Nr. 245

Freitag, IS. Oktober 1834

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Das Leichenbegängnis In Belgrad Um Mitternacht auf Donnerstag wurde der Leichnam des Königs im Beisein der höchsten Staats- und Hofwürdenträger aus dem Schloß in die Kathedrale überführt; die Straßen waren trotz der späten Stunde von Menschen überfüllt. Um acht Uhr früh begannen die eigentlichen Beisetzungsfeierlichkeiten. Bereits in den ersten Morgenstunden hatten die Truppen, die Schul» linder und eine vieltausendköpfige Volksmenge die Straßenzüge von der Kathedrale bis zum Haupt» bahnhof , durch die sich der Kondukt bewegen sollte, umsäumt. Nach 7 Uhr begann die Auffahrt der offiziellen Persönlichkeiten und der ausländischen Delegationen zur Kirche. Um acht Uhr traf der französische Präsident Lebrun und kurz nachher der junge König Peter H. in Begleitung des Kö­nigs Carol von Rumänien , der Königin-Witwe und der übrigen Mitglieder der Familie und des HofeS ein.» Bei dem anschließenden Trauerhochamt hielt der Patriarch Varnava vor dem Sarge des Kö­nigs die Trauerrede. Dann wurde der Sarg auf eine Geschützlafette gehobm, während die jugo» slawischen, die französischen, die tschechoslowakt» scheu und rumänischen Truppenabteilungen die khrenbezeigung. leisteten. Gleichzeitig umkreisten mehr als ISO Militärflugzeuge, darunter auch di« Maschinen der befreundeten Staaten, die Kirche. Hierauf setzte sich unter dem Geläut« sämt­licher Belgrader Kirchenglocken der Trauerkondukt in Bewegung. Hinter dem Sarge schritt König Peter H, mit der Königin-Wittve Maria, den übrigen Mitgliedern der königlichen Familie, dem Präsidenten der Republik Frankreich Lebrun sowie den Mitgliedern der ausländischen Sonder» delegationen, weiters die Mitglieder der Regie» rungi des Senates und der Skupschtina, die Ber » tretet der jugoslawischen Städte u. OrtSgemein- den, der Städte Paris , Prag und Marseille , die jugoslawischen Staatswürdenträger, die Delega­tionen der einzelnen jugoslawischen Kreise, schließ» lich die ehemaligen Minister und Banuse, die na» tionalen und kulturellen Verein« und di« aktiven und Reserve-Offiziere. Um 10.80 Uhr langt« der Trauerzug am Wilsonplatz« vor dem Hauptbabnhofe an. Bor dem Sarg defilierten sodann die iugoslawifchen Trup­pen der Handarmee und der Kriegsmarine sowie die Abordnungen der französischen, der englischen, der rumänischen der tschechoslowakischen, der tür­kischen und der griechischen Armee und die Besitzer de» Ordens vom Karageorg-Stern. Während der Defilierung warfen di« über dem Wilsonplatz krei­senden Militärflieger Blumen ab. Dan« wurde der Lara in den Hofzug über­tragen, welcher sich um 11 Uhr so langsam nach Madenovae in Bewegung setzte. Auf dem gan­zen Wege hatte die Bauernbevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, sich in großer Zahl eingefun­den, um dem toten König di« letzte Ehre zu er­weisen. In Mladenowae wurde der Sarg auf einen Auwleichenwagen übertragen, worauf di« Fahrt nach Topola, der Gruft der Familie Karageorgeviö, fortgesetzt wurde. Lin Teil der Kränze wurde auf 22 Kamions vorangeführt. Um 14.30 Uhr langte das Leichenauto vor der Grufüirche St. Georg am Berg« Oplenae ein. Der Sarg wurde von 20 Frontkämpfern ge« hoben und durch ein Spalier kniender Geistlicher über di« hohen Stiegen in die Kirche getragen, wo die neuerliche Einsegnung erfolgte. Unter Vor­antritt de» Patriarchen, gefolgt von König Pe­ter ll. und der königlichen Familie, wurde der Sarg in die Krypta der Kirche getragen und neben der Gruft der Mutter des König» Alexander, der Fürstin gorka von Montenegro, beigesetzt. In die­sem Augenblick wurden in Topola, Belgrad und in allen Hauptorten der Banate Geschützsalute abgefeuert, während eine FliegereSkadrille über der Gruft in Topola kreiste. 15.000 Kränze Auf den Sarg des König» Alexander wur­den insgesamt 15.000 Kränze, darunter 150 sil­berne Kränze, niedergelegt. Zweielnhalbstündfge Konferenz zwischen Präsidenten Lebrun und UzunovIC Der Präsident der französischen Republik Lebrun empfing vor seiner Abreise den jugo» slawischen Ministerpräsidenten Uzunovik in Son- deraudienz, die zweieinhalb' Stunden dauerte. Auf dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung der Regentschaftsrat, die gesamte Regierung, die Minister Titulescu und Dr. Benes und zahlreiche andere Persönlichkeiten eingefunden. küclerelse der tschechoslowakischen Delegation Die tschechoslowakische Delegation mit Mini­sterpräsidenten Malhpetran der Spitze hat Donnerstag um 23 Uhr 15 Belgrad verlassen, um über Agram u. Linz nach der Tschechoslowakei zu­rückzukehren. Sie wird in Prag Samstag früh eintreffen. Minister Dr. Benes ist noch in Belgrab-ge- blieben, Wo Freitag eine Sitzung de» Ständigen Rates der Kleinen Entente stattfinden soll.

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Neue Heimstättenaktion für die arbeitslose Jugend

Genossen und Genossinnen, helft alle mit!

Die Arbeitslage r-Bewegung hat zwar in den letzten Monaten einen größeren Umfang LlAWKwen vor allem hgben. einzelne Städte dazu Veigetragen, aber die Hilfe für dieät- beitslose Jugend läßt im allgemeinen viel zu wünschen übrig. Auch die vom Fürsorgeministe­rium angeordnete Berücksichtigung von je 15 Pro­zent Jugendlichen bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten aus den Mitteln der produktiven Ar» beitslosenfürsorg« ist in Anbetracht der Tatsache unzureichend, daß mit dem Einsetzen der schlechten Jahreszeit die öffentlichen Arbeiten überhaupt eingeschränkt werden. So muß denn der Wiederbeginn der schon in den vergangenen Jahren bestens bewährten Heimstätten-Aktion vor allem von der arbeitslosen Jugend auf das freudigste begrüßt werden. Nach den Anordnungen deS Ministeriums für soziale Fürsorge wird die Heimstättenaktion diesmal in einem größeren Umfang durchgeführt als im Vorjahr: sie wird mehr Orte umfassen und längere Zeit dauern. Ihr Beginn ist mit dem 1. November festgesetzt, die BoraÄei« ten sind in vollem Gange. Mit der Organisie­rung sind die BezirkSkommisiion für Kinderschutz und Jugendfürsorge betraut. Sie werden von den Jugendverbänden, den Gewerkschaften und den Gemeinden unterstützt. Ueber die Möglichkeiten, die für die Heim­stättenaktion gegeben sind, schreibt dasPrävo Lidu", das Organ unserer tschechischen Genos­sen u. a.: Heuer im Winter werden eine Reihe neuer Heimstätten für die Jugend errichtet werden. In Gemeinden, in denen mindestens 80 ar­beitslose Jugendliche im Alter von 17 bis 20 Jahren, in außerordentlichen Fällen bis zu 24 Jahren sind, kann eine Heimstätte für aickeits- lose Jugendliche errichtet werden, und zwar so,

ver Millionenbetrug an der deutsch -völkischen Arbeiterschaft** dies der Titel einer Broschüre, welche dieser Tage im Berlage deS Verfassers, des ehemaligen Sekre­tärs der Nationalsozialisten in Mähr.-Schönberg, Alois Härtel, erschienen ist und der die Aufgabe zukommt, das Spiel mit den deutschvöl» tischen Arbeitern nach dem Zusammenbruch der Hakenkreuzgewerkschaft aufzudecken. Es ist in die­ser Broschüre nicht viel Neues enthalten, sondern nur die Bestätigung dessen, was die sozialdemo­kratische Presse nach der Gründung der neuen Ge­werkschaft, an welcher nacheinander die in der Arbeiterbewegung sehr wohlbekannten Leute, wie der Landbündler Jannausch, der ehemalige Nazi­senator Fahrner, dann Simon Stark und zwischen diesen der alsgerissener Geschäftsjude" bezeich-

daß aus Gemeindemitteln die kostenlose Bei­stellung der Räume, der Heizung und de» Lich- tesaewährt tvirdiind das Ministerium für so­ziale Fürsorge deckk dann aus seinen Mitteln die Verpflegung der Zöglinge und die Kosten der Verwaltung."- Bi» jetzt ist über die Errichtung von fünf­zehn Heimstätten in den deutschen Gebieten Böhmens entschieden, u. zw.: V i l i n, T e t» s ch e n, Dux. T e p l i tz- S ch ö n au, Koma­ta u, Gablonz , Kaaden , GraSlitz , Reichenberg. Falkenau. Schön- linde, Trauten«u, Aussig , K a r l s- bad. Warnsdorf. Für M ä h r e n ist die Errichtung folgender Heimstätten geplant: Neu-Titschein, Rö­mer stadt, Sternberg , Mäh r.-S ch ö n- berg. Mährisch-Trübau . Die Zahl und Einteilung der schlesi­schen Heimstätten sind noch nicht bekannt. Bon der arbeitenden Jugend werden eine Reihe weiterer Heimstätten gefordert. So vor allem für die ärgsten Notstandsgebiete: Haida, Steinschönau , Tannwald, Fried» lanb, Tachau , Brüx , Braunau , Arnau. Neudek , Eger. Freudental . E» wird nun die Aufgabe unserer Genossen in den Gemeinden und den Bezirkskommissionen für Kinderschuh und Jugendfürsorge sein, die Er­richtung der Heimstätten überall, wo es nur halb­wegs möglich ist, zu fordern und zu fördern. Auch die Jugendlichen selbst müssen auf den Plan tre­ten und sowohl ihre Ansprüche anmelden, al» auch mitarbeiten. Die Heimstättenaktion bringt eini­gen tausend junger Arbeitsloser Hilfe. Da müs­sen sich a l l e Genossen rühren. Wichtig ist e», auch der Errichtung von Heimstätten für Mädchen entsprechendes Augenmerk zuzuwenden.

nete Herr Dietze beteiligt waren. Härtel liefert den Nachweis, daß hier mit den Seelen armer hungernder Arbeiter und Arbeitsloser elender Schacher getrieben wurde, daß der eine den andern hereinzulegen versuchte und da» immer unter dem Schlagwort von der deutschen Treue. Schließlich aber macht der Verfasser der Broschüre all den Leuten, die an dieser Gewerkschaftsschieberei be­teiligt waren, den Borwurf des Millionenbetru­ges an armen Arbeitern und bezeichnet sie als geldhungrige, skrupellose Gesellen ärgster Art. Die Broschüre ist gewiß wert gelesen zu werden.

Mrd papen abberufen? Paris . Die AgenturRadio" berichtet aus Berlin , gerüchtweise verlaute, daß der neue reichs­deutsche Gesandte bei der österreichischen Regie­rung, Freiherr von Papen, demnächst abbe« rufen werden wird. Er soll durch einen Be­rufsdiplomaten ersetzt werden. In Berlin soll Unzufriedenheit mit Papen darüber herrschen, daß die Hoffnungen, die man in den neuen Gesandten in der Bundeshauptstadt gesetzt hatte, bisher keinerlei Verwirklichung ge­funden Hecken.

Konflikt Militär Polizei In Japan Tokio. (Tsch. B.-B.) Der Kaiser hat sich nach einem Vortrag des Ministerpräsidenten ent­schlossen, die Vorlage über die Reform der japa­nischen Verwaltung in Kwantung zu unter­zeichnen. ES handelt sich um Maßnahmen, um die seit ge­raumer Zeit zwischen den verschiedenen Ministerien ein heftiger Kampf geführt wurde. Ueberraschend war, daß auch die von der Reform betroffene Be« amtenschast dagegen Stellung genommen hat. Die Reform sieht vor, daß die Polizeibeam­te n in Kwantung in Zukunft demja panischen Kommandanten der Gendarmerie urterstellt werden. Die 5000 in Betracht kom­menden Polizeibeamten haben gegen diese vom Kriegsministerium mit allem Nachdruck befürwortete Neuordnung mit der Begründung Stellung genom­men, daß damit eine Militarisierung der Polizeibeamten verbunden sein werde. Wie die ZeitungKokumi" aus Hsinking und Dairen meldet, haben dort die gesamte Beamtenschaft und die 5000 Angehörigen der Polizei erklärt, daß sie den Dienst niederlegen werden. Der parla­mentarische Vizeminister im Ministerium für über­seeische Angelegenheiten, Tanaka, und mehrere füh­rende Beamte desselben Ministeriums sind demon­strativ um ihren Abschied«ingekommen. Wie die AgenturTetnsu" aus Kwantung meldet, soll das Militär bereit sein, in Port Arthur und in Dairen, wo sich die Zentrale der Opposition befinden soll, energisch durchzugreifen und die Gegenbewegung im Keime zu ersticken. Diese Meldung weist in den Zeitungen weiße Lücken auf, die anscheinend von der Zensur herrühren. In der bereits erwähnten kaiserlichen Entscheidung sind die Abschieds­gesuche sämtlicher Beamten, soweit eS sich nicht um parlamentarische Beamte handelt, a b ge­lehnt worden. Wie die Regierung erklärt, hofft sie, die Angelegenheit in durchaus fried­licher Form regeln zu können.

. Um die französisdie Verfassungsreform Pari». Blätterberichten zufolge hege Mini­sterpräsident Gaston Doumergue die Absicht, da» Parlament zu ersuchen, sich sofort nach seiner Einberufung, die wahrscheinlich zum 6. November stattfinden wird, über die Tagesordnung der außerordentlichen Nationalversammlung-session in Versailles auszusprechen, di« di« geplanten Ver­fassungsreformen noch vor Eröffnung der Debat­ten über die Regierungsdekrete und den Staats» Voranschlag für das kommende Jahr durchführen soll. Programm-Reform der Schweizer Sozialdemokratie Dem im Januar 1935 zusammentretenden Parteitag der Schweizer Sozialdemokratie soll ein erneuertes Parteiprogramm vorgelegt werden, in dem besonders die Stellung zur Demokratie und zur Wehrfrage geklärt werden soll. Die Demokratte wird im Programmentwurf als Kampfboden für den Sozialismus anerkannt und der illegale und konspirative Kampf al» ungeeig­net für eine Diassenpartei abgelehnt. Zur Wehr­frage wird im Programmentwurf erklärt, daß zur Abwehr fasciftifcher Gewaltangriffe und zum Schutz der schweizerischen Neutralität die Mittel für eine Miliz bewilligt werden, solange sie von der antikapitalistischen Volksmehrheit getragen ist.

Die Regreßvorlage wurde Donnerstag im Sudkomttee des sozialpolitischen Ausschusses wei­ter verhandelt. Die Vorteile des Paragraph 6 sollen auch auf Familienhäuser ausgedehnt wer­den, wo au» Terraingründen eine d r i t t« Woh­nung errichtet wurde. Dagegen sollen im Para­graph 7 jene Personen von den Vorteilen de» Pa« \ argraph 6 ausgeschlossen werden, welche ein be« ! sttmmte» Einkommen erreichen. Der Paragraph I 8 wird umstilisiert, der Paragraph 9 wurde un­verändert angenommen. Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten. DaS Fürsorgeministerium schreitet zur Durchführung der Anregungen, die bei der kürzlichen Enquete über die Förderung der Baubewegung borge» l bracht wurden. Zu diesem Zwecke will das Für« i sorgeministerium die Arbeitsmöglichkeiten auf ! dem Gebiet der öffentlichen Arbeiten, die von Gemeinden und Bezirken unternommen werden, feststellen. 8s hat ein Rundschreiben an die Be-

wenn auch sehr wesentliche Fragen gar nicht be ­rührt wurden, so vor allem die wichtigste: wie wurde der Gewerkschaftsverband deutscher Arbei-' zirksämter erlassen, um festzustellen, wie groß die ter in Aussig , den in der Broschüre charakterisier« Arbeitsmöglichkeiten in ihrem Bereich sind, und ten Hyänen überlassen? Was spielte sich innerhalb um die Gründe vor allem finanzieller Natur dieses Verbandes vor dessen Auflösung ab? Dar-\ zu erheben, die eventuell die Verwirklichung über wüßte Herr Härtel gewiß auch manches zu von öffentlichen Arbeiten feiten» dieser Selbstver­sagen; warum schweigt er dazu? i waltungskörper bisher verhindern