gewissenlosen Ausbeuter als paradiesisch erscheinen müssen, in der Zukunft nehmen werden. Jedenfalls möchten deutsche und

In Kalkutta noch nie

dagewesen...

Ein Mohammedaner Bürgermeister.

lauf viele Mitglieder der Stadtverordnung den Sigungssaal verließen. Zum Vizebürgermeister wurde ein Hindu gewählt.

Sowjetgesandter in Budapest Kalkutta , 10. April. Bei der heutigen Bür­Budapest, 10. April. Der neuernannte Ge­germeisterwahl in Kaftutta wurde zum erstenmal ſeit dem Beſtande der Stadt ein Mohammedaner ſandie der Sowjetunion P et row ſki i, hatte zum Bürgermeister gewählt. Dieses Wahlergebnis gestern abends mit dem Ministerpräsidenten Göm­rief einen großen Aufruhr hervor, in dessen Vers bös eine einstündige Unterredung.